Kategorie: Lyrik

Lindau: Hölderlins geweihete Pforte

Freilich wohl! das Geburtsland ists, der Boden der Heimat, Was du suchest, es ist nahe, begegnet dir schon. Und umsonst nicht steht, wie ein Sohn, am wellenumrauschten Tor‘ und siehet und sucht liebende Namen für dich, Mit Gesang ein wandernder Mann, glückseliges Lindau! Eine der gastlichen Pforten des Landes ist dies, Reizend hinauszugehn in die

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Marco Kerler: Volkslyrik (2016)

Befürchtung (Für mich) Ich träumte von einer Messe auf der ich einen Stand hatte Und Leute in Scharen kamen damit ich ihnen Gedichte schreibe Nun sitze ich alleine hier kleiner Stand auf einer Messe und schreibe keine Gedichte damit ich mehr von Ihnen träume Marco Kerler, aus: „Volkslyrik“, edition dreiklein, 2016 Über den türkischen Schriftsteller

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Joachim Ringelnatz – Herbstliche Wege

  Des Sommers weiße Wolkengrüße zieh`n  stumm den Vogelschwärmen nach, die letzte Beere gärt voll Süße, zärtliches Wort liegt wieder brach.   Und Schatten folgt den langen Wegen aus Bäumen, die das Licht verfärbt, der Himmel wächst, in Wind und Regen stirbt Laub, verdorrt und braun gegerbt. Der Duft der Blume ist vergessen, Frucht birgt

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Georg Trakl – Verklärter Herbst

      Verklärter Herbst Gewaltig endet so das Jahr Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten. Rund schweigen Wälder wunderbar Und sind des Einsamen Gefährten. Da sagt der Landmann: Es ist gut. Ihr Abendglocken lang und leise Gebt noch zum Ende frohen Mut. Ein Vogelzug grüßt auf der Reise. Es ist der Liebe milde

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Eduard Mörike – Gebet

Gebet Herr! schicke, was Du willst, Ein Liebes oder Leides; Ich bin vergnügt, daß Beides Aus Deinen Händen quillt. Wolltest mit Freuden Und wolltest mit Leiden Mich nicht überschütten! Doch in der Mitten Liegt holdes Bescheiden. Eduard Mörike, 1867 „Die Welt im Rücken, werde ich nicht aufgeben. Die Hoffnung heißt: nie wieder manisch werden. Aber

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Joachim Ringelnatz – Reisegeldgedicht

282 Straßenschilder aus Ost-Berlin zeigt die Wandinstallation von Raffael Rheinsberg im Eingangsbereich des Germanischen Nationalmuseums – auch ein Teil deutscher Geschichte, vom Verschwinden und Vergessen bewahrt. Es gibt der Worte nicht genug, Um Heim und Heimat laut zu preisen. Um zehn Uhr vierzig geht mein Zug. Adieu! Adieu! Ich muß verreisen. Mein Reisekoffer, frisch entstaubt, Folgt

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Joachim Ringelnatz – Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß, Das durch den sonnigen Himmel schreitet. Und schmücke den Hut, der dich begleitet, Mit einem grünen Reis. Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser. Weil`s wohltut, weil`s frommt. Und bist du ein Mundharmonikabläser Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt. Und lass deine Melodien

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Heinrich Heine – Das Hohelied

Des Weibes Leib ist ein Gedicht, Das Gott der Herr geschrieben Ins große Stammbuch der Natur, Als ihn der Geist getrieben. Ja, günstig war die Stunde ihm, Der Gott war hoch begeistert; Er hat den spröden, rebellischen Stoff Ganz künstlerisch bemeistert. Fürwahr, der Leib des Weibes ist Das Hohelied der Lieder; Gar wunderbare Strophen sind

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Johann Wolfgang von Goethe – Freudvoll und leidvoll

Freudvoll und leidvoll, gedankenvoll sein, Langen und bangen in schwebender Pein, Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt, Glücklich allein ist die Seele, die liebt. Johann Wolfgang von Goethe Das Bild zeigt eines der Kapitel, unter denen im Goethe Nationalmuseum in Weimar Leben und Werk des Schriftstellers präsentiert werden. Die Liebe gehört beim Immer-Verliebten da zwingend dazu.

Klabund – Einmal noch den Abend halten

Einmal noch den Abend halten Im versinkenden Gefühl! Der Gestalten, der Gewalten Sind zu viel. Sie umbrausen den verwegnen Leuchter, Der die Nacht erhellt. Fiebriger und feuchter Glänzt das Angesicht der Welt. Erste Sterne, erste Tropfen regnen, Immer süßer singt das Blatt am Baum. Und die brüderlichen Blitze segnen Blau wie Veilchen den erwachten Traum.

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Johann Wolfgang von Goethe – Erinnerung

Willst Du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen, Denn das Glück ist immer da. Ein Alterswerk des Dichters. Da war er vielleicht des Schweifens müde geworden. Musste sich selbst versichern, dass Sturm und Drang nicht alles ist. Da fand er vielleicht innere Ruhe in seinen Gärten. Und

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Johann Wolfgang von Goethe – Gingo biloba

Dieses Baums Blatt, der von Osten Meinem Garten anvertraut, Giebt geheimen Sinn zu kosten, Wies den Wissenden erbaut, Ist es Ein lebendig Wesen? Das sich in sich selbst getrennt, Sind es zwey? die sich erlesen, Dass man sie als eines kennt? Solche Frage zu erwiedern Fand ich wohl den rechten Sinn; Fühlst du nicht an

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Paul Fleming – An Sich.

Sey dennoch unverzagt. Gieb dennoch unverlohren. Weich keinem Glücke nicht. Steh´ höher als der Neid. Vergnüge dich an dir / und achte es für kein Leid / hat sich gleich wieder dich Glück´/ Ort / und Zeit verschworen. Was dich betrübt und labt / halt alles für erkohren. Nim dein Verhängnüß an. Laß´ alles unbereut.

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