Miroslav Nemec: Die Toten von der Falkneralm (2016)

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Bild: (c) Florian Pittroff

Miroslav Nemec, den viele als Ivo Batic aus dem Münchner „Tatort“ kennen, hat einen Krimi geschrieben. Dass er sich nun – ganz als er selbst – zur Hauptfigur seines Romans macht und dabei natürlich in Sachen Mord ermittelt, entbehrt nicht einer gewissen Komik.

Nemec soll bei einem „Mörderischen Wochenende“ aus einem Krimi von Henning Mankell lesen und über „Mord in Fiktion und Wirklichkeit“ diskutieren. Und so fährt er an einem Freitag im August in das Berghotel „Falkneralm“, zu dem nur eine einsame Steilbahn führt. Doch das Wochenende wird alles andere als erfreulich: Nicht nur kommt ein gewaltiger Gewittersturm auf, plötzlich kommen nacheinander auch drei Gäste zu Tode. Unfall oder Mord? Die Berchtesgadener Polizei hakt den Fall schnell ab. Doch der Fernsehkommissar und Schauspieler Miroslav Nemec und die Polizeimeisterin Bergending aus Augsburg beginnen zu zweifeln, ob wirklich alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Die Ermittlungen beginnen.

Der Roman „Die Toten von der Falkneralm“ verwischt die Grenzen zwischen der realen Person Miroslav Nemec und seiner fiktiven Hauptfigur. Gut dargestellt ist dabei die unterschiedliche Wahrnehmung des ermittelnden Fernsehstars durch die Menschen, auf die er im Roman trifft. Manch einer denkt sich, der Schauspieler Nemec wolle sich ja nur wichtigmachen bei der Aufklärung des Falles im Berghotel „Falkneralm“. Andere gehen davon aus, wer einen Kommissar im deutschen Fernsehen spielt, der müsse sich auch ein bisschen mit Polizeiarbeit und Aufklärung auskennen. Miroslav Nemec und der Leser hängen zwischen diesen beiden Gegensätzen fest.

Im Laufe der Geschichte bekommt man zudem Einblicke in das „echte“ Leben des Schauspielers. Miroslav Nemec berichtet über seine Kindheit, über Frau und Kind („Sie hatte Mila extra früher aus dem Kindergarten abgeholt, damit sie sich noch vom Papa richtig verabschieden konnte“), über Kollegen am Theater oder die Arbeit am „Tatort“:  „Dummerweise war gestern nicht, wie ursprünglich geplant, der letzte Drehtag für den Tatort gewesen“.

Als Leser dachte ich manches Mal, dies seien eigentlich alles Dinge, die besser in eine Biographie passen würden. Der Kriminalfall an sich ist weder furchtbar originell noch schrecklich spannend. Die Sprache des Buches wirkt – trotz Hilfe durch einen Ghostwriter – mitunter etwas holperig und nicht ganz ausgereift. Trotzdem eine unterhaltsame Angelegenheit.

Das Buchcover, in grün gehalten, Grafik und Schrift angepasst an die Buchcover der Edgar Wallace Krimiklassiker, ist allerdings sensationell!

Und dennoch, das Buch lässt einen irgendwie zwiespältig zurück – frei nach Bert Brecht: „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen/ Den Vorhang zu und alle Fragen offen“.

Das Buch erschien im Knaus Verlag, Informationen samt Leseprobe sind hier zu finden.

Ein Gastbeitrag von Florian Pittroff, www.flo-job.de

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