Lily Brett: The Auschwitz Poems (1986)

„Darf man nach Auschwitz noch Gedichte schreiben? Oder vielmehr, darf man über Auschwitz Gedichte schreiben? Die Antwort ist verdächtig (und wahrscheinlich unvermeidlich:) dialektisch. Nein, über Auschwitz kann nichts geschrieben werden. Doch, ja, man kann über die verschiedenen Formen des Schweigens schreiben, die Auschwitz umgeben: das Schweigen der Schuld, der Scham, des Schreckens und der Sinnlosigkeit. […]

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#lithund: Jack London und die wilden Hunde

„Und wenn er in stillen, kalten Nächten die Nase auf einen Stern richtete, und ein langes, wolfartiges Geheul ausstieß, so waren es seine toten, längst zu Staub zerfallenen Vorfahren, die den Kopf gen Himmel richteten und über die Jahrhunderte hinweg ihr Geheul aus ihm ertönen ließen. Und die Lautfolgen, die er ausstieß, waren ihre Lautfolgen, […]

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Frank Duwalds Liebesreigen der Literatur (6): Geschrieben für dich

Sylvia Brownrigg – Geschrieben für dich (2002) Originaltitel: Pages for You Übersetzt von Andrea Krug Bei der Auswahl der für diese Kolumne in Frage kommenden Titel, ist mir aufgefallen, wie viele Romane eine Liebesgeschichte beinhalten, aber wie wenige nur tatsächlich ausschließlich den detaillierten Verlauf einer solchen beschreiben. Mag es vielleicht daran liegen, dass es eines […]

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Nathan Hill: Geister (2016)

Es ist wieder einmal an der Zeit für ein „Gemischtes Doppel“: Florian Pittroff,  der hier ab und an als Gastautor Bücher vorstellt und ich haben – zumal der Verlag auch die Bloggerlandschaft großzügig mit Leseexemplaren bedachte – zufälligerweise parallel „Geister“, den Debütroman des amerikanischen Autors Nathan Hill gelesen. Und wie es oft so ist: Es […]

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#MeinKlassiker (19): Manhattan Transfer – eine Komposition der Großstadt

Hinter dem Blog „Feiner reiner Buchstoff“ stecken mehrere Autoren – was für eine interessante Mischung in der Buchauswahl sorgt. Ich finde hier immer wieder schöne Leseanregungen. Mit Brigitte, kurz Bri, eine „der üblichen Verdächtigen“, verbindet mich ein intensiverer Austausch, da wir beide eine Neigung zur amerikanischen Literatur und eine fast schon schwärmerische Verehrung für den […]

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#MeinKlassiker (18): Mit der Glasglocke fand Jana Issel Zugang zu Klassikern

Auf ihrem Blog „Wissenstagebuch“ bietet Jana Issel „eine Gabel für die Suppe der Weisheit“. Ich bin erst vor kurzem auf ihren Blog gestoßen und löffle seither die Suppe gerne mit: Jana schreibt über die Lektüren, die ihr begegnen – nicht an Neuerscheinungen orientiert, nicht am Mainstream. Mir macht es viel Freude, im Wissenstagebuch zu blättern […]

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#MeinKlassiker (17): Marc Richter präsentiert mit Stephen King einen ungewöhnlichen Gast

Marc Richter vom Blog „Lesen macht glücklich“ ist immer für eine Überraschung gut. So zog er auch bei #VerschämteLektüren keinen unterirdischen Kitschroman, keine Schmonzette oder ein gar seltsames Kinder- oder Jugendbuch aus dem Hut, sondern überrumpelte uns mit Günter Grass. Und auch bei #MeinKlassiker geht Marc andere Wege, als erwartet – lest hier, womit er uns diesmal glücklich […]

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Zelda Fitzgerald: Himbeeren mit Sahne im Ritz (1948/2016)

„Die Blätter der Ulmen schablonierten ein schwarzes Fries auf den Gehweg, und hemdsärmelige Männer ließen hohe, warme, nach Gummi riechende Wasserbögen auf Prunkwinden und Bermudagras niedergehen, bis die Luft von einem frischen Grasduft erfüllt war und die Damen hinter den dichten Blumenranken eine kurze Weile ohne Fächer auskamen. Die ganze Stadt wartete auf die abendliche […]

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Henry James: Die Europäer (1878). Die Gesandten (1903)

Es mag ein Zufall gewesen sein, aber zum 100. Todestag von Henry James veröffentlichten zwei Verlage zwei Romane in neuer Übersetzung, die am Anfang und Ende seines Schaffens stehen – und einen thematischen Kreis schließen. Zu Beginn seiner Karriere lässt Henry James die Europäer in die Vereinigten Staaten kommen – gegen Ende suchen die Amerikaner […]

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Richard Yates: Eine letzte Liebschaft.

„Betty“, sagte Miller. „Tust du mir einen Gefallen?“ Er beobachtete, wie sich ihr Stirnrunzeln im Licht der vorbeigleitenden Straßenlaterne in einen gekränkten Blick verwandelte. „Halt den Mund. Halt bitte einfach den Mund.“ Richard Yates, „Eine letzte Liebschaft. Short Storys“, Deutsche Verlags-Anstalt, 2016. Eins und doppelt möchte man sein. Die romantische Idee des Ineinander-Verschmelzens, die regelmäßig […]

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Frank Duwalds Liebesreigen der Literatur (4): Der große Gatsby

F. Scott Fitzgerald – Der große Gatsby (1925) Originaltitel: The Great Gatsby Übersetzt von Lutz-W. Wolff Die Liebe in der Literatur ist ja oft eine Sache von großem Edelmut und hochstilisierter Reinheit. Unter welcher Verkommenheit eine solche Liebe begraben werden kann, zeigt uns F. Scott Fitzgerald in Der große Gatsby, jenem so raffiniert komponierten Roman, […]

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Edward Lewis Wallant: Der Pfandleiher (1961).

„Eine Winzigkeit, er wußte noch nicht, was es wohl wäre, würde ihn an diesem Tag entzweibrechen, und die dunkle Kraft dieses Wachsen in ihm würde ungehindert hervorbrechen und sich ihm in der Sekunde, bevor sie ihn zerstörte, zu erkennen geben. „Heute ist der Achtundzwanzigste … meine Jahrzeit, meine Jahrzeit“, sagte er, als er hinter dem […]

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Richard Yates: Eine strahlende Zukunft (1984).

  „Scheiß auf die Kunst“, sagte sie. „Das meine ich ernst, Michael. Scheiß auf die Kunst, okay? Ist es nicht witzig, daß wir ihr ein Leben lang nachgejagt sind? Daß wir unbedingt all denen nahestehen wollten, die sie zu begreifen schienen, als könnte uns das weiterhelfen; daß wir nie aufhörten, uns zu fragen, ob sie […]

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Thomas Wolfe: Von Zeit und Fluss (1935).

“Was ist dieser Traum der Zeit, dieses seltsame und herbe Wunder des Lebens? Ist es der Wind, der die Blätter fliehend die kahlen Wege hinantreibt? Ist es das stürmische Jagen jähzorniger Tage, das sturmesschnelle Vorüberziehen einer Million Gesichter, allesamt verloren, vergessen, entschwunden wie im Traum? Ist es der Wind, der über die Erde hinwegfegt, ist […]

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Joseph Mitchell: Old Mr. Flood – Von Fischessen, Whiskey, Tod und Wiedergeburt (2015).

Mein Bekannter Mr. Hugh. G. Flood, ein zäher, dreiundneunzigjähriger ehemaliger Abbruchunternehmer mit schottisch-irischen Wurzeln, erklärt gerne, dass er felsenfest entschlossen ist, bis zum Nachmittag des 27. Juli 1965 zu leben, wenn er hundertfünfzehn Jahre alt wird. „Mehr will ich gar nicht“, sagt er. „Ich will nur hundertfünfzehn werden. Das reicht mir.“   Joseph Mitchell. „Old […]

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