Niederlande erlesen (3)

20 Kommentare

DSC01581Heute ein kurzer Blick auf Neuerscheinungen aus den Niederlanden, wie sie anderswo empfohlen werden:

„Ein Brautkleid aus Warschau“: Der Roman von Lot Vekemans erhält mehr als positive Besprechungen – Samy von der Kulturbuchhandlung Jastram empfiehlt ihn als ein Buch für die nächsten Jahre, Masuko13 berichtet von einer Lesung der Autorin bei „We read Indie“ und Hauke kommt in seiner Rezension bei „leseschatz“ auf den Schluss: „Ein schöner, sehr bewegender Roman.“ Ich wurde schwach und habe mir – trotz Buchkaufverbot – nach einem Blick in die Leseprobe das Buch geholt.

Noch eine Empfehlung von Samy, der ich mich anschließen kann: „Hinter der Milchstrasse“ von Bart Moeyaert.

„Bart Moeyaerts Buch über die Tage und Wochen im glühenden Sommer mit Oskar, seinem Bruder Bossie und dem Mädchen Geesje liegt bei uns in der Buchhandlung auch auf dem Tisch mit Bücher für Erwachsene. Einfach deshalb, weil es ein kleiner Text ist, der Sie gefangen nimmt. Und wenn er einen anderen Umschlag hätte, würden sich die Besprechungen überschlagen. wie sich ein Autor so fein, so unaufdringlich und doch intensiv in die Kinderseele des (vielleicht 7-jährigen) Oskars hineinversetzen kann. Wenn Sie das Buch gelesen haben (Sie werden es nicht aus der Hand legen), dann verstehen Sie auch die Intension des Autors und merken, dass es natürlich auch und gerade ein Buch für Kinder und Jugendliche ist. Mit all seiner Fremdheit, seiner anderen Art eine Geschichte zu erzählen.“

„Wäre mein Klavier doch ein Pferd“ (das hab ich mir übrigens auch schon oft gewünscht …): Das ist der Titel eines Bandes mit Erzählungen von niederländischen Autorinnen, erschienen bei der Edition Nautilus.

„Lakonisch, direkt, mit einem klaren Blick für die Absurditäten des Lebens erzählen die Autorinnen aus dem Land an der Nordsee. Knapp und eigenwillig, aus oft schräger Perspektive richten sie den Blick auf das Persönliche, das immer auch geprägt ist durch die Historie: die nationalsozialistische Besatzungszeit und deren Nachbeben etwa oder das Verhältnis zu den ehemaligen Kolonien in Südostasien. Im Zentrum ihrer Geschichten stehen Schlüsselmomente der Kindheit, Brüche und Weichenstellungen im Erwachsenenleben, Dramen, die an den Grundfesten des Daseins rütteln.“

Dieser trocken-spröde, tatsächlich schräge Erzählstil liegt mir persönlich sehr – auch das eine Neuzuwanderung für meinem Bücherstapel auf dem Klavier.

Wer die Niederlande erlesen und erschauen will – der Buchbube stellt eine Graphic Novel über Hieronymus Bosch vor, dessen 500. Todestag heuer mit zahlreichen Veranstaltungen und Ausstellungen gewürdigt wird. Der dänische Zeichner Marcel Ruijters wirft einen ganz eigenwilligen Blick auf Leben und Werk des Meisters.

Und im Moritzverlag erschien ein Kinderbuch, das sich mit dem niederländischen Malergenie beschäftigt: Thé Tjong-Khing lässt einen kleinen Jungen in eine Schlucht stürzen – und dort trifft er auf fremdartige Wesen, erlebt Ungeahntes, lernt eine neue Welt kennen. „Hieronymus – Ein Abenteuer in der Welt des Hieronymus Bosch“, ein Buch ohne Worte, zum Anschauen wunderschön!

P1030728Schon im letzten Beitrag zu „Niederlande erlesen“ waren auch Kinderbücher erwähnt. Eine Autorin oder vielmehr Kinderbuchillustrationskünstlerin mag ich besonders – ihr soll ein eigener Beitrag gehören: Mies van Hout. Seit ich ihr Buch „Heute bin ich“ das erste Mal in der Hand hatte, bin ich ihren Zeichnungen völlig verfallen. „Heute bin ich“: Das ist ein Wort, eine Farbe, ein Gefühlszustand, jeweils einem Fisch zugeordnet. Als Fischefrau hatte sie mich damit in ihrem Netz. „Ein kleines Schmuckstück der Sprachförderung“, urteilte dazu die Kinderbuch-Couch in ihrer Rezension.

Das Buch ist ein Schmuckstück – aber auch viel mehr als das: So findet es in der therapeutischen Arbeit mit Kindern seinen Einsatz, in der oben erwähnten Sprachförderung, aber auch, um traumatisierten, verstummten Menschen Ausdrucksformen an die Hand zu geben. Und darüber hinaus ist es einfach zum Schwelgen und Anschauen schön. Wie übrigens auch die weiteren Bücher von Mies van Hout, die in deutscher Ausgabe beim Aracari Verlag erscheinen.

Hier geht es zur Homepage der Künstlerin: http://www.miesvanhout.nl/

20 comments on “Niederlande erlesen (3)”

  1. Liebe Birgit, vielen Dank, das hört sich tatsächlich alles sehr vielversprechend an – vielleicht könntest du allerdings berücksichtigen, dass deine LeserInnen kaum noch Zeit zum Lesen finden, wenn du jetzt wieder mehr und mehr in den „Originalmodus“ zrückkehrst 😉 Herzliche Grüße und einen schönen Tag!

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    1. Liebe Jutta,
      tut mir leid, aber ich kann keine Rücksicht auf Euch nehmen. Warum bist Du überhaupt schon so früh auf? Das ist doch sonst nicht Deine Zeit – na ja, aber wenn der Tag länger ist, dann kannst Du auch mehr lesen 🙂
      Dir auch einen schönen!!! Birgit

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      1. … eigentlich wollte ich es ja bei einem Sternchen belassen, aber nun muss ich doch noch schnell schreiben, was das für ein toller Satz ist: Tut mir leid, aber ich kann auf euch keine Rücksicht nehmen! Der macht mir richtig gute Laune. Was damit alles möglich wird. Es ist ja mit Sätzen oft wie mit Menschen: Man sieht sich immer zweimal ;))))

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  2. Ach, du Unermüdliche! Tausend Dank für alle Tipps, besonders auch für den Fotoblog, dem ich jetzt folge – wirklich tolle Bilder!
    Hab einen schönen Tag
    herzlichst Ulli

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  3. Danke für die Hinweise. Ich habe auf deiner Anregung hin von Leon de Winter SuperTex gelesen und mich amüsiert! Es wird nicht mein letztes Buch von de Winter gewesen sein. Einen schönen Tag von Susanne

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      1. Danke für die Empfehlung, Birgit. Ja, der Sommer, der könnte bald kommen, es würde mir schon genügen, wenn die Sonne jeden Tag lacht!
        Einen schönen Samstagabend wünscht dir Susanne

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  4. #3 – Fleissig, muss ich sagen!
    Richter Di aus #2 finde ich übrigens auch hervorragend.

    Es gibt noch einen wunderbaren Exil-Niederländer, der fast vergessen scheint: Meindert de Jong. Von dem gab es früher „Das Rad auf der Schule“ und „Das Pferd, das im Sturm kam“, Kinderbücher, aber richtig gute Literatur. Maurice Sendak hat die englischen Ausgaben von ihm illustriert, und er wurde mit Preisen ausgezeichnet. Recht so.

    Jetzt lese ich weiter Hella S. Haasse; Das inmdonesische Geheimnis (Verlag :transit), ein sehr gepflegter kleiner Roman zur Kolonialgeschichte der Niederlande in Indonesien. (Stimmungsmäßig finde ich die Erzählungen von Somerset Maugham stärker, aber 1. ist der nicht Niederländer und 2. möchte ich einfach den Plot bei der Haasse auch wissen.)

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    1. Danke für die Tipps, Margarethe … wenn Maurice Sendak illustriert hat, klingt das gleich doppelt spannend.
      Die niederländische Kolonialgeschichte ist ja neben der deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg eines der prägenden Themen der zeitgenössischen niederländischen Literatur … danke daher für den Hinweis auf Haasse … ich möchte mich da auch noch etwas mehr einlesen.

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  5. wenn ich wöllte, wie ich könnte… würde ich viel mehr lesen 🙂
    jetzt war ich erstmal bei den schönen, von dir empfohlenen Fotografien von Henk Goossens hängengeblieben. Bei mir ist heute das internet sehr hakelig, deshalb schreibe ich mal an dieser Stelle, wie wunderschön das vorgestellte Kinderbuch ist. Hast du über diese schönen Fische schon mal was geschrieben? Ich wünsche dir einen schönen Samstag und grüße dich ganz herzlich 🙂

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  6. Vielen Dank für den Beitrag! Ich möchte gerne mehr Niederländisch lesen, um die Sprache nicht zu verlernen, und weiß immer nicht, was. Jetzt habe ich was abzuarbeiten. Und die Graphic Novel über Jeroen Bosch ist sicher was für meinen Mann, dessen Lieblingsmaler Bosch ist. Danke!

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    1. Falls Du noch weitere Anregungen suchst … es gab auch mal Niederlande erlesen 1 & 2: https://saetzeundschaetze.com/2016/02/09/niederlande-erlesen-1/
      Wobei ich so viele der moderneren Klassiker noch gar nicht erwähnt habe – ich bin immer wieder erstaunt, wie reichhaltig die Literatur dieses Landes ist, so unterschiedlich dann doch zu der deutschen und doch wieder so verwandt. Viel Spaß jedenfalls beim Auffrischen der Sprache!

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