Schlagwort: München

Da hab ich ein Leben lang Angst vor dem Sterben gehabt, und jetzt das!

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. „Und plötzlich schweifte mein Auge ab, vorn in der ersten Reihe saß noch einer, den hatte ich bisher nicht bemerkt, und das war: ER. Ein zaundürrer, langer Geselle, mit stakigen, spitzen Don-Quichotte-Beinen, mit winkligen, spitzigen Knien, einem Löchlein in der Hose, mit blankem, abgeschabtem Anzug. Sein Löchlein in

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Lesezeichen von: Helmut Dietl

Vor etwas mehr als einem Jahr ist er verstorben: Helmut Dietl, der ewige Stenz. Der personifizierte „Monaco Franze“. Der das gute Leben liebte, feines Essen, schnelle Autos und die Frauen sowieso. Aber vor allem ein Besessener war, wenn es um seine Lebensleidenschaft ging: Das Filmemachen. Das Literaturhaus München ehrt Dietl – ohne den die berühmte

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Katja Lange-Müller: „Drehtür“ (2016).

„Das Bedürfnis, dem Artgenossen beizustehen, das wir mit vielen Tieren teilen, selbst so niederen und unsympathischen wie Wespen oder Ameisen, nannten und nennen neunmalkluge Schwachköpfe Helfersyndrom, als sei das eine multiple, entsprechend komplizierte Krankheit, eine Psycho-Seuche, die nur Exemplare unserer Gattung befällt. Warum zum Henker soll es krank sein, den Mitmenschen gesund sehen zu wollen

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Bummeleien: Bernried, Buchheim und das Boot

Ich muss zugeben, ich habe noch nie ein Buch von Lothar-Günther Buchheim gelesen. „Das Boot“ (veröffentlicht 1973) steht zwar in meinem Regal, seit ich den Film (1981) gesehen habe, aber unbeachtet. Es ist einfach nicht mein „Genre“. Über den Maler, Fotografen und Verleger sowie Autoren, der temperamentvoll und klug über Kunst schrieb, vor allem die

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Erika und Klaus Mann: Das Buch von der Riviera (1931).

„Entschuldigen Sie, wir haben Sie ein bißchen kreuz und quer geführt, Ihnen zwar im Vorübergehen manches gezeigt, aber es war kein rechtes System drin. – Wo esse ich? Wo wohne ich? Wo trinke ich meinen Cocktail? Wo kaufe ich mir einen Kragen? Wo tanze ich? Wo langweile ich mich? Wo gebe ich, um Gottes willen,

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Bummeleien: 111 Orte in Augsburg. Biene und Stachelschwein.

Einige Male habe ich schon das Areal umrundet, aber bin immer noch nicht fündig geworden. Endlich, an diesem ruhigen Nachmittag, ein weiterer Spaziergänger. Als ich den älteren Herrn nach der Grabstätte der Sybilla von Leonrod frage, schaut er zunächst verständnislos. Doch plötzlich blitzen seine Augen auf, er lacht und meint: „Ach so, Sie wollen zum

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Lesezeichen von: Mark Forsyth

„Die Kunst des Buchhändlers oder der Buchhändlerin  besteht darin zu unterscheiden, welche Bücher er oder sie nicht ins Sortiment aufnehmen möchte. Es reicht nicht aus, gute Bücher anzubieten, man darf keine schlechten haben. Hätte eine Buchhandlung sämtliche Bücher im Angebot, wie groß wäre die Chance, das eine Buch zu finden, das Sie brauchen? Eine solche

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Tod und Amüsement in Davos und München

Lebewohl, Hans Castorp, des Lebens treuherziges Sorgenkind! Deine Geschichte ist aus. Zu Ende haben wir sie erzählt; sie war weder kurzweilig noch langweilig, es war eine hermetische Geschichte. Wir haben sie erzählt um ihretwillen, nicht deinethalben, denn du warst simpel. Aber zuletzt war es deine Geschichte; da sie dir zustieß, mußtest du`s wohl irgend wohl

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Erich Kästner und Kurt Tucholsky – am Ende doch unvergleichlich

„Aus der Gesamterscheinung dieses Mannes kann ich nicht ganz klug werden. Diese Verse sind wunderbar gearbeitet, mit der Hand genäht, kein Zweifel – aber irgendetwas ist da nicht in Ordnung. Es geht manchmal zu glatt, das sollte man einem deutschen Schriftsteller nicht sagen, dieses Formtalent ist so selten!“ Kurt Tucholsky 1929 in der Weltbühne über

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Lesezeichen von: Oskar Maria Graf

Das hat ja fast schon etwas von einem chinesischen Glückskeks: Wer von Oskar Maria Grafs Tellerchen im Literaturhaus München gegessen hat, stößt am Grunde des Tellers, in der Tiefe der Tasse, nach dem Schmausen und Bechern, auf ein OMG-Zitat. Was davon in die Praxis umgesetzt wird, das möge jeder für sich selbst entscheiden… Das spezielle Münchner OMG-Denkmal

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Albert Ostermaier: Seine Zeit zu sterben (2013).

„Und Ödon überwand seine Angst und ging die Stufen hinab in den feuchten Keller, wo die Äpfel lagerten, die sündigen Äpfel, wo der Wein an der Wand ruhte, Blut von meinem Blut, in den Gefriertruhen das Fleisch vom Eis wartete, wo die Schinken an der Decke hingen, überzogen mit Zeit, wo die Fallen aufgestellt waren,

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#fluchtgeschichten – Blogparade rund um das Literaturfest München.

Im November startet das Literaturfest München – vom 18.11. bis zum 6.12. kommen namhafte Autoren aus aller Welt: Adonis, Umberto Eco, Anne Enright, Judith Holofernes, Navid Kermani, Adolf Muschg, Martin Mosebach, Ursula Poznanski, Salman Rushdie, Rüdiger Safranski, Zeruya Shalev, Madeleine Thien, Ilija Trojanow und Najem Wali. Man darf sich auf ein dezidiert politisches Programm freuen

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Stefan Zweig: „Wir brauchen einen ganz anderen Mut!“

Als die alte Welt vor Hass zu lodern beginnt, ist auch er zur Flucht gezwungen: Stefan Zweig, einer der Verfechter des europäischen Gedankens, verlässt 1935 Salzburg. Auch England ist nur Zwischenstation, 1940 emigriert er mit seiner Ehefrau Lotte nach Brasilien. Am 14. Juni 1940 schreibt Stefan Zweig in seinem Tagebuch über die bürokratischen Schwierigkeiten, die

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Essen mit Oskar Maria Graf: Niemand kann allein sein.

Wer in München unter dem Stichwort „Oskar Maria Graf-Denkmal“ nach einer Statue sucht, wird vergeblich suchen. Die Münchner haben dem Schriftsteller, der eng mit ihrer Stadt verbunden ist, ein ganz eigenes, ihm angemessenes Andenken gesetzt – sozusagen ein ganzes Kaffeehaus als Kulturort und Denkmal zugleich. Das hätte Graf, bayerisches Urgestein und Weltbürger zugleich, der den

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