Schlagwort: Nationalsozialismus

Hans Fallada: Kleiner Mann, mit Größe gescheitert. Zwei neue Biographien.

„Rudolf Ditzen nannte sich Fallada nach dem höchst unheimlichen Märchen, darin der abgehauene, an der Wand hängende Kopf eines Pferdes namens Fallada zu sprechen beginnt. Märchenleser erinnern sich gewiss der Zeile „Oh Fallada, da du hangest“ als einer der erschreckendsten und mysteriösesten Klagen des Märchengutes. Die Wahl des geisterhaften Pseudonyms erscheint mir als typisch für

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Ursula Krechel: Landgericht (2012)

„Ja, Kornitzer hatte es sich genau überlegt. Er war kein Spieler, auch kein Utopist. Die Würde des Richteramtes und der Eid, den er bei seiner Ernennung geschworen hatte, Gehorsam der Verfassung, den Gesetzen und meinen Vorgesetzten und die Treue meinem Volk, Achtung gegenüber dem Willen der Volksvertretung, all das band ihn. Aber auch das Hervortreten

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Elfriede Lohse-Wächtler: Kunst ohne Kompromiss

“Ich glaube, ich bin wirklich wieder einmal verrückt. Und da man diese blödsinnige Briefschreiberei multiplizieren oder auch addieren und zum Schluss korrigieren kann. Zu deutsch: durchteilen. So kommt als Resultat heraus wie Schreibmaschinendamen zu Dichterinnen werden können. Oder wieso Dichter nicht dichten können. Schmeiße nunmehr den Papiersalat in einen Topf, rühre dreimal gut um, stampfe

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#MeinKlassiker (15): Sabine Delorme und die größere Hoffnung

Was diese Frau so alles treibt – dieser Filmtitel würde auch auf Sabine Delorme passen. Auf ihrem Blog „Binge Reading & More“ berichtet sie regelmäßig in der Rubrik „Meine Woche“ über ihre Aktivitäten und ich habe jedes Mal beim Lesen das Gefühl, ihr Tag muss 24 Stunden haben. Und neben den ganzen anderen Kleinigkeiten liest

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Mit Friedrich Torberg auf einen Café …

„Vom Kaffeehaus war schon so oft und ausgiebig die Rede, daß es sich fast erübrigt, ihm ein eigenes Kapitel zu widmen. Im Grunde ist ja dieses ganze Buch ein Buch vom Kaffeehaus. Kaum eine der auftretenden Personen wäre ohne das Kaffeehaus denkbar. Kaum eine der von ihnen handelnden Geschichten, auch wenn sie anderswo spielen, wäre

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Lina Loos – Die silberne Dame der Kaffeehausliteraten

„Ich bin Österreicherin durch und durch; im Zentrum der Stadt Wien geboren und in der Stephanskirche getauft. Das Leben hat mich später etwas an die Peripherie der Stadt abgedrängt, aber sonst geht es mir ganz gut. Ich hatte die Ehre, viele berühmte Wiener während meines schon etwas länger dauernden Lebens kennenzulernen, ja, es gab sogar

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„Der Hund is a Nazi“ – das Erbe der Zuckmayers

1937 erbt die österreichische Schauspielerin Alice Herdan-Zuckmayer, in zweiter Ehe mit dem Schriftsteller verheiratet, den sie liebevoll-kurz „Zuck“ nennt, von einer ungeliebten und scheinbar verarmten Tante einen Hund: Ein altes, grottenhäßliches, bissiges, verwöhntes „Viecherl“. An „Das Scheusal“ ist eine besondere Bedingung geknüpft: Die Juwelen und den Pelz, die die verbitterte Alte allem finanziellen Niedergang zum

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Irmgard Keun und ihre Pippi Langstrumpf anno 1918

  „Wenn sie meinen, ein Kind hätte keine Sorgen, dann ist das dumm von ihnen. Immer sagen sie: Ach, so eine sorglose Kindheit, nie kommt sie wieder. Aber ein Kind hat bestimmt viel mehr Sorgen als ein Erwachsener.“ Irmgard Keun, „Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften“, 1936, Neuauflage 2016 bei Kiepenheuer &

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Edward Lewis Wallant: Der Pfandleiher (1961).

„Eine Winzigkeit, er wußte noch nicht, was es wohl wäre, würde ihn an diesem Tag entzweibrechen, und die dunkle Kraft dieses Wachsen in ihm würde ungehindert hervorbrechen und sich ihm in der Sekunde, bevor sie ihn zerstörte, zu erkennen geben. „Heute ist der Achtundzwanzigste … meine Jahrzeit, meine Jahrzeit“, sagte er, als er hinter dem

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Irmgard Keun: Kind aller Länder (1938).

„Wir haben so viele Gefahren, das alles ist so schwer zu verstehen. Vor allem muss ich lernen, was ein Visum ist. Wir haben einen deutschen Pass, den hat uns die Polizei gegeben. Ein Pass ist ein kleines Heft mit Stempeln und der Beweis, dass man lebt. Wenn man den Pass verliert, ist man für die

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Georg Fink: Mich hungert (1929).

„Unterernährung – das war der Trumpf, den die Gesellschaft ausspielte. Nicht gegen den Krieg, aber gegen die Feinde. O, Krieg ist Krieg. Macht dem Krieg ein Ende, und es gibt keine Feinde! Die Ursache wolltet ihr bestehen lassen, und ihr empörtet euch moralisch über ihre Folgen. Unterernährung – Wir kannten sie von jeher. Man hat

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„Berlin 1936“: Keine Goldmedaille für Oliver Hilmes

„Und Adolf Hitler? Der Reichskanzler nimmt an dem Empfang seiner Regierung nicht teil. Wie alles in diesen Olympiatagen, so ist auch Hitlers Fernbleiben Teil einer Inszenierung. Er kultiviert das Bild des unermüdlich arbeitenden „Führers“ und treusorgenden Übervaters, dem Amüsement und Geselligkeiten nichts bedeuten. Hitlers Popularität erreicht im Sommer 1936 einen Höhepunkt und wirkt nun auch

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Ein Bumerang kehrt zurück: Der talentierte Herr Ringelnatz

  Malerstunde Mich juckt`s, Doch ich kann mich nicht jucken, Weil meine Finger voller Farbe sind. Dabei habe ich den Schlucken. Wenn ich den Pinsel – – Hupp schluckt`s. In meinem Fliegenspind Summt eine Fliege grollend, Eingesperrt, hinauswollend. Keine Fliege lebt von Worcester-Sauce. Ach, Hunger tut weh. Aber er schont die Hose Und macht sie

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Erich Kästner und Kurt Tucholsky – am Ende doch unvergleichlich

„Aus der Gesamterscheinung dieses Mannes kann ich nicht ganz klug werden. Diese Verse sind wunderbar gearbeitet, mit der Hand genäht, kein Zweifel – aber irgendetwas ist da nicht in Ordnung. Es geht manchmal zu glatt, das sollte man einem deutschen Schriftsteller nicht sagen, dieses Formtalent ist so selten!“ Kurt Tucholsky 1929 in der Weltbühne über

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