#VerschämteLektüren (16): Dramen unter Damen mit Lesegelage

11 Kommentare
Sabine zeigt sich auf ihrem Blog „Binge Reading & More“ als wahre Bücherverschlingerin. Die Lesegelage werden von ihr frech, fröhlich, frei, aber eben nicht fromm und brav präsentiert. Amüsierfaktor beim Lesen inklusive. Worauf ich ein wenig neidisch bin: Sie liest amerikanische und englische Literatur nicht nur im Original, sondern schreibt darüber auch in eloquentestem Englisch. Und das, obwohl sie in Bayern lebt – was da die Sprachpolizei der CSU wohl dazu zu sagen hätte?
Mit ihrem Beitrag zu #VerschämteLektüren bringt Sabine nochmals einen weiteren Gesichtspunkt in die ganze Reihe:
price_of_salt-f„Also, meine gelegentliche heimliche Leidenschaft: Liebesschmonzetten und zwar – Dramen unter Damen. Da ist der Begriff coming-out doppelt treffend. Ist schon eine Weile her, aber schon der Kauf der Lektüre hatte es in sich, das Herumstreichen um die Bücherregale mit den gefährlich interessanten Titeln. Das Schauen, ob die Luft rein ist und dann, wenn keiner guckt: Buch schnappen, halb unter der Jacke versteckt zur Kasse schleppen, abwarten, bis niemand in der Nähe ist und dann zack Patricia Highsmith‘ „The Price of Salt /Carol“ auf die Theke geschuppst und inständig gehofft, die knallrote Rübe fällt nicht weiter auf, Kommentare und Blicke bleiben weg und die Tür kann im Stechschritt und ohne Hindernisse erreicht werden.
Jaaaa, das nenne ich doch dann mal Lektüre, die die Herzen höher schlagen lässt. „Carol“ war dann aber auch einfach wirklich wunderbar. Kein Krimi, wie man es sonst von Frau Highsmith gewohnt ist, sondern eine wunderbare Liebesgeschichte und dann auch noch – ganz unglaublich MIT Happy End!
Ganz und gar nicht selbstverständlich. Üblicherweise und lange Zeit endeten solche Romane damit, dass eine der Damen einen Mann heiratet und die andere daraufhin vom Dach springt oder Schlaftabletten nimmt oder ins Kloster geht. Da war das schon sehr fortschrittlich. Es war auf jeden Fall der Beginn einer gelegentlich heftig brennenden Schmonzetten-Leidenschaft und Frau Highsmith ist Schuld. So schaut`s aus.
Sag ich mir, wenn ich mal wieder auf jeglichen literarischen Vollwert-Gehalt pfeife und auf dem Sofa liegend einem Happy End entgegenfiebere.
Frau Highsmith hat den Roman in den 50ern unter dem Pseudonym Claire Morgan veröffentlicht und erst in den 1990er Jahren ist er unter ihrem Namen erschienen. Mein Carol-Exemplar hab ich natürlich noch immer, es darf jetzt auch ganz munter und offen im Regal herumstehen, aber den verräterischen Schutzumschlag, den hab ich damals gleich vor der Buchhandlung entsorgt.
Verfilmt wird er jetzt gerade, der Roman, mit Cate Blanchett und ich freue mich schon sehr auf den Kinoabend.
Hier noch ein Link zu meiner bislang einzigen Schmonzetten-Rezension auf meinem blog:  Landing – Emma Donoghue.
Also, auf zu Binge Reading & More: http://bingereader.org/

11 comments on “#VerschämteLektüren (16): Dramen unter Damen mit Lesegelage”

  1. Sabine, ich finde, das Buch läuft hier deutlich unter Wert. Deine Formulierungen lassen nicht viel mehr als einen spaßmachenden Unterhaltungsroman vermuten, aber meiner Meinung nach ist „The Price of Salt“ (oder deutsch „Salz und sein Preis“) deutlich mehr als das, nämlich durchaus ein literarisch hochwertiger Roman. Er ist in einer wunderschönen Sprache geschrieben, und dass er happy endet, muss ja kein Charakteristikum für seichte Unterhaltung sein. Und wie wohlbehalten das Buch die Jahrzehnte überstanden hat, zeigt sich schon dadurch, dass es danach kaum Romane mit lesbischen Charakaterinnen gab, die „Salz und sein Preis“ auch nur annähernd das Wasser reichen können.

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  2. Du liebe Güte – das wollte ich natürlich auf gar keinen Fall. In der Tat ist „The Price of salt“ ein wunderbar gehaltvoller Roman mit wunderschöner Sprache.

    Also meine Lieben – lest dieses Buch, es ist keine oberflächliche Liebesgeschichte und Herr Duwald tatelt mich da ganz zu recht und das hat Frau Highsmith nicht verdient.

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