Schlagwort: Kurt Tucholsky

Lili Grün: Mädchenhimmel! (2014)

Geliebter Freund (Auszug) Zum Schluß meinst du, ich soll dir Antwort schreiben, Natürlich nur in dein Geschäft, Denn deine junge Frau, sie könnte drunter leiden, Und wenn sie meinen Brief erwischt, Dann ging`s Dir schlecht. Geliebter Freund, ich hab` dir nichts zu sagen; Denn du bist fremd und fern und alles ist vorbei. Ich hab`

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Arnold Zweig: Der Streit um den Sergeanten Grischa (1927)

Mit einer Art erschöpften Stimme begann Posnanski, während der alte Herr seinen Kaffee, schwarz, stark gesüßt, ausnippte: „Wir sind keine Jünglinge. Unsre Gefühle haben die Pflicht, den Weg über Einsicht und Erwägung zu nehmen, bevor sie in die Entschlußsphäre münden…Uns ist vollkommen klar, in einer Zeit wie dieser sieht Schieffenzahn das Leben eines Einzelnen so

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#meinklassiker: Ist nichts so alt wie das Buch von gestern?

Fritz J. Raddatz klagte wenige Wochen vor seinem Tod in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“: „Was man wissen könnte, wird weggebürstet durch Schnelligkeit. Schnelligkeit taugt nicht für Kultur. Die braucht Zeit. Zeit, um die „Buddenbrooks“ zu lesen, zu verstehen, nachzulesen: Wie war das mit Tony und mit Herrn Grünlich? Das ist alles weg. Es

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Da hab ich ein Leben lang Angst vor dem Sterben gehabt, und jetzt das!

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. „Und plötzlich schweifte mein Auge ab, vorn in der ersten Reihe saß noch einer, den hatte ich bisher nicht bemerkt, und das war: ER. Ein zaundürrer, langer Geselle, mit stakigen, spitzen Don-Quichotte-Beinen, mit winkligen, spitzigen Knien, einem Löchlein in der Hose, mit blankem, abgeschabtem Anzug. Sein Löchlein in

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Wir und Weimar: Eine „Literatour“ zurück

„Wo sind sie, die Romane, die sich nicht nur mit dieser Innerlichkeit des Individuums beschäftigen, als gebe es sonst nichts, worüber ein Nachdenken lohnt? Wo sind die Romane, die, seismografisch fast, aufnehmen, was in unserem Land gerade erodiert?“ Fragen, die Claudia auf dem Buchpreisblog in ihrer Polemik zum Deutschen Buchpreis 2016 stellt – sie stellt

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Erich Kästner und Kurt Tucholsky – am Ende doch unvergleichlich

„Aus der Gesamterscheinung dieses Mannes kann ich nicht ganz klug werden. Diese Verse sind wunderbar gearbeitet, mit der Hand genäht, kein Zweifel – aber irgendetwas ist da nicht in Ordnung. Es geht manchmal zu glatt, das sollte man einem deutschen Schriftsteller nicht sagen, dieses Formtalent ist so selten!“ Kurt Tucholsky 1929 in der Weltbühne über

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Irmgard Keun: Nach Mitternacht (1937).

„Natürlich ist mein Leben hier eine Hölle“, sagt Heini, ernst und ruhig, „aber was soll ich denn draußen? Ohne Geld, ohne Möglichkeit, Geld zu verdienen. Ohne Glaube an Gott, ohne Glaube an die Menschen, ohne Glaube an Kommunismus und Sozialismus, ohne Glaube an Änderung und Besserung in den nächsten Jahrzehnten. Ich habe die Menschen geliebt,

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Kurt Tucholsky. In dunklen Zeiten ist der Konjunktiv ein Trost.

Drahtetsofortobhiesigenmälarsee- zwecksbewässerungkäuflicherwerben- wolltwassergarantiertechtallerdingsnur- zuschwimmzweckengeeignetfasthoch- achtungsvollfritzchenundkarlchenwasser- oberkommissäre. Kurt Tucholsky, „Schloß Gripsholm“, 1931. Noch einmal den Sommer festhalten, bevor er geht. Geht das denn? War er denn groß, dieser Sommer? Am Thermometer gemessen wohl schon. Aber trotz der blendenden Helligkeit. Er war auch: Düster, dieser Sommer. Ein politisches Klima, das seine Schatten vor die grelle Sonne schob.

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Kurt Tucholsky: Deutschland, Deutschland über alles (1929).

„Ein Bild sagt mehr als viele Worte“: Tucholsky war schon früh begeistert von dem Medium der Photographie als Mittel des Ausdrucks und der Satire. 1929 verwirklichte er das Vorhaben eines „Bildbandes“, aber Tucholsky wäre eben nicht Tucholsky gewesen, wäre dies ein „Photoalbum, das man auf den Geburtstagstisch legt“. 1929 erschien „Deutschland, Deutschland über alles“: Ein

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Kurt Tucholsky: Der Mensch (1931).

Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenns ihm gut geht, und eine, wenns ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion. Der Mensch ist ein Wirbeltier und hat eine unsterbliche Seele, sowie auch ein Vaterland, damit er nicht zu übermütig wird. Der Mensch wird auf natürlichem Wege hergestellt, doch empfindet er dies als

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Walter Bauer: Die Stimme (1961).

„Die friedlose Erde rundete sich und besaß wieder Tag und Nacht in ihrer Ordnung. Ich spreche vom Glück. Verstehen Sie? Ich wage das Wort zu sagen in einem glücklosen Jahrhundert, das in die Luft fliegen kann. Ich spreche nicht von der Dauer des Glückes; ich spreche von Augenblicken – von jenen Augenblicken, in denen ich

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Kurt Tucholsky: Herr Wendriner und das Lottchen (1930/2014).

„Man kommt zu gar nichts mehr. Ich denk jetzt so oft an den Tod. Quatsch. Doch, ich denk oft an den Tod. Das kommt von der Verdauung. Nein, das kommt nicht von der Verdauung. Man wird älter. Wie lange sind wir jetzt schon verheiratet…Nu, für sie ist ja ausgesorgt, so weit bin ich schon, Gottseidank.

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