Schlagwort: Weimarer Republik

Lili Grün: Mädchenhimmel! (2014)

Geliebter Freund (Auszug) Zum Schluß meinst du, ich soll dir Antwort schreiben, Natürlich nur in dein Geschäft, Denn deine junge Frau, sie könnte drunter leiden, Und wenn sie meinen Brief erwischt, Dann ging`s Dir schlecht. Geliebter Freund, ich hab` dir nichts zu sagen; Denn du bist fremd und fern und alles ist vorbei. Ich hab`

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Hans Fallada: Kleiner Mann, mit Größe gescheitert. Zwei neue Biographien.

„Rudolf Ditzen nannte sich Fallada nach dem höchst unheimlichen Märchen, darin der abgehauene, an der Wand hängende Kopf eines Pferdes namens Fallada zu sprechen beginnt. Märchenleser erinnern sich gewiss der Zeile „Oh Fallada, da du hangest“ als einer der erschreckendsten und mysteriösesten Klagen des Märchengutes. Die Wahl des geisterhaften Pseudonyms erscheint mir als typisch für

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Arnold Zweig: Der Streit um den Sergeanten Grischa (1927)

Mit einer Art erschöpften Stimme begann Posnanski, während der alte Herr seinen Kaffee, schwarz, stark gesüßt, ausnippte: „Wir sind keine Jünglinge. Unsre Gefühle haben die Pflicht, den Weg über Einsicht und Erwägung zu nehmen, bevor sie in die Entschlußsphäre münden…Uns ist vollkommen klar, in einer Zeit wie dieser sieht Schieffenzahn das Leben eines Einzelnen so

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#MeinKlassiker (8): Der Untertan, zum Zweiten.

Ist der Untertan ein Produkt der wilhelminischen Zeit? Ein Duckmäuser, der nach oben buckelt und unten tritt? Einer, der sich in einem überalterten hierarchischen System nach oben dient? Oder ein moderner Mensch, der durch den Einsatz von „Selbstkompetenz“ auch heute noch seinen Weg machen könnte? Es sind spannende Gedanken, die sich Peter Peters zum Untertanen

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#MeinKlassiker (7): Der Untertan, zum Ersten.

Wenn man verschiedene Autorinnen und Autoren nach ihrem besonderen Klassiker fragt, dann kann es auch zu Doppelnennungen kommen – so ist es mit „Der Untertan“ von Heinrich Mann geschehen. Beide Autoren waren einverstanden, dass es zwei Beiträge zu diesem wichtigen Roman der Weimarer Republik geben kann – für die Leser ist es vielleicht auch spannend zu sehen,

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Amerikanische Tragödien – Sex, Geld und Macht einerseits, Nestbeschmutzer andererseits.

„Bis vor ein oder zwei Jahren waren auf den Schlachthöfen auch Pferde geschlachtet worden, angeblich zur Herstellung von Düngemitteln; aber nach langer Agitation hatte die Presse der Öffentlichkeit klarmachen können, dass die Pferde in die Fleischkonserven wanderten. Jetzt war es daher gesetzlich verboten, in Packingtown Pferde zu schlachten, und dieses Gesetz wurde sogar befolgt –

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Wir und Weimar: Eine „Literatour“ zurück

„Wo sind sie, die Romane, die sich nicht nur mit dieser Innerlichkeit des Individuums beschäftigen, als gebe es sonst nichts, worüber ein Nachdenken lohnt? Wo sind die Romane, die, seismografisch fast, aufnehmen, was in unserem Land gerade erodiert?“ Fragen, die Claudia auf dem Buchpreisblog in ihrer Polemik zum Deutschen Buchpreis 2016 stellt – sie stellt

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Irmgard Keun: Kind aller Länder (1938).

„Wir haben so viele Gefahren, das alles ist so schwer zu verstehen. Vor allem muss ich lernen, was ein Visum ist. Wir haben einen deutschen Pass, den hat uns die Polizei gegeben. Ein Pass ist ein kleines Heft mit Stempeln und der Beweis, dass man lebt. Wenn man den Pass verliert, ist man für die

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Georg Fink: Mich hungert (1929).

„Unterernährung – das war der Trumpf, den die Gesellschaft ausspielte. Nicht gegen den Krieg, aber gegen die Feinde. O, Krieg ist Krieg. Macht dem Krieg ein Ende, und es gibt keine Feinde! Die Ursache wolltet ihr bestehen lassen, und ihr empörtet euch moralisch über ihre Folgen. Unterernährung – Wir kannten sie von jeher. Man hat

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Erika und Klaus Mann: Das Buch von der Riviera (1931).

„Entschuldigen Sie, wir haben Sie ein bißchen kreuz und quer geführt, Ihnen zwar im Vorübergehen manches gezeigt, aber es war kein rechtes System drin. – Wo esse ich? Wo wohne ich? Wo trinke ich meinen Cocktail? Wo kaufe ich mir einen Kragen? Wo tanze ich? Wo langweile ich mich? Wo gebe ich, um Gottes willen,

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Wolfgang Borchert: Schischyphusch (1949/2016).

„Er wußte nicht: Hab ich nun eben Schischyphusch geschrien? Oder nicht? Hab ich schechsch Aschbach gekippt, ich, der Kellner dieschesch Lokalsch, mitten unter den Gäschten? Ich? Er war unsicher. Und für alle Fälle machte er eine abgehackte kleine Verbeugung und flüsterte: „Verscheihung!“ Und dann verbeugte er sich noch einmal: „Verscheihung. Ja. Verscheihen Schie dasch Schischyphuschgeschrei.

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Erich Kästner und Kurt Tucholsky – am Ende doch unvergleichlich

„Aus der Gesamterscheinung dieses Mannes kann ich nicht ganz klug werden. Diese Verse sind wunderbar gearbeitet, mit der Hand genäht, kein Zweifel – aber irgendetwas ist da nicht in Ordnung. Es geht manchmal zu glatt, das sollte man einem deutschen Schriftsteller nicht sagen, dieses Formtalent ist so selten!“ Kurt Tucholsky 1929 in der Weltbühne über

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Anna Seghers: Transit (1944).

„All diese alten, schönen Städte wimmelten von verwilderten Menschen. Doch es war eine andere Art von Verwilderung, als ich geträumt hatte. Eine Art Stadtbann beherrschte diese Städte, eine Art mittelalterliches Stadtrecht, jede ein anderes. Eine unermüdliche Schar von Beamten war Tag und Nacht unterwegs wie Hundefänger, um verdächtige Menschen aus den durchziehenden Haufen herauszufangen, sie

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