Schlagwort: Erzählung

Wohldosiertes Glück (mit Eva Menasse)

Literatur macht glücklich. Eine Dose Literatur, überreicht von einem lieben Menschen. Ein guter und wohldosierter Glücksmoment. Aber wie das so ist, mit dem Glück: Es besteht aus vielen Puzzleteilen. Freundschaft. Liebe. Gesundheit. Menschen. Orten. Frieden. Glück kann man nicht festhalten. Aber wertschätzen. Und das Gefühl zumindest einige Zeit konservieren. Auch mit der Literatur. Eva Menasse schreibt in

Weiterlesen

E. M. Forster: Die Maschine steht still (1909/2016)

„Es gab einen Knopf für Kaltbäder. Es gab einen Knopf für Literatur. Und natürlich gab es jene Knöpfe, die es ihr ermöglichten, mit ihren Freunden zu kommunizieren. Als Nächstes betätigte sie wieder den Isolationsknopf, und die Anfragen der letzten drei Minuten stürzten auf sie ein … Wie ist das Essen? Kannst du es empfehlen? Hast

Weiterlesen

John von Düffel: Im Hotel Angst (2006) und Erzählungen vom Wasser (2014).

Ein Mann stirbt und mit ihm seine Träume. Ein Sohn begibt sich auf Spurensuche: Er reist an den Urlaubsort seiner Kindheit, nach Bordighera an der italienischen Riviera. Dort steht, mittlerweile eine verwunschene Ruine, das „Hotel Angst“, das legendäre Grand Hotel der Belle Époque. Ein Traumhotel im wahrsten Sinne – ein Lebenstraum des Vaters war es,

Weiterlesen

Joseph Roth: April. Die Geschichte einer Liebe (1925).

„Manchmal wusste ich, dass Anna zärtlich sein könnte. Ich liebte die Frauen, deren Güte wie ein verschütteter Quell, unsichtbar fruchtlos, aber unermüdlich, jedesmal gegen die Oberfläche anströmt und, weil ein Ausweg nicht möglich, nach der Tiefe gedrängt, verborgene Schächte gräbt und gräbt bis zum Versiegen. Ich liebte Anna. Ich konnte ihren Reichtum nicht lassen. Sie

Weiterlesen

Lutz Seiler: Die römische Saison (2016).

„Wozu die Qual? Der Gedanke, alles sein zu lassen, stand im Raum und beruhigte mich. Ich sah Rom, und Rom war der Ort, wo das Schreiben aufgegeben werden konnte. Auf dem Rückweg von V. zur Villa Massimo machte ich einen Umweg über die Via Aurelia. Ich rannte nicht mehr, der Ausblick über die Stadt und

Weiterlesen

Wolfgang Borchert: Schischyphusch (1949/2016).

„Er wußte nicht: Hab ich nun eben Schischyphusch geschrien? Oder nicht? Hab ich schechsch Aschbach gekippt, ich, der Kellner dieschesch Lokalsch, mitten unter den Gäschten? Ich? Er war unsicher. Und für alle Fälle machte er eine abgehackte kleine Verbeugung und flüsterte: „Verscheihung!“ Und dann verbeugte er sich noch einmal: „Verscheihung. Ja. Verscheihen Schie dasch Schischyphuschgeschrei.

Weiterlesen

Kurt Tucholsky. In dunklen Zeiten ist der Konjunktiv ein Trost.

Drahtetsofortobhiesigenmälarsee- zwecksbewässerungkäuflicherwerben- wolltwassergarantiertechtallerdingsnur- zuschwimmzweckengeeignetfasthoch- achtungsvollfritzchenundkarlchenwasser- oberkommissäre. Kurt Tucholsky, „Schloß Gripsholm“, 1931. Noch einmal den Sommer festhalten, bevor er geht. Geht das denn? War er denn groß, dieser Sommer? Am Thermometer gemessen wohl schon. Aber trotz der blendenden Helligkeit. Er war auch: Düster, dieser Sommer. Ein politisches Klima, das seine Schatten vor die grelle Sonne schob.

Weiterlesen

E. T. A. Hoffmann: Das steinerne Herz (1817).

Eine Liebe, die das Herz zerreißt, statt es zu nähren: So stoßszeufzt der Hofrat Reutlinger noch im hohen Alter vor der Frau, die ihn einst geliebt hatte, die er jedoch zurückstieß. Nicht die äußeren Umstände, nicht der Charakter der Frau, keine schicksalshaften Widrigkeiten waren es allerdings, die die beiden Liebenden in jungen Jahren trennten. Das

Weiterlesen

Birgit Vanderbeke: Alberta empfängt einen Liebhaber (1997).

So sieht ein perfekter Lesenachmittag aus: Strahlend blauer Himmel, ein Wetterchen zum Faulenzen schön, in der Hängematte friedlich dahin schaukelnd, lesend und zwischendrin dösend. Und die beste Ehefrau von allen (die selbstverständlich ich habe, und nicht Herr Kishon) erlaubte mir sogar Einblick in ihr Bücherregal auf der Suche nach einer perfekten Kurz-Lektüre. Ich gebe zu,

Weiterlesen