VOM LESEN UND REISEN

Jedes Mal, wenn ich ein Buch aufschlage, ist dies für mich wie der Beginn einer Reise: Die Lektüre entführt mich ins Unbekannte, bringt mir ferne Länder, fremde Sitten, neue Menschen näher.

Lesen und Reisen verbindet so vieles: Im besten Falle verändert beides den Blick auf die Welt und bringt neue Perspektiven. Auf dem Blog nimmt daher auch die Reiseliteratur einen breiten Raum ein.

Eine literarisch-journalistische Reise um die Welt:

Wie witzig man über Ethnologie schreiben kann, verdeutlichte Nigel Barley mit seinem Bestseller „Traumatische Tropen. Notizen aus meiner Lehmhütte“. Er erzählt darin von seinen Anfängen als Forscher in Kamerun.

1888 wird Nellie Bly (1864 – 1922) von der New York World beauftragt, schneller als der Held von Jules Vernes um die Welt zu reisen. „Around the world in 72 days“ ist ebenso rasant geschrieben, wie das Reisetempo der jungen Journalistin war.

Für den Schriftsteller Paul Bowles (1910 – 1999) war die Wüste eine Metapher für das Leben. Und er selbst führte ein Leben wie ein Nomade – in „Taufe der Einsamkeit“ sind seine in zwei Jahrzehnten versammelten Reiseberichte zu finden.

Bruce Chatwin (1940 – 1989) begab sich auf die Spuren der „songlines“: Damit beschreiben Aborigines die australische Landkarte. Die Lieder umreißen das Land und die heiligen Stätten der Ureinwohner. „Traumpfade“ ist ein ganz besonderes Reisebuch.

John Dos Passos (1896 – 1970) war gerade einmal 25 Jahre alt, als er eine Reise in die Länder des Nahen Ostens unternahm. „Orient-Express“ ist ein Reisebericht, der uns auch heute noch Aufschluss gibt über die verwickelten geopolitischen Verhältnisse in den arabischen Ländern.

Die amerikanische Autorin Martha Gellhorn (1908 – 1988) war eine „Welt-Verschlingerin“: Eine der letzten abenteuerlich Reisenden vor dem Ausbruch des Massentourismus. In „Reisen mit mir und einem Anderen“ (mit dem Hemingway gemeint ist) berichtet sie von „fünf Höllenfahrten“.

2019 veröffentlichte Almut Irmscher im Reisebuchverlag Mana ihr Griechenland-Lesebuch mit aktuellen Tipps und vielen Fakten zur Geschichte der Hellenen.

Von 1947 bis 1948 bereiste Christopher Isherwood (1904 – 1986) Südamerika. Sein Reisebuch „Kondor und Kühe“ zeigt einen unverfälschten Blick auf einen „jungen“ Kontinent.

Ryszard Kapuściński (1932 – 2007) bereiste zwischen 1956 und 2006 mehr als 100 Länder, hielt die Folgen der Dekolonisation, von Bürgerkriegen, Aufständen und Revolutionen fest, dokumentierte aber auch Alltägliches und Alltagsleben. Er gilt als Reporter des Jahrhunderts und als Poet der Reisereportage, seine Bücher – darunter auch „Meine Reisen mit Herodot“ wurden in fast 40 Sprachen übersetzt.

Albert Londres (1884 – 1932) war „Ein Reporter und nichts als das“. Der Wissenshunger und die Neugierde trieben diese Journalistenlegende um die halbe Welt. Der Band versammelt einige seiner besten Reportagen.

Ein literarischer Reiseführer, der nach Sonne schmeckt und nach Meer riecht: Die Geschwister Erika und Klaus Mann entführten 1931 ihre Leser an eine wunderbare Ecke Europas mit „Das Buch von der Riviera“.

Einfach ein grandioses Lesevergnügen: Mark Twain (1835 – 1910) beim „Bummel durch Europa“ anno 1878. Was „Mark Twain in Bayern“ vorfand, dies stellte Michael Klein für sein Buch zusammen. Berühmt wurde Mark Twain durch seine „Post aus Hawaii“.

Manchmal liegt das Laster doch so nah: 1931 entführte Curt Moreck (1888 – 1957) seine Leser mit einem „Führer durch das lasterhafte Berlin“.

Jürgen Neubauer weiß, wovon er schreibt: Der Autor lebt seit Jahren schon „In Mexiko“. Eine Liebeserklärung an das Land, die bildstark an die Werke von Kahlo und Rivera erinnert. In einem Beitrag für „Sätze&Schätze“ berichtet Neubauer auch über das Leben des Schriftstellers und Exilanten Gustav Regler in Mexiko.

Manche wollen immer dorthin, wo es kracht und scheppert, wo Tränengas und Pfefferspray in der Luft liegen, wo hinter der nächsten Mauer ein Heckenschütze lauern könnte. Es gibt Journalisten, die Adrenalin-Junkies sind – P.J. O` Rourke, Schriftsteller und Satiriker ist einer von diesen. Seine besten Reportagen sind in dem Band „Reisen in die Hölle und andere Urlaubsschnäppchen“ versammelt.

Judith Schalansky stellte für ihren wunderbar gestalteten Band „Atlas der abgelegenen Inseln“ Orte zusammen, an die man eigentlich nicht unbedingt reisen will…

1948, als in den USA Anti-Kommunismus-Hysterie herrscht, unternimmt Schriftsteller John Steinbeck (1902 – 1968) gemeinsam mit Fotograf Robert Capa (1913 – 1954) eine „Russische Reise“. Ein lesenswerter Zeitbericht. Einige Jahre später begab sich Steinbeck dann auf eine Reise in das Innere Amerikas. Mit seinem Pudel erforschte er seine Heimat in „Meine Reise mit Charley“.

Ilija Trojanow verfasste zwei Bücher über einen rastlos Reisenden und Suchenden: Sir Richard Francis Burton (1821 – 1890), Nomade und Weltensammler. Auf die Spuren des Briten begibt sich Trojanow in „Der Weltensammler“ und „Nomade auf vier Kontinenten“.

Von Dresden nach Indien: Durch 24 Länder reist der Autor Mathias Vatterodt in seinem umgebauten Mitsubishi Pajero. Von seinen Abenteuern und Begegnungen erzählt er in „Wild Road Trip. Der lange Weg nach Indien“.

1917 reist Edith Wharton (1862 – 1937) sechs Wochen durch Marokko – als eine der ersten Frauen kommt sie an Orte, die bislang Fremden verschlossen blieben. Ihre Eindrücke schildert sie in ihrem Reisebericht „In Marokko“.

22 Stationen auf fünf Erdteilen besuchte, ja sezierte beinahe auf literarische Weise Roger Willemsen (1955 – 2016) in diesem Expeditionsbericht: Er suchte „Die Enden der Welt“. Ebenfalls lesenswert ist sein Blick auf das buchstäblich Naheliegende in „Deutschlandreise“.