Wer hier bloggt und warum

kiwiböll-1024x768Der/die/das Blog musste schon erst einige Jahre alt werden, bevor ich mich zu dieser Selbstvorstellung durchringen konnte (aber führende Literaturblogger sagen, das sei wichtig, also mache ich, was gesagt wird).

Wieso die Prokrastination? Die Gründe sind mannigfaltig.

Einige meiner Freunde behaupten, eine meiner besten Eigenschaften sei es, dass ich mich selbst nicht so wichtig nehme.

An manchen Tagen finde ich das okay, an anderen – an denen ich mich furchtbar wichtig nehme – regt mich das fürchterlich auf.

Ich war der Annahme, meine schillernde Persönlichkeit (einige meiner Freunde behaupten auch, ich hätte einen starken Hang zur (Selbst-)Ironie) würde durch die besprochenen Bücher dringen und das müsse genügen.

Und das ganze Internetdingens war mir auch unheimlich – nicht zu viel preisgeben, war und ist meine Devise.

Aber dennoch – ein bisschen was soll sein, damit ihr wisst, wem ihr hier folgt (und ob ihr meinem Geschmack noch weiter trauen könnt).

Also, Augen zu und durch:

Geboren im März 1966 unter dem Sternzeichen Fisch, Aszendent Skorpion. Gute Mischung von Sensibilität und Stacheligkeit. Aufgewachsen in einer oberschwäbischen Kleinstadt und früh vom Drang getrieben, in die Welt zu wollen. Geführt hat das nicht weit, sondern in eine bayerische-schwäbische kleine Großstadt (Augsburg). Hauptsache, nicht München.

Ansonsten ziemlich talentfrei in die Welt geworfen: Sämtliche sportliche Aktivitäten meiner Kindheit und frühen Jugend endeten mit kleineren und größeren Katastrophen und beim Hausarzt, im schlimmsten Fall in der Krankenhausambulanz. Ich wollte Geigerin werden, aber meine pragmatischen schwäbischen Eltern schickten mich in den Klavierunterricht – schließlich stand das Piano der Oma ungespielt herum. Ein Scheitern als Straßenmusikerin wurde somit im Keim erstickt. Und egal, welche Farben man mir in die Hand drückte: Es kam immer ein dunkelbrauner Klecks heraus.

Blieb also nur das Schreiben: Mein von mir verehrter Deutschlehrer meinte, als ich etwa 15, 16 Jahre alt war, ich hätte das Zeug zur Journalistin. Nachdem die einzig andere denkbare Alternative – eine Buchhandelslehre – an meinen nicht vorhandenen Rechenkünsten scheiterte, legte ich mich ins Zeug, volontierte bei einer Tageszeitung, studierte später ein wenig Politik, Philosophie und lateinamerikanische Literatur, war dann lange Zeit freiberuflich tätig und bin heute als Pressesprecherin einer bayerischen „Gebietskörperschaft“ tätig.

Warum ich lese:

Wie oben angedeutet, mangels anderer Talente für übliche Freizeitbeschäftigungen.
Und weil ich eher kopf- und herzlastig denn muskelaffin bin.

Oft lese ich mit Erstaunen, Begeisterung und heimlichen Neid die tollen Liebeserklärungen anderer Blogger über das Lesen und die Literatur. Es ärgert mich, dass mir so etwas nicht über die Lippen respektive auf das Papier kommt. Aber auch da bin ich die pragmatische Schwäbin: Ich lese halt, weil es mir wichtig ist …

Was ich lese:

Nach vier Lesejahrzehnten kommt einiges zusammen, bilden sich Vorlieben heraus. Neben der Literatur der Weimarer Republik, die für mich eine der lebendigsten Epochen der deutschsprachigen Literatur ist, ist ein Leseschwerpunkt die nordamerikanische Literatur. Wieso? Wo mir manches Mal die Bauchnabelperspektive der deutschen Autoren zu tief ging, fand ich hier tolle, kraftvolle Erzählungen. Aber auch hier gilt: Die Mischung macht es, Innenschau wie Außensicht sind mir in Romanen wichtig.
Auf dem Blog noch unterrepräsentiert sind die Literaturen der Welt – vom magischen Realismus Südamerikas bis hin zu den Erzählungen Afrikas, die sich aus jahrhunderteralter Tradition speisen. Sich lesend durch die Welt zu bewegen – das sind die schönen Reisen, die auch im Alltag möglich sind.

Warum ich blogge:

Siehe oben.

Oder auch: Lesen ist ein einsames beziehungsweise heikles Geschäft. Im wahren Leben sind mehrere Anläufe mit Literaturzirkeln gescheitert – ich hab so eine besserwisserische Ader und gehe gerne mit professoralen Erklärbären in den Clinch.

Es gibt dennoch das Bedürfnis nach Austausch mit anderen lesenden Menschen sowie natürlich ein Quäntchen Mitteilungsneurose (ich könnte statt Blogbeiträgen ja auch ein Lesetagebuch still vor mich hinführen). So entstand der Blog, der sich stetig füllt und wächst und mich auch zu einer anderen, intensiveren Art des Lesens und der Auseinandersetzung mit Literatur geführt hat.

Nach einiger Zeit des Bloggens zeigte sich jedoch dessen schönste Seite für mich: Die der Begegnung im echten Leben. Es macht einfach Freude, wenn man Menschen, mit denen man digital vernetzt ist und dabei eine Wellenlänge spürt, begegnen darf – und meist wird dann gar nicht so viel über Literatur gesprochen, sondern über Gott und die Welt.

Was wieder einmal die Wirkungsmacht von guten Büchern zeigt: Sie führen uns zu neuen Ufern.

Eure Birgit

31 comments on “Wer hier bloggt und warum”

  1. “ eine Buchhandelslehre – an meinen nicht vorhandenen Rechenkünsten scheiterte“ Eine häufige, wenn auch selten kommunizierte Schwierigkeit. Es ist halt ein kaufmännischer Beruf. Bei mir war es allerdings so, dass ich in der Berufsschule erstmals kapiert habe, WARUM Rechnen nützlich ist, und bis zum Dreisatz hab ich’s dann schon geschafft. Am Gymnasium war ich nie besser als 4, oft genug auch 6 in Mathe. Hast Du eine Lehre abgebrochen?

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    1. Ja, da haben wir eine ähnliche Mathekarriere – ich pendelte ebenfalls zwischen 4 und 6 :-). Nach dem Abitur habe ich erst einmal ein Jahr als freie Mitarbeiterin bei Ulmer Zeitungen gejobbt und auf eine eventuelle Chance auf ein Volontariat gehofft. In der Zeit bewarb ich mich auch für eine Buchhandelslehre – und war nach den ersten zwei Vorstellungsgesprächen ziemlich ernüchtert. Zu meinem – wirtschaftlichen – Glück klappte es dann mit einer Ausbildung bei der Zeitung. Persönlich träume ich aber immer noch von einem Buchladen …

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  2. Wie schön, dass du dich zu seiner Selbstvorstellung durchgerungen hast (die Anonymitätsaffinität im Internetdingens verstehe ich vollkommen, gruselig diese endlosen Weiten). Ab jetzt werden deine Beiträge mit einem Gefühl besseren Kennens und gleichbleibenden Schätzens zur Kenntnis genommen! Was hat dich gerade zur lateinamerikanischen Literatur geführt? Die Eltern haben wirklich vorausschauend gehandelt, meine ziehen mich heute noch mit den schaurig-schiefen Erstlingstönen, die ich damals aus der Geige gequält habe, auf. Viele Grüße!

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    1. Danke Dir … das ist nett (das gleichbleibende Schätzen 🙂 ). Ich hatte – eben in den entscheidenden Jahren, in denen die Persönlichkeit besonders beeinflusst wird – einen Freund, der war Drucker bei Ebner Ulm. Die haben damals (weiß nicht, ob es heute noch so ist) die ganzen Suhrkamp-Taschenbücher gedruckt (diese typischen einfarbigen Cover blau, grün, braun, orange) und so kam ich nicht nur zu sehr viel Hesse & Brecht, sondern auch bald zu Vargas Llosa und vor allem Cortazar!!! und anderen lateinamerikanischen Autoren bei Suhrkamp. Und fing Feuer. Mein Glück war auch, dass an der Universität Augsburg mit Thomas Scherer, der leider sehr früh verstarb, ein richtiger „aficionado“ lateinamerikanischer Literatur lehrte. Meinen Plan, den ganzen Kontinent zu bereisen, konnte ich zwar noch nicht umsetzen, aber das kommt noch!

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      1. Zum Einstieg vielleicht erst einmal etwas „leichteres“, „Der Verfolger“ beispielsweise. Ganz begeistert war ich von „Die Autonauten auf der Kosmobahn“, vor einiger Zeit wieder bei Suhrkamp erschienen. Naja, und um Rayuela kommt man dann auch nicht herum: Beim ersten Lesen, muss ich gestehen, habe ich vieles nicht verstanden, aber das Buch sog sich förmlich in mich rein (oder auch anders herum, ich sog es ein).

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  3. Schön, Dich etwas näher kennenzulernen. Bei mir war es auch der Mangel an heimischen Gesprächspartnern, mit denen ich mich über Bücher unterhalten konnte, mich im Netz umzuschauen. Ohne dem hätte ich aber auch manch schöne Bücher nicht entdeckt. Viel spaß weiterhin beim Bloggen und Lesen.

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  4. Liebe Birgit, freut mich, etwas mehr über Dich zu erfahren. Wie schade, dass wir so weit auseinander wohnen. Sonst könnten wir uns eines Tages mit dem Buchladen zusammenschmeissen. Du kennst die vielen Bücher und hast die Kontakte zu den guten Verlagen und ich übernehme das Rechnen. 🙂

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    1. Liebe Peggy, hätte ich das geahnt, dann hätte ich euch natürlich dringlich von Dubai abgeraten und euch nach Augsburg gelockt – hier sind die Häuser zwar nicht so hoch und glitzernd, aber dafür gibt es Schnee :-)Na, vielleicht klappt es ja eines Tages …

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  5. Na, du traust dich was! Aber im Ernst, ich teile das mulmige Gefühl, im Internet zu viel preiszugeben. Um so schöner, mehr von dir zu erfahren. Aber auch in deinen Beiträgen schwingt schon eine Menge mit. Das macht es doch aus – der persönliche Zugang zum Buch.
    Musikalisch und sportlich ticken wir ähnlich. Und malen kann ich auch nicht. Aber tztztz, eine 4 – 6 in Mathe? Abgründe tun sich da auf. 😉
    Also auf ins grüne Ruhrgebiet. Ich bring dir Rechnen bei, und du bringst mir die Latein-Amerikaner näher. Bei denen hab ich so meine Schwierigkeiten, bzw tiefe Unkenntnis.
    Liebe Grüße von Fisch zu Fisch

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    1. Liebe Marion, Fische, die rechnen können, sind in etwa so häufig wie fliegende Fische – du bist ja eine echte Exotin. Ins Ruhrgebiet komme ich gerne mal, aber nie nicht unter Androhung von Mathenachhilfe – da ist der Zug einfach abgefahren. Und erstaunlicherweise habe ich auch ohne fast 51 Jahre überlebt 🙂 Aber ich bringe Dir gerne ein paar Lateinamerikaner mit, hihi! Liebe Grüße Birgit

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  6. Liebe Birgit! Ich war ja eigentlich auch der Meinung gewesen, dass ein blog für sich allein stehen kann, ohne viel über den, der da bloggt verraten zu müssen. Aber schon nach der kurzen Zeit, die ich hier unterwegs bin, habe ich das Gefühl, dass es doch viel persönlicher zugeht hier, zumindest in der weiten Welt der Buchgemeinde. Deshalb habe ich gerade heute beschlossen, mal etwas über mich zu schreiben. Und bei dir, wie auch in Sachen Lektüre, Orientierung gesucht. Und siehe da: Ich könnte deinen Beitrag eigentlich fast 1:1 copy und pasten (über das Honorar würden wir uns schon einig), nur ein wenig bayrisch-schwäbisches durch hessisches ersetzen, ein Lebensjahr dazu zählen und – eitel wie ich bin, muss ich das erwähnen – Mathe war immer eines meiner starken Fächer. Ich danke dir für diese wunderbare Vorstellung und die Bestätigung, dass meine Skrupel nicht ganz unverständlich sind. Und jetzt werde ich mich mal an einer bescheideneren Vorstellung meiner Person versuchen. Liebe Grüße!

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      1. Sorry, ich dachte ich hätte das schon mal getan, mich vorzustellen, oder schon der Höflichkeit halber mit Liebe Grüße, Petra zu enden. also ich bin Petra, Reich, deshalb das Literaturreich 😉

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  7. also… Hätten wir nicht Klavier spielen müssen, (ich teile dieses Schicksal) hätte ich dich irgendwann auf der Straße angetroffen, mit deiner Geige in der Hand und dich gefragt, ob ich dich auf der Gitarre begleiten darf. Und vielleicht hätte ich dich zur Verzierung und, damit sie ein Unikat geworden wäre, meine Gitarre mit braunen Farbklecksen bemalen lassen.
    Mit dem Klavier wird das nix mehr. Es steht nicht bei mir. Ich habe extreme Rückenschmerzen davon bekommen, es durch die Straßen zu schieben. Und die braune Farbe hält einfach nicht auf dem Lack. Bei jedem Regen geht sie wieder ab. Ich habe es vor einer Buchhandlung abgestellt. Hier schaut es jetzt durch die beschlagene Scheibe der Buchhändlerin bei der Abrechnung zu.

    Sehr sympathisch deine „wer hier bloggt und warum“- Kategorie!

    Herzlichen Gruß!

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  8. Ich muss die Regel von der Ausnahme sein, habe ich es doch trotz miserabelsten Mathekenntnissen (4-6 kommt auch bei mir hin) letztendlich zum Buchhändler und sogar zum Abteilungsleiter geschafft. 😉 (Inzwischen bin ich aber leider nicht mehr im Buchhandel tätig) Wobei ich gestehe, dass ich in diesem Fach auch erst auf der Berufsschule (Schulen des Deutschen Buchhandels in Seckbach, jetzt Medien-Campus) Fortschritte erzielt habe, da mich der dortige Lehrer unglaublicherweise für diese grausig-notwendige Naturwissenschaft begeistern konnte.

    Selbst kann ich mit so einer Nabelschau auf einem Blog auch wenig anfangen, aber wie du sagst: Es ist doch irgendwie notwendig und bringt zudem eine persönliche Note mit rein. Man erkennt, warum derjenige sein Projekt aus der Taufe gehoben hat. Und dass es bei Dir die Liebe zum Schreiben und der Literatur ist, kann man ja kaum übersehen.

    Weiterhin viel Erfolg für Deinen tollen Blog, viele Sätze und noch mehr Schätze!
    LG Stefan

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  9. Wie schauerlich, beinahe wäre mir deine schöne, selbst-ironisch entspannte Vorstellung durch die Lappen gegangen. Und wie nett, Mathematik und Sport, öhm, obwohl am schlimmsten war Chemie …
    Ja, es ist ein schmaler Grat bei der Frage zu bewältigen, wie viel man auf einem Blog preisgeben möchte. Gerade bei dir gefällt mir das Mischungsverhältnis sehr, werden die Buchvorstellungen dadurch oft farbiger, interessanter, individueller, ohne dass es ins Beliebig-Labrige abgleitet. Ich kann mir schon die Bloggerwelt ohne deinen Blog gar nicht mehr denken. Also weiterhin viele Schätze für dich und uns. Ach, und mit den Südamerikanern fremdel ich auch, da darfst du gern noch ein bisschen Nachhilfe leisten 🙂
    LG, Anna

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    1. Liebe Anna, danke für Deinen lieben Kommentar. Zum Ausdrucken und Einrahmen 🙂 Mit den Südamerikanern lasse ich mir jedoch noch Zeit – ich hab hier ein paar aktuelle Sachen liegen und dann gab mir eine bekannte Bloggerin den Auftrag, den Zauberberg in der Klassiker-Reihe vorzustellen 🙂 Da bin ich gut beschäftigt! LG Birgit

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