Stephan Thome: Grenzgang (2009)


BotanischerGarten (13)

“Die Kuppen ihrer Finger streifen über seine Handflächen, bevor sie sich mit den anderen Fingern verschränken. So stehen sie still für einen Moment, ein Zwei-Personen-Rahmen für den enger werdenden Raum zwischen ihren Körpern. Spielraum.“

Stephan Thome, “Grenzgang”, 2009, Suhrkamp Verlag.

Eine Frau, ein Mann. Mitte 40. Lebensentwürfe gescheitert. Gestrandet in der Provinz. Treffen einander. Irrungen und Wirrungen. Kommen trotzdem zusammen. Ein Ende, das sich nur zögernd happy anfühlt. Aber immerhin das. Und: Das Beste kommt zum Schluß. Das ahnt man schon. Die Beschreibung der Annäherung (daraus das Zitat): Wunderschön, bitterzart. Soviel zum Inhalt.

Auf den ersten Blick kein „Burner“. Doch Stephan Thome hat in seinem Roman das Provinzgetümmel so schön mit feiner Ironie gezeichnet, dass Elmar Krekeler in der Welt gar schwärmte: „In keinem Roman wohnt man so gern wie in diesem.“

Thome schreibt schön, schon in diesem ersten Roman, dem die Romane “Fliehkräfte” und „Gegenspiel“ folgten, alle im Suhrkamp Verlag erschienen.

Grenzgang also: Die Enge knistert zwischen allen Zeilen. Thome beschrieb neulich im Stern in einer Kolumne sein von Fernweh angetriebenes Leben. Einer, der meist unterwegs zu sein scheint, hat offensichtlich einen besonders unverstellten Blick auf die Heimat. Der Philosoph Thome hat promoviert über „interkulturelle Hermeneutik und die Herausforderung des Fremden“. Schön, dass er das Fremde in der deutschen Provinz als Herausforderung für seinen Debütroman angenommen hat.

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13 thoughts on “Stephan Thome: Grenzgang (2009)

      1. Dann musst Du noch Gegenspiel lesen, die Geschichte aus der Sicht der Frau! 🙂 ich mag Thome sehr und vermisse Gegenspiel auf der Longlist… Grenzgang war mein Favorit bei seinen Büchern.

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      1. Bisher lese ich den Roman ziemlich gern. Ich mag diese Heimat-Fremde-Heimat-Geschichten, diese Schilderungen kleiner, bisweilen enger Räume mit ihren Ritualen, Geheimnissen, Leichen im Keller. Der Stil gefällt mir auch gut, allein die Figuren empfinde ich (noch?) als etwas blass.

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  1. Ich mag auch alle drei Romane ausgesprochen gerne. Grenzgang allerdings am liebsten. Mag vielleicht auch daran liegen, dass das Biedenkopf, das Heimatort und Vorbild für seinen Roman ist, hier praktische Nachbarschaft ist und ich den Grenzgang kenne, auch bei uns jedes Jahr die Grenzgänger vorbeilaufen (wenn auch die Festivitäten in Biedenkopf ganz spezielle sind). Das Provinzielle hat er meiner Meinung nach wunderbar getroffen.

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  2. Da ich auch aus dem Mittelhessischen komme, habe ich den Roman sehr aufmerksam gelesen. Ich finde, Thome hat das Lebensgefühl der Provinz in Verbindung gebracht mit dem Lebensgefühl vieler Menschen in meiner Generation, die alle immer hoch hinaus wollten, viele Möglichkeiten haben links liegen lassen und dann an ihren unerfüllten Träumen gescheitert sind. Und ein wenig steht Thome auch in der Tradition von solchen Schriftstellern wie Roderich Feldes, die versuchen zu dokumentieren, wie traditionelle Lebensweisen von der Gewalt der Veränderung zerstört wird oder zur Farce verkommen..

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