#MeinKlassiker (31): Bernhard Rusch spaziert mit James Joyce durch Dublin

Autor, Zeichner, Verleger und noch einiges mehr: Bernhard Rusch ist ein Multitalent. Ein Portrait von ihm findet sich hier auf dem Blog paperwork, ein Einblick in seine Arbeiten unter Elwood. Bernhard Rusch ist zudem Kopf der Vereinigung und Herausgeber des gleichnamigen Magazins applaudissiment. Beim Blick in das wunderbar gemachte Magazin hätte ich bei Bernhard eher vermutet, […]

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Ein Bummel durch Istanbul mit Sait Faik

„An Sommersonntagen wirkt Istanbul wie ausgestorben. Durch Beyoğlu schleppen sich nur wenige Passanten, ein paar Kindern schlüpfen in ein Kino. Betäubt von der Hitze gehen in ihren schwarzen Kleidern zwei Frauen von der Kirche nach Hause. Hinter der Scheibe eines Kaffeehauses dösen weltentrückte Rentner. So ist Istanbul am Sonntag eben. Aber passen Sie auf, ich […]

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#MeinKlassiker (29): „Ich wollte nur mal Danke sagen“ – Ulrike Schäfer über Marie Luise Kaschnitz

Mit ihrem Erzählband „Nachts, weit von hier“, der 2015 beim Verlag Klöpfer & Meyer erschien, hat mich die Schriftstellerin Ulrike Schäfer gefangen: Mich begeisterte diese zurückgenommene, ruhige Art ihres Schreibens, ich mochte die Art des Erzählens, die Raum lässt. Und so war ich sehr gespannt auf ihre Klassikerin – aber auch nicht sehr überrascht, als […]

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Im Ministerium für öffentliche Erregung: Zwischen Konfuzius und Emanzipation

„Sie sang in der Hoteldusche in Penang. Die Badezimmertür war geschlossen, aber vom Bett aus konnte ich sie hören. Es war ein Doppelbett. Sie sang ein Medley aus Beatles-Refrains, aber sie hatte alle Texte verändert. Sie hatte die Stimme einer Frau, die tausend Zigaretten geraucht hatte. Sie kam heraus und sang „All You Need Is […]

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#MeinKlassiker (24): Wolfgang Borchert und ein eindringlicher Appell an die Leser heute

Als mich Birgit von Sätze&Schätze fragte, ob ich nicht auch einen Beitrag schreiben wolle, war ich zunächst ratlos. Ich hatte schon hin und wieder überlegt, welchen Klassiker ich wählen würde, bin aber nicht so recht einig mit mir geworden. Auch schien mir die Messlatte der vorgestellten Beiträge zu hoch, als dass ich da mithalten könnte. […]

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Zelda Fitzgerald: Himbeeren mit Sahne im Ritz (1948/2016)

„Die Blätter der Ulmen schablonierten ein schwarzes Fries auf den Gehweg, und hemdsärmelige Männer ließen hohe, warme, nach Gummi riechende Wasserbögen auf Prunkwinden und Bermudagras niedergehen, bis die Luft von einem frischen Grasduft erfüllt war und die Damen hinter den dichten Blumenranken eine kurze Weile ohne Fächer auskamen. Die ganze Stadt wartete auf die abendliche […]

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Richard Yates: Eine letzte Liebschaft.

„Betty“, sagte Miller. „Tust du mir einen Gefallen?“ Er beobachtete, wie sich ihr Stirnrunzeln im Licht der vorbeigleitenden Straßenlaterne in einen gekränkten Blick verwandelte. „Halt den Mund. Halt bitte einfach den Mund.“ Richard Yates, „Eine letzte Liebschaft. Short Storys“, Deutsche Verlags-Anstalt, 2016. Eins und doppelt möchte man sein. Die romantische Idee des Ineinander-Verschmelzens, die regelmäßig […]

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Irmgard Keun und ihre Pippi Langstrumpf anno 1918

  „Wenn sie meinen, ein Kind hätte keine Sorgen, dann ist das dumm von ihnen. Immer sagen sie: Ach, so eine sorglose Kindheit, nie kommt sie wieder. Aber ein Kind hat bestimmt viel mehr Sorgen als ein Erwachsener.“ Irmgard Keun, „Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften“, 1936, Neuauflage 2016 bei Kiepenheuer & […]

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Kurz&knapp: Neuerscheinungen 1/2016

Bittermann, Klaus: „Sid Schlebrowskis kurzer Sommer der Anarchie und seine Suche nach dem Glück“ (2016): Deutsche Provinz in den 1970er-Jahren: Der Zufall bringt die beiden Ausreißer Nancy von Westphalen, 16 Jahre alt, der die snobistische Adelsfamilie aufgrund ihres Hangs zum ausgiebigen Fluchen ein Tourette-Syndrom andichtet, und Sid, Sohn eines trinkenden und prügelnden Möchtegern-Boxers zusammen. Sie […]

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Annette Pehnt: Lexikon der Angst (2013).

„Mit dem Engel hat er schon Erfahrungen gemacht, als er noch ein Kind war. Er spielte so vor sich hin, gerade mal vier oder fünf, mit dem Krempel, den seine Eltern ihm gekauft hatten, da erschien ihm ein Engel, der kein Blatt vor den Mund nahm. Du bist, sagte der Engel mit einer erstaunlich hohen […]

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Donald Ray Pollock: Das Handwerk des Teufels (2012).

– Ein Gastbeitrag von Bernd Hohlen – Arvin Russels Vater Willard gibt seinem Sohn zwei Sätze mit auf den Weg. Der Erste: »Wenn  das nächste Mal einer mit dem Mist anfängt, dann will ich, dass du es zu Ende bringst«. Der Zweite: »Du musst nur den richtigen Augenblick abwarten«. Um diese zwei Aussagen zu beherzigen, […]

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Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe (2016)

„Mein Leben begann ruhig, ich wohnte in Bergbaustädten und zog zu oft um, um Freunde zu haben. Ich suchte mir einen Baum oder einen Platz in einem alten verlassenen Hüttenwerk und saß in der Stille. Meine Mutter las normalerweise oder schlief, und so sprach ich meistens mit meinem Vater. Sobald er zur Tür hereinkam oder […]

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Niederlande erlesen (3)

Heute ein kurzer Blick auf Neuerscheinungen aus den Niederlanden, wie sie anderswo empfohlen werden: „Ein Brautkleid aus Warschau“: Der Roman von Lot Vekemans erhält mehr als positive Besprechungen – Samy von der Kulturbuchhandlung Jastram empfiehlt ihn als ein Buch für die nächsten Jahre, Masuko13 berichtet von einer Lesung der Autorin bei „We read Indie“ und […]

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Ulrike Schäfer: Nachts, weit von hier (2015).

„Es waren dann doch schöne Tage, die Tage vor Bernds Ankunft. Draußen an der Feuerstelle saßen wir beinahe eng beieinander, unser Schweigen erwärmte sich. Einmal legte Roland die Hand auf mein Knie, behutsam, wir waren Berührungen nicht mehr gewohnt, so weit hatten wir uns voneinander entfernt. Ich schob meine Hand in seine, und wir beobachteten […]

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George Saunders: Zehnter Dezember (2014).

„Wenn man Geschichte studierte, Kulturgeschichte, dann kam einem die eigene Epoche kleinlich vor. Es gab verschiedene Theorien der Einwilligung. In biblischen Zeiten konnte ein König über ein Feld reiten und sagen: Die da. Und dann wurde sie zu ihm gebracht. Und sie wurden ordentlich vermählt, und wenn sie einem Sohn das Leben schenkte, super, holt […]

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