Tonio Schachinger: Nicht wie ihr

Gastautor Florian Pittroff ist hellauf begeistert: Ein Roman zu seiner Leidenschaft hatte es auf die Nominierungsliste zum Deutschen Buchpreis geschafft.

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Bild: Florian Pittroff, www.flo-job.de

Gastautor Florian Pittroff, selbst ein riesiger Fußballfan, ist hellauf begeistert: Ein Roman zu seiner Leidenschaft hatte es auf die Nominierungsliste zum Deutschen Buchpreis geschafft. Und obendrein ist der Roman in seinen Augen sogar „ein urgeiles Buch“.

Sein Urteil:

Tonio Schachinger legt ein herrliches Buch über Fußball mit Migrationshintergrund vor. Wenn man angefangen hat, kann man das 300 Seiten starke Werk nicht mehr so wirklich zur Seite legen.

Das liegt auch daran, dass es mittellange bis kurze Kapitel beziehungsweise Unterteilungen gibt, die das zügige Weiterlesen ziemlich fördern. Immer denkt man, „ach, ein Kapitel lese ich noch“ und dann ist das Buch auch schon zu Ende.

Im Mittelpunkt des Romans steht Ivica „Ivo“ Trifunović, 27 Jahre alt und ein internationaler Fußballstar. Ivo sieht sich als Mittelpunkt der Welt, er ist besonders cool drauf, besonders gut im Spiel und er verdient 100.000 Euro die Woche, fährt einen Bugatti, hat eine Ehefrau und zwei Kinder, die er über alles liebt. Doch als seine Jugendliebe Mirna ins Spiel kommt, gerät das sichere Gerüst ins Wanken….

Es ist die lässige und witzige Erzählweise von Tonio Schachinger, die den Leser immer bei der Stange hält. Gespickt mit Wiener Schmäh und herrlichen Fußballmetaphern gibt der Roman Einblick in das Drama Profifußball gepaart mit einem Schuss Kapitalismus.

Skurril treffend und sensationell gut sind die Vergleich, die Tonio Schachinger für seinen Fußballprotagonisten erfunden hat: Die Geborgenheit in der Familie ist ein Cordon Bleu, der Fußball eine einzige Serie: „Wer immer zusieht, erkennt wenn was Bedeutendes passiert. Jeder Verein ist eine Serie, jede Liga eine große Serie und Ivo spielt in der spannendsten von allen, bei Games of Thrones“.

Es ist aber nicht immer alles amüsant und lustig – Fußballer sind eigentlich arme Schweine: „Heute vor einem Jahr war Ivo ganz oben: seit September fix qualifiziert für die EM, Doppeltorschütze im Derby gegen Liverpool, hat einem traurigen Steven Gerrard respektvoll die Hand geschüttelt, war glücklich. Heute ist Ivo niedergeschlagen, und morgen wird er es auch sein und übermorgen und überübermorgen, und genau deshalb ist er niedergeschlagen, weil alle Tage gleich sind“.

Und da passt dann auch folgendes Zitat recht gut, warum man denn überhaupt Fußballprofi wird. Für Ivo hat das nur bedingt mit Talent zutun. „Entscheidend ist das man ein langweiliger Mensch ist. Je langweiliger, je weniger Interessen abseits des Platzes, desto besser“.

Voll kluger, akzentuierter Anspielungen erzählt Tonio Schachinger vom Fußball, von Ivo, von Rassismus: „Ivo, jetzt bist du ein richtiger Österreicher!“ (…) und in Wahrheit steht dort damit jedes Mal, wenn er etwas falsch macht: „Ivo, jetzt bist du wieder ein richtiger Tschusch!“, von Sexismus und Kapitalismus. Nur wer Erfolg hat ist ein Großer. Wer keinen hat oder keinen mehr hat: Vergiß ihn!

Das Buch sollte man nicht vergessen, sondern lesen! Sonst gibt es die Rote Karte!

Ein Beitrag von Florian Pittroff
Homepage: flo-job.de

Informationen zum Buch:
Tonio Schachinger
„Nicht wie ihr“
Kremayr & Scheriau Verlag 2019
Hardcover, 304 Seiten, 22,90 Euro
ISBN: 978-3-218-01153-2


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