IM LYRIKRAUM: Agnieszka Lessmann

In ihrem ersten Gedichtband bringt Agnieszka Lessmann eigene familiäre Erfahrungen und Erfahrungen aus ihrer Arbeit mit Migranten zusammen.

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LessmannMutter Sprache

Jetzt, nach ihrem Tod schreiben:
Schritte barfuß auf rissigem Boden
an den Rändern der Schollen
bröckelt der Staub
Es erscheint ein einziges Wort:
DURST

Agnieszka Lessmann, „Fluchtzustand“.

Jedes einzelne Gedicht in diesem ganz aktuell erschienenen Band ist ein Stolperstein, ein Denkanstoß. „Fluchtzustand“: Ein Zustand, so wird es an einzelnen Poemen deutlich, den die Autorin aus eigenem Erleben kennt, das dringt aus Gedichten wie „Zimmer hier“ und „Erinnerung an Wien, 11. November 1968“ hervor, die sich mit Vergangenheit und Herkunft auseinandersetzen.

Aber im „Fluchtzustand“ zu sein, das ist auch die Situation der Menschen, mit denen die Kulturjournalistin und Hörbuchautorin Agnieszka Lessmann in ihrer Arbeit als Dozentin bei Integrationskursen zu tun hat.

Für die vielen Facetten dessen, was Heimatverlust bedeutet, was die Unsicherheit des Ankommens in einer fremden Welt heißt, wie der Bruch zwischen Vergangenheit und ungewisser Zukunft vonstatten geht, für diese Facetten findet und nutzt Lessmann in ihrem ersten Gedichtband verschiedene Formen: Mal in kürzester Verdichtung wie in „Mutter Sprache“, mal in fast balladenhafter Langform, mal lautmalerisch, mal direkt und mitten ins Mark.

Und mit Bildern, die sich einprägen. So ein Auszug aus dem anrührenden Gedicht „Wie man sein Haus verlässt“, das Fluchtzustände aus drei Ländern und drei Generationen zusammenführt:

ragen die Skelette der
Häuser von Aleppo
in grauen Himmel
wo der Alp und die Zitronen
fallen aschen in
den Sand.

Agnieszka Lessmann wurde in Polen geboren und wuchs in Israel und Deutschland auf. Mehr Informationen zur Autorin finden sich unter www.agnieszkalessmann.de

Informationen zum Buch:
Agnieszka Lessmann
Fluchtzustand
Elif Verlag 2020
Klappenbroschur mit Fadenheftung, 100 Seiten, 18,00 Euro
ISBN 978-3-946989-28-8

Ein Interview mit der Autorin findet sich auf dem Blog Bücheratlas.

 

 

 

3 comments on “IM LYRIKRAUM: Agnieszka Lessmann”

  1. danke für diese schöne reihe. das erinnert mich daran, dass ich eigentlich auch schon länger über lyrik schreiben wollte, die ich gelesen habe. kommt zeit kommt tat. 🙂 einen angenehmen sonntag wünsche ich dir. liebe grüße und danke.

      1. das motiviert mich ein bisschen mehr noch, liebe marina. 🙂 ich schau mal, ich bin nicht so geübt darin, ganze lyrikbände zu rezensieren. was ich immer spannend finde, ist, ein gedicht oder zumindest einen ausschnitt daraus zu lesen. doch wie verhält es sich damit rechtlich?
        liebe innerstädtische grüße und eine gute woche dir! 🙂

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