KURZ&KNAPP: Literatur im Zeitschriftenformat

XXX 002„Man traut sich ja kaum, Dir ein Buch zu schenken – wahrscheinlich hast Du es bereits schon“. Ein Satz, den ich um Weihnachten und andere Festtage herum oft genug höre. Und weil auch in meinem Bekanntenkreis viele lesende Leute sind, denen ich eine literarische Freude machen möchte, hätte ich einen Geschenktipp für solche Fälle: Wie wäre es mit einem kleinen Abo für eine Literaturzeitschrift?

Angesichts der Tatsache, dass immer wieder Totengesänge auf die Literatur und das Lesen angestimmt werden, gibt es eine erstaunliche Fülle an regelmäßig erscheinenden Publikationen. Von der anspruchsvollen Literaturkritik über auf Genres oder Epochen spezialisierte Magazine bis hin zu Projekten, in denen sich Kreative selbst zum Ausdruck bringen. Drei Kurztipps von mir.

Frauenbuchkritik in der Virginia:

Vom Essay über Margaret Atwood über die Besprechung des jüngsten Romans von Toni Morrison bis hin zur Vorstellung von Büchern über Emmy Hennings, Hedwig Dohm und einigen Seiten Kinder- und Jugendbuchliteratur: Die „Virginia“ ist allein den Werken von Frauen vorbehalten. Die Zeitschrift, die zweimal jährlich erscheint, gibt es seit 1986. Herausgeberin ist Britta Jürgs, die der Literatur von Frauen auch in ihrem AvivA Verlag Raum gibt. Mit ihr sind noch Doris Hermanns und Susanne Webel für die Redaktion verantwortlich, außerdem schreiben für die Zeitschrift eine Reihe namhafter Autorinnen.

Die Besprechungen sind informativ und kritisch, die Auswahl ist vielseitig. Zudem bietet das Heft einen Überblick auf Neuerscheinungen und Neuauflagen vom Sachbuch über Belletristik inklusive Genreliteratur aus der Feder von Frauen – allein schon die Anzahl der Titel ist beeindruckend, vieles davon machte mich neugierig und wäre mir ohne diese Auflistung entgangen.

Zur Internetseite: http://www.virginia-frauenbuchkritik.de/

Fünf. Zwei. Vier. Neun. – die Weimarer Republik im Fokus:

Mit „Fünf. Zwei. Vier. Neun.“ meint Herausgeber Jörg Mielczarek die 5.249 Tage, die die Weimarer Republik währte – einer der spannendsten Zeitabschnitte der deutschsprachigen Literatur mit so großen Schriftstellern wie Irmgard Keun, Hans Fallada, Lion Feuchtwanger, aber ebenso vielen, die von den Nationalsozialisten ermordet oder vertrieben wurden und daher heute oftmals auch vergessen sind, weil mit ihnen auch ihr Werk ausgelöscht wurde.

Bislang erschien eine Nullnummer, die als Schwerpunktthema die Wirtschaftskrise der Weimarer Zeit und deren Niederschlag in der Literatur aufgreift – da darf natürlich eine Auseinandersetzung mit Falladas „Kleiner Mann, was nun?“ nicht fehlen, ebenso bietet das Heft aber auch den Originaltext des Theaterstücks „Die Bergbahn“ von Ödön von Horvath sowie eine Menge Tipps zu Büchern unbekannterer Autoren jener Tage.

Ergänzt durch Bildmaterial und den originalgetreuen Abdruck von Zeitungsartikeln aus dieser Zeit werden die literarischen Texte in einen historischen Kontext gebracht. Auch hier lässt sich, selbst für sehr Belesene, Neues entdecken. Für mich war dies beispielsweise die Erzählung „Ich gehe betteln“ von Ewald Friedrich, die in der Arbeiterzeitung in Wien 1931 abgedruckt wurde – ein Text, der berührt und einem nahegeht. Ich bin gespannt, was die nächsten Ausgaben bieten werden.

Zur Internetseite: 5249 – Literatur

Applaudissement – Applaus für Kreativität:

„31 Jahre, kein Zufall, kein Ready Made“ ist die 21. Ausgabe von „applaudissement“ überschrieben – ein Experiment, das der Münchner Bernhard Rusch ins Leben rief und sporadisch im TTR-Verlag erscheinen lässt. Die „Mitteilungen von Applisten und Applauphilen“ sind bunt, wild, dadaistisch, versammeln Lyrik, Prosa, Bildmontagen, Fotografie, Malerei. Das Magazin: Ein Kunstwerk in DIN A 4. „Alles, was hier versammelt ist, ist rein zufällig zusammengekommen“, schreibt Bernhard Rusch, „wie ja auch die Inspirationsquellen oft nur zufällige Magenverstimmungen sind.“

Aber, so meint denn auch Ann Cotton, Trägerin des Hugo-Ball-Preises 2017 im Interview mit den Applaudierenden: „Die Dynamik entsteht durch den Defekt.“ Das klingt wild? So soll es sein. Schwer zu beschreiben. Einfach mal reinschauen. Wirken lassen, den „Egoismus der Wassergläser.“ Es macht Spaß. Ein Applaus für das Leben und wilde Lesen.

Zur Internetseite: https://ttr-verlag.jimdo.com/

 

 

 

7 thoughts

  1. Liebe Birgit,
    du unterbreitest uns eine tolle Auswahl, besonders das von dir gezeigte Cover der Zeitschrift 5249 – Literatur gefällt mir.
    Ich lese das Kunstforum Internaltional, die Kunst und Kunsttheorie Zeitschrift erscheint alle zwei Monate, mit den ca. 400 Seiten lastet sie mich sozusagen zeitschriftentechnisch aus. Toll finde ich, dass sie auch für Hausarbeiten zitiert werden kann und die Onlinerecherche als Abonent einfach genial ist.
    Ansonsten haben wir gestern das erste Familienweihnachtsfest gut über die Bühne gebracht. Heiligabend sind wir dann bei meinem Bruder.
    Liebe Grüße sendet dir Susanne

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