Schlagwort: Berlin

Thomas Hettche: Pfaueninsel (2014)

Die Preußenherrscher wollten hier ihr eigenes Arkadien schaffen: Auf der Pfaueninsel im Wannsee. Abseits von Berlin sollte für die Friedrich Wilhelms ein Rückzugsort entstehen, eine Idylle. Das künstliche Paradies erforderte seinen Preis, wie Thomas Hettche in seinem wunderbaren Roman aufzeigt. Hier, auf der Pfaueninsel, diesem kaum anderthalb Kilometer langen Eiland, gibt Hettche auch der kleinwüchsigen Marie und ihrem zwergenhaften Bruder eine Heimat:

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Andreas Föhr: Eisenberg (2016)

Ein Gastbeitrag von Florian Pittroff, http://www.flo-job.de Die Tegernsee-Krimis von Andreas Föhr habe ich verschlungen und war deshalb anfänglich doch eher skeptisch – warum jetzt was Neues? Kommissar Wallner und sein ewig grantelnder Kollege, Polizeiobermeister Kreuthner kommen doch gut an. Lokalkolorit, Spaß und doch spannende Krimilektüre. Jetzt also Frau Dr. Rachel Eisenberg. Die Ermittlerin diesmal eine

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Berliner Bloggertour: Anders müde als Ringelnatz

Müde in Berlin Wenn die Gedanken sich zerstreut Aus dir entfernen, So, daß kein schönes Bein dich freut, Und eine trübe Feuchtigkeit Hängt über dir, unter den Sternen, — Wo willst du hin um solche Zeit? Schön ist zum Beispiel die Peltzer-Bar. Aber müde Menschen sind undankbar. Geh heim und lege dich zur Ruh. Du

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Georg Fink: Mich hungert (1929).

„Unterernährung – das war der Trumpf, den die Gesellschaft ausspielte. Nicht gegen den Krieg, aber gegen die Feinde. O, Krieg ist Krieg. Macht dem Krieg ein Ende, und es gibt keine Feinde! Die Ursache wolltet ihr bestehen lassen, und ihr empörtet euch moralisch über ihre Folgen. Unterernährung – Wir kannten sie von jeher. Man hat

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„Berlin 1936“: Keine Goldmedaille für Oliver Hilmes

„Und Adolf Hitler? Der Reichskanzler nimmt an dem Empfang seiner Regierung nicht teil. Wie alles in diesen Olympiatagen, so ist auch Hitlers Fernbleiben Teil einer Inszenierung. Er kultiviert das Bild des unermüdlich arbeitenden „Führers“ und treusorgenden Übervaters, dem Amüsement und Geselligkeiten nichts bedeuten. Hitlers Popularität erreicht im Sommer 1936 einen Höhepunkt und wirkt nun auch

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Don Quijote in Brandenburg. Juli Zeh: „Unterleuten“ (2016).

„Er blieb auf der Lichtung, bis es dämmerte. Immer weiter starrte er in Richtung des Landstreifens, auf dem in wenigen Monaten Krönchens Zukunft aus Stahlbeton und Aluminium errichtet würde. Endlich war auch in Kron das 20. Jahrhundert zu Ende gegangen, diese Epoche des kollektiven Wahnsinns. Mit einem kleinen Schritt war er in der Gegenwart angekommen,

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Eva Menasse: Quasikristalle (2013).

„Sallys spontane Liebe zu Berlin bestand genau darin, dass man untertauchen, in Parallelwelten leben konnte, von deren Existenz jemand wie Xane nichts ahnte. Die Stadt kam Sally vor wie eine fernsehturmhohe Schichttorte; jeder grub sich in seiner sozialen Lage horizontal voran. Die hauchfeinen, transparenten Trennscheiben dazwischen waren schwer überwindbar.“ Eva Menasse, „Quasikristalle”, 2013, Kiepenheuer &

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Best Buddys: Ringelnatz, Sintenis und der Bär

BÄR AUS DEM KÄFIG ENTKOMMEN Was ist nun jetzt? Wo sind auf einmal die Stangen, an denen die wünschende Nase sich wetzt? Was soll er nun anfangen? Er schnuppert neugierig und scheu. Wie ist das alles vor ihm so weit Und so wunderschön neu! Aber wie schrecklich die Menschheit schreit! Und er nähert sich geduckt

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Franz Kafka ringt mit und um Felice Bauer

Brief an Felice Bauer, 21.,22. und 23. Juni 1913 21.VI 13 Liebste, auch das und vielleicht das vor Allem berücksichtigst Du in Deinen Überlegungen nicht genug, trotzdem wir schon viel darüber geschrieben haben: daß nämlich das Schreiben mein eigentliches gutes Wesen ist. Wenn etwas an mir gut ist, so ist es dieses. Hätte ich dies

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Hans Christoph Buch: Sansibar Blues (2008).

„… und als du auf der Dachterrasse ein nasses Laken zur Seite schiebst, stockt dir der Atem beim Rundblick über die Stadt: Hinter rostroten Wellblechdächern blaut das Meer, dessen Brandung ein Fischerboot durchsticht, während eine Flotte von Dhaus vor der Hafeneinfahrt kreuzt, die bunt geflickten Segel von der Abendbrise gebläht.“ Hans Christoph Buch, „Sansibar Blues

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Sling: Der Mensch, der schiesst (1928/2014).

„Der Mensch, der schiesst, ist ebenso unschuldig wie der Kessel, der explodiert, die Eisenbahnschiene, die sich verbiegt, der Blitz, der einschlägt, die Lawine, die verschüttet. Alles tötet den Menschen, auch der Mensch tötet den Menschen. (…) Die Menschheit sucht sich gegen die Gewalt und die Willkür der Natur durch allerhand Erfindungen zu schützen, zum Beispiel

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Alfred Polgar: Marlene. Bild einer berühmten Zeitgenossin (1938/2015).

„Es war die zweite von links, die, im kritischen Augenblick, den Revolver hob und die Kanaille niederschoss. Sie schoss von einer Treppe herab, die im Hintergrund sich wendelte, sie blieb dort stehen, als die Tat getan war, und sah auf das Opfer mit einem Blick, in dem Uninteressiertheit, kindliche Neugier, Müdigkeit und Gefühl schicksalhaften Unvermögens

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