Martin Gehring: Der Dackel aus Kloten

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Bildquelle: https://pixabay.com/de/users/Marzena7-4247462/

Kürzlich fuhr ich durch Lühe
und dachte so nach über Kühe.
Eine einzelne Kuh
macht gemeinhin ja Muh.
Machen dann mehrere Mühe?

Martin Gehring, „Der Dackel aus Kloten“, mit Illustrationen von Dorothea Gratwohl, edition dreiklein, 2018

Ich hab ein Faible für mehr oder weniger sinnfreie Gedichte, Lalala-Poeme, Lautmalereien und ja, auch für Limericks. Dieser Fünfzeiler, der nach der irischen Stadt (oder auch nicht) benannt wurde, hat in meinen Jugendjahren schon manche Party (sagt man heute wohl auch nicht mehr) gerettet. Was heute die Poetry Slammer sind, das waren einstmals die Stegreif-Limericker. Leider gehören sie fast zu einer aussterbenden Art wie dieses Getier aus dem baden-württembergischen Horben:

Einem Velociraptor aus Horben
hat die Eiszeit den Morgen verdorben.
An Schuppe und Ohr
fror es den Carnivor
Bald ist er frustriert ausgestorben.

IMG_20180721_123403(1)So wie Limericks einstmals öde Parties retten konnten, so könnten sie heute vielleicht die Welt retten – stellt euch mal vor, Trump und Putin müssten ihre Statements im anapästischem Versmaß abgeben. Nun gut, illusorische Vorstellung: Denn ein Trump aus Amerika, der hätte nur drei Wörter da, und nach dem ersten very, very, da merkte selbst die Mary, der Trump, der schwätzt nur blabla.

Sorry für den mißglückten Versuch, aber ich bin aus der Limerick-Übung. Weitaus besser kann dies der Autor Martin Gehring aus dem baden-württembergischen Blaubeuren, der in der schwäbischen Kleinstadt mit Marion Hartlieb den Verlag „edition dreiklein“ betreibt.  Er limerickt, was das Zeug hält – und 100 halbwegs hilfreiche Limericks hat er nun in diesem Taschenbuch zusammengestellt. Schöner Nonsens, nicht immer politisch korrekt, aber für einen Lacher gut. Die Fünfzeiler nehmen einen mit auf eine Weltreise und durch das halbe Tierreich: Da treten Mathematiker aus der Eifel ebenso wie Windhunddamen aus Elze auf, Bauingenieure aus Boston machen sich einen Reim auf Biber aus Mandern.

Wunderbar illustriert von Dorothea Grathwohl. Die Homepage der Ulmer Künstlerin findet sich hier: https://www.dorothea-grathwohl.com/

Gehring bezeichnet das Buch selbst als „witzigen und lehrreichen Allzweckratgeber“. In jedem Fall trägt das Buch zur guten Laune bei – und davon kann man in finstren Zeiten wie diesen nicht genug haben. Lachen, Leute, denn das Leben ist so kurz:

Sehr philosophisch in Zerbst
sagte in seiner Tage Herbst
ein Mensch: „Tja, das Leben
ist ein Nehmen und Geben.
Und ganz am Ende, da sterbst.“

 

14 thoughts

    1. Nicht so über der Wupper:
      Es sagte ne Dame aus Wuppertal
      zu ihrer Bekannten: „Jetzt schnupper mal:
      Ich hab mein` Alten zerhackt
      und in Schüsseln verpackt.
      Du riechst nix. Da lob ich mir Tupper mal.“

      Kann gar nicht aufhören zu kichern bei den 100 Limericks 🙂

  1. ha, ich mag limericks.
    hab auch immer mal wieder selbst welche gemacht.
    passend zum dackel aus kloten, hier ein versuch mit GROSSkloten aus einer (fr)ess-serie:

    „Mein Gemahl“, sprach Marie aus Großkloten,
    „hat sich selbst jetzt das Essen verboten.
    Er will ’ne schlanke Figur,
    doch mich langweilt das nur,
    denn ich steh mehr auf dicke Chaoten.“

    lieben samstagsgruß,
    pega

    1. Aus Augsburg da kam mal ne Dünne,
      die hatte Beine wie Spinne,
      also fing sie an zu futtern,
      Braten und Knödel wie bei Muttern,
      doch ach, dann war sie sehr schnell hinne.

      Wieso enden Limericks nur so oft tödlich?

  2. ja, hm, die lust am unglück, am makabren, eine art voyeurismus vielleicht, das leid der anderen anstarren wollen (und dabei insgeheim aufatmen, weil man selbst ja in besseren umständen lebt …). jetzt hier aber mal ein limerick mit rundum zufriedener protagonistin:

    „Mein Hobby“, sprach Tanja aus Trier,
    „ist Essen. Das macht viel Plaisier!
    Ich wieg dreihundert Pfund,
    ich bin rund und gesund
    und hab nicht mal ein Magengeschwür.“

  3. Nach der schmunzelerregenden Buchvorstellung geht es ja in den Kommentaren noch lustig weiter mit den tollen Limmericks. Lasst euch nicht stören und notiert hier noch ein paar weitere. Mit gutem oder schlechtem Ausgang – egal :-). Obwohl…ich muss schon sagen…vielleicht fällt hier doch ein bisschen ein schlechtes Licht auf die Wuppertaler Damen. Nicht, dass hier auch noch verallgemeinert wird! Apropos Wuppertal: Gibt es auch schon Limmericks zum Thermomix?
    Fragt lachend Claudia

    1. Ein Preuße meinte, er sei ganz fix,
      und warf Eier und Mehl innen Thermomix.
      Wollte Spätzle macha!
      Bitte it lacha!
      Des Glomp, des rauskam, des war wohl nix.

  4. Danke für den Spaß am frühen morgen bevor der Ernst des Lebens beginnt. Gerne habe ich mir auch die Homepage von Dorothea Grathwohl angeschaut.
    Nun werde ich meine kreativen Morgenstunden nutzen, nicht um zu reimen, sondern weiter an meinem Master zu schreiben. 😉
    Mehr als Schüttelreime kommen aus mir nicht hinaus 😉 😉
    Einen schönen Sonntag wünscht dir Susanne

    1. Liebe Susanne,
      an der Universität würden sie wahrscheinlich auch etwas düpiert schauen, wenn Du die Masterarbeit in Limericks verfassen würdest. Aber ich bin mir sicher, sie wird auch nicht in Schüttelreimen daherkommen – ich wünsche Dir gutes Gelingen. Und herzliche Grüße nach Berlin! Birgit

  5. Und heiter gehts weiter. Seit meiner Jugendzeit (vielleicht war es auf einer dieser öden Partys) verfolgt mich eine Diesel-Limmerick. Aus einer Zeit als diese Autos noch als solide aber langsam galten:

    Ein Mercedesfahrer aus Zwiesel
    der wollte jagen ein Wiesel
    und sprach nach drei Tagen
    Ein Wiesel zu jagen ist einfach nicht drin
    mit nem Diesel

    Vielleicht gelingt dir ja noch eine moderene Variante.

    1. Da kam aus Altötting der Mike,
      der fuhr aus Prinzip nur E-Bike.
      Und was machte der Stenz?
      Überholte den Benz.
      Dafür gibt es ein ganz großes Like.

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