Andreas Föhr: Eisenberg (2016)

2 Kommentare

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Ein Gastbeitrag von Florian Pittroff, www.flo-job.de

Die Tegernsee-Krimis von Andreas Föhr habe ich verschlungen und war deshalb anfänglich doch eher skeptisch – warum jetzt was Neues? Kommissar Wallner und sein ewig grantelnder Kollege, Polizeiobermeister Kreuthner kommen doch gut an. Lokalkolorit, Spaß und doch spannende Krimilektüre. Jetzt also Frau Dr. Rachel Eisenberg. Die Ermittlerin diesmal eine Anwältin und der Schauplatz in München.

Lange Rede, kurzer Sinn: Andreas Föhrs neues Buch „Eisenberg“ hat zwar nichts mit den erfolgreichen Wallner- und Kreuthner-Geschichten zu tun, ist aber mindestens genauso gut. Der Autor hat eine neue Figur geschaffen, die nicht nur sein juristisches Fachwissen teilt, sondern auch seinen Glauben daran, dass jeder, ob schuldig oder nicht, einen Verteidiger verdient, der ganz auf seiner Seite steht. Und die Handlung wird ebenso spannend und gut erzählt wie bei den Tegernsee-Krimis. Föhr lässt seine Leser anfangs immer wieder zwischen zwei Handlungssträngen hin und her springen. Dadurch baut sich Spannung auf, da Föhr sehr genau weiß, wann er die einzelnen Kapitel beenden muss. Die Kapitel sind relativ kurz und so hat man als Leser das Gefühl, das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können. Man wird immer weiter in den Bann und in die Geschichte selbst hinein gezogen. Diesen schriftstellerischen Kniff habe ich schon bei den vorherigen Büchern von Andreas Föhr sehr geschätzt.

Dr. Rachel Eisenberg ist Mitinhaberin einer angesehenen Münchner Kanzlei, frisch getrennt und Mutter einer 13-jährigen Tochter. Ihr neuer Fall soll eigentlich nur ein bisschen Medienpräsenz bringen – ein Obdachloser, der eines äußerst gewalttätigen Mordes verdächtigt wird. Als Rachel den Verdächtigen das erste Mal trifft, glaubt sie an eine Erscheinung. Sie kennt diesen heruntergekommenen Mann – und zwar sehr gut. Heiko war vor vielen Jahren ihr Lebensgefährte und einst ein erfolgreicher Wissenschaftler…

„Eisenberg“ ist ein herrlicher Krimi, ist gut überlegt und lässt viel Platz für Argwohn, Verdacht und Misstrauen. Die Spannung steigt, neue Vermutungen kommen auf, der Fall scheint gelöst, immer wieder glaubt man, man ist dem richtigen Mörder nun endlich auf der Spur. Oder doch nicht? Neue Wendungen, wichtige Indizien tauchen auf, falsche Fährten und das Ende: ganz großes Kino! Denn irgendwie war dann doch alles ganz anders. Ein geniales Buch, das auf spannende weitere Bände hoffen lässt.

„Eisenberg“ erschien im Juni 2016 bei der Verlagsgruppe Droemer Knaur, mehr Informationen hier:
http://www.droemer-knaur.de/buch/8848329/eisenberg

Noch zwei kurz&knapp-Krimi-Tipps:

Bannalec, Jean-Luc: „Bretonische Verhältnisse“ (2012)

2016-08-02 19.28.23Aus Paris an „das Ende der Welt“ versetzt: So landet Monsieur le Commissaire Dupin in Concarneau, der „blauen Stadt“ in der Bretagne. Und auch wenn das Flair der Metropole fehlt – Dupin lernt die raue Küste, das buchstäblich wetterwendische Wetter, das strahlende Licht, das Maler wie Gauguin anlockte, und vor allem die Bretonen kennen und schätzen. Der erste Mordfall, mit dem der Autor (Jean-Luc Bannalec ist ein Pseudonym) seinen Kommissar einführt, ist ein Pageturner – klug inszeniert, mit einer anregenden Geschichte und überraschenden Wendungen. Im Künstlerdorf Pont Aven wird der Besitzer eines Hotels, in dem schon Gauguin übernachtet hatte, erstochen. Kunst & Geld: Eine ungute Mischung. Der Krimi macht Spaß – und vor allem reiselustig: Man möchte beim Lesen das Licht der Bretagne sehen, von dem die Maler seinerzeit schwärmten.

Inzwischen ist Dupin ein Serienermittler – Informationen zu den weiteren Büchern beim Verlag: Jean-Luc Bannalec

Kutscher, Volker: „Der nasse Fisch“ (2007).

13533119_2069320499959157_157762310647540263_nErster Band einer Reihe um einen Kriminalkommissar im Berlin der 1920er und 30er-Jahre. Die Atmosphäre stimmt, die Stories sind spannend – auch wenn ich es bei Krimis gerne kürzer und knapp mag.
Doch fühlt man sich gut in das Berlin der Weimarer Republik zurückversetzt, die Milieuschilderungen sind stimmig – der Weg führt Kommissar und Leser durch Proletarierviertel, in Halb- und Vollweltklitschen, in deutschnationale und rechtsradikale Kreise und als i-Tüpfelchen gibt es auch noch eine Liebelei für den Ermittler Gereon Rath.
Mehr über den Kriminaler gibt es sogar auf einer eigenen Internetseite: www.gereonrath.de

2 comments on “Andreas Föhr: Eisenberg (2016)”

  1. Also Föhr habe ich nicht gelesen … ob ich es je werde? Keine Ahnung. Bannalec – also Dupin – habe ich abgebrochen, obwohl in einer meiner liebsten Gegenden spielend … keine Ahnung, weshalb. Ich glaube ich kam einfach in die Story nicht rein … Und Kutscher ist großartig, weil er hier eigentlich keine Krimis in dem Sinn schreibt, sondern ein genaues Gesellschaftsporträt Deutschlands / Berlins abliefert, angefangen in den 20er Jahren bis in die Nazi-Zeit. Wahnsinnig gut recherchiert, Ernst Gennat. der Buddha, war ja der tatsächliche „Erfinder“ der modernen Kriminalistik, er hat die Spurensicherung an Tatorten „eingeführt“, er hat das „Mordauto“ entwickelt. Diese Reihe darf man nicht als Pageturner oder Krimireißer angehen, sondern als sozio-kulturelle Reihe mit direktem Einblick in die dunklen Seiten der Gesellschaft. Er zeigt die Entwicklung zur Nazi-Herrschafft so gut nebenher auf, ich finde ihn klasse.
    LG, Bri

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