Ingeborg Gleichauf: Poesie und Gewalt. Das Leben der Gudrun Ensslin (2017)

Auf den ersten Seiten der Biografie von Ingeborg Gleichauf heißt es irgendwann: “Die junge Gudrun Ensslin hat nichts Eigenbrötlerisches, Strenges oder gar Verbissenes. Ihr Hauptcharakterzug scheint in der Tat eine große Aufgeschlossenheit (…) zu sein.“ Und am Ende des Buches steht dann: “Im Gefängnis und während des Prozesses sind ihr die Worte, deren unendliche Möglichkeiten […]

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Kurz & knapp & bibliodivers – was für Augen, Ohr & Hirn

„Bibliodiversität basiert auf Respekt vor anderen, auf einem dynamischen Gleichgewicht der Gesellschaft und auf der Ablehnung von Monokulturen. Pornografie, Rassismus, Sexismus, Homophobie sowie auch die Diskriminierung aufgrund von Religion, Ethnie, (Nicht-)Behinderung, Alter, Kaste, Klasse und Sexualität entstehen durch fehlenden Respekt vor und – im schlimmsten Falle – Hass auf andere.“ Susan Hawthorne, „Bibliodiversität. Manifest für […]

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Ernst Glaeser: Jahrgang 1902 (1928).

„Pfeiffer sammelte weder Granatsplitter, noch klebte er auf die Flaschen die Photos der Generäle. Pfeiffer hatte auch keine Landkarte, auf der er die Front absteckte, nicht einmal ein schwarz-weiß-rotes Abzeichen oder einen Stempel: „Gott strafe England!“ Statt dessen machte er Botengänge, kehrte manchen Bürgern Samstags die Straße und verdiente damit monatlich 3,50 Mark, die er […]

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Zwickauer Literaturfrühling 2017 – die Gesprächsrunde am Samstagabend

Ursprünglich veröffentlicht auf Heute schon gelesen …?:
Am kommenden Mittwoch beginnt der Zwickauer Literaturfrühling. Wie im letzten Jahr wird es am Samstagabend (29.04.2017, 19.30 Uhr) eine Gesprächsrunde geben – diesmal zum Thema „Unabhängige Verlage – Licht- und Schattenseiten“. Mit dabei sein werden Petra Seitzmayer, Birgit Böllinger, Stefan Weidle und Klaus Kowalke. Wir haben sie vorab…

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Vincent van Gogh, der Himmel und diese verdammte Hand

„Als ich eines Nachts keinen Schlaf finden konnte, öffnete ich das Fenster meines Zimmers, stützte die Ellbogen auf den Rahmen und betrachtete den Himmel über dem in Dunkelheit getauchten Garten. Der Himmel hatte die Farbe von Veilchen. Millionen von Sternen funkelten. Zum erstenmal wurde ich mir dieser gewaltigen Unendlichkeit bewußt, die ich mit den anrührenden […]

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Jérôme Ferrari: Predigt auf den Untergang Roms (2012).

„André wird bald nach Algerien abreisen, und Marcel  neidete seinem Schwager dessen abenteuerliches Leben, das so schmerzhaft im Gegensatz stand zu der Leere seines eigenen, er sah das Kolonialreich nicht zusammenbrechen, er hörte nicht einmal das dumpfe Knirschen seiner angeschlagenen Fundamente, denn er war vollständig auf das Zusammenbrechen seines eigenen Körpers konzentriert, den Afrika mit […]

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François Armanet: Bücher für die einsame Insel (2017)

„Wenn ich zwei Tage auf der Insel bleiben soll, würde es mir reichen, eine Ausgabe des Nouvel Obs mitzunehmen. Wenn ich so lange bleiben muss wie Robinson, bräuchte ich fünfzigtausend Bände aus der Bibliothek, die ich zu Hause habe. Deswegen würde ich das Telefonbuch mitnehmen. Mit all den Namen könnte ich unendlich viele Geschichten schreiben.“  […]

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Festspiele für Lesende, Schreibende, Verlegende

Durch eine Lese(r)brille kann man sogar die derzeitige Rückkehr des Winterwetters einigermaßen positiv sehen: Ideale Temperaturen für Sofa, Tee und Schmöker. Dass ich die nächsten Wochenenden dennoch überwiegend außerhäusig zugange bin, hängt ebenfalls mit literarischen Gründen zusammen – die nächsten Wochen bieten geradezu Festspiele für Leserinnen und Leser und werden für mich, aus diversen Gründen, […]

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Felix Austria: Die Leichtigkeit des Schreibens mit Menasse, Haas und Seethaler

„Österreichische Identität – dieser Begriff hat etwas von einem dunklen und muffigen Zimmer, in dem man, wenn man aus irgendeinem Grund eintritt, sofort die Vorhänge beiseite schieben und das Fenster öffnen möchte, um etwas Luft und Licht hereinzulassen. Doch wenn das Fenster keine Aussicht hat und sich der Raum daher nur wenig erhellen will?“ Robert […]

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Fritz von Herzmanovsky-Orlando: Der Gaulschreck im Rosennetz (1928)

„Nie betrat Eynhuf sein Amt anders, als mit einem Gefühl aus freudigem Stolz und gebührender Ehrfurcht gemischt.“ Fritz von Herzmanovsky-Orlando, „Der Gaulschreck im Rosennetz“, 1928. Hofsekretär Jaromir Edler von Eynhuf ist, man merkt es alsbald, ein tumber Tor. Und damit im verschnörkelten Hofstaat des österreichischen Kaisers – die „Wiener Schnurre aus dem modernen Barock“ ist […]

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Österreichische Melange mit Eva Menasse, Christoph Ransmayr, Lili Grün und Albert Drach

Die kluge Erzählerin: Eva Menasse Über Jahre hinweg hat Eva Menasse skurrile Tiermeldungen aus Zeitungen und Zeitschriften gesammelt. Von Igeln, die in Eisbechern ersticken, von Schmetterlingen, die die Tränen von Krokodilen trinken und Raupen, die sich, wenn sie fressen, zum Opfer machen. Ihren acht Erzählungen im neu erschienenen Band „Tiere für Fortgeschrittene“ stellt sie je […]

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#lithund: Nicola Förg und ihre scharfen Hunde – ein Alpenkrimi (2017)

Ehrlich gesagt war es mein erster Alpen-Krimi von Nicola Förg. Das Hauptpersonal: Hundewelpen, die aus einem umgestürzten Lkw krabbeln, drei Tote und die Ermittlerin Irmi Mangold samt ihrer Kollegin Kathi Reindl. Das ist der Plot, aus dem die „Scharfen Hunde“ sind. Nicola Förg greift ein hochbrisantes Thema auf: Hundehandel! Und es ist eine durchaus gute […]

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#blogbuster – Ein Autor auf Spuren seiner Figur: „Junge, fall nicht!“

Ich leide an extremer Höhenangst. An schlechten Tagen kann sogar eine Rolltreppe im Kaufhaus, ein gläserner Aufzug, ein Blick aus dem Fenster eine Herausforderung sein. Und doch würde ich es gern wissen, wie es wohl sein mag, auf den höchsten Dächern zu balancieren? Ein Gefühl grenzenloser Freiheit? Flucht vor der Bodenschwere? Daniel Faßbender, dessen Roman […]

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Arthur Rundt: Marylin (1928/2017)

„Marylin hatte in Chicago eine Fünfundzwanzig-Dollar-Stellung. Sie fuhr jeden Morgen mit dem gleichen Hochbahnzug in ihr Office, vom Nordwesten der Stadt bis zur Station an der Ecke der Wabash und Madison Street. Aber was half es Philip, daß er täglich diese selbe Linie benutzte, daß er täglich sechs Stationen vor Madison Street gerade diesen bestimmten […]

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Lili Grün: Mädchenhimmel! (2014)

Geliebter Freund (Auszug) Zum Schluß meinst du, ich soll dir Antwort schreiben, Natürlich nur in dein Geschäft, Denn deine junge Frau, sie könnte drunter leiden, Und wenn sie meinen Brief erwischt, Dann ging`s Dir schlecht. Geliebter Freund, ich hab` dir nichts zu sagen; Denn du bist fremd und fern und alles ist vorbei. Ich hab` […]

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