LESARTEN: Badewannenbücher

Der Kaffeehaussitzer schrieb einen wunderbaren Beitrag über den Umgang mit Büchern. Daher mein Outing: Ich pflege das Badewannenbuch.

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Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay

Lesende Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens die seltsamsten Gewohnheiten. Neulich lernte ich so den Begriff des „Nosing“ im wunderbaren Beitrag des Kaffeehaussitzers „Über den Umgang mit Büchern“ kennen. Das Schnuppern an Büchern, das Einsaugen des Dufts von frischbedrucktem Papier, eine Angewohnheit, die auch mir so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass ich oftmals vergesse, wo ich gerade bin.

Jedenfalls gibt es so Angewohnheiten und Rituale, die weniger biblioman veranlagte Menschen oftmals nicht nachvollziehen können: Trefflich lässt sich beispielsweise darüber debattieren, wie man seine Bücherregale anordnet, ob man der Bücher zuliebe überhaupt jemals wieder umzieht oder warum auf keinen Fall jemals ein anderer Mensch bitteschön die Bücher umsortieren sollte. Finger weg!

Ich habe beispielsweise in meinem Buchregal ein Brett für eine besondere Kategorie reserviert: Badewannenbücher. Öfter mal studiere ich in einschlägigen Frauenzeitschriften die empfohlenen Rituale. Hm, ja, interessant, überlegenswert. Doch statt einem Dutzend Duftkerzen entzünde ich neben der Wanne lieber die kräftige Leselampe, statt fetter Gesichtspackung und Kristallkügelchen im Wasser brauche ich nur eins – mein Badewannenbuch.

Das sind Lektüren, die es übrigens nie zur Besprechung auf den Blog schaffen, es sei denn, ich wollte die „Verschämten Lektüren“ wiederbeleben. Herrliche Kitschromane, blutrünstige Thriller, irgendwas vertrödeltes neudeutsches Zeitgenössisches, das für ein, zwei Euro auf den Remittentenstapel der Buchhandlungen zu haben ist. Regelmäßig schlage ich da zu und stocke mein Badewannenbuchregalbrett wieder auf. Die gewässerten Bücher kommen – je nach Zustand – auf oder in die Altpapiertonne.

Ich finde das Badelesen herrlich erholsam und fühle mich nach solchen wässrigen Lektüren einfach innerlich und äußerlich gesäubert: Es muss ja nicht immer die hohe Literatur sein, manchmal darf man auch einfach nur in Schmökern baden. Statt „Die Wellen“ von Virginia Woolf eben mal „Der Tote in der Badewanne“ von Dorothy Sayers.

Ein Traum wäre natürlich noch so ein verzauberter Märchenprinzvorlesefrosch wie auf dem Beitragsbild. Das hat mir Bernhard Schlink aber gründlich verdorben. Und sowieso, wer glaubt in meinem Alter noch an Märchen? Selbst liest die Frau!

13 comments on “LESARTEN: Badewannenbücher”

  1. Ich lese ständig in der Wanne – ich liebe es und das schon seit ganz vielen Jahren. Habe keine speziellen Bücher dafür sondern immer das dabei das ich ohnehin gerade am Start habe. In all den Jahren ist mir nur einmal eins reingefallen – das war natürlich ein geliehenes 😉 Habe natürlich brav Ersatz besorgt.

    So und jetzt hab ich Lust auf Wanne und werde mich da heute Abend wohl mit Frau Atwoods „Testaments“ hinbegeben und wehe das fällt jetzt rein 😉

  2. Liebe Birgit,
    ein ganz wunderbarer Beitrag zum Kulturgut des „Badewannenbuchs“. Ich habe einmal Johnsons „Jahrestage“ in der Badewanne gelesen – und platsch war es passiert. Ich konnte es noch retten und habe es vorsichtig getrocknet. Nun kann man beide Seiten auf einmal lesen – das Papier ist ganz durchscheinend geworden, vielleicht durch den Schaum.
    Bei Wanderkarten gibt es ja schon reiß- und wasserfestes Material. Die Buchbrache sollte wohl mal nachdenken, ob es diese Ausstattung nicht auch für Badenwannenbücher geben sollte.
    Breit grinsende Grüße, Claudia

    1. Ausgerechnet die Jahrestage! Da würde ich weinen. Einer Badewannenbuchanfängerin würde ich ja raten, niemals Bücher über 200 Seiten mitzunehmen. Da ist die Flutschgefahr nicht so groß. Wasserfeste Bücher, habe ich heute erfahren, gibt es schon, die Titelauswahl ist aber noch nicht ganz meines: http://www.wannenbuch.de/?fbclid=IwAR0dyoTMdZQ96hE_7wX6Gv5S3aF-CCi2DDO98osOqexENCwslGsg_qRL930
      Da lässt sich noch was machen. Herzliche Grüße und Ahoi! Birgit

      1. 🙂 🙂 :-)! Ich werde verrückt. Es gibt aber auch nichts, was es nicht gibt. Wannenbücher! Und dann die Titel. Einer vielversprechender als der andere. Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Ein wunderbarer Link. Auf in die Schaumbäder.
        Liebe Grüße, Claudia

  3. Hallo Birgit,
    ich bade nicht so oft, aber wenn, lese ich natürlich auch. Doch das ist dann die Stunde angesammelter Zeitschriften- und Zeitungsartikel. So hat jeder seine Rituale.
    Viele Grüße
    Norman

    1. Lieber Norman, Zeitschriftenlesen in der Badewanne ist ja schon aufgrund des Formats nur etwas für Fortgeschrittene. Respekt!
      Herzliche Grüße, Birgit

  4. Hast du dann auch so ein Brett, dass man über die Wanne legen kann, so wie man das in den Lifestylemagazinen sieht? Lesen in der Wanne ist mir zu gefährlich. Ich habe es mal mit einem Hörbuch probiert, aber dann beim Haarewaschen vergessen, die Kopfhörer vorher auszuziehn… 😉 Grüße aus dem klatschnassen Berlin
    Rolf

    1. Ich nehm dann immer das Brett, das ich vor dem Kopf habe, dazu … was heißt: nein ich hab keins. Ich riskiere einfach nasse Seiten. Übrigens, wegen deiner Hörbuch-Lösung: Ein Tablet glaube ich, ist in der Wanne auch nicht so praktisch, oder?

  5. Selbst liest die Frau! Nachdem ich einen großen Stapel Elle vor unserem Urlaub gefunden haben, haben es all die Elles nie ins Gepäck geschafft und landen nun im Papiermüll. Dann doch lieber die Bücher für die Badewanne, den Strand und alles dazwischen.

    1. Gute Entscheidung 🙂 Bei mir hat sich übrigens ein Verlag gemeldet, der eigenes Badewannenbücher herstellt. Er will mir nun ein Probepäckchen schicken. Wenn was richtig schön Kitschiges dabei ist, schicke es dir gerne weiter 🙂

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