Schlagwort: Poesie

Lindau: Hölderlins geweihete Pforte

Freilich wohl! das Geburtsland ists, der Boden der Heimat, Was du suchest, es ist nahe, begegnet dir schon. Und umsonst nicht steht, wie ein Sohn, am wellenumrauschten Tor‘ und siehet und sucht liebende Namen für dich, Mit Gesang ein wandernder Mann, glückseliges Lindau! Eine der gastlichen Pforten des Landes ist dies, Reizend hinauszugehn in die

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Marco Kerler: Volkslyrik (2016)

Befürchtung (Für mich) Ich träumte von einer Messe auf der ich einen Stand hatte Und Leute in Scharen kamen damit ich ihnen Gedichte schreibe Nun sitze ich alleine hier kleiner Stand auf einer Messe und schreibe keine Gedichte damit ich mehr von Ihnen träume Marco Kerler, aus: „Volkslyrik“, edition dreiklein, 2016 Über den türkischen Schriftsteller

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Sylvia Plath und ihr Spaßwunderbett

Gelesen wird sie immerzu, doch durch den aktuellen Roman von Connie Palmen, „Du sagst es“ ist sie wieder einmal mehr in aller Munde: Sylvia Plath. Wer sich der amerikanischen Schriftstellerin vor allem über ihre bekannteren Werke „Die Glasglocke“ und „Ariel“ nähert, der lernt vor allem die verzweifelte, melancholische Stimme dieser Frau kennen, die an sich

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Joachim Ringelnatz – Herbstliche Wege

  Des Sommers weiße Wolkengrüße zieh`n  stumm den Vogelschwärmen nach, die letzte Beere gärt voll Süße, zärtliches Wort liegt wieder brach.   Und Schatten folgt den langen Wegen aus Bäumen, die das Licht verfärbt, der Himmel wächst, in Wind und Regen stirbt Laub, verdorrt und braun gegerbt. Der Duft der Blume ist vergessen, Frucht birgt

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Joachim Ringelnatz – Reisegeldgedicht

282 Straßenschilder aus Ost-Berlin zeigt die Wandinstallation von Raffael Rheinsberg im Eingangsbereich des Germanischen Nationalmuseums – auch ein Teil deutscher Geschichte, vom Verschwinden und Vergessen bewahrt. Es gibt der Worte nicht genug, Um Heim und Heimat laut zu preisen. Um zehn Uhr vierzig geht mein Zug. Adieu! Adieu! Ich muß verreisen. Mein Reisekoffer, frisch entstaubt, Folgt

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Berliner Bloggertour: Anders müde als Ringelnatz

Müde in Berlin Wenn die Gedanken sich zerstreut Aus dir entfernen, So, daß kein schönes Bein dich freut, Und eine trübe Feuchtigkeit Hängt über dir, unter den Sternen, — Wo willst du hin um solche Zeit? Schön ist zum Beispiel die Peltzer-Bar. Aber müde Menschen sind undankbar. Geh heim und lege dich zur Ruh. Du

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Kerstin Becker: Biestmilch (2016)

Ihre Sprache: Spröde, nüchtern, herb. Wie das Land, über das sie schreibt. Dort, wo man Erdäpfel aus dem harten Boden klaubt. Wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen. hinterm Hof hinterm Dorf hinterm Feld hört die Welt auf im Wald bellt nichts Ja, sie wagt es auch, Wörter wie „Scholle“, „Schnitter“, „Stammesbrut“ in ihre

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Neue Rubrik: Kurz & knapp

Für Schnellleser. Zwischendurchbesucher. Für meine Schreibfaulphasen. Für Bücher, die man auch in drei Sätzen umreißen kann. Für Bücher, die zu gut sind, um sie in langen Rezensionen durchzuwalzen. Kurzhäppchen. Appetitmacher. Abwinkereien. Abbruchlesungen. Geheimtipps. Spezialtipps. Und überhaupt. Die neue Rubrik: Kurz & knapp besprochen und querbeet durch das Bücherregal. Die Seite wird immer wieder aktualisiert –

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Joachim Ringelnatz – Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß, Das durch den sonnigen Himmel schreitet. Und schmücke den Hut, der dich begleitet, Mit einem grünen Reis. Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser. Weil`s wohltut, weil`s frommt. Und bist du ein Mundharmonikabläser Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt. Und lass deine Melodien

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Ein Bumerang kehrt zurück: Der talentierte Herr Ringelnatz

  Malerstunde Mich juckt`s, Doch ich kann mich nicht jucken, Weil meine Finger voller Farbe sind. Dabei habe ich den Schlucken. Wenn ich den Pinsel – – Hupp schluckt`s. In meinem Fliegenspind Summt eine Fliege grollend, Eingesperrt, hinauswollend. Keine Fliege lebt von Worcester-Sauce. Ach, Hunger tut weh. Aber er schont die Hose Und macht sie

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