Schlagwort: Journalismus

Honoré de Balzac: Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken

„Dieser Kritiker ist mit einem Wort beschrieben: Langeweile. Der Junge langweilt sich und versucht, alle anderen mitzulangweilen. Sein Ausgangspunkt ist der Neid; aber er verleiht seinem Neid und seiner Gelangweiltheit Format.“ Ordnung: Kritiker; Gattung: Der große Kritiker; Art: Der Scharfrichter „Frankreich hat den größten Respekt vor allem, was langweilt. Darum gelangt der Vulgarisator im Nu

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Kurz&knapp: Neuerscheinungen 2/2016

Top!  Den vielen Lobeshymnen, die derzeit durch die Buchblogwelt zu Bodo Kirchhoffs „Widerfahrnis“ rauschen, kann ich nicht mehr viel hinzufügen: Ein Text, der einnimmt, der sprachlich überzeugt, eine Erzählung, die klug, ja lebensweise ist, Kopf und Herz in Beschlag nimmt. Hubert Winkels schrieb einmal über Kirchhoff: „In den Erzähltexten Kirchhoffs schälte sich in der Folge

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P. J. O`Rourke: Reisen in die Hölle und andere Urlaubsschnäppchen (2006).

„Im Herbst 1992 fuhr ich in das frühere Jugoslawien, um mir den Multikulturalismus in der Praxis anzusehen. In letzter Zeit hatten dort verschiedene kulturelle Gruppen eine ungeahnte Kraft entfaltet – durch Schusswaffengebrauch.“   „Reisen in die Hölle und andere Urlaubsschnäppchen“, P. J. O`Rourke, Die andere Bibliothek, 2006. Manche wollen immer dorthin, wo es kracht, scheppert,

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Sling: Der Mensch, der schiesst (1928/2014).

„Der Mensch, der schiesst, ist ebenso unschuldig wie der Kessel, der explodiert, die Eisenbahnschiene, die sich verbiegt, der Blitz, der einschlägt, die Lawine, die verschüttet. Alles tötet den Menschen, auch der Mensch tötet den Menschen. (…) Die Menschheit sucht sich gegen die Gewalt und die Willkür der Natur durch allerhand Erfindungen zu schützen, zum Beispiel

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Joseph Mitchell: Old Mr. Flood – Von Fischessen, Whiskey, Tod und Wiedergeburt (2015).

Mein Bekannter Mr. Hugh. G. Flood, ein zäher, dreiundneunzigjähriger ehemaliger Abbruchunternehmer mit schottisch-irischen Wurzeln, erklärt gerne, dass er felsenfest entschlossen ist, bis zum Nachmittag des 27. Juli 1965 zu leben, wenn er hundertfünfzehn Jahre alt wird. „Mehr will ich gar nicht“, sagt er. „Ich will nur hundertfünfzehn werden. Das reicht mir.“   Joseph Mitchell. „Old

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Ryszard Kapuściński: Meine Reisen mit Herodot (2004).

„Irgendwann würde ich gern ins Ausland fahren.“ „Ins Ausland?“ sagte sie verwundert und leicht erschrocken, denn damals war es noch keine Selbstverständlichkeit, ins Ausland zu fahren. „Wohin? Wozu?“ fragte sie. „Ich habe an die Tschechoslowakei gedacht“, antwortete ich. Es ging mir nicht darum, etwa nach Paris oder London zu reisen, o nein, solche Ziele versuchte

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