Vincent van Gogh, der Himmel und diese verdammte Hand

„Als ich eines Nachts keinen Schlaf finden konnte, öffnete ich das Fenster meines Zimmers, stützte die Ellbogen auf den Rahmen und betrachtete den Himmel über dem in Dunkelheit getauchten Garten. Der Himmel hatte die Farbe von Veilchen. Millionen von Sternen funkelten. Zum erstenmal wurde ich mir dieser gewaltigen Unendlichkeit bewußt, die ich mit den anrührenden […]

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Jérôme Ferrari: Predigt auf den Untergang Roms (2012).

„André wird bald nach Algerien abreisen, und Marcel  neidete seinem Schwager dessen abenteuerliches Leben, das so schmerzhaft im Gegensatz stand zu der Leere seines eigenen, er sah das Kolonialreich nicht zusammenbrechen, er hörte nicht einmal das dumpfe Knirschen seiner angeschlagenen Fundamente, denn er war vollständig auf das Zusammenbrechen seines eigenen Körpers konzentriert, den Afrika mit […]

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Honoré de Balzac: Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken

„Dieser Kritiker ist mit einem Wort beschrieben: Langeweile. Der Junge langweilt sich und versucht, alle anderen mitzulangweilen. Sein Ausgangspunkt ist der Neid; aber er verleiht seinem Neid und seiner Gelangweiltheit Format.“ Ordnung: Kritiker; Gattung: Der große Kritiker; Art: Der Scharfrichter „Frankreich hat den größten Respekt vor allem, was langweilt. Darum gelangt der Vulgarisator im Nu […]

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Andreas Föhr: Eisenberg (2016)

Ein Gastbeitrag von Florian Pittroff, http://www.flo-job.de Die Tegernsee-Krimis von Andreas Föhr habe ich verschlungen und war deshalb anfänglich doch eher skeptisch – warum jetzt was Neues? Kommissar Wallner und sein ewig grantelnder Kollege, Polizeiobermeister Kreuthner kommen doch gut an. Lokalkolorit, Spaß und doch spannende Krimilektüre. Jetzt also Frau Dr. Rachel Eisenberg. Die Ermittlerin diesmal eine […]

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Von der Eifersucht, dem grünäugigen Monster.

Der Brief, den du geschrieben Der Brief, den du geschrieben, Er macht mich gar nicht bang: Du willst mich nicht mehr lieben, Aber dein Brief ist lang. Zwölf Seiten, eng und zierlich! Ein kleines Manuskript! Man schreibt nicht so ausführlich, Wenn man den Abschied gibt. Heinrich Heine Recht hat er, der gute Heine, wie meist, […]

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Erika und Klaus Mann: Das Buch von der Riviera (1931).

„Entschuldigen Sie, wir haben Sie ein bißchen kreuz und quer geführt, Ihnen zwar im Vorübergehen manches gezeigt, aber es war kein rechtes System drin. – Wo esse ich? Wo wohne ich? Wo trinke ich meinen Cocktail? Wo kaufe ich mir einen Kragen? Wo tanze ich? Wo langweile ich mich? Wo gebe ich, um Gottes willen, […]

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Heinrich Heine: Shakespeares Mädchen und Frauen (1838).

„Es wird mir flau zu Mute, wenn ich bedenke, dass er am Ende doch ein Engländer ist, und dem widerwärtigsten Volke angehört, das Gott in seinem Zorne erschaffen hat. Welch ein widerwärtiges Volk, welch ein unerquickliches Land! Wie steifleinen, wie hausbacken, wie selbstsüchtig, wie eng, wie englisch!“ Heinrich Heine, „Shakespeares Mädchen und Frauen“, erstmals erschienen […]

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Die „Zeit“ meint: Diese Bücher überdauern die Zeit.

Da behaupte noch mal einer, auf „die Blogger“ höre niemand: Kaum tauschen Maren und ich uns aus über die Frage, ob es auch für jüngere Leser (Mitt-Dreißiger und drunter) so etwas wie einen literarischen Kanon gibt (nachzulesen ist das „Gespräch“ unter den „Lese-Omas“ bei meinen zehn Fragen zu Büchern), da startet die ehrwürdige Zeit dieses […]

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Anthony Doerr: Alles Licht, das wir nicht sehen (2014)

Ich nenne es eine Pulitzer-Preis-Verschwörung: Es muss in der Jury in den vergangenen Jahren insgeheim die Entscheidung gefallen sein, im Bereich Belletristik vor allem Bücher auszuzeichnen, die durch ihr Volumen bestechen. Seitenmasse vor literarischer Klasse. Nun haben sie wieder zugeschlagen, die Liebhaber des dicken Buches – die jüngste Auszeichnung ging an Anthony Doerr, dessen Roman […]

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Karim Miské: Arab Jazz (2012).

Wer etwas über die innere Befindlichkeit einer Gesellschaft erfahren möchte, ist mit Kriminalliteratur nicht schlecht bedient. Wenn sie denn auch noch so hervorragend flüssig geschrieben ist wie das Romandebüt des Journalisten und Filmemachers Karim Miské. Bereits ab 2006 arbeitete der Pariser, Sohn eines Mauretaniers und einer Französisin, an „Arab Jazz“ (was den deutschen Verlag dazu […]

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Albert Cohen: Die Schöne des Herrn (1968).

„Erklären Sie auch die Gründe für die Verführungswut Don Juans. Denn in Wirklichkeit ist er ja keusch und hat nicht viel für diese Bettgefechte übrig, findet sie eintönig und primitiv, lächerlich im Grunde. Aber sie sind unerlässlich, damit die Frauen ihn lieben. So sind sie nun mal. Sie bestehen darauf. Und er braucht ihre Liebe. […]

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Djuna Barnes: Paris, Joyce, Paris (1922).

„Als ich eines Abends aus dieser Kirche kam, schaute ich ins Café Aux Deux Margots hinein und trank ein Glas Wein, während Joyce, James Joyce, der Autor des verbotenen Ulysses, über die Griechen sprach. Ein ruhiger Mann, dieser Joyce, mit dem Hinterkopf eines afrikanischen Götzen, lang und flach. Dem Hinterkopf eines Mannes, der mit der […]

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