#lithund: Nicola Förg und ihre scharfen Hunde – ein Alpenkrimi (2017)

IMG_5126Ehrlich gesagt war es mein erster Alpen-Krimi von Nicola Förg. Das Hauptpersonal: Hundewelpen, die aus einem umgestürzten Lkw krabbeln, drei Tote und die Ermittlerin Irmi Mangold samt ihrer Kollegin Kathi Reindl. Das ist der Plot, aus dem die „Scharfen Hunde“ sind.

Nicola Förg greift ein hochbrisantes Thema auf: Hundehandel! Und es ist eine durchaus gute Idee, dieses Thema kriminalistisch zu verarbeiten, so dass noch mehr Menschen darauf aufmerksam werden.

Aber schön der Reihe nach:

Was haben der Besitzer einer Outdoor-Agentur, ein Camping-Urlauber aus Holland und eine reiche Oma miteinander zu tun? Erst einmal nichts, außer, dass sie alle an einer Eisenhut-Vergiftung gestorben sind. War es Suizid oder Mord?

Die Spuren führen Irmi und Kathi in die Touristikbranche. Dort gibt es Streit um eine Ferienkarte, die den Touristen kostenlose Zusatzleistungen ermöglicht. Einer der Toten hatte nicht von dieser Ferienkarte profitiert! Wurde er deshalb umgebracht?

Im Grunde geht es bei den „Scharfen Hunden“ jedoch nicht sehr kriminalistisch à la Holmes & Co zu. Die Morde sind vielmehr die Verzierung zum eigentlichen Plot „Hundehandel“.

Leider waren mir die beiden Ermittlerinnen nicht sonderlich sympathisch, was meine Krimi-Lese-Freude auch ein wenig gemindert hat. Denn da war es wieder, das Klischee vom grummligen Allgäuer. Und das Vermengen privater und dienstlicher Handlungszweige find ich jetzt nicht so klasse. Eine private Szene hat es mir aber doch angetan. Und zwar als Irmi ihre alte Freundin Eszter bei Recherchearbeiten in Ungarn trifft: „Wo sind sie, die Jahre?“ Ja, wo waren sie geblieben? Sie saßen in den Falten und im Bauchspeck, sie lauerten in alten Liedern und alten Fotos. Sie traten ans Tageslicht aus uralten Serien. Daktari, Der Doktor und das liebe Vieh – schlechte Dialoge, schlecht ausgeleuchtete Sets, endlose Kameraeinstellungen, aber trotzdem so schön, so anders.

Das Buch ist gut zu lesen, entwickelt spannende Szenen, beschreibt Umstände, Geschehnisse und Personen sehr gut. Was mir immer wichtig ist und sich auch hier bewährt: Der Kniff mit den relativ kurzen Kapiteln. Das fördert die Freude am Lesen, da man immer denkt: „Ach ein Kapitel schaff ich noch…“. Und so kommt man gut durch die 320 Seiten. Hangelt sich von Kapitel zu Kapitel, steigt immer tiefer in den Plot ein und fiebert dem Ende und der Auflösung des Falles entgegen. Nicola Förg schreibt herrlich leicht, liebenswürdig und spannend. Und ganz wichtig: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Am Ende ist es nicht der Täter, von dem man glaubt, er ist der Täter.

Ein Beitrag von Florian Pittroff
www.flo-job.de

Verlagsangaben zum Buch:
https://www.piper.de/buecher/scharfe-hunde-isbn-978-3-86612-418-9

Im Pressedossier verrät der Verlag noch einiges mehr über die Autorin und ihr ungewöhnliches Krimithema:

Nicola Förg, Bestsellerautorin und Journalistin, hat mittlerweile 17 Kriminalromane verfasst, an zahlreichen Krimi-Anthologien mitgewirkt und 2015 einen Islandroman vorgelegt.  Die gebürtige Oberallgäuerin, die in München Germanistik und Geographie studiert hat, lebt heute mit Familie sowie Ponys, Katzen und anderem Getier auf einem Anwesen in Prem am Lech – mit Tieren, Wald und Landwirtschaft kennt sie sich aus.

Engagement für den Tier- und Umweltschutz: Nicola Förg wurde 2012 vom bayerischen Tierschutzbund, 2015 vom Garmischer Tierheim sowie 2015 und 2016 vom bayerischen Jagdverband für ihr Engagement ausgezeichnet. Sie setzt sich nicht nur auf ihrer wöchentlichen Tierseite im „Münchner Merkur“ für Tiere und Umwelt ein, sondern widmet sich auch in ihren Romanen oft Themen des Tier- und Naturschutzes.

Im Interview mit dem Piper Verlag erzählt sie, wie sie auf das Thema kam:

Frau Förg, dieses Mal haben es die beiden Garmischer Kommissarinnen mit illegalem Welpenhandel zu tun.  Gibt es einen derart mafiös organisierten Handel mit Tierbabys aus Osteuropa ?

Leider ja, und zwar mit steigender Tendenz. Die Welpen kommen aus Ungarn, Polen, Tschechien und der Slowakei. Es handelt sich meist um Rassen, die gerade „in“ sind. Die Niederlande und Belgien agieren dabei als Transit- und Umschlagsländer für die armen Wesen, die aus so genannten „Vermehrerstationen“ stammen. Die Hundemütter sind nichts anderes als Gebärmaschinen, die ohne Unterlass Welpen „produzieren“. Sie leben unter erbärmlichen Bedingungen und werden später – wenn ausgelaugt  – „entsorgt“.  Die Welpen werden den Müttern viel zu früh entrissen, sind oft krank, traumatisiert und in keiner Weise sozialisiert. Spätere Besitzer geraten in einen Strudel von Verzweiflung – man will dem Tier ja helfen – und die Tierarztkosten explodieren meist.

Lohnt sich das Geschäft für die Welpendealer? Und was riskieren sie, wenn sie erwischt werden?

Allerdings, der illegale Tierhandel ist nach dem Waffen- und dem Drogenhandel das lukrativste Geschäft und fällt aufgrund seiner festen Struktur und des länderübergreifenden Netzwerkes unter die organisierte Kriminalität. Betrug, Korruption, Tierquälerei sind darin ebenso enthalten wie Körperverletzung, Bedrohung und Erpressung. Das Internet macht das Geschäft zudem einfach, die einschlägigen Börsen sind voll von „süßen Welpen“. Die Dealer werden immer gerissener: die Annoncen klingen seriöser, schlechtes Deutsch wird vermieden, und verräterische Billigangebote werden durch höhere Preise ersetzt. Diese mafiösen Zirkel zu sprengen ist sehr schwer, doch in den letzten Jahren sind die Behörden sehr aktiv.  Da mittlerweile Haftstrafen verhängt wurden, die über einem Jahr hinausgehen, werden die Taten als Verbrechen definiert.

Sie haben wie immer gründlich recherchiert, bevor Sie Irmi Mangold und Kathi Reindl auf diesen Fall angesetzt haben. Wer hat Ihnen dieses Mal als Experte zur Seite gestanden?

Ich hatte mit Birgitt Thiesmann von VIER PFOTEN und Tessy Lödermann, Vizepräsidentin des Bayerischen Tierschutzbundes großartige Expertinnen. Beide haben seit Jahren mit diesem relativ neuen Zweig der organisierten Kriminalität zu tun. Birgitt Thiesmann war selbst in Vermehrerstationen in Osteuropa (wie sie auch Irmi Mangold in meinem Krimi in Ungarn kennenlernt), um das Leid zu dokumentieren und mit Hilfe der örtlichen Tierschützer und der Polizei die Hunde dort herauszuholen. Tessy Lödermann ist auch in der Hinsicht involviert, dass sie – fliegen solche Transporte auf – die sicher gestellten Welpen händeringend in den Tierheimen unterzubringen sucht. Aber das sind oft Hunderte kranker Tiere – wohin damit?

Veröffentlicht von

Das Literaturblog Sätze&Schätze gibt es seit 2013. Gegründet aus dem Impuls heraus, über Literatur und Bücher zu schreiben und mit anderen zu diskutieren.

5 thoughts on “#lithund: Nicola Förg und ihre scharfen Hunde – ein Alpenkrimi (2017)

  1. Da deckt der #lithund ja, ganz nebenbei fast, auch noch ein brisantes gesellschaftspolitisches Thema auf. Und dabei lassen die Begriffe „Welpen“ und „Alpen“ ja erst einmal das schönste positve Kopfkino loslaufen…
    Viele Grüße, Claudia

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    1. Fand ich auch sehr passend, dass Florian gerade zur rechten Zeit dieses Buch las und somit noch einen weiteren Aspekt zum #lithund mitbringen konnte. Nicht alle Welpen tollen leider über grüne Wiesen (wenn so ein Heidi-Idyll in deinem Kopfkino lief). Und man weiß ja aus den finsteren Bergtragödien der frühen Jugendjahre im TV (Via Mala und so): Da gibt es manch finsteres Tal…Viele Grüße, Birgit

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  2. Ich entdecke den #lithund jetzt erst und verspüre sofort den unwiderstehlichen Drang, ebenfalls das Bein zu heben —
    man könnte es auf den Instinkt schieben. Mir fällt zum Thema sofort ein Hund ein, der in einem der berühmtesten Mexikoromane eine Rolle spielt. Naja, es ist eher eine kleinere Nebenrolle. Also, genauer gesagt hat er erst im Schlusssatz von Malcolm Lowrys „Under the Volcano“ seinen Auftritt, und dann auch nur als Kadaver. Aber es ist schon ein unvergesslicher Auftritt, und es soll Leute geben, die von diesem Roman nur den berühmten letzten Satz „Somebody threw a dead dog after him down the ravine“ kennen. Der Verweis mag gerade unter diesem Artikel ein wenig geschmacklos erscheinen, aber im Ernst, ohne den Hund wäre der Roman nicht derselbe.

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    1. Es ist schon so lange her, dass ich diesen im Grunde todtraurigen Roman gelesen habe – aber kaum sehe ich Deinen Kommentar, ist das Bild mit dem Hund wieder in meinem Kopf. Danke für die Erinnerung … und irgendwann werde ich „Unter dem Vulkan“ wiederlesen müssen.

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