Schlagwort: Buch

Lesezeichen von: Monika Maron. Vom Schreiben, Scheitern, Gelingen.

„Worüber zu sprechen ich mich hier aufgefordert fühle, ist etwas sehr Intimes, über das ich öffentlich eigentlich gar nicht sprechen möchte. Mir wurde zwar gesagt, ich dürfe dieses Amt gestalten, wie ich es wünsche, aber das ändert nicht viel, denn auf jeden Fall soll ich ja über Bücher sprechen und über das Schreiben und über

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Miroslav Nemec: Die Toten von der Falkneralm (2016)

Miroslav Nemec, den viele als Ivo Batic aus dem Münchner „Tatort“ kennen, hat einen Krimi geschrieben. Dass er sich nun – ganz als er selbst – zur Hauptfigur seines Romans macht und dabei natürlich in Sachen Mord ermittelt, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Nemec soll bei einem „Mörderischen Wochenende“ aus einem Krimi von Henning Mankell

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Frank Duwalds Liebesreigen der Literatur (2): Der englische Patient

Michael Ondaatje – Der englische Patient (1992) Originaltitel: The English Patient Michael Ondaatje ist schon so ein Fall für sich. Ich denke, er weiß ganz genau, dass er mit seiner Zuckerbrot-und-Peitsche-Strategie die Emotionsreichen unter seinen Lesern ziemlich weit an ihre Grenzen bringt. Denn, wenn es in weiten Teilen dieses Romans ein Defizit gibt, dann ist

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Irmgard Keun und ihre Pippi Langstrumpf anno 1918

  „Wenn sie meinen, ein Kind hätte keine Sorgen, dann ist das dumm von ihnen. Immer sagen sie: Ach, so eine sorglose Kindheit, nie kommt sie wieder. Aber ein Kind hat bestimmt viel mehr Sorgen als ein Erwachsener.“ Irmgard Keun, „Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften“, 1936, Neuauflage 2016 bei Kiepenheuer &

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Frank Duwalds Liebesreigen der Literatur (1): Was vom Tage übrigblieb

Kazuo Ishiguro – Was vom Tage übrigblieb (1989) Originaltitel: The Remains of the Day Es gibt literarische Bilder, die man nie mehr vergisst. Eines davon ist für mich die weinende Haushälterin Miss Kenton in Kombination mit dem sich außen vor der Tür herumdrückenden Butler Mr. Stevens in Was vom Tage übrigblieb von Kazuo Ishiguro. Man

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Fragen an die Leser: Wie sieht euer Literaturkanon aus?

Ein Zwischenfazit des Sommergesprächs, das wir (Wolfgang Schnier, Matthias Engels und ich) gestern hier veröffentlicht haben, könnte nach den Kommentaren wohl lauten: DEN einen Kanon gibt es nicht – aber solche Überblicke über wichtige Werke der Literatur können eine gute Orientierungshilfe sein. Im Grunde erlesen sich passionierte Leser ihren eigenen, persönlichen Kanon. Daher kurz und

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Annette Pehnt: Lexikon der Angst (2013).

„Mit dem Engel hat er schon Erfahrungen gemacht, als er noch ein Kind war. Er spielte so vor sich hin, gerade mal vier oder fünf, mit dem Krempel, den seine Eltern ihm gekauft hatten, da erschien ihm ein Engel, der kein Blatt vor den Mund nahm. Du bist, sagte der Engel mit einer erstaunlich hohen

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Neue Rubrik: Kurz & knapp

Für Schnellleser. Zwischendurchbesucher. Für meine Schreibfaulphasen. Für Bücher, die man auch in drei Sätzen umreißen kann. Für Bücher, die zu gut sind, um sie in langen Rezensionen durchzuwalzen. Kurzhäppchen. Appetitmacher. Abwinkereien. Abbruchlesungen. Geheimtipps. Spezialtipps. Und überhaupt. Die neue Rubrik: Kurz & knapp besprochen und querbeet durch das Bücherregal. Die Seite wird immer wieder aktualisiert –

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Ferdinand von Schirach: Terror (2015).

Ferdinand von Schirachs „Terror“ ist ein Buch von bedrückender Aktualität. Plötzlich hat man Paris wieder vor Augen. Der Text stellt die Frage, wie wir künftig leben wollen. Muss man sich in Zeiten wie diesen für die Freiheit oder für die Sicherheit entscheiden? Ist die Würde des Menschen trotz Terror unantastbar oder doch antastbar? Schirach macht

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Bummeleien: 111 Orte in Augsburg. Biene und Stachelschwein.

Einige Male habe ich schon das Areal umrundet, aber bin immer noch nicht fündig geworden. Endlich, an diesem ruhigen Nachmittag, ein weiterer Spaziergänger. Als ich den älteren Herrn nach der Grabstätte der Sybilla von Leonrod frage, schaut er zunächst verständnislos. Doch plötzlich blitzen seine Augen auf, er lacht und meint: „Ach so, Sie wollen zum

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Die mehrfach talentierte Mrs. Highsmith

„Warum sollte es erstaunlich sein, daß viele Schriftsteller gerne zeichnen oder bildhauern? Vielleicht versuchen sich einige hie und da auch im Komponieren. Alle Künste sind eins, und jede Kunst – auch das Ballett – ist ein Mittel, Geschichten zu erzählen.“ Patricia Highsmith, „Zeichnungen“, 1995, Diogenes Verlag „Sie war nicht nett“: Mit diesem Satz beginnt die

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Mrs. Highsmith und Mr. Ripley. Mörderisches Traumpaar.

„Aber er fühlte sich einsam. Es war anders als der Eindruck, allein und doch nicht allein zu sein, den er in Paris gehabt hatte. Er hatte sich ausgemalt, daß er einen fröhlichen neuen Freundeskreis erwerben und ein neues Leben beginnen würde, ein Leben voller neuer Ansichten, Haltungen und Gewohnheiten, die denen, die er sein ganzes

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Ian McEwan – Schuld und Unschuldige

  Die jüngsten Coups des britischen Schriftsteller Ian McEwan machten Furore: „Honig“, jene Geschichte um Liebe und Verrat zwischen einer jungen Spionin und einem Schriftsteller, wurde in Zeitungsrezensionen und in der Bloggerwelt hoch gelobt. In „Honig“ kommt Ian McEwan, der in frühen Jahren als Talent ebenso wie als „enfant terrible“ der britischen Literaturszene gefeiert wurde,

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Roger Willemsen: Deutschlandreise (2002)

Der Pabba bestellt sich einen Champagner Rosé, dreht sich zu den Umsitzenden wie einer jener Hartgummi-Cowboys, die sich nur noch um die eigene Taille drehen können, und setzt noch einen drauf: noch die Blattsalade mit Tausend-Eiland-Dressink und die Flasch Wasser. Herrlich, so ein Sonntag in der Fußgängerzone Heidelberg, findet er und eröffnet das Gespräch mit

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