Rainer Moritz: Als der Ball noch rund war

Unbenannt-1Ein Beitrag von Florian Pittroff

Die Fußballweltmeisterschaft steht quasi vor der Türe und da gibt es sicher wieder Augenblicke, an die man sich auch noch in 20 Jahren erinnern wird. Wichtige, entscheidende, unangenehme Augenblicke der Fußballgeschichte bleiben nämlich unauslöschbar im Gedächtnis des gemeinen Fußballfans eingebrannt.

Und genau von solchen Geschichten und Anekdoten erzählt Rainer Moritz in seinem Buch „Als der Ball noch rund war“. In fünf Kategorien schreibt sich Moritz von den schrecklichen Erinnerungen über unangenehme und „soso-lala“ Reminiszenzen bis zu den schönen und sogar grandiosen Augenblicken durch die deutsche Fußballgeschichte.

Das waren noch Zeiten 1954, als Rahn aus dem Hintergrund schießen sollte und auch geschossen hat. Oder als die deutsche Nationalmannschaft 2014 im Halbfinale die brasilianischen Gastgeber mit 7:1 entzauberte. Oder als ein Obsthändler die Bundesliga in ihren Grundfesten erschütterte – dem großen Bundesligaskandal. Aufgedeckt wurde das „Verschieben“ von Spielen übrigens durch den Vereinspräsidenten von Kickers Offenbach, Horst-Gregorio Canellas, der bei der Feier seines 50. Geburtstages am 6. Juni 1971 die Gäste mit dem Abspielen eines Tonbandgerätes überraschte.

Aber auch ein gewisser Franz Brungs kommt vor in diesem amüsanten und schlauen Buch. Kennen Sie Franz Brungs? Das war der,  der den FC Bayern München  fast im Alleingang erledigte, am 2. Dezember 1967. Zwischen der 37. und 62. Minute traf Brungs viermal hintereinander. Katsche Schwarzenbeck, der dieser Tage 70 Jahre alt geworden ist, wird sich an diesen ominösen Dezembertag sicher immer noch erinnern.

Kurzweilig und recht persönlich geht Moritz an die besonderen Augenblicke der deutschen Fußballgeschichte ran – aus seiner Sicht sind die Geschichten grandios oder schrecklich. Der geneigte Fußballfachmann kann beim Lesen natürlich für sich selbst ausloten, in welche Kategorie er die Geschehnisse einordnen würde. Jedes Fußballherz schlägt ja bekanntlich anders. Und so ist der letzte Derby-Sieg der Münchner Löwen gegen den FC Bayern München im April 2000 für den einen (Moritz selbst zählt zu den verbliebenen eingefleischten Löwenfans) eine positive, wenn nicht sogar eine grandiose Erinnerung – für andere ist das nur eine Randerscheinung der Geschichte.

Eine gute Idee finde ich das Register am Ende des Buches. Bei 257 Seiten fetter Fußball-Informations-Fülle macht ein Namensregister Sinn. Und ich liebe beim Lesen kurze Kapitel – da kann man sich schnell vorwärts lesen, hat viele Aha-Effekte während der Lektüre und kann wunderbar in (Fußball-)Erinnerungen schwelgen. Herrlich!

Florian Pittroff
www.flo-job.de 

Verlagsinformationen zum Buch:
http://www.hoffmann-und-campe.de/buch-info/als-der-ball-noch-rund-war-buch-9518/

5 thoughts

  1. Vorgemerkt! Und der Autor auch noch Löwenfan, herrlich 🙂 Vielleicht kommt mit dem Buch ja noch sowas wie WM-Stimmung auf, Zeit würde es langsam werden…

    1. Die Löwen als Underdogs sind ja bei Intellektuellen immer irgendwie im Kurs 🙂
      Naja, WM-Stimmung: Die ganzen FIFA-Skandale haben bei mir den letzten Rest an Interesse an Fernseh-Fußball erledigt.

      1. Genau, immer interessant, sich mit dem gelebten Giesinger Chaos auseinanderzusetzen ;-)) WM/FIFA/Fußball-TV-Irrsinn: geht mir im Prinzip ähnlich wie Dir.

  2. Liebe Birgit,
    danke für die Fußball-Nostalgie. Freue mich immer, wenn Mehmet Scholl und Achim 60 Bogdahn sich kabbeln über die Bayern und die 60er in „Mehmets Schollplatten“ im Bayerischen Rundfunk.
    Der genannte Torschütze Franz Brungs spielte derzeit für den 1. FC Nürnberg in der Meister-Mannschaft von 1968 – und gerade wird an diese und jene Achtundsechziger wieder fleißig erinnert.
    „Als der Ball noch rund war“, das ist für mich die Erinnerung an Samstagnachmittage mit der Sendung des Bayerischen Rundfunks „Heute im Stadion“. Wir hörten die lebendigen Spielberichte aus der Bundesliga und der Regional-Liga Süd kompakt in zwei Stunden mit den Abschluss-Tabellen. Heute ist der Spielbetrieb nicht mehr überschaubar. Mich interessieren die Lazarett-Berichte nicht, die ausgefeilten Statistiken und die Werbe-Einblendungen noch weniger.
    Der Fußball ist ein Geschäft geworden, und ich nehme ihn als Politikum wahr. Dies ist teilweise verbunden mit persönlichen Erinnerungen. Das 7:1 bei der letzten WM 2014 erinnere ich als den Tag, an dem wir unseren guten Studien-Freund in Fürth zu Grabe trugen – und abends dieses Spiel folgte.
    Wie rund der Ball in diesem Jahr bei der WM wird, hängt für mich auch daran, wie sich Präsident Putin weiter verhält zu Syrien, der Ukraine u. a.
    Vor 40 Jahren, 1978, hatte ich mit-demonstriert gegen das „Verschwindenlassen“ in Argentinien. In besserer Erinnerung bleiben meinerseits die Spiele von 1974 und 1990.
    Schau mer mal.
    Viele Grüße
    Bernd

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