LESARTEN: Worüber wir reden, wenn wir über Bücher reden

Einige ungeordnete Gedanken über das Lesen, das Reden über Bücher, das Bloggen und unterschiedliche Motivationslagen.

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Bild von Birgit Böllinger auf Pixabay

In meiner Familie gab es zwei Sprechverbote. Erstens wurde niemals über Geld gesprochen, unter keinen Umständen. Und zweitens nicht darüber, wo man das Kreuz bei irgendwelchen Wahlen setzt. Letzteres hat sich inzwischen etwas gelockert.
Was jedoch versäumt wurde: Ein Sprechverbot über Bücher und Literatur zu erlassen. Das hätte mir vielleicht die eine oder andere zwischenmenschliche Verwerfung erspart.

Denn worüber wir reden, wenn wir über Bücher reden, das hat immer auch damit zu tun, wer wir sind und wie wir leben, denken, fühlen. Die rein akademischen Diskussionen, das l`art pour l`art in der Literatur habe ich noch niemals verstanden. Und auch nicht die von manchen so strikt postulierte Maßgabe, man müsse immer und unter allen Gesichtspunkten das Werk von den Autoren trennen. Wie soll das gehen? Bücher werden von Menschen geschrieben, nicht von Maschinen. Und so fließt in jedes literarische Werk auch ein Stück seiner Schöpferin, seines Schöpfers ein, bewusst, wie in autobiographischen Texten, unbewusst in reiner Fiktion. An ihren Sätzen sollt ihr sie erkennen.

Im Auge des Betrachters

Ebenso sagt es aber auch etwas aus über mich, den Menschen, der diese Bücher liest, was sie in mir auslösen, an welchen Stellen sie mich treffen. Das Kunstwerk wird im Auge des Betrachters neu interpretiert, verwandelt sich. Zwei Menschen lesen ein- und dasselbe Buch niemals auf die gleiche Weise, durch jede individuelle Betrachtung entsteht etwas Neues.

Wenn das nicht die beste Voraussetzung wäre, um sich über seine eigenen individuellen Erfahrungen auszutauschen, um sich auch als Menschen (neu) kennenzulernen und zu begegnen! Ist das nicht auch ein Stück weit die Motivation, warum man Lesekreise besucht, warum man bloggt? So jedenfalls dachte ich in meiner Anfangszeit als Bloggerin, als ich 2013 „Sätze&Schätze“ gründete. Nicht nur seither bin ich in meinem langen Leserinnenleben um manche Erfahrung und leider auch um die eine oder andere Bekanntschaft ärmer geworden.

Denn so sehr das eigene Leben auch durch die Begegnung über das Medium Buch mit anderen Menschen bereichert werden kann, so sehr eignet sich die Literatur auch zum Streitthema, die persönlichste Bereiche (und Abgründe) berühren kann. Ein flapsiges Wort über Peter Handke, dessen Werke und Stil ich noch nie besonders mochte, und schon ist einer, der sich in dessen melancholischer Aneignung der Welt wiederfindet, für immer verletzt. Eine Auseinandersetzung über den Literaturnobelpreis für Thomas Mann und im Grunde wird deutlich, es geht nur darum, wer Recht behält. Eine Bemerkung, die Bücher eines F. Scott Fitzgerald seien oberflächlicher Schmarren, und ich bin innerlich erschüttert. Was ich damit sagen will: Wir eignen uns Literatur an, verwandeln Bücher in etwas „Persönliches“ – und reagieren daher auch zutiefst persönlich, wenn wir über Bücher sprechen.

Als wäre Maxim Biller an Bord

Eindrücklich bewusst wurde mir das einmal mehr, als ich kürzlich Teil eines „Literarischen Salons“ in Augsburg sein durfte. Verlief unsere Diskussion auf dem Podium zunächst noch sehr gepflegt, als es um zwei eher unumstrittene Bücher ging, flogen plötzlich zwischen meinen zwei Mitdisputanten die Fetzen: Stein des Anstoßes war der Debütroman „Ich kann dich hören“ von Katharina Mevissen. Ein Roman, den ich selbst aus sprachlicher Hinsicht sehr mochte, wenn auch als etwas zugepackt mit vielen verschiedenen Themen fand. Aber in meinen Augen ein beachtliches Debüt. Warum es so war, dass die beiden Herren sich plötzlich just über dieses Buch so stritten, als sei Maxim Biller an Bord, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber ich spürte – und auch ein Teil des Publikums spürte dies – es ging nicht mehr „nur“ um das Buch allein.

So vieles schwingt mit, wenn wir über Literatur sprechen: Die eigenen Erfahrungen, vielleicht auch das eigene Scheitern am Schreiben, Enttäuschungen und Vorlieben, Menschliches, Allzumenschliches. In den sechs Jahren meines Bloggens ist mir vieles davon begegnet, hat Freude ausgelöst, aber auch zu Frust geführt. Ich bin einerseits dick-, andererseits aber auch dünnhäutiger geworden.

Wie viele andere Blogs ist auch „Sätze&Schätze“ der Reichweite wegen mit den Sozialen Medien verbunden, wobei ich mich aus dem überwiegenden Teil inzwischen verabschiedet habe. Während auf den Blogs allgemein weniger diskutiert wird und die Kommentare rückläufig sind, finden die Diskussionen oftmals dort statt. Foren, für die mir es an Lust und Zeit fehlt: Oftmals habe ich den Eindruck, es geht dort vor allem darum, das letzte Wort zu behalten, seinen Standpunkt eisern zu verteidigen, selbst dann, wenn die Kommentare schon längst weit unterhalb der Gürtellinie gelandet sind.

Und unter den Literaturbloggern selbst? Manches Mal findet noch ein guter, auch kritischer Austausch statt über Bücher, die man zufälligerweise parallel gelesen hat – das sind seltene Momente, die ich genieße. Oftmals jedoch haben die Bemerkungen die inhaltliche Qualität dieser Art: „Ja, das lese ich demnächst auch“, „Habe ich gestern angefangen“, „Liegt auf meiner Leseliste!“. 1 Euro pro Kommentar dieser Kategorie und ich könnte inzwischen einen Kurzurlaub davon finanzieren.

Ernüchterung und Motivation

Von der anfänglichen Illusion, der Blog könne zu einem Forum des Austauschs werden, bin ich so mehr und mehr ernüchtert abgekommen. So blogge ich vor mich hin, eher in Form eines Lesetagebuches, genieße die anderen Vorteile des Bloggens – den Blick auf die Literaturszene zu behalten, am Puls der Entwicklungen zu bleiben, indem man bei anderen mitliest, sich selbst anders mit Büchern auseinanderzusetzen, indem man über sie schreibt – und überlege dann ab und an, ob das alles noch sinnvoll ist.

Und dann, wie aus dem Nichts, kommt der Brief einer Leserin, die mir folgendes schreibt:

Liebe Birgit Sätzeschätzerin,

Du staunst, weil ich Dich so nenne? Seit Jahren folge ich schon Deinem wunderbaren Bücherblog „Sätze und Schätze“ und Deinen Leseempfehlungen. Und weil Deine Urteile so treffend sind, habe ich begonnen, Dich so zu nennen: Sätzeschätzerin. Für mich so zu nennen, denn ich habe Dich noch nie persönlich getroffen. Und doch kenne ich Dich gut, denn beim Reden über Bücher offenbart man sich auch als Mensch, nicht nur als Leser. 

Und plötzlich zeigt mir eine Stimme aus dem „Off“ , warum es doch gut ist, über Bücher zu reden.


Bild zum Download: Buchcover


 

 

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22 comments on “LESARTEN: Worüber wir reden, wenn wir über Bücher reden”

  1. Mir geht es auch so ähnlich, daß ich es bedauere, daß die Kommentare in den elf Jahren seit ich blogge weniger geworden sind und, daß Diskussion über Bücher, was ich mir sehr wünschen würde auf den Blogs oft fehlen, denke, daß man das Problem vielleicht durch selber kommentieren, angehen könnte, was aber auch nicht wirklich hilft, wenn dann nichts zurückkommt!
    Ich bin auch nicht bei Facebook, Instagram, etcetera, blogge also auch eher einsam, aber sehr entschloßen, so lese ich inzwischen das fünfte Mal die deutschen Buchpreisbücher https://literaturgefluester.wordpress.com/deutscher-buchpreis/, das vierte Mal die österreichischen https://literaturgefluester.wordpress.com/oesterreichischer-buchpreis/und heuer auch die Schweizer, weil ich zur Buch-Basel fahren werde, also sehr viel, -vor mich hin und bin eigentlich nicht der Meinung, daß man sich wegen Bücher zerstreiten muß, man muß sie auch nicht zerreißen und ein „Mit Thomas Bernhard fange ich nicht so viel an, denn er schimpft mir zu viel!“, beispielsweise würde ja genügen und dann kann ich auch den anderen stehen lassen, wenn er Thomas Bernhards Schimpfen toll und literarisch wichtig findet.
    Ich lese auch eher vorurteilsfrei und über den Tellerrand, also auch Krimis, manchmal Chicklits, aber auch Experimentelles, obwohl meine Liebe wahrscheinlich eher der realistischen, erzählenden, psychologischen Gegenwartsliteratur gilt und bespreche immer noch jedes Buch, so daß es auf meinem Blog inzwischen schon eine lange Sammlung an Gedanken darüber gibt, liebe Grüße aus Wien und ich lese Ihren Blog auch sehr gern!

    1. Elf Jahre! Respekt! Auch angesichts der Fülle an besprochener Bücher, die da zusammenkommt. Und darum geht es ja letztlich: Dass man die guten Bücher – auch abseits der Preislisten – an die Öffentlichkeit bringt und einfach eine Presche schlägt für das Lesen und die Literatur. Ganz herzliche Grüße zurück aus Augsburg

  2. Liebe Birgit, m
    mir geht es wie der Briefeschreiberin – auch wenn ich vielleicht nicht immer derselben Lesart folge wie Du. Aber wie Katharina, weitest du meinen Horizont für Bücher, dich ich ohne euch beide einfach nach ein paar Seiten weggelegt hätte. Denn ihr zeigt mir Seiten einer Lesart, die ich dann, wenn ich sie sehe, nachvollziehen kann, zu einem großen Teil auch verstehen.
    Und ja, der Austausch über gelesene Literatur ist es, der mich über meine Lektüre schreiben lässt und es freut mich am meisten, wenn sich darüber hinaus eine Diskussion entfacht. Manchmal lese ich aber auch nur zur Ablenkung und schreibe darüber, da kann sich dann kaum mehr Diskussion entspinnen, weil es nicht so viel zu diskutieren gibt.
    Und auch streiten kann man über ein Buch, jedoch sollte es sachlich bleiben, was natürlich aufgrund der Emotionalität bei manchen Autoren / Büchern – bei Fitzgerald ginge es mir nicht anders als Dir, das weißt Du ja – nicht hinhaut. Aber so ist das mit uns Menschen. Wer mir heute sagt, Fitzgerald schreibe oberflächlichen Mist, der hat nichts verstanden und tut mir leid. Denn ihm/ihr entgeht vieles.
    Vielleicht müssen wir uns einfach ab und wirklich sagen, wie sehr wir gewisse Dinge Wert schätzen. Und Dein Blog gehört für mich zu den besten, die ich kenne. Er ragt heraus, wie der Katharinas, weil ihr Verbindungen schaffen könnt, Mehrdeutigkeiten zu lassen könnt, was heute leider nicht mehr ganz en vogue ist, wir aber wieder mehr befördern müssen, damit – auch auf gesellschaftlicher Ebene – nicht alles den Bach runtergeht.
    Ja, substantielle Kommentare sind das Salz in der Suppe. Nur musst Du auch sehen, dass man / ich manchmal enfach sprachlos bin ob eurer klugen Ausführungen.
    Sonnige Grüße für einen wunderbaren Sonntag.
    Bri

  3. Sehr wahr alles, liebe Birgit. Ich finde es auch schade, dass der Austausch so zurückgegangen ist, beteilige mich aber andererseits selbst kaum noch. In meiner Twitterblase gelegentlich noch. Ich lese weiter einige Blogs, deins zum Beispiel, aber insgesamt habe ich das alles etwas heruntergefahren, das Leben fordert gerade anderes von mir. Jedenfalls bin ich sehr froh, dass es dein Blog gibt und hoffe, dass du nicht die Lust verlierst, das wäre wirklich ein großer Verlust! Liebe Grüße
    Petra

    1. Liebe Petra, ich muss mich da auch an meine eigene Nase fassen – auch ich kommentiere selbst immer weniger. Teils wegen des großen Angebots, teils aus Zeitgründen. Und meine Blogleseliste habe ich auch deutlich reduziert. Das beruht also sozusagen auf „Gegenseitigkeit“. Dennoch ist es natürlich so: Das öffentliche Schreiben lebt auch ein wenig von der Resonanz und Aufmerksamkeit, ebenso von positiven wie kritischen Kommentaren. Da tut es einfach gut, wenn man ab und an so LeserInnenstimmen hört. Das gibt wieder einen Schub. Herzliche Grüße von Birgit

  4. Ich schließe mich einfach mal meinen beiden Vorkommentatoren an, liebe Birgit. Ich finde, man sollte vielleicht auch mehr über das Lesen und das Verhältnis zur Literatur schreiben, als nur über einige ausgewählte Titel. Denn wie man zur Literatur und das Lesen steht, zeigt auch, wie man letztlich darüber diskutiert. Außerdem habe ich den Eindruck gewonnen, dass viele die Fähigkeit verloren, mit anderen zu reden. Sie wollen vielmehr vor allem sich selbst reden hören wollen.

    Ich denke, dass die Kommentare eher in den sozialen Netzwerken zu finden sind, hat etwas damit zu tun, dass Social Media besser über Smartphone und Tablet zur Verfügung steht und genutzt wird als beispielsweise WordPress, auch wenn es auch dafür eine App gibt. Wir sind halt bequeme Menschen geworden. Allerdings muss ich Dir in einer Sache etwas widersprechen: Ich halte solche Kommentare wie „Ich lese das Buch gerade“ als nicht so schlimm. Schließlich kann ich nicht über ein Buch reden, was ich es noch nicht gelesen habe. Allerdings zeigen die floskelhaften Bemerkungen auch, dass Du und Dein Blog wahrgenommen werden und sich die Leute damit auseinandersetzen und wenn es eben nur diese inhaltsleeren Kommentar ist, den sie dann posten.

    Auf jeden Fall bin ich sehr froh, dass Du wieder an Bord der MS Literaturblogszene bist. Es sind schon einige Stimmen, äh Passagiere, die ich vermisse….

    Viele Grüße
    Constanze

    1. Liebe Constanze,
      herzlichen Dank für deine andere Sichtweise auf die Kommentare, die ich als nervig beschrieb. Vielleicht sollte ich sie positiver sehen oder eben tatsächlich als Zeichen der Wahrnehmung und nicht von einer inhaltlichen Auseinandersetzung ausgehen. Gut, ich werde versuchen, das anzunehmen. Dennoch hat sich meine Einstellung zum Bloggen in diesen Jahren verändert, was aber so schlimm nicht ist – das, was hier manchmal fehlt, also der längere Austausch über Bücher und Literatur, der findet sich im wahren Leben wieder. Und dazu trägt dann wiederum ja auch der Blog bei. Ich bin also gerne wieder mit an Bord, so als Leichtmatrosin oder Kombüsenchef. Herzliche Grüße Birgit

  5. Liebe Birgit, nicht nur lesen zwei Menschen ein Buch auf unterschiedliche Weise, sondern auch ein Einzelner kann ein und dasselbe Buch unterschiedlich lesen, je nachdem wie alt er geworden ist, was er inzwischen erlebt, welche Erfahrungen er mittlerweile gemacht hat … das finde ich hochspannend. Und natürlich kann ein Buch nicht vom Autor getrennt werden – welch absurde Idee. Und ja, man lernt den Blogger anhand seiner Lektüre kennen. Ein bisschen jedenfalls. Mein erster Gang – sobald es die Höflichkeit zulässt -, in einer mir fremden Wohnung führt aus Gründen zum Bücherregal.

    Dein Blog – übrigens einer der ersten Buchblogs, die ich verfolge, zeigt mir eine Person und Sätze, die ich schätze. Es zeigt mir Werte und Überzeugungen, die auch ich für wichtig halte und teile. Auch wenn ich das eine oder andere Mal deiner Empfehlung nicht folgen möchte, weil es einfach auch so viele andere Bücher gibt, die locken und mehr locken. Die Lebens- und Lesezeit ist begrenzt … Aber das macht nichts. Vielleicht kommt irgendwann mal genau der richtige Zeitpunkt für dieses eine Buch.

    Meistens kann ich nichts kommentieren, fehlt mir Hintergrundwissen und finde auch flapsige Bemerkungen à la: „Liegt schon auf meinem SUB“ banal und wenig zielführend. Aber dennoch: ich lese dich. Weil es bereichert.

    Und jetzt ist genug gelobt. Du weißt ja, wer gelobt wird, wird eitel. 😉

    Liebe Grüße Marion

    1. Liebe Marion,
      stimmt, das ist ein interessanter und richtiger Gedanke, den du da ins Spiel bringst. Bei manchen Büchern, die ich wiederlese, bin ich glatt erstaunt, warum sie mich einstmals so mitgerissen haben, bei anderen finde ich völlig neue Ansätze und Denkanstöße.
      Und herzlichen Dank für den Rest des Kommentars, aber die guten Wünsche zwecks Eitelkeit sind jetzt leider schon vergebens 🙂 Aber im Ernst: Selbstkritisch frage ich mich ja auch, warum und welche Art der Profilneurose mich antreibt, zu meinen, meine Meinung über Bücher müsste öffentlich gemacht werden. Ich könnte ja auch einfach still vor mich hinlesen. Und wenn dann bestimmte Kommentare kommen, dann ist diese eitle Person natürlich verschnupft: Immerhin liest man stundenlang und schreibt auch einige Zeit – für die Arbeit hätte man doch bitteschön eine Antwort, die sich mit dem Inhalt auseinandersetzt 🙂 ! Deswegen habe ich mir durch diesen Blogbeitrag nun wieder ganz viele Motivationskommentare erzwungen und jetzt ist es auch wieder gut und die Eitelkeit befriedigt. Liebe Grüße Birgit
      PS: Nein, im Ernst – es ist manchmal schon auch gut für mich zu wissen, dass viele Leute so wie du stillschweigend mitlesen, aber auch eben etwas mitnehmen.

  6. Ja, substanzielle Kommentare, bei denen das Interesse an dem, was man geschrieben hat, herauszuspüren ist, sind wunderbar – eine Art Belohnung, obwohl man ja nicht auf „Lohn“ bedacht ist – aber ein Bestätigung dafür, dass man etwas beim Lesenden etwas ausgelöst hat, das ihn zum Kommentieren anstieß.
    Ich freue mich über Deine „Vorarbeit“, oder soll ich „das Vorkosten“ schreiben. Damit werde ich auf Bücher aufmerksam, von denen ich auf andere Weise nie erfahren hätte.
    Dankeschön dafür!
    Lo

    1. Liebe Lo,
      herzlichen Dank! Wenn ich eine geeignete Vorkosterin bin, dann ist das schon eine wunderbare Sache! herzliche Grüße Birgit

  7. Ich schließe mich Constanze an. Ich habe schon Kommentare wie „ist auf meiner Liste / lese ich demnächst etc“ abgegeben, werde es wohl auch weiterhin tun und freue mich auch über solche auf meinem Blog.

    Bei der Vielzahl an Büchern ist es denke ich auch kein Wunder, wenn nur wenige das gleiche Buch gelesen haben und darüber diskutieren wollen.

    Zum Diskutieren habe ich hauptsächlich meinen Bookclub, dort diskutieren wir jeden Monat 2-3 Stunden über ein gemeinsam gelesenes Buch und diesen Austausch möchte ich auf keinen Fall missen. Eine schriftliche Buchdiskussion ist im Vergleich viel schwieriger.

    Die Kommentare und den damit verbundenen Austausch vermisse ich aber auch. Ich werde einfach verstärkt wieder damit beginnen, meine Gedanken die mir beim Lesen von Blogbeiträgen durch den Kopf gehen als Kommentar zu hinterlassen.

    Aber egal ob viele oder wenige Kommentare, Buch-Diskussionen oder nicht, du weißt wie viele Menschen Deinen Blog lieben und lesen und das ist doch die Hauptsache.

    Wir sollten auf jeden Fall versuchen einen Münchner/Augsburger Buch-Diskutier-„Stammtisch“ zu etablieren, einmal im Quartal müsste doch zu schaffen sein, oder?

    Liebe Grüße, Sabine 🙂

    1. Liebe Sabine,
      hier und „drüben“ bei Facebook haben sich nun einige bei mir vor allem wegen des Absatzes mit den „nervigen“ Kommentaren gemeldet. Mir war klar, dass das vielleicht auch einige auf sich beziehen, die ich damit nicht meinte. Wir beide hatten das Thema, glaube ich, auch schon mal. Wenn du so kommentierst, dann weiß ich, dass du auch ein echtes Interesse an dem vorgestellten Buch hast. Und vielleicht auch in den Beitrag geblinzelt hast 🙂 Als ich den Beitrag schrieb, war da eher so ein diffuses Gefühl da, dass sich beim Bloggen viel verändert hat in den letzten Jahren und woher man seine Motivation eigentlich nimmt. Und dann kam eben dieser schöne Brief. Ich hätte es vielleicht im Beitrag noch deutlicher ausdrücken sollen, aber wahrscheinlich brauchte ich auch die Reaktionen von euch, um auf den Punkt der Klarheit zu kommen. Also, du schreibst ja auch: „Aber egal ob viele oder wenige Kommentare, Buch-Diskussionen oder nicht, du weißt wie viele Menschen Deinen Blog lieben und lesen und das ist doch die Hauptsache. “ Und das ist es – wenn ab und an so ein Leserbrief kommt, oder eine Bekannte einen auf den Blog anspricht, von der man nicht ahnte, das sie ihn liest – dann ist das der eigentliche Motivationsschub. Das mit dem bayerischen Buchstammtisch fände ich super, lass uns das angehen 🙂 Liebe Grüße Birgit

  8. Hallo Birgit! Es gibt sehr viele Blogger, die sich über mangelnde Kommunikation (in Form von Kommentaren) beklagen. Du bist in bester Gesellschaft.

    Allerdings muss ich sagen, dass auf den Blogs, die ich so lese (was sicherlich kein repräsentativer Durchschnitt ist), viele Kommentare recht oberflächlich sind und ganz weit davon entfernt, sich mit dem Buch auseinanderzusetzen. Sehr oft ist es vielmehr ein Lebenszeichen ala „ich war hier“ mit einem „Das Buch kenne ich auch“ und vielleicht garniert mit einem Link zu seinem eigenen Blog. Eine wirkliche inhaltlich Diskussion über das vorgestellte Buch sehe ich dann doch extremst selten.

    Und ich glaube, dass die Anzahl der stillen Leser stark zugenommen hat. Je mehr Blogs du folgst, umso mehr Beiträge durchstromern dein Feed und da sind viele froh, wenn sie überhaupt alle Beiträge zumindest überfliegen. Dann noch bei den interessanten einen (sinnvollen) Kommentar zu hinterlassen, ist mitunter recht zeitaufwändig. Und ich finde, dass die stillen Leser eines Blogs ebenso wertvoll sind, wie diejenigen, die sich lebhaft an den Diskussionen beteiligen. Viele Grüße, Frank

    1. Lieber Frank,
      Ziel erreicht – kaum lamentiert man hier etwas herum, meldet sich noch ein ansonsten stiller Leser zu Wort. Danke fürs Kommentieren! Und du hast natürlich recht: Die stillen Leser sind ebenso wertvoll, sie sind es ja, die die Blogs im Grunde stützen. Und wenn dann ab und an eine Reaktion kommt, freut man sich viel noch viel mehr! In diesem Sinne: Einfach weiter so! Liebe Grüße Birgit

  9. Liebe Birgit,
    danke für Deine Betrachtungen zum Bloggen über Bücher: Wie und was lesen wir und uns äußern dazu aktiv oder passiv?
    Bei Deiner Auswahl und Besprechung bürgst Du immer für Qualität. Du zeigst beispielhaft, was mit einem Blog möglich ist, ohne jeden Quatsch mitzumachen. Damit warst und bist Du auch mir ein Vorbild. Wie oft geschieht es, wenn ich eine Rezension aufrufe: „Sätze & Schätze“ war schon da! Dazu Dein eigenes Kommentieren. Du darfst die Wertschätzung genießen zu Deinen belesenen und kritischen Lektüren, die liebenswürdigen literarischen Ortsbesichtigungen und ebenfalls für Deine Kommentare und Antworten. So schließe ich mich den vorausgegangenen Feedbacks gerne an.
    Zu der von Dir angeregten Diskussion hier meine Erfahrung und These. Seit dem Datenschutz-Thema im letzten Jahr hätte ich viel lieber Bücher gelesen und Mitteilungen darüber als Datenschutz-Erklärungen und Urheberrechtliches.
    Im Zusammenhang hiermit hatten manche Mit-Blogger+Innen ihre Seiten ganz aufgegeben oder privatisiert. Selber habe ich einige Features und Tools zurück genommen. So ist meine Seite unter anderem nicht mehr auf Suchmaschinen eingestellt. Die ganz klare Folge: deutlich weniger Besuche und Aufrufe sowie weniger Kommentare.
    Was ich damit mache, mag ich gerne diskutieren: Angesichts dessen, dass es seither keinerlei datenschutz-mäßige Beschwerden gab, könnte ich die früheren Optionen wieder herstellen. Oder pflege ich engeren Austausch mit den engagierten Lese-Gästen?
    Ganz herzlichen Dank, Birgit, für Deine reichen Lese-Früchte und Deine Kommunikation.
    Schöne Grüße, Bernd

    1. Lieber Bernd,

      ich habe Dir zu danken! Nicht nur für den regelmäßigen Anstoß zum Austausch, der von dir auf meiner Seite sehr oft gesetzt wird und manchmal dann ja sogar zum praktischen Büchertausch führt, sondern vor allem für die klugen Inhalte, die mich oftmals weiterführen, immer aber auch bereichern.

      Dass nicht mehr so intensiv kommentiert wird bzw nicht so häufig auftritt, hängt sicher mit etlichen Faktoren zusammen. Die DSGVO hat da sicher auch eine weitere Furche geschlagen. Zudem gab es, als ich mit dem Blog begann, nicht viele Alternativen – inzwischen gibt es Booktuber, Instareader usw. Und zudem ist die Zahl der Blogs deutlich in die Höhe geschossen. Naturgemäß verteilt sich da die Aufmerksamkeit der Leser bzw. wird die Zeit auch fürs Kommentieren knapper.

      Das akkzeptiere ich als „Lauf der Welt“, dennoch habe ich mich entschieden, mich auf den Blog zu konzentrieren und keine weiteren Medien zu bespielen bzw. dort aktiv zu sein. Und wie die Diskussion hier nun ja auch gezeigt hat: Es gibt einfach sehr viele LeserInnen, die die Beiträge wahrnehmen und für sich etwas mitnehmen, ohne zu kommentieren. Dann ist es auch gut so.

      Liebe Grüße Birgit

  10. Liebe Birgit,
    ich gaube ja, das Haupt“problem“ besteht darin, dass immer mehr Menschen immer mehr schreiben. Bücher natürlich, was dazu führt, dass es selbst für Vielleser kaum noch möglich ist, irgendeine Art von Überblick über den Buchmarkt zu gewinnen, geschweige denn, auch nur ansatzweise allen Lesegelüsten nachzukommen. Das war nach meiner Erinnerung durchaus nicht immer so, aber vielleicht ist dieses Empfinden auch nur ein Zeichen dafür, dass ich langsam alt werde. 😉 Jedenfalls erinnere ich mich an lebhafte (natürlich analoge) Diskussionen über Bücher, die ganz selbstverständlich dadurch zustande kamen, dass man nahezu zeitgleich bestimmte Bücher las. Heute denke ich trotz Vielleserei beim Lesen von Blogs oft: Huch, von dem Buch habe ich ja noch gar nichts mitgekriegt, die Autorin kannte ich gar nicht. Da fällt es schwer, viel mehr zu schreiben als: Oh, wie spannend! (Bestenfalls.)
    Aber auch Blogbeiträge etc. türmen sich zu immer gigantischeren Wortgebirgen. Wer will die erklimmen? Wenn ich mir nur mal anschaue, wer meinem Blog folgt, stelle ich fest, dass es fast ausschließlich Menschen sind, die auch selbst bloggen. Wir alle verfassen Beiträge, mit mehr oder minder professionellem Anspruch natürlich, aber doch immer mit dem Wunsch, gesehen zu werden. Ich finde mich selbst immer mal wieder in Gedanken wie deinen: So viel Arbeit, die das Bloggen macht – ist es das eigentlich wert…? Gleichzeitig husche ich immer mal wieder durch den Reader und denke: Oh, Gott, wer soll das alles lesen…? Auf die Suche nach neuen interessanten Blogs habe ich mich schon lange nicht mehr gemacht, das würde ja noch mehr Zeit binden, die für Analoges fehlt…
    Wie man da raus kommt, weiß ich auch nicht. Für mich kann ich sagen, dass mir das Bloggen bis heute Spaß macht – nicht immer, aber immer wieder. Ich schätze es – neben dem Erzählen für andere – auch als eine wunderbare Möglichkeit, selbst tiefer in ein Thema einzudringen, es quasi aufzubereiten und es damit dem eigenen Erinnerungsschatz fundierter einzuverleiben. Und bevor das hier jetzt endgültig zum Wort zum Sonntag wird, lass mich dir versichern, dass ich dein Blog wirklich vermissen würde, wenn du die Blogosphäre verlassen würdest. Ich lese nicht alle deine Beiträge, bin auch nicht auf alle Bücher neugierig, die du empfiehlst, aber ich habe hier schon manche Perle gefunden. Und außerdem haben wir zeitgleich angefangen zu bloggen – das verbindet! 😉

    1. Liebe Maren, beileibe kein Wort zum Sonntag! Sondern ein Kommentar, den ich in jeder Zeile unterstreichen kann – vom Überangebot an Büchern, der schnelleren Halbwertszeit des Gedruckten, davon – ja, da merkt man, dass wir älter sind – dass es mal eine Zeit gab, in der es Bücher gab, die man in einem bestimmten Alter einfach gelesen haben musste und die zu langen Abenden führten (oftmals die monochromen Suhrkamp-Taschenbücher). Mir geht es oft so, dass mich die Bücher über die heute heftig diskutiert wird, nicht besonders interessieren – zum Beispiel „Stella“ von Takis Würger. Aber ich denke, es ist eben allgemein so, dass das Buch an sich sich nicht nur als Medium ändert, sondern auch die Wahrnehmung, die Rezeption, die Position und Rolle von Schriftstellern heute. Da hilft kein Lamentieren, es ist so. Und mit dem Bloggen geht es mir ebenso wie dir: Natürlich könnte man es lassen, aber irgendwie drängt man ja auch an die Öffentlichkeit. Tatsächlich jedoch sind es seit einiger Zeit eben weniger die Diskussionen oder Kommentare, die mich motivieren, sondern es ist die Auseinandersetzung mit dem Buch, das mich am Bloggen hält. Umso schöner, wenn dann von außen immer wieder dann doch so ein Brief oder die Rückmeldung eines Bekannten kommt (neulich sagte mir ein Freund, er lese eigentlich keine Gedichte, fand aber meinen Beitrag zu Lia Sturuas Band so schön geschrieben, dass er sich das Buch besorgt hat), dann ist das einfach sehr schön – auch fürs Ego. Und das Wissen, dass es alte Bande gibt, die bis hin zu persönlichen Treffen reichten, die das Bloggen geschafft hat. Zudem kann ich hier demnächst vielleicht auch noch von etwas berichten, wie der Blog in die Lebensrealität reinwirkt… Zu den Kommentaren: Ich bin da ja auch sehr ruhiger geworden, kommentiere nicht mehr so viel und bin wie du nicht auf dem Laufenden bei aktuellen Blogs, unter denen es sicher viele spannende und gute gibt. Ich will nur keine Floskeln hinterlassen – ich könnte jedesmal bei dir schreiben, wie poetisch und tiefgründig und oftmals von so einem trockenen Humor deine Texte sind und deine Bilder immer eine Augenweide – aber bei der dritten Wiederholung wird es zur Floskel. Aber du weißt hoffentlich trotzdem: Wenn ich deine Sache im Reader sehe, dann schaue ich, freue mich an den Bildern und denke mir: oh, Augenweide 🙂 Liebe Grüße aus Ausburg

      1. Yes, das sind zwei wirklich wunderschöne Leser-Reaktionen (die eine im Beitrag, die andere jetzt in deinem Kommentar) – und das Beste: Du hast sie dir ehrlich verdient! 🙂 Stella von Takis Würger habe ich auch links, rechts oder sonstwo liegenlassen. Aber Stella von Peter Wyden, ihrem alten Klassenkameraden, fand ich sehr lesenswert. Und über deine feinen Worte zu meinem Blog freue ich mich riesig. You made my day!
        Liebe Grüße von Nord nach Süd!

  11. Hallo Birgit,

    schon fast alles von den VorgängerInnen gesagt, nur von mir noch nicht 🙂
    Hmm, ich denke, die zurückgehende Zahl der Kommentare ist oft ganz banal der Zeit geschuldet. Es gab vor einigen Jahren wesentlich weniger Blogs, denen ich gefolgt bin, da hat man dann eher mal einen Kommentar geschrieben.
    Zum anderen liest man eben wirklich selten zeitgleich ein Buch. Und deshalb denke ich, dass die Kommentare, die du als eher oberflächlich empfindest, auch nicht als inhaltliche Auseinandersetzung gedacht sind, sondern als freundlicher Gruß. Als ein kleines Zeichen der Wertschätzung. Man nimmt den Artikel wahr, kauft sich vielleicht sogar das Buch. Kommt möglicherweise viel später noch einmal auf den Beitrag zurück.
    Aber auch da sind BlogbetreiberInnen wohl unterschiedlich: Ich finde das gar nicht schlimm, wenn es keine weitergehende Auseinandersetzung mit einem Beitrag gibt (natürlich freut es mich, wenn es dazu kommt!). Da hilft es mir, dass ich zunächst einmal schreibe, um mir selbst über etwas klar zu werden. Wenn daraus ein Gespräch entsteht, umso schöner, das ist dann aber die Zugabe. Ginge es mir von vornherein um den Austausch, die Auseinandersetzung, würde das wohl auch meine Lektüreauswahl beeinflussen, das wiederum möchte ich nicht.
    Ansonsten: Auch ich bin riesig froh, dass du wieder sichtbar, lesbar an Bord bist.
    Liebe Grüße
    Anna

    1. Liebe Anna, ich habe schon festgestellt, dass meine Bemerkung da auch ein wenig missverständlich oder nicht akzentuiert genug war. Also, ich freue mich natürlich auch, wenn jemand nur ein paar nette Worte kommentiert, dass er das Buch lesen will (vielleicht auch aufgrund des Beitrags). Aber zuweilen habe ich – und das betrifft nur einzelne Kommentatoren aus der Buchbloggerszene, die eher unter den Verlinkungen bei Facebook zu finden sind, dass dort dieses „lese ich auch, will ich lesen, ist auf meinem SUB“ nicht so sehr viel mit dem Beitrag oder gar dem vorgestellten Buch zu tun hat, sondern eher mit anderen Dingen. Ich will das nicht weiterausführen, jetzt habe ich eh schon genügend Leserinnen verschreckt, die ich mit diesem Absatz bei weitem nicht gemeint habe… Und stimmt, du bist ja auch eine derjenigen, die ihr Leseprogramm verfolgt, nicht auf Neuheiten und Hypes aufspringt und das macht ja wiederum die Bloggerei so interessant und vielfältig – die Blogger, die Bücher vorstellen, die sonst keiner hat, die einfach ihren Lesestiefel durchziehen …
      Und danke für das liebe Ansonsten! Herzliche Grüße Birgit

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