Petra Morsbach: Justizpalast (2017).

„Justizpalast“ wirft die großen Fragen nach Recht und Gerechtigkeit auf und zeichnet ein realistisches Bild des Justizwesens. Ironisch, humorvoll, gescheit.

18 Kommentare
Justizpalast München
Der Justizpalast München, Schauplatz von Petra Morsbachs Roman. Bild: https://pixabay.com/de/users/knipsy-5124195/

„Das ist also unsere Gerechtigkeitsfabrik: am Ende hoher, höhlenartiger Zimmer sitzen Richter wie Grottenolme auf Papierbergen, jeder für sich. Nach drei Wochen Aktenwühlerei fragte Thirza Frau Meindl nach den offenen Verfahren der beiden Kollegen und erhielt die Antwort: hundertdreißig und hundertfünfundvierzig.“

Petra Morsbach, „Justizpalast“, Knaus Verlag, 2017.

Ein Richter, eine Richterin, so lautet die hehre Vorstellung, müsse möglichst frei sein von sozialen und beruflichen Problemen, um sich die innere Unabhängigkeit bewahren zu können. Wer Recht sprechen und Gerechtigkeit ausüben will, sollte schon per se einen möglichst ausgeglichenen Charakter mitbringen, Intelligenz und Einfühlungsvermögen gleichermaßen in die Waagschale der Justitia werfen.

Aber Richter sind auch nur Menschen. Dies lehrt uns der jüngste Roman von Petra Morsbach, der mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2017 von Deutschlandradio und der Stadt Braunschweig ausgezeichnet wurde und auf der Shortlist zum Bayerischen Buchpreis steht, auf amüsante, ironische Art und Weise.

Die Schriftstellerin zeichnet das Portrait einer bayerischen Richterin von der Kindheit bis zum Berufsende. Das Parkett des Gerichtssaals erhält so einen doppelten Boden: Da ist zum einen die überlastete Fleißarbeiterin im Bienenstock der Justiz, die sich in einer Männerwelt durchzusetzen hat und erst spät ihr privates Glück findet. Und zugleich gibt der gut recherchierte Roman einen Einblick in das Wesen der deutschen Rechtsprechung, der einem schon die eine oder andere Illusion zu rauben vermag.

Über neun Jahre hat Petra Morsbach für das Buch recherchiert, Dutzende von Richtern befragt: Eine Hintergrundarbeit, die sich bezahlt gemacht hat. Der Roman, der nicht linear erzählt ist, birgt ein ganzes Kaleidoskop von Typen in sich: Vom staubtrockenen, lebensfeindlichen Juristen über den Idealisten, der die Justiz als Bastion des zivilisierten Miteinander verteidigt bis hin zum Opportunisten, der, wenn es seiner Sache dient, sich auch der politischen Einflussnahme beugt.

Für Thirza Zorniger, selbst Kind einer chaotischen Künstlerehe, beim schweigsamen, verbitterten Großvater, der unter Hitler „Recht“ sprach, aufgewachsen, ist das Recht vor allem Bändigung des chaotischen Lebens. Als junge Frau lautet ihr Leitmotiv:

„Recht sprechen! Denn Thirza wollte für Gerechtigkeit sorgen.“

Es ist nicht so, dass der Juristin im Laufe ihrer Karriere – Zivilrichterin am Amtsgericht, Staatsanwältin, Beisitzerin am Landgericht in einer Zivilkammer im Justizpalast, Familienrichterin am Amtsgericht, Oberregierungsrätin im Justizministerium und schließlich Vorsitzende Richterin am Landgericht in einer Zivilkammer – der Gerechtigkeitssinn verloren ginge. Er wird eher zeitweise in den Mühlen der Justiz etwas klein gemahlen: Vom hohen Anspruch hin zur täglichen Kärrnerarbeit. Wie es hintern den Türen des Justizpalastes zugeht, das beschreibt Petra Morsbach mit viel trockenem Humor, pointiert und mit Sinn für das Absurde:

„Bei uns gehen die Regalhalter kaputt, und die Regale stürzen ab. Es braucht ein halbes Jahr, bis ein Handwerker kommt. Wie können wir die Würde des Gerichts vertreten, wenn uns die Verwaltung so würdelos behandelt?“

In mancher Rezension wurde das Buch trotz allgemein guter Kritiken als „überfrachtet“ und „überladen“ bezeichnet – ein Urteil, das ich nicht teilen kann. Die Erzählweise von Morsbach trägt auch durch enervierende Gerichtsverhandlungen mit enervierenden Angeklagten und noch mehr enervierenden Anwälten, der sanft ironische Ton macht auch Laien das trockene Gerichtswesen erträglich. Tatsächlich ist „Justizpalast“ in meinen Augen ein gelungenes Abbild deutscher Rechtsprechung, gefangen zwischen dem Ideal und den täglichen Plagen. Stark wird dies jeweils dort, wo die ruhige, besonnene Thirza mit ihrem temperamentvollen Kollegen Blank diskutiert:

„Genug“, sagte Thirza. „Wir sind kein Sachbuch. Was hat das alles in einem Roman zu suchen?“ „Liebe Kollegin! Kardinalfrage! Wie geht die Justiz mit Mächtigen um, die das Recht beugen? Justiz hat idealerweise für Gerechtigkeit zu sorgen und die Rechte der Schwachen gegen die Gier der Starken zu verteidigen. Der Urzustand ist Gewalt. Wenn man dabei bleiben will, braucht`s keine Justiz.“

Der Roman als Verteidigungsschrift und als Bestandsaufnahme: Erst vor kurzem machte der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, Jens Gnisa, darauf aufmerksam, dass auf die Justiz ein erhebliches Personalproblem zukommt: Rund 40 Prozent aller Richter und Staatsanwälte gehen in den nächsten 15 Jahren in den Ruhestand, zugleich aber knirsche es jetzt schon aufgrund der Überlastung der Gerichte an allen Ecken und Ende, Nachwuchs kommt kaum nach.

Vor diesem Hintergrund ist das Buch von Petra Morsbach auch von brennender Aktualität. Denn im Ernst: Trotz aller Unzulänglichkeiten des Gerichtswesens – wie sähe unsere Gesellschaft aus ohne die „Grottenolme“ der Justiz, ohne die Frauen und Männer im Talar?

Lassen wir nochmals Thirza Zorniger und Blank – ganz am Ende des Romans – zu Wort kommen, freuen sich über einen Sieg der Justiz über die Politik:

„Nur drei Sätze, weil sie ermutigend sind! Wissen Sie, unser Staat hat doch einige Juristen hervorgebracht, die funktionieren. Das Unrecht geht immer weiter, aber das Bemühen um Gerechtigkeit auch! Darf ich?“, fragte Blank erwartungsvoll. Auch Blank freute sich. Beide, die angeschossene Richterin und der ramponierte Schicksalsgefährte, saßen auf der spartanischen Sitzgruppe im toten Ende des Ganges und freuten sich. „Wunderbar“, sagte Thirza. „Wenn das ein Roman wäre, müsste er hier enden.“

Verlagsinformationen zum Buch:
https://www.randomhouse.de/Buch/Justizpalast/Petra-Morsbach/Knaus/e336781.rhd

Bayerischer Buchpreis Logo 2017_cmykMeine Bewertung für den Bayerischen Buchpreis:

Ein Plus für die Sprache: Ich mag lakonischen, trockenen Humor, hier trifft Petra Morsbach bei mir voll ins Schwarze.
Ein Plus für die Figurenzeichnung: Lebendige Charaktere, auch Sympathieträger(innen) mit Ecken und Kanten.
Ein Plus für die Struktur: Komplex, trotz nichtlinearer Erzählweise ergeben die Sprünge und Rückblenden ein rundes Ganzes.
Ein Plus für den Inhalt: Die großen Fragen werden aufgeworfen: Die nach Recht und Gerechtigkeit, die Rolle von Justiz und Politik, die Rolle der Frau (Thirza beschäftigt sich im Studium mit Gustav Radbruch, der 1922 das „Gesetz über die Zulassung der Frauen zu den Ämtern und Berufen der Rechtspflege“ erließ.
Ein Plus für gesellschaftliche Relevanz: Aktuelle, wichtige Thematik (Arbeitsbelastung und Personaldünne in einer der wichtigsten Säulen des demokratischen Rechtsstaates), die so in den Fokus von Leserinnen und Lesern gerückt wird.
Und, als Blödel-Plus: Zwar werden mit dem Bayerischen Buchpreis deutschsprachige Neuerscheinungen gewürdigt, aber nachdem der „Justizpalast“ in München spielt, gewinnt Petra Morsbach für mich als bayerische Buchpreisbloggerin natürlich einen Heimvorteil. Bevor bei uns noch ein Österreicher gewinnt!

Zum Bayerischen Buchpreis: http://www.bayerischer-buchpreis.de/

18 comments on “Petra Morsbach: Justizpalast (2017).”

  1. Liebe Birgit,
    ich teile deine Einschätzung restlos – inklusive aller Plusse, die du gefunden und vergeben hast. Ich finde auch, dass die vielen Fälle, die im Roman erzählt werden auch eben nicht zu viel und zu ausführlich dargelegt werden, denn die Konflikte, die hier jeweils verhandelt werden, verweisen ja genau auf die Veränderungen der Gesellschaft, auf die Streitlust, die uns umtreibt und vor die Gerichte führt, auf die Segnungen der Rechtsschutzversicherung, die uns das ermöglicht, und auf die manchmal merkwürdigen moralischen Vorstellungen der lieben Mitbürger, die überhaupt erst zu den Konflikten führen. Und das dekliniert Morsbach ja aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln durch, so ja auch durch Max, der zum einen die Versicherungssicht mit einbringt und dann als „kleiner“ Anwalt die Auseinandersetzungen in der Nachbarschaft hautnah miterlebt.
    Und der Roman zeigt ja noch weitere wichtige Aspekte: wie die Justiz, und das lässt sich durchaus stellvertend lesen für andere staatliche Bereiche wie die Finanzen, wie die Bldung, systematisch „schlank“ gespart worden ist, bis nur noch Überlastung herrscht – du hast ja exemplarisch das tolle Zitat von den einstürzenden Regalen festgehalten. Wie manche Leben sich auch an der Justiz verschleißen. Wie Ränke und Intrigen, Neid und Eifersüchteleien auch bei Menschen, die mit der Gerechtigkeit zu tu haben, zu finden sind. Und, und, und. Also: Ich schließe mich deiner vollen Pluspunktzahl vollumfänglich an. Dann warten wir mal gespannt, was die baybuch-Jury dazu sagt.
    Viele Grüße, Claudia

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    1. Eben das hat mir an diesem Roman so gefallen: Das und, und, und – wieviel darin steckt. Und dass er dennoch für meinen Geschmack weder überfrachtet noch durch die Rechtsbeispiele und justizphilosophischen Überlegungen trocken wirkt. Ich fand ihn höchst spannend (und konnte ihm auch unter diesem Aspekt mehr abgewinnen als der Medusa). Aber die Jury entscheidet, denke ich, eher nach den ganz hohen literarischen Kriterien … lassen wir uns überraschen (wir krönen dann einfach Petra Morsbach mit dem Preis der Bloggerinnen). Einen schönen Sonntagabend noch! Birgit

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  2. Danke für die Vorstellung, Birgit, gerade mit meinem Jura studierenden Sohn interesssiert mich der Roman doppelt, privat und aus der gesellschaften Sicht.
    Hier in Berlin ist es trübe draußen und wir haben das Wochenende mit Aufräumen verbracht. Nun will ich den Vormittag nutzen, weiter an meiner Hausarbeit über Géricaults Floß der Medusa zu schreiben, ein interessantes Thema!
    Liebe Grüße von Susanne

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    1. Liebe Susanne, das ist ja witzig – der Justizpalast ist für Dich interessant, aber auch das 2. Buch, das ich im Rahmen des Buchpreises vorstelle, passt zu Deinem Thema: „Das Floß der Medusa“ von Franzobel. Zum Bild gibt es einen ganz tollen literarischen Text auch bei Julian Barnes, in diesem Buch: https://saetzeundschaetze.com/2015/06/14/julian-barnes-eine-geschichte-der-welt/
      Ich war am Samstag im Dürer-Haus, da habe ich ganz fest an euch gedacht (das Haus an sich ist jetzt wirklich nicht so der Hammer, aber diese Selbstportraits von ihm!!!) Liebe Grüße von Birgit

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      1. Liebe Birgit,
        das Buch von Franzobel habe ich gesehen, es hat mich jedoch ehrlich gesagt nicht sonderlich interessiert.
        Ich denke, du wirst sicher eine Rezension darüber schreiben?
        Grundlage von Géricaults Gemälde ist der Bericht des Geologen Corréard und des Wundarztes Savigny, der noch im Jahr nach den Geschehnissen von beiden geschrieben wurde. Sie waren auf dem Floß und haben die Katastrophe miterlebt. Der Bericht ist noch als Buch erhältlich und ich habe ihn gelesen (Savigny, Jean-Baptiste Henri, Corréard, Alexandre. Der Schiffbruch der Fregatte Medusa, Berlin 2005.). Den Text von Barnes mag ich, er geht auch ein wenig in meiner Hausarbeit ein.
        Interessant zu diesem Thema ist die Doku von arte, „Kannibalen auf dem Medusafloß“, du kannst dir den gesamten Bericht noch auf youtube anschauen, soll ich dir den Link senden? Der deutsche Titel ist etwas reißerisch, jedoch wird im Film das Floß nachgebaut, was ich interessant fand. Der Kunsthistoriker Bruno Chenique berät unter anderem die Bootsbauer. Meine Literaturliste zur Hausarbeit ist lang, unter anderem ist diese Liste auch der Grund, warum ich zu so wenig „Anderem“ zum Lesen komme.
        Schön, dass dir das Selbstportrait im Dürerhaus gefiel, ich fand es auch gelungen. Es gibt ja dieses Foto von mir davor 😉 . Im jetzigen Semester habe ich das Seminar Portraits der frühen Neuzeit belegt, da lauert die nächste Literaturliste auf mich und ich freue mich, wenn ich Géricault abgeschlossen und mich auf die Portraits stürzen kann.
        Liebe Grüße von Susanne

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      2. Liebe Susanne, Savigny spielt in Franzobels Buch eine Hauptrolle – schon sehr interessant, weil an seiner Figur gezeigt wird, wie einer mit liberalen, humanitären Idealen auch an seine Grenzen kommt. Danke für den Literaturhinweis – ich muss jedoch auch schauen, ob mein Interesse so weit reicht. Das Gemälde finde ich faszinierend, die Geschichte dahinter natürlich auch. Das Buch von Franzobel ist wohl die erste literarische Verarbeitung dieses Themas und toll geschrieben – aber für mich nicht der Favorit (auch wenn das kein literarisches Kriterium ist – ich denke, das ist ein Buch, das vor allem Männer gerne lesen). Ja, das Foto von Dir – ich erinnere mich ungefähr 🙂 Die Augen sind wirklich der Wahnsinn, das ging mir jetzt nochmals so richtig auf. Dass Du vom Floß zu den Portraits kommst, finde ich schön – ist doch etwas vielseitiger, oder? Bis bald, Deine Birgit

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      3. Liebe Birgit,
        ja, der Kunsthistoriker Trempler beschreibt es als „das Zerschellen der Ideale der Zivilisation“. Das Gemälde ist wohl durchdacht, 16 Monate Recherche und 12 Monate praktische Arbeit investierte Géricault in es . Er brauchte dringend den Erfolg im Pariser Salon und schon die Maße des Gemäldes von 4,91 x 7,16 Meter waren gigantisch. Géricault kam aus reichem Haus und musste sich nicht um Geld sorgen machen. 🙂 Ansonsten wäre im dieses Gemälde nicht möglich gewesen.
        Vielleicht sollte ich mal in den Franzobel blättern, aber ich glaube, ich bin da schon zu sehr faktentreu, als Historikerin haben manche Seiten meiner Texte mehr Fußnote als Text 😉 ;-). Aber ich kann vielleicht in meiner Hausarbeit erwähnen, dass Géricault Gemälde immer noch von der Literatur aufgenommen wird. Oder ist es doch eher eine Interpretation des Berichts von Savigny? Interessante Frage! Was beeinflusste Franzobel mehr? Der Bericht oder das Gemälde.
        Das Portrait ist vielseitiger, das stimmt und es ist eher mein Thema. Ich freue mich auf das Seminar.
        Das Seminarthema vom Gericaultbild war jedoch „Das Meer“ in der Kunst und Gericault war nur ein kleiner Teil des Seminarthemas, das ich für meine Hausarbeit gewählt habe. 🙂 Es war sehr interessant. Ich habe dort z.B. erfahren, dass es Aquariumbilder gibt.
        Jetzt muss ich mich sputen, Check Up bei meiner Ärztin ist um 9 Uhr angesagt. 🙂
        Bild bald und einen stressfreien Tag wünscht dir, Deine Susanne

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      4. Liebe Susanne, bei dem Buch von Franzobel ging es nicht um das Gemälde, sondern um die Katastrophe der Medusa. Und soweit ich es einschätzen kann, hat er das sehr genau recherchiert. Gericault ist in diesem Buch kein großes Thema. LG Birgit

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      5. Wir haben uns im Seminar gefragt, ob durch das Bild erst soviel Aufmerksamkeit auf das Buch gelenkt wurde. Eigentlich war das Buch nur ein interner Bericht zur Klärung der Vorgänge innerhalb der Marine Behörde. Heute sind wir es gewöhnt, dass zu Naturkatastrophen und politischen Ereignissen Bilder bzw. Fotos stehen. Damals war das sog. Katastrophenbild neu. Es entstand erst im 18. Jhd. Ich kann mir schwer vorstellen, dass Franzobel sich nicht das Gemälden angeschaut hat. Erwähnen kann er es ja nicht, denn das Buch handelt ja von den Vorgängen selber.
        Liebe Birgit, ich denke, nun werde ich das Buch lesen. Du hast mein Interesse geweckt. Denn ohne das Buch gelesen zu haben, kann ich nicht weiter darüber diskutieren. Ich bin neugierig, danke dafür, Susanne

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  3. Liebe Birgit, Deine fast leidenschaftliche Besprechung hat mich sehr neugierig gemacht. Vielleicht hat ja Petra Morsbach auch gute Chancen. Ist die Justiz nicht auch eher ein männliches Thema? Das sollte doch bei männlichen Juroren ankommen. Ich werde dieses Buch jedenfalls in meine Leseliste aufnehmen. Ein Urteil kann ich mir allerdings erst erlauben, wenn ich es gelesen habe. Herzliche Grüße, Peggy

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    1. Liebe Peggy,
      im Zweifel hoffentlich immer für das Buch 🙂
      Die Justiz an sich halte ich eigentlich für ein „neutrales“ Thema, wenn es um die Rezeption von Literatur, Filmen etc. angeht. Mich haben diese Grundfragen, die da aufgeworfen werden – sei es bei der Nachtigall von Harper Lee, bei den „Zwölf Geschworenen“ und ähnlichen Filmen, oder eben auch in der Literatur – also die Grundfragen nach Recht und Gerechtigkeit immer fasziniert: Sind sie doch elementar für das Zusammenleben von Menschen. Übrigens auch von einer Schriftstellerin ein tolles Buch, dass ebenfalls thematisiert, wie der „Justizapparat“ funktioniert, aber in einem bestimmten historischen Setting: https://saetzeundschaetze.com/2017/01/29/ursula-krechel-landgericht-2012/

      Bei Petra Morsbach hat mir gut gefallen, dass sie eben eine Richterin zur Hauptfigur gemacht hat, die sich mit ihrem Privatleben schwertut und auch im Gericht immer wieder in so eine vielleicht typische weibliche, weil vermittelnde Rolle, auch zwischen Kollegen gerät.

      Ich glaube, es könnte die Leser unabhängig vom Geschlecht ansprechen (in der Jury sind übrigens zwei Frauen, ein Mann), wobei der Franzobel stilistisch sicher eine Klasse für mich ist, aber dieses fast schon archaische Überlebensthema vielleicht eher doch männliche Leser anspricht … Herzlichst, Birgit

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      1. Du hast natürlich recht, es sollte zumindest ein neutrales Thema sein. Aus meiner Zeit in der Bank, wo ich auch viel mit Juristen zusammengearbeitet habe, habe ich nur festgestellt, dass der Anteil an Frauen im juristischen Berufsfeld (wie auch an vielen anderen Stellen) nicht sehr hoch ist und, je weiter oben man auf der Karriereleiter schaut, stark abnimmt. Ein Gedanke, der mir übrigens beim Lesen Deiner Rezension kam, ist, dass vermutlich viele Juristen eine Karriere in Kanzleien und Unternehmen bevorzugen, weil sie besser bezahlt werden. Das würde bedeuten, dass die Effizienz unserer Gerichte wohl dem Markt zum Opfer fällt – keine sehr hoffnungsvoll stimmende Überlegung.
        Nachdem ich vor kurzem den Essay von Katharina Herrmann gelesen habe, kam ich nicht umhin, über diese typischen Vorurteile, was männliche und weibliche Themen sind, nachzudenken, was natürlich Quatsch ist. Mich interessieren solche Themen auch, aber gleichzeitig habe ich beim Lesen des Essays erschreckend festgestellt, dass auch meine Denkweise in vielerlei Hinsicht von dieser Sozialisierung beeinflusst ist. Gut, sich das mal bewusst zu machen. Liebe Grüße, Peggy

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      2. Liebe Peggy,
        ich kenne dagegen wegen meines Jobs einige Jurist(innen) aus der Verwaltung und am Sozialgericht (wo übrigens auffallend viele Frauen Richterinnen sind) – die sich aber ganz bewußt FÜR eine Karriere im öffentlichen Dienst entschieden haben, weil Du hier einfach Beruf und Familie besser vereinbaren kannst als in der freien Wirtschaft. Hat also beides seine zwei Seiten – wobei jene, die ausschließlich wegen des Geldes nicht Richter werden vielleicht auch nicht unbedingt die erste Wahl wären für diesen Beruf. Wobei das dann auch was über den Zustand unserer Gesellschaft im Allgemeinen was aussagt … leider! Und nicht nur der mangelnde Richternachwuchs ist ein Problem, sondern auch die steigende Zahl von Fällen, die vor Gericht landen: Heute klagt ja jeder beim kleinsten Unbehagen …An unserem Dialog kann man vielleicht schon absehen, wieviel dieses Buch in sich birgt. Und zum anderen Thema: Ich finde das keinen Quatsch – mir geht es ja mit dem Franzobel ähnlich (ich sehe, dass er z.B. v.a. von männlichen Bloggern besprochen wird), kann das aber nicht richtig in Worte fassen: Natürlich habe ich auch Moby Dick gelesen (und war sogar angetan), aber das sind Geschichten und Erzählungen, die zwar eine „geschlechtsneutrale“ höhere Moral ansprechen, aber die eine Seite in mir nicht erklingen lassen – bei der Medusa war der Intellekt beschäftigt, aber nicht die Sinnlichkeit, nicht die Erfahrung, die das Lesen ja auch ansprechen könnte. Das erging mir mit dem Buch von Petra Morsbach anders – hier fand ich einen Teil meiner Lebenswelten wieder, fühlte mich auch als „weibliche“ Leserin angesprochen. Vielleicht schreibt Katharina noch mehr dazu – das Thema ist einfach nicht ausgeschöpft. LG Birgit

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