Donna Tartt: Der Distelfink (2013).

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Bild: Rose Böttcher

„Sorge! Was für eine Zeitverschwendung. Alle heiligen Schriften hatten recht. „Sorge“ war ganz offensichtlich das Kennzeichen einer primitiven und spirituell unterentwickelten Persönlichkeit. Wie hieß noch die Zeile bei Yeats, über die heiteren chinesischen Weisen? Alles fällt und wird wieder gebaut. Alte glitzernde Augen. Das war Weisheit. Jahrhundertelang hatten die Menschen gewütet und geweint und Dinge zerstört und gejammert über ihr nichtiges, individuelles Leben. während doch – was hatte es für einen Sinn? All diese nutzlose Sorge? Sehet die Lilien auf dem Felde. Warum machte man sich Sorgen um irgendetwas? Waren wir als denkende Wesen denn nicht auf der Erde, um glücklich zu sein in der kurzen Zeit, die uns zugeteilt war?“

Donna Tartt, „Der Distelfink“, 2013

Das Problem mit Donna Tartts Antihelden ist nur: Er muss durch die Hölle gehen, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Er muss auf Droge sein, um Sorgen zu verdrängen. Und das Fazit seines jungen Lebens: Dasselbe ist eine Katastrophe, aber man ist nun mal hineingeworfen und muss sehen, wie man das Beste daraus macht.

Eine Rezension im üblichen Sinne will ich hier nicht schreiben – das Buch wurde nach Erscheinen der deutschsprachigen Übersetzung schon hinreichend vorgestellt. Mir kam der Distelfink als Geschenk ins Haus geflattert. Neugierig gemacht hatten mich die Besprechungen schon – immerhin hatte die Autorin zehn Jahre lang nichts veröffentlicht. Allein das, die anhaltenden Spekulationen zuvor und die Vorschusslorbeeren: Ganz großes Kino. Die Geschichte – eine Mischung aus Entwicklungsroman, Krimi, Kunstreflektion, Lebenserzählung – ist durchaus packend geschrieben, entwickelt ihre eigene Sogwirkung.

Fragen über Fragen

Aber mir gingen beim Lesen noch ganz andere Fragen durch den Kopf. Denn das Problem mit Donna Tartts Buch ist: 1022 Seiten. Da schwingt im Hinterkopf das Arno Schmidt-Zitat (wieviel Bücher kann man in einem Leserleben lesen? Wie wichtig ist es, die richtige Auswahl zu treffen?) mit.

Wie schwer es fällt, aus „Effizienzgründen“ einen flüssig geschriebenen Roman abzubrechen.
Wann fängt Konsumlesen an?
Der Ärger, der aufkommt, weil die Autorin sich nicht kürzer fassen konnte (wobei das Buch kaum Längen aufweist und zudem mit jeder Kürzung nicht dieses Buch, dieses Werk wäre).
Der Ärger, weil es in dieser Zeit anderes gegeben hätte – zu tun, zu leben, zu lesen.
Wäre es ein Buch, das ich ein zweites Mal lesen würde? (Nein.)

Meine persönliche literarische Kosten-Nutzen-Rechnung:
Für den eingangs skizzierten Erkenntnisgewinn – das Leben ist eine Katastrophe – „kostete“ mich dieses Buch zuviel Zeit. Die Kunst liegt eben manches Mal auch in der Beschneidung – letztendlich sagt Tartt auf 1000 Seiten, was Yeats in eine Zeile fasst. Um dagegen gut unterhalten zu werden, rein aus Lust an der Geschichte zu lesen – da genügt mir die kleine Form.

Der zarte Distelfink, auf dem namensgebenden Bild von Carel Fabritius, kann und darf nicht fliegen, weil eine Kette ihn bindet.
Der weit weniger zarte Distelfink von Donna Tartt – er kettet und bindet auch, durch routinierte, konventionelle Erzählweise, und alles, was in diesem Buch an Möglichkeiten und Ideen steckte (beispielsweise wie sehr die Liebe zur Kunst, zum Objekt zur Besessenheit werden kann und als Kompensation eigener Liebesunfähigkeit dient), wird irgendwie voluminös erstickt.

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Das Literaturblog Sätze&Schätze gibt es seit 2013. Gegründet aus dem Impuls heraus, über Literatur und Bücher zu schreiben und mit anderen zu diskutieren.

30 thoughts on “Donna Tartt: Der Distelfink (2013).

  1. Vielen Dank für die Überlegungen. Ich sehe das ähnlich, genau mit diesem Buch. Es steht hier seit geraumer Zeit im Regal, aber je mehr ich über das Buch (zufällig) lese, desto weniger Lust verspüre ich, das Buch selbst zu lesen. Und das obwohl das meiste wirklich wohlwollend gemeint ist. Eine seltsame Konstellation.

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    1. Stimmt, eine seltsame Konstellation – das Buch ist irgendwie ein Zwitter gewesen, für mich: Nicht so schlecht, dass ich es entnervt irgendwann weggelegt hätte, aber auch nicht so gut, dass ich hinterher sagen würde: Ja, diese Lesezeit brachte mir Gewinn.

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  2. „Auch das Lesen brauch seine Ökonomie“, das ist jetzt sehr schön ausgedrückt. / Deine Distelfink-Überlegungen teile ich komplett (ungeachtet der Tatsache, dass ich den Wälzer nicht gelesen habe). Wenn da ein Buch vor mir liegt, dass drei-, viermal so dick ist wie andere, dann muss es mir auch drei-, viermal so viel geben wie andere. Das reine „Konsumlesen“ (schönes Wort) ist auch nichts für mich.

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    1. Ach, manchmal darf es auch „nur“ unterhaltend sein – und sonst nichts. Beispielsweise ein Häkelkrimi oder ähnliches – das fällt unter vergnügliches Konsumlesen, wenn man Lust darauf hat und wenn man vielleicht auch keinen Kopf hat für anderes. Aber – ab einem gewissen Volumen nimmt dieser Konsum dann eben (in meinen Augen) zuviel Lebenszeit ein – das ist der eine Haken. Der andere: Das Buch wurde ja sehr, sehr gepriesen. Ich bin nicht intensiv darauf eingegangen, aber in meinen Augen hält es das nicht.

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  3. Eine spannende Einschätzung, gerade auch, weil es mir mit diesem Buch ganz anders erging – ich habe den Distelfink wirklich sehr gerne gelesen und habe damals in meiner Besprechung geschrieben, dass das Buch nur einen einzigen Fehler hat: das es irgendwann zu Ende geht.

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    1. Liebe Mara,
      Deine Rezension trifft das Buch in vielen Punkt gut – ich bin auch der Meinung, dass es – trotz seines Umfangs – ein in sich geschlossenes Werk ist, Längen kann ich kaum erkennen – und kürzen (wie in den nachfolgenden Kommentaren) könnte man es auch nicht. Und natürlich sind die Themen, die Du ansprichst – u.a. die Entwicklung dieses Jungen nach seiner traumatischen Erfahrung, diese Trennlinie zwischen Gut und Böse – gut herausgearbeitet.
      Dennoch: Mir erging es so, dass ich mich am Ende fragte, was mir der Roman an „mehr“ brachte als gute, niveauvolle Unterhaltung. Und da fällt mein Urteil leider negativ aus…und angesichts der vielen Bücher (unabhängig von der Länge), die ich (noch) nicht gelesen habe und von denen ich mir mehr Tiefe verspreche, habe ich mich geärgert (über mich, wohlgemerkt, dass ich nicht abbrechen konnte). Ein weiterer Kritikpunkt: Ich empfand das Ganze manchmal als etwas zu routiniert geschrieben, zu glatt und mir fehlte für einen Entwicklungsroman im Grunde auch eine spürbare Empathie der Autorin für ihre eigene Figur – sie schreibt etwas kühl-distanziert.

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  4. Einen schönen Text hast du da geschrieben!

    Mir persönlich war der Distelfink zu dick. Ich war beim Lesen nicht wirklich gelangweilt, aber 500 Seiten hätten es wahrscheinlich auch getan.
    Trotzdem bin ich nicht unglücklich darüber, es gelesen zu haben. 🙂

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  5. Ich glaube, es gibt kein „Konsumlesen“. Entweder kann man etwas mit einem Buch anfangen oder nicht. Und auch 1.000 Seiten mit zwei Lyrikzeilen zu begegnen wollen ist nicht wirklich fair, denn beide literarische Gattungen haben anderer Stoßrichtungen.
    Ich habe mir den Distelfink angetan und bleibe nach wie vor der Überzeugung: 3 bis 400 Seiten weniger und es wäre ein wirklich gutes Buch geworden, denn es hat unendliche Längen von Beschreibungen irgendwelcher Seitengeschichten, die überhaupt keine Rolle spielen.

    Ja, Schmidt rechnet 3.000 Bücher für ein Leben aus, da muss man schon mal schauen … aber deswegen die dicken weg lassen? Dann käme man ja weder in den Genuß von „Zettels Traum“, „Brüder Karmasow“, „Ulysses“, „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, „Der Mann ohne Eigenschaften“ …

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  6. Mal davon abgesehen, dass der Eingang Deines Artikels „Alle Sorge ist Zeitverschwendung…“ mir den Tag wieder ins Lot gebracht hat – 😉 – nimmt er mir die Entscheidung ab, es doch noch mal mit diesem Schmöker zu versuchen: Jetzt werde ich beherzt zu drei dünneren Büchern greifen…

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  7. Viele gute Überlegungen – ganz unabhängig vom konkreten Titel – aber ein Problem bleibt: „Würde ich das Buch ein zweites Mal lesen?“: Das setzt eben die erste Lektüre voraus.
    Ich gehöre aber auch zu den Menschen, die immer wieder in bereits gelesene Bücher schauen, sofern sie mir wichtig sind; manchmal lese ich dann nur ein Kapitel oder eine längere Passage, etwa im Zauberberg, im Stechlin oder in Krieg und Frieden. Ich tauche dann ein in eine vertraute Welt – und lerne andere Galaxien (Krieg der Sterne, Harry Potter, Distelfink) dafür nicht kennen.

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    1. Ja, um die Erstlektüre kommt man nicht rum :-).
      Aber für mich wird dies beim Lesen ein immer wichtigerer Maßstab (und auch beim Behalten und Aufbewahren von Büchern): Hält das Buch einer zweiten Lesung stand (manche, die ich mit Begeisterung ein erstes Mal las, fand ich später nichtssagend oder fad)? Und dann gibt es die wenigen Bücher, in denen oder die man immer wieder liest. Von denen etwas zurückbleibt – beispielsweise die Reflektionen über Zeit im Zauberberg.

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  8. Das ist wirklich ein sehr gewagtes Resümee. Zunächst die reizvolle Überlegung, ob man das Destillat über den subjektiven Erkenntnisgewinn eines Buches als wesentliches Bewertungsmaß heranziehen kann. Selbst in der Ökonomie wäre dies ein nicht hinreichendes Kriterium, um die heutige Nachfrage von Produkten zu erklären – man denke hier nur an Autos, die ja letztlich nur dem Zweck der Mobilität dienen sollten.

    Aber bei Kunst wird es ja nun deutlich komplexer. Wie viele Bücher muss ich gelesen, wie viel Musik muss ich gehört, wie viel Kunstwerke gesehen und wie viele Menschen muss ich gesprochen haben, um tiefe Erkenntnis und Weisheit eines Satzes ergründen zu können? Und Kunst verspricht deutlich mehr als einzig nur Erkenntnisgewinn. Musik wäre da ja eine vollends sinnlose, zeitverschwendende Kunst.

    Zudem denke ich, dass das Beschäftigen mit Literatur sich nicht sonderlich durch Erkenntnisgewinne auszeichnet. Da gibt es deutlich effizientere Wege. Die Quintessenz dessen, was durchschnittlich auf 300 bis 400 Seiten erzählt wird, benötig selten mehr als einen Satz – vorausgesetzt man ist fähig ihn zu formulieren. Und bevorzugt lesen wir zudem, was unsere schon gefassten Meinungen und Ansichten von der Welt bestätigen soll.

    Doch vom Ausgangspunkt stimme ich zu: Bücher, die über 500 Seiten haben, sind mir zunächst auch sehr suspekt. Es erfordert schon einige Vorleser, um mich für solche Werke zu gewinnen. Donna Tartt habe ich deshalb sehr gerne gelesen und fand dann den Umfang völlig legitim. Wenn ich jedoch auf die Bücher schaue, die ich in jüngster Zeit als besonders lesenswert empfand, stimme ich überein, dass es schmale Bände waren, Kunstwerke der Verknappung: „Herkunft“ von Botho Strauss und „Das Fest der Bedeutungslosigkeit“ von Milan Kundera. Letzteres ist auch eine perfekte Empfehlung für den gewonnen Erkenntnisgewinn bei Donna Tartt.

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    1. Das führt zu der Frage: Warum liest man? Und die wird letztendlich jeder für sich selbst ganz individuell beantworten. Ich lese manches Mal auch, weil ich schlicht und einfach gut unterhalten werden will. Es ist dann das etwas „mehr“, wenn das Lesen nicht nur eine gedankliche Auseinandersetzung freisetzt, sondern tatsächlich auch den berühmten „Aha!-Effekt“ auslöst. Frei nach Kafka: Das Buch als die Axt…

      Wenn aber ein Buch doch eine gewisse Zeit meiner Lebensspanne einnimmt, dann möchte ich mehr als den reinen Genuß und die Lust, in eine Geschichte eingetaucht zu werden. Ich habe übrigens im Beitrag ja von einer „persönlichen Kosten-Nutzen-Rechnung“ geschrieben und dies nicht als Postulat oder allgemeingültigen Bewertungsmaßstab für das Lesen (dicker) Bücher aufgestellt.

      Der subjektive Erkenntnisgewinn ist für mich persönlich ein nicht unbedeutender Bewertungsmaßstab, wenn das Buch – aus welchen Gründen auch immer, sei es wegen seines Volumens, seiner Komplexität, seiner Sprache – eine große Spanne MEINER Zeit erfordert. Und aus diesem Gesichtspunkt heraus empfinde ich den Distelfink (ganz subjektiv) als eher enttäuschend und inhaltlich flach.

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  9. Danke für diese doch sehr originelle Einschätzung. Die Kritiken haben sich ja geradezu überschlagen. Ich konnte mich nie dazu durchringen, weniger wegen des Umfangs als vielmehr aufgrund des total negativen Feedbacks, das meine Frau zur ebenfalls hochgelobten „Geheimen Geschichte“ gab. Viele Grüße, Gerhard

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    1. Sehr sympathisch: Die Frau sagt, was literarisch Sache ist und der Mann folgt 🙂 (Witz). Die Geheime Geschichte habe ich wiederum nicht gelesen, ich denke aber auch, dass ich so schnell nicht wieder zu einem Tartt-Buch greife.
      Viele Grüße, Birgit

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  10. Das ging mir ganz anders obwohl ich durchaus bei dicken Schinken immer mal eine Allergie entwickel und mich drücken will 😉 Den Distelfink habe ich verschlungen, ich fand ihn spannend, die Dialoge knackig, habe mich rundherum wohl gefühlt und auch einiges gelernt.

    Finde es aber interessant auch mal gegenläufige Meinungen zu lesen. Holy Blogland ist viel zu häufig langweilige Monokultur …

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  11. Der Erkenntnisgewinn, der ich durch Literatur erhalte, soll das Maß aller Dinge sein, um ein (vielleicht zu langes) Buch zu bewerten? Das scheint mir eine steile These zu sein. Ich bin gerade mittendrin im Distelfink (so um die 200ste Seite), deshalb scheint es mir zu früh für ein abschließendes Urteil. Aber bis hierhin finde ich es großartig, die genauen Beschreibungen, die Orte, Situationen und die Stimmungen der Protagonisten in meinem Kopf entstehen lassen, ohne, dass sich das wie dargereichte Informationshäppchen anfühlt – großartig. Ich habe „Der Distelfink“ vor einiger Zeit gekauft, weil ich vor Jahren „Die Geheime Geschichte“ sehr gerne gelesen habe. Die Dicke des Buchs, die Trägheit der Situation auf den ersten 20 Seiten haben dazu geführt, dass ich relativ lange das Buch nicht wirklich angefangen habe. Aber im Moment finde ich es wie gesagt großartig. Und kommt es nicht gerade auch (nicht nur) darauf an: Ein Autor öffnet mir eine unbekannte Welt, entführt mich in seine Sprache, seinen Rhythmus?

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    1. Wie in meiner Antwort auf Brasch Buch: Ich habe nicht die These aufgestellt, dass Erkenntnisgewinn das Maß aller Dinge ist, um ein Buch zu bewerten. Das muss ja jeder für sich entscheiden – aber für mich ist es ein Kriterium, das mir immer wichtiger geworden ist im Laufe eines Leserlebens. Mir persönlich ist es zu wenig, in eine unbekannte Welt entführt zu werden durch Literatur. Das könnte ich, flapsig gesagt, auch beim Reisen haben oder im Kino.

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  12. Ich schreibe viel. Diese Zeit habe ich dann zu wenig zum Lesen.
    Das ist schade. Denn dadurch entgeht mir manch literarisches Kleinod, das zu lesen wiederum gut täte, um mich zu inspirieren, um Ideen zu bringen oder meinen sprachlichen Ausdruck zu schulen.
    Darum lese ich kaum noch Prosa und wenn, dann konsumiere ich sie langsam, nehme mir Zeit und wähle sorgfältig, was mich weiterbringt, unabhängig davon. Nicht jede Schreibe spricht mich an, ‚packt‘ mich. Das hat jedoch nichts mit dem Können oder der Qualität der Lektüre zu tun. Es ist rein subjektives Empfinden. ‚Der Distelfink‘ klingt ungemein spannend. Doch für über tausend Seiten fehlt mir als Schreibende, zum Lesegenuss schlichtweg die Zeit.
    Doch in den Jahren, als ich noch jünger war, keine Kinder hatte, keinen Job, da habe ich solche dicken Wälzer geliebt und mit Genuss gelesen.

    LG,
    die Karfunkelfee✨

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  13. „Wieviel Bücher kann man in einem Leseleben lesen?“

    Gute Frage.. 🙂 Die Frage stellt sich natürlich, weswegen man liest. Und manchmal findet man Gold in einer Verpackung, die das nicht erahnen liess…

    Ich les zwar gerne, aber es gab immer wieder Zeiten, wo ich „bücherabstinent“ war.

    Ich ärgere mich höchsten über Bücher, die einen total unbefriedigenden Schluss haben oder die eine Stelle aus meiner Sicht „falsch“ erzählen. Allerdings hatte ich dieses Gefühl, was du beschreibst auch schon, bei George R.R. Martin bei „Games of thrones“, die ich mir in englisch antat und beim letzten Band, der erschien, dachte, wieso sich der Mann eigentlich nicht kürzer fassen kann und alle netten Leute sterben liess. Den letzten Band werde ich nicht mehr lesen.
    Donna Tarrt’s „Geheime Geschichte“ habe ich übrigens zweimal gelesen. Beim ersten Mal war ich begeistert. Beim zweiten Mal, nach ungefähr 10 Jahren, dachte ich, was hab ich bloss an dem Buch gefunden? So verschieden kann man den Lesestoff beurteilen. Deswegen denke ich, dass Bücher zum „richtigen“ Zeitpunkt gelesen werden müssen… wo sie einen irgendwie weiterbringen.

    Ich schweife ab. Dabei wollte ich eigentlich sagen: Ist denn Konsum-Lesen so schlimm? Weswegen einem ein Buch gefällt ist doch eigentlich eher Nebensache, finde ich. Ein Buch bringt einen in eine neue Welt. Bequem zu Hause. Eröffnet neues Denken. Einen Stress im Bücher-lesen zu haben, wieso sollte man sich das antun? Haben wir nicht sonst genügend Stress? ❓

    LG Iwan

    P.S. A propos Bücher, die zum lesen warten. Mein Stapel ist wieder angewachsen auf 43 cm. Liegend. Allerdings *finde* ich meine Bücher beruflicherweise auf Wertstoffhöfen… 😉 deswegen könnte es wohl noch länger dauern, bis ich die Bibliothek in Aarau wieder besuchen werde. 🙂

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  14. Interessante Diskussion hast du da entfacht. Ich möchte auch, dass mich meine Lektüre weiterbringt, aber das kann auf ganz unterschiedlichen Wegen passieren. Zum Beispiel lese ich gerade ein Buch, das ich wirklich schrecklich finde, das aber ganz viele Leute wahnsinnig lieben und das sogar den Prinzipien Goncourt gewonnen hat. Und mich über das Buch mit seiner Platten Liebesgeschichte und den wahnsinnig klischeehaften Frauenfiguren zu ärgern und gleichzeitig zu verstehen zu versuchen, warum es so gelobt wird, bringt mich tatsächlich weiter.

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  15. Der letzte Schinken, der in meiner Erinnerung in diese Kategorie fällt, ob der Zeitaufwand es wert sei, war ‚A Suitable Boy‘ von Vicram Seth. Der Roman hatte bei Erscheinen in Deutschland großen Wirbel gemacht, scheint aber heute fast vergessen. Auf dem Dovegreyreader-Blog wurde er letztes Jahr dann zum „longread“ gekürt, was bedeutet, dass er Kapitelweise über ein Jahr im team gelesen wird, begleitet von Eindrücken, Kommentaren und generellen Austausch auf dem Blog. Das bietet sich bei dicken Romanen an, und wenn man dann nach Nützlichkeit geht – und nicht das Leben (inklusive Lektüre) in seinem Durcheinander annimmt wie es kommt, – bleibt immer ein Plus.

    Der Distelfink wurde übrigens auch überaus eifrig auf dem Devonshire-Blog diskutiert, aber ich habe den Roman bisher noch nicht gelesen – soviel anderes steht an; in fact – dieser Blogeintrag hier gab mir den nötigen Schubs, die Henri Quatre Lektüre wieder aufzunehmen. Danke also.

    PS: A Suitable Boy werde ich nicht ein zweites Mal lesen, behalte aber gute und liebe Erinnerungen an Protagonisten und Stellen (zum Beispiel die Wolfsjagd). Mal sehen, es soll ‚A Suitable Girl‘ bald (?) folgen, und ich schließe nicht aus, dass ich das Buch lesen werde, selbst, wenn es wieder 1000 Seiten dick ist.

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  16. Ich habe es im vergangenen Sommer als DIE Urlaubslektüre aus Meer getragen und war zunächst verwundert, dann enttäuscht und später – ja auch irgendwie verärgert. Ich habe dann nach vierhundert Seiten aufgehört und bin, liebe Birgit, endlich einmal anderer Meinung. Ich fand, dass da unbedingt hätte gekürzt werden können und mir war, was bis dahin passierte, auch sehr vorhersehbar – aber das ist vielleichtnauch ein bisschen berufsbedingt … Sehr herzliche Grüße!

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