Schlagwort: Deutscher Buchpreis

Stephan Thome: Grenzgang (2009)

“Die Kuppen ihrer Finger streifen über seine Handflächen, bevor sie sich mit den anderen Fingern verschränken. So stehen sie still für einen Moment, ein Zwei-Personen-Rahmen für den enger werdenden Raum zwischen ihren Körpern. Spielraum.“ Stephan Thome, “Grenzgang”, 2009, Suhrkamp Verlag. Eine Frau, ein Mann. Mitte 40. Lebensentwürfe gescheitert. Gestrandet in der Provinz. Treffen einander. Irrungen

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Ursula Krechel: Landgericht (2012)

„Ja, Kornitzer hatte es sich genau überlegt. Er war kein Spieler, auch kein Utopist. Die Würde des Richteramtes und der Eid, den er bei seiner Ernennung geschworen hatte, Gehorsam der Verfassung, den Gesetzen und meinen Vorgesetzten und die Treue meinem Volk, Achtung gegenüber dem Willen der Volksvertretung, all das band ihn. Aber auch das Hervortreten

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Kurz&knapp: Neuerscheinungen 2/2016

Top!  Den vielen Lobeshymnen, die derzeit durch die Buchblogwelt zu Bodo Kirchhoffs „Widerfahrnis“ rauschen, kann ich nicht mehr viel hinzufügen: Ein Text, der einnimmt, der sprachlich überzeugt, eine Erzählung, die klug, ja lebensweise ist, Kopf und Herz in Beschlag nimmt. Hubert Winkels schrieb einmal über Kirchhoff: „In den Erzähltexten Kirchhoffs schälte sich in der Folge

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Eduard Mörike – Gebet

Gebet Herr! schicke, was Du willst, Ein Liebes oder Leides; Ich bin vergnügt, daß Beides Aus Deinen Händen quillt. Wolltest mit Freuden Und wolltest mit Leiden Mich nicht überschütten! Doch in der Mitten Liegt holdes Bescheiden. Eduard Mörike, 1867 „Die Welt im Rücken, werde ich nicht aufgeben. Die Hoffnung heißt: nie wieder manisch werden. Aber

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Lutz Seiler: Die römische Saison (2016).

„Wozu die Qual? Der Gedanke, alles sein zu lassen, stand im Raum und beruhigte mich. Ich sah Rom, und Rom war der Ort, wo das Schreiben aufgegeben werden konnte. Auf dem Rückweg von V. zur Villa Massimo machte ich einen Umweg über die Via Aurelia. Ich rannte nicht mehr, der Ausblick über die Stadt und

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Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren (2013).

„Preising war ob seiner eigenen Erzählung ganz betrübt. Alles hing ihm aus dem Gesicht. Die traurige Nase, die trockenen Lippen, die wässrigen Augen. Darauf konnte ich jetzt keine Rücksicht nehmen. „Was hast du damit bewiesen?“ fragte ich ihn unerbittlich. Ein verborgenes Wissen und Kümmernis über ebendies schien in seiner Antwort zu liegen. „Du stellst schon

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#dbp15: Frank Witzel glücklich in Frankfurt.

Wer zu spät kommt, den straft das Lesen: Unter den Long- und Shortlist-Titeln, die ich bei mir zuhause habe, habe ich mir als einziges Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 auf die Seite gelegt. Für dieses dicke Ding wollte ich mir Lesezeit im Winter nehmen. Nun hat Frank

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#dbp15 „Preisvergaben sind als demokratische Veranstaltungen nicht denkbar“: Kathrin Schmidt im Interview

Zwar lesen die Buchpreisblogger inzwischen schon die von ihnen ausgewählten Titel von der Longlist, doch der Blick geht nicht nur nach vorn: Wir baten auch die Autorinnen und Autoren der vergangenen Jahre, mit uns über ihre Erfahrungen mit dem Deutschen Buchpreis zu sprechen. Auf Buchrevier hatte Tobias Nazemi bereits Julia Franck im Gespräch, Mara von

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