MeinKlassiker (34): Die Buddenbrooks – eine Familie verfällt und lebt doch für immer weiter

Das „Buddenbrookhaus“ in Lübeck. Alle Bilder: Bernhard Gattner

Unzählige Male wieder aufgelegt, gelesen und besprochen, mehrfach verfilmt, aber auch immer wieder als „überholt“ und „überschätzt“ geschmäht – und dennoch: Die „Buddenbrooks“ ist einer der großen Romane der deutschen Literatur. Und es ist schön, dass er – und mit diesem, seinem ersten Roman – nun auch Thomas Mann in der Reihe #MeinKlassiker angekommen ist. Zu verdanken haben wir dies Ines Daniels, die lange mit zum Team bei „Feiner reiner Buchstoff“ gehörte, nun seit aber fast einem Jahr einen eigenen Blog namens „letteratura“ betreibt. Dort gilt ihr Leseinteresse vor allem der zeitgenössischen Literatur – hier aber schreibt sie über ein zeitloses Werk, eines der großen Bücher der deutschen Literatur:

Als ich darüber nachdachte, welchen Klassiker ich als #MeinKlassiker bezeichnen würde, welche Lektüre mich nachhaltig beeindruckt hatte, so dass ich immer noch an sie zurückdenke, da kam mir recht bald „Buddenbrooks“ in den Sinn. Es muss um die zwanzig Jahre her sein, dass ich mich mit dem Wälzer zurückzog und – so die Erinnerung – komplett versank in dieser Familiengeschichte, in der alles mit der Zeit den Bach heruntergeht, heißt es doch wenig geheimnisvoll im Untertitel: „Verfall einer Familie“. An Einzelheiten erinnerte ich mich fast gar nicht, als ich den Roman erneut zu lesen begann, mit einer Ausnahme: dem Tod Hannos. In meiner Erinnerung fand dieser irgendwann in der Mitte des Romans statt, hatte ich damals nicht auf den verbleibenden Seiten stets danach gesucht, dass die Figuren sich an ihn erinnern? Dass er wieder und wieder erwähnt würde? Dass sie so um ihn trauern würden, wie ich getrauert hatte?

Bei der Wiederlektüre des Romans um den letzten Jahreswechsel herum und inzwischen altersmäßig deutlich weiter entfernt von Hanno zum Zeitpunkt seines Todes (der mich vermutlich auch gerade wegen dieser Nähe damals so ergriffen hatte), stellte ich fest, dass die Erinnerung getrogen hatte. Hanno ist nur der letzte in einer langen Reihe von Todesfällen in Thomas Manns frühem Roman – und da sich die Geschichte über mehrere Generationen erstreckt, ist es nur natürlich, dass einige Figuren das Zeitliche segnen im Verlauf der vielen, vielen Seiten.  

„Buddenbrooks. Verfall einer Familie“ erschien 1901, als Thomas Mann gerade einmal 26 Jahre alt war. Angesichts der Fülle des Stoffs, des umfangreichen Personals, das er unterbringt, der Virtuosität, mit der er vor- und zurückschaut und Dinge an- und vorausdeutet, ein erstaunliches Alter. Nun gibt es ganze Bibliotheken mit Sekundärliteratur zu Thomas Mann und seinem wohl berühmtesten (und 1929 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneten) Roman, doch soll es hier um eine umfassende Analyse ja auch gar nicht gehen. 

Unerwartet war bei meiner aktuellen Lektüre des Romans, dass er zunächst wenig in mir auslöste. Ich las Manns nüchternen, doch auch virtuosen Stil, fieberte mit seinen Figuren, doch was wollte und sollte ich zu dem Roman sagen, zu dem alles schon gesagt wurde? Die Geschichte musste ruhen, um erneut ihre Wirkung zu entfalten, die mich zuvor quasi übermannt hatte – womöglich bin ich damals viel unbedarfter an die Lektüre herangegangen. 

Ein Klassiker zeichne sich unter anderem dadurch aus, dass er zeitlos sei, dass er uns auch heute noch etwas sagen könne, so war auch im Zuge von #MeinKlassiker schon zu lesen. Die Buddenbrooks leben ihr Leben im 19. Jahrhundert, doch sind sie in dem, was sie sich wünschen, in ihrem Streben, in den Schwierigkeiten, das Private und das Geschäftliche unter einen Hut zu bringen und dabei den Konventionen gerecht zu werden, nicht immer allzu weit von uns heute entfernt, auch wenn sich natürlich einiges geändert hat. Eine Scheidung zum Beispiel stellt nicht mehr die gleiche Schande dar, die möglichst durch eine erneute Verheiratung wettgemacht werden muss. Toni, die sogar zweimal geschieden wird, ist eine der Figuren, die mir neben ihren beiden so unterschiedlichen Brüdern Thomas und Christian und natürlich Hanno, der tragischsten Figur der Geschichte, am eindrücklichsten in Erinnerung bleiben.  

Und es sind vor allem die letzten Kapitel, die letzten Seiten des Romans, die den tiefsten Eindruck hinterlassen. Thomas, der immer versucht hat, ein rationaler Geschäftsmann zu sein, der immer hart gearbeitet hat, drohen seine Gewissheiten zu entgleisen. In seinem Bruder, dem wehleidigen, hypochondrischen Christian hat er immer sein Gegenstück gesehen – eines, das er verachtete, im Grunde aber auch ein Stück weit beneidete. Christian erlaubte sich ein freieres Leben, das Thomas sich schon von vornherein selbst verbot. Es ist erschütternd, mitzuerleben, wie Thomas letztendlich an der Einhaltung der Regeln, die ihm die Gesellschaft zwar auferlegt, deren strengster Überwacher er aber selbst ist, zugrunde geht.  

Ihre Schwester Toni bleibt mir einerseits durch ihre Naivität, andererseits aber auch durch ihren Pragmatismus in Erinnerung. Sie ist letzten Endes Optimistin, der es als junge Frau verwehrt wird, aus Liebe zu heiraten und stattdessen später zweimal geschieden wird. Letztlich macht sie sich das Glück ihrer Tochter zur Lebensaufgabe. 

Hanno hingegen scheint von Anfang an wie nicht geschaffen für das Leben, er kränkelt, ist schüchtern, bringt keine guten Leistungen in der Schule und ist ein Außenseiter. Er und seine Mutter Gerda sind die einzigen in der Familie, die musikalisch begabt sind und so aus der Rolle fallen. Hanno ist eine äußerst tragische Figur und diejenige, mit der man aus dem Roman entlassen wird.  

„Buddenbrooks“ erzählt uns viel über das gesellschaftliche Leben, über Klassen und soziale Schichten. Mich interessiert dabei am meisten, wie die Figuren damit umgehen, was von ihnen erwartet wird, wie sie ihr Leben meistern und die Probleme, die sich für sie ergeben, lösen. Wenn am Ende das Familienunternehmen und damit auch die Familie selbst „verfallen“ ist und man sich die Frage stellt, was dies für das gesamte gesellschaftliche System bedeutet, dann ist die Familie auf ein paar wenige Mitglieder zusammengeschrumpft. Wer nicht die nötige charakterliche Stärke besitzt, um in der Geschäftswelt zu bestehen, der ist letztlich nicht lebensfähig. Bezeichnenderweise gilt das auch für Thomas Buddenbrook, der doch eigentlich alle Voraussetzungen mitbrachte, um erfolgreich eine Firma zu leiten. 

Meine zweite Lektüre der „Buddenbrooks“ um die zwanzig Jahre nach der ersten war eine mit verschobenem und erweitertem Blickwinkel, und auch diejenige einer Leserin, die inzwischen anders liest als damals. Eine Lektüre, die ihre Wirkung nur langsam entfaltete und die sich vor allem auf die Hauptfiguren konzentrierte – nicht mehr so ausschließlich auf Hanno, aber natürlich auch auf ihn. Und wenn ich den Roman in weiteren zwanzig Jahren erneut lesen werde? Was werde ich dann wohl aus dieser Geschichte für mich mitnehmen? Ich freue mich darauf, denn ich bin sicher, ein Roman wie die „Buddenbrooks“ wird nie seine Kraft und Aktualität verlieren.

Ines Daniels
https://letteraturablog.wordpress.com/

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Das Literaturblog Sätze&Schätze gibt es seit 2013. Gegründet aus dem Impuls heraus, über Literatur und Bücher zu schreiben und mit anderen zu diskutieren.

37 thoughts on “MeinKlassiker (34): Die Buddenbrooks – eine Familie verfällt und lebt doch für immer weiter

  1. Oh, liebe Birgit, du hast das „gefällt mir“ gestrichen, hatte es bestimmte Gründe?
    Gestern habe ich mir 1609 min = 26 Stunden und 38 Minuten Thomas Mann auf mein iPhone geladen.
    Gert Westphal liest Thomas Mann und ich bin gespannt, wie oft ich reinhöre. Die Edition enthält „Gefallen“, „Der Wille zum Glück“, „Luischen“ , „Gladius Dei“ , „Das Wunderkind“ , „Ein Glück“ , „Das Eisenbahnunglück“ , „Unordnung und frühes Leid“ , „Königliche Hoheit“, „Lotte in Weimar“ (Romanauszüge), „Weihnachten bei den Buddenbrooks“ (Ausschnitt aus „Buddenbrooks“), „Die Damengesellschaft“ (Ausschnitt aus „Joseph und seine Brüder“), „Leiden und Größe Richard Wagners“.
    Liebe Grüße von Susanne

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    1. Gut, dass Du mich aufmerksam gemacht hast, Susanne. Ich muss den „Like“-Button immer eigens einstellen, bei Gastbeiträgen ist es natürlich schade, wenn ich das vergesse. Hab ich flugs nachgeholt. Die Westphal-Auswahl kenne ich zum Teil: Ich wünsche Dir viel Vergnügen damit! Liebe Grüße Birgit

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      1. Nun, meine Verweigerung bezieht sich nicht nur auf die Buddenbrooks, sondern auf das Gesamtwerk von Thomas Mann. 🙂 Ich schätze, diese Abneigung rührt daher, dass wir damals in der Oberstufe genötigt wurden, „Josef und seine Brüder“ zu lesen. Das fand ich ganz fürchterlich!

        Ich hab es später nochmal mit Tomas Mann versucht, aber gefühlt 26-zeilige Sätze oder eine mehrere Seiten lange Beschreibung einer Schmetterlingssammlung im „Doktor Faustus“ sorgten dafür, dass ich Thomas Mann zu lesen nicht als Vergnügen, sondern als Arbeit empfinde. Er ist für mich so eine Art Richard Wagner der Literatur. 😉

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      2. Schade, nachvollziehbar, aber schade. Ich bin ansonsten auch kein Thomas Mann Fan – wahrlich nicht – aber die Buddenbrooks … die habe ich verschlungen. Vielleicht doch noch mal versuchen 😉 LG, Bri

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      3. Ich fürchte, es würde mir nicht gelingen, da noch einmal völlig unvoreingenommen heranzugehen. Daher wäre der Versuch wohl von Beginn an zum Scheitern verurteilt.

        Es gibt halt einige Autorinnen und Autoren, die kann ich mir nicht mehr „schönlesen“: Thomas Mann, Christa Wolf, Diana Gabaldon, Iny Lorentz… 😉

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      4. Die Mann-Verweigerung kann ich sogar gut nachvollziehen, v.a. da Doktor Faustus und Josef und seine Brüder auch rechte Brocken sind. Ich hatte eingestandenermaßen auch schon regelrechte Mann-Ablehnungsphasen. Aber dennoch halte ich die Buddenbrooks und den Zauberberg für einige der wichtigsten Romane der deutschen Literatur – weil sie nicht nur Sittenbilder sind, sondern ganze philosophische Systeme beinhalten (der Zauberberg) und in ihren Aussagen weit über das hinausreichen, was mancher moderner Roman zu leisten vermag. Ich finde zudem, dass Ines das am Beispiel ihres Klassikers auch hervorgehoben hat – warum die Buddenbrooks zeitlos sind und warum sie ein „MeinKlassiker“ sein können. Vor dem Hintergrund, dass sich die Autorinnen und Autoren für die Gastbeiträge viel Mühe geben und Zeit investieren, diese Werte eines Buches, das es für sie und andere beinhaltet, herauszuarbeiten, finde ich es ein wenig schaden, wenn man weniger auf den Beitrag eingeht oder über die Aussagen des Buches diskutiert, sondern auf reiner Geschmacksebene urteilt – da kommen in meinen Augen die Buddenbrooks zu kurz, ebenso aber auch das Engagement der Gastautoren.

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      5. Die investierte Zeit und Mühe sowie das Engagement der Gastautorin zu schmälern, war nun wirklich nicht meine Intention! 🙂 Ich bin nur auf eine geäußerte Verweigerungshlatung eingegangen, woraus sich dann ein kurzer Gedankenaustausch entwickelt hat, mehr nicht. Das hat aber in keiner Weise etwas mit dem sehr lesenswerten Beitrag zu tun.

        Dass die Buddenbrooks – sicherlich auch berechtigt – ein Klassiker sind, stelle ich auch gar nicht in Abrede, würde mir aber allein deswegen nicht anmaßen, mich über den Inhalt und die Aussagen des Buches zu äußern, einfach, weil ich es bis heute nicht komplett gelesen habe. 🙂

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  2. Danke für den schönen Text – diese Klassiker-Reihe ist wirklich eine so vielschichtige wie großartige. Der Text heute beleuchtet durch das „Wiederlesen“ die Klassiker-Thematik noch einmal doppelt, eben in dem besprochenen Sinn, dass ein Klassiker zeitlos sei. Als Buddenbrook-Fan kann ich da nur – lächelnd in Leseerinnerungen schwelgend – dankbar zustimmen. Liebe Grüße!

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  3. Ich kann mich FRAGGL99 nur anschließen. Ich habe Thomas Mann wirklich einmal eine Chance gegeben, fand Tod in Venedig gar nicht schlecht. Versuchte daraufhin den Zauberberg, brach diesen in der Hälfte ab, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe (die Sprache, die Handlung, die Figuren – das fesselte mich einfach nicht).
    Mit den Buddenbrooks bin ich nie warm geworden, aufgrund der endlosen Sätze und Beschreibungen zu Anfang. Und als ich dann den Film gesehen habe, war ich auch nicht wirklich von der Handlung überzeugt. Vor Kurzem habe ich den Buddenbrooks nach über 10 Jahren erneut eine Chance gegeben – vergebens. Thomas Mann ist einfach nicht mein Stil. Von seinem Bruder und von Klaus Mann halte ich dagegen schon viel mehr.

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    1. Mein „Schreckensbuch“ von Thomas Mann ist tatsächlich der Zauberberg, mehrfach begonnen, an verschiedenen Stellen stecken geblieben, weiter gelesen … alles brannte sich trotzdem tief ein. Heinrich Mann ist mir persönlich auch viel näher. Aber die Buddenbrooks, damit hat er mich gekriegt, der Thomas. Aber das liegt vielleicht auch an den Querverbindungen zu anderen Familienromanen, wie Galsworthys großartiger Forsyte – Saga …
      LG, Bri

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      1. „Der Zauberberg“ ist ein Brocken, zugegebenermaßen. Und dennoch: Ein Jahrtausend-Buch, da steckt so viel drin. Mir sind zwar auch die ganzen anderen Manns – Heinrich, Klaus und Erika – vom Temperament her lieber, ihre Bücher mir auch näher – aber dennoch: Keines reicht an den Zauberberg heran. Finde ich. LG Birgit

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      2. Ja, ist wohl wahr. Ich konnte ja auch nicht die Finger davon lassen. Habe es immer und immer wieder versucht. Es hat mich nicht gequält, aber unsere Beziehung ist schwierig 😉 Richtig abgefahren ist der Film aus den 80er Jahren. LG, Bri

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    1. Der Zauberberg ist für mich so eine Art Zauberberg der Literatur. Natürlich kann man sich über Manns Manierismen streiten, spaltet er, wie man auch an den Kommentaren hier sieht, die Gemüter – aber der Zauberberg wäre für mich, würde ich selbst einen Beitrag zur Reihe schreiben, eines der drei Werke die in die engere Wahl kämen. Da steckt soviel drin – dieses Buch allein würde schon ein halbes Leserleben füllen. Die Buddenbrooks habe ich – trotz des durchaus tragischen Inhalts – dagegen fast immer wie ein leichtgewichtigeres Buch empfunden, immerhin habe ich es zweimal gelesen, zuletzt weil für die jüngste Verfilmung auch in Augsburg gedreht wurde (wobei der Film nix ist).

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      1. Ich finde das gar nicht so abwegig, die Buddenbrooks als „leichtgewichtig“ zu empfinden, gerade jetzt beim erneuten Lesen habe ich es ja auch gar nicht als so tragisch empfunden, zumindest nicht gleich, die Wirkung kam erst später. Ich habe damals nach den Buddenbrooks noch Felix Krull gelesen, den Tod in Venedig kannte ich schon, und ich bin an Dr. Faustus gescheitert, dabei hatte mich das wegen des Musikthemas eigentlich besonders interessiert. Und auch den Zauberberg habe ich bisher eigentlich nur „angelesen“…. Aber da soll schon noch ein Versuch folgen, ich hoffe, ich werde ihn in meinem Leseleben noch „meistern“ 🙂 Eigentlich hatte ich übrigens auch überlegt, die neueste Verfilmung nach der Lektüre noch anzuschauen, aber ich sehe, Du würdest wohl eher davon abraten?

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      2. Bei der Verfilmung ist bei mir der Funke einfach nicht übergesprungen. Breloer hält sich zwar eng an den Roman – aber alles wirkt so abgespult, fand ich – da war die Verfilmung mit Lilo Pulver fast frecher dagegen. Aber schau ihn dir einfach an, das ist vielleicht auch einfach eine Frage des (meines) persönlichen Geschmacks.

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  4. Wirklich spannend, wie der alte Mann (tschuldigung ob des Kalauers) die Leserschaft polarisiert: Die einen lieben ihn, die anderen ödet sein Geschwätz an. Vielleicht hat das auch mit unserer Zeit zu tun, in der wir viel schneller sind, viel ungeduldiger, auch viel bildüberladener. Mann „beschreibt“ ja gern und viel, was durch unsere Film-und-Co-Erfahrungen heute vielleicht nicht mehr zeitgemäß ist. Vielleicht muss man gerade bei Thomas Mann auch den Mut zum „Drüberfliegen über die Seiten“ haben, etwa wenn einen die Gespräche im „Zauberberg“ zu lange vorkommen. Oder man genießt einfach die Sprache – die ist einfach derart fantastisch. Und verwebt in den besten Stellen für mich die gesamte Welt, den Kosmos, die Menschheit. Egal ob in den Josephs-Romanen (die großartig sind, wenn man sich durch den entsetzlich öden Prolog gequält hat), oben auf dem „verzauberten Berg“, zusammen mit schönbergschem Doktor Faustus oder auf NN, auf Meereshöhe, mit den Buddenbrooks. Für mich nach wie vor groß-artige Ausnahme-Romane (und was sich reimt, ist gut).

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  5. Die Buddenbrooks habe ich auch sehr gern gelesen, den Zauberberg, na ja, und da beschleicht micht noch eine ganze andere Frage: Liebe Birgit, gab es da nicht mal die Überlegung von dir, auch einen eigenen Beitrag zur Reihe zu verfassen? LG, Anna

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  6. Ich finde es spannend, wie sehr sich der Blick auf einen Text (mit sehr viel Abstand) noch einmal ändern kann. Und mir ging es mit den letzten Seiten des Romans sehr ähnlich. Die Bühnenfassung des ganzen (v.Düffel) ist auch super und ich habe sie mittlerweile in drei unterschiedlichen Inszenierungen gesehen. Ich habe Thomas Mann nie in der Schule gelesen, aber ich hatte zwei Seminare an der Uni zu seinen Texten und bin dann nach der Uni noch einmal in einen VHS-Lesekreis gestiefelt, um den Zauberberg zu lesen. Und es war toll und hat unglaublich viel Spaß gemacht, auch wenn ich natürlich die Jüngste war. So ist das eben mit der VHS. Krull mochte ich auch sehr. Hier stehen bisher noch ungelesen Königliche Hoheit (habe ich als Leseempfehlung von der Uni mitgenommen) und die Josephs-Romane. Aber damit lasse ich mir noch Zeit. 😉
    Liebe Grüße,
    Eva

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    1. Liebe Eva, das ist auch ein schöner Hinweis, an alle, die vor dem Zauberberg einen riesigen Respekt haben (oder beispielsweise vor James Joyce und ähnlichen Kalibern): Wenn man andere Arten der Auseinandersetzung damit findet oder die Bücher gemeinsam liest, dann kann das einen ganz anderen Zugang bringen. Ich habe letztes Jahr beispielsweise im Literaturhaus die Ausstellung zum Zauberberg gesehen und danach wieder richtig Lust auf das Buch bekommen: https://saetzeundschaetze.com/2016/03/31/thomas-mann-zauberberg-ausstellung/ Viele Grüße, Birgit

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