Daniel Faßbender: Die weltbeste Geschichte vom Fallen

Dieses Buch ist auch für mich etwas ganz Besonderes: Daniel Faßbenders Debütroman stand auf der Longlist des „Blogbuster 2017“.

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IMG_20180601_082645„Die Tageslichtlampe, die ich beim ersten Date so sehr gepriesen hatte, zog keinen spürbaren Effekt nach sich. Ich starrte minutenlang in das Licht, ich machte meine Arme frei, damit die UV-Strahlung ihre Wirkung auf meiner Haut entfalten konnte. Aber nichts. Ich war mit dem trostlosesten Grau der Welt, längst gesehenen Netflixserien und ausgelesenen Büchern allein. Ich ertrug es nicht, Texte ein zweites Mal zu lesen oder Filme noch einmal zu schauen und ihnen damit den Zauber zu rauben.“

Daniel Faßbender, „Die weltbeste Geschichte vom Fallen“, Mirabilis Verlag, 2018.

Im Grunde geht es mir wie dem „kleinen Schweden“, dem Helden dieses Debütromans: Ich mag oft nicht einmal meine eigenen Texte Korrektur lesen, geschweige denn Bücher ein zweites Mal. Mit einigen wenigen Ausnahmen. Und dieser Debütroman ist eine davon. Eine ganz besondere sogar. Ich las das Manuskript mehrfach. Und nun halte ich den fertigen Roman in den Händen und habe ihn mit großer Begeisterung wiedergelesen, auch nochmals unter neuen Gesichtspunkten gelesen. Und bin nach wie vor begeistert – aber dieses Buch ist eben auch für mich ein ganz Besonderes.

So spannend wie der Roman – so heißt es auch im Klappentext – ist mindestens auch seine Entstehungsgeschichte. Jedenfalls sicher für den Autoren, aber ein gutes Stück auch für mich. 2016 wurde erstmals der Bloggerbuchpreis „Blogbuster“ ausgerufen, „Sätze&Schätze“ war mit dabei. Lange fand ich kein Manuskript, das mich überzeugte, ich war schon daran, einen Rückzieher zu machen. Bis ich diese Sätze las:

„Fallen ist sterben. Und nein, da fehlt kein »wie«. Fallen ist nicht wie sterben. Fallen ist sterben. Unter mir pfeifen 320 Meter Tiefe gleichgültig vor sich hin und ich schmecke eine tief hängende Wolke, während ich im Moment des Fallens Luft durch den Mund einsauge.“

Mit diesen Sätzen hatte mich der Autor am Wickel. Ich war gepackt, obwohl die Geschichte so ganz außerhalb meiner Leserlebenswelt lag: Eine Story über einen „Roofer“? Ich musste offen gestanden zuerst einmal nachschauen, was das ist. Roofing, das ist Leben am Abgrund: Das ungesicherte Klettern auf Hausdächer, das Balancieren in der Höhe, Höhenrausch und Tiefenfall. Und genau um diese Emotionen und Extreme geht es in dem Debütroman von Daniel Faßbender: Ein junger Mann, der Halt sucht, aber zunächst den Absturz braucht, um ihn zu finden.

…und dann, was wäre dann gewesen? Die Frage stand unbeantwortet im Raum und der Raum füllte sich mit dunklen Vorstellungen.
»Dann hätte ich dich aufgefangen,« sagte ich vorsichtig nach einer gefühlten Ewigkeit.
Sie lachte. »Einer, der fällt, kann nicht fangen. Fangen kann nur jemand, der stabilen Halt hat.«

Natürlich macht nicht nur der 21-jährige Roofer im Buch, sondern zunächst auch das Manuskript einige Umwege: In der Rohfassung gab es einige (wenige) Längen, hier und da nicht ganz ausformulierte Ideen und Sätze. Dennoch war ich vollständig überzeugt davon, dass das Buch veröffentlicht gehört.

Mit dem „Blogbuster 2017“ hat es leider nicht geklappt – aber Daniel, der seefahrende Journalist und Surfer, nahm es sehr sportlich und souverän: Dass er mit dem Text bereits auf die Longlist kam und wohl in der näheren Auswahl war, das war schon ein Anfangserfolg. Das Manuskript sowie die atemberaubende Präsentation, die Daniel entwickelt hatte (siehe hier), erregte Aufmerksamkeit. So kamen auch an „Sätze&Schätze“ als vermittelnder Blog Kontaktanfragen zu Daniel von Verlagen und Literaturagenten. Gut so! Hätte es mit diesem Buch nicht geklappt, ich wäre der Welt aufs Dach gestiegen!

Dass es letztlich zu einer Veröffentlichung bei Barbara Miklaw und ihrem unabhängigen Verlag kam, betrachte ich als Glücksfall: Ich kenne Barbara unter anderem vom Zwickauer Literaturfrühling und schätze ihre einfühlsame Art, ihr literarisches Fingerspitzengefühl, ihre Offenheit für neue Töne und ihre freundliche Klugheit sehr. Mit Daniel arbeitete sie in ihrer feinfühligen Weise an dem Manuskript – und so wurde aus der besten Geschichte vom Fallen tatsächlich „Die weltbeste Geschichte vom Fallen.“ Jedem Debütautoren wünsche ich einen Verlag, der sich Zeit nimmt und mit ihm arbeitet. Denn es fallen sicher Talente vom Himmel, aber kein Meister über Nacht vom Dach…

Es war für mich spannend und interessant, bei der Entwicklung vom Manuskript zum gedruckten Buch ein wenig mit dabei zu sein, an den Texten die Weiterentwicklung zu sehen, die ein sorgfältiges Lektorat zu leisten vermag, auch zu sehen, welche rechtlichen Fallstricke bei einem fiktiven Werk beachtet werden müssen. Und so wünsche ich Daniel und Barbara mit diesem Roman einen großen Erfolg.

Klappentexte sind ja manchmal so eine Sache – marktschreierisch, laut und etwas daneben. In diesem Fall jedoch kann ich jedes Wort davon doppelt unterstreichen:

„Dieser Roman von Daniel Faßbender ist nicht nur extrem spannend, sondern auch in mitreißenden Sprachbildern geschrieben. Was ihn aber darüber hinaus bemerkenswert macht, ist der Erzählton: jugendlich, frisch, originell, von einer unglaublichen Leichtigkeit und trotzdem mit Tiefgang. Einzigartig.“

Verlagsinformationen zum Buch:
https://mirabilis-verlag.de/produkt/daniel-fassbender-die-weltbeste-geschichte-vom-fallen/

Autorenseite:
https://www.danielfassbender.de/

5 comments on “Daniel Faßbender: Die weltbeste Geschichte vom Fallen”

  1. Auf deinen Roofer hatte ich gesetzt beim Blogbuster 2017 und fand es sehr schade, dass er nicht gewonnen hat. Wie schön, dass ich sein Buch jetzt kaufen kann 🙂

    1. Liebe Sabine,
      das musst Du unbedingt kaufen und lesen – ich glaube, Dir sagt das zu. Wir können ja dann in München mal eine Leseparty auf einem Dach machen (aber bitte Obacht: Ich bin nicht schwindelfrei). Liebe Grüße Birgit

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