Lesarten: Literatur für Menschen, die nicht mehr selber lesen können

Damit die Fülle der Literatur auch blinden und sehbehinderten Menschen zugänglich ist, gibt es in Bayern seit 60 Jahren die Hörbücherei.

3 comments
Sprecher Christoph von Friedl
Christoph von Friedl ist einer der Sprecher für die Bayerische Hörbücherei. Bild: Roland Weegen/Bayerische Hörbücherei

Guten Sachen darf man getrost ein breiteres Forum geben. Und deshalb heute hier ein Beitrag, der mich beruflich als Pressetext erreicht hat – vielleicht trägt das zu einem Stück barrierefreiem Lesen bei.

Seit nunmehr 60 Jahren bietet die Bayerische Hörbücherei für Blinde, Seh- und Lesebeeinträchtigte e. V. Hörbücher aus sämtlichen Bereichen der Literatur zur kostenlosen Ausleihe an. Alle Menschen, die aufgrund ihrer Seh- oder Lesebeeinträchtigung nicht mehr selber lesen können, erhalten hier die Möglichkeit, ihre Bücherwünsche zu erfüllen, ihren Informationsbedarf zu decken und so weiterhin gleichberechtigt am kulturellen Leben teilzunehmen.

Gegründet wurde die Bayerische Hörbücherei e. V. – damals noch als Bayerische Blindenhörbücherei e. V. – im Jahr 1958 durch den Bayerischen Blindenbund, den Bund der Kriegsblinden Deutschlands, Landesverband Bayern, sowie unter Mitwirkung der Bayerischen Hauptfürsorgestelle. Am Eröffnungstag – 2. Januar 1959 – zählte die Bayerische Blindenhörbücherei 300 Nutzer und 200 Ausleihtitel, die auf Tonbänder vervielfältigt und mit der Post an die Hörer verschickt wurden.

Die technischen Meilensteine der folgenden Jahrzehnte beförderten ebenfalls die Entwicklung der Hörbücherei: War es in den 1970er-Jahren die Umstellung vom Tonband auf die praktische Kompaktkassette, so kam ab 2002 mit der MP3-CD der Durchbruch ins digitale Zeitalter. Seit 2016 ist neben dem Versand der CDs der Download der Hörbücher auf jedes gewünschte Endgerät selbstverständlich.

Das Angebot der Hörbücher ist im Laufe der Jahre auf 38.000 Titel angewachsen, die mit reger Betriebsamkeit von rund 6.000 Nutzern in ganz Bayern ausgeliehen werden. Denn Hörbücher bieten Unterhaltung, Information und vielfach Trost in einer schwierigen Lebensphase. Mit Hörbüchern können die betroffenen Menschen weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Text: Bayerische Hörbücherei

Daten und Fakten zur Bayerischen Hörbücherei für Blinde, Seh- und Lesebeeinträchtigte e. V.: 

Hörbuchproduktion

Das Hörbuchangebot umfasst derzeit über 38.000 Hörbücher aus allen Bereichen der Literatur und wird laufend erweitert. Ein Großteil der Hörbücher wird in den hauseigenen Studios eingelesen – ungekürzt und unredigiert. Damit besteht ein wesentlicher Unterschied zu dem Angebot des kommerziellen Hörbuchmarktes, wo nach wie vor ca. 80 – 90% der Titel in stark gekürzter Form vorliegen.

Alle Hörbücher der Bayerischen Hörbücherei werden im mp3-Format produziert. Durch eine spezielle Technik (sogenanntes Daisyformat) ist das Hörbuch nach Kapiteln genauso gegliedert wie die Buchvorlage. Die Nutzer können in einem MP3-Daisybuch per Tastendruck wie in einem gedruckten Buch blättern.

Die Hörbücher lassen sich auf handelsüblichen mp3-CD-Playern abspielen, auf speziellen Daisy-Geräten oder am Computer. Außerdem stehen sie auf der Homepage zum Download bereit.

Der Versand der Hörbuch-CDs erfolgt weltweit portofrei als Blindensendung durch die Deutsche Post AG.

Trägerschaft
Die Bayerische Hörbücherei für Blinde, Seh- und Lesebeeinträchtigte. V. ist eine gemeinnützige Einrichtung. Sie trägt sich mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, des Bayerischen Bezirketags, des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst und nicht zuletzt des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes e.V.

Abgesehen von der Förderung durch die Öffentliche Hand hat die Bayerische Hörbücherei einen nicht geringen Anteil ihrer Aufwendungen durch Eigenmittel zu finanzieren. Sie ist daher dringend auf Spenden angewiesen. Jeder Betrag kommt in vollem Umfang dem laufenden Betrieb zugute und fließt in Projekte wie die Vergrößerung des Buchbestandes, die Modernisierung der Studiotechnik oder die Erweiterung des Sprecherpools.

Eine besondere Form der Spende ist die Buchpatenschaft, wobei der Spender die anteiligen oder gesamten Produktionskosten eines Hörbuchs übernimmt. 

Nutzer
Knapp 6.000 Personen, davon 3.380 weiblich und 2.620 männlich

  • ca. 10 % unter 50 Jahren
  • ca. 12 % zwischen 51 und 60 Jahren
  • ca. 30 % zwischen 61 und 80 Jahren
  • ca. 20% zwischen 81 und 90 Jahren
  • ca. 11 % über 90 Jahren
  • ca. 17 % ohne Angabe

Titelbestand
38.000 Titel

Anzahl der ausgeliehenen Titel pro Jahr
Ca. 74.000 Titel

Kontakt
Bayerische Blindenhörbücherei e. V.
Lothstraße 62
80335 München
Telefon 089/121551-0
Fax 089/121551-23
Internet:  http://www.bbh-ev.org

3 comments on “Lesarten: Literatur für Menschen, die nicht mehr selber lesen können”

  1. Danke, Birgit, ein tolles Angebot. Schade, dass man zur Nutzung den Nachweis erbringen muss, blind zu sein. Ich würde gerne eine monatliche oder jährliche Gebühr bezahlen, um auch das angebotene Programm nutzen zu dürfen.
    Schön, dass es dieses Angebot für Blinde Menschen gibt!
    Liebe Grüße von Susanne

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.