Alan Alexander Milne: Pu der Bär (1926).

A. A. Milne schrieb „Pu der Bär“ 1926 für seinen Sohn Christopher Robin. Ein Klassiker, der vor allem eines feiert: Die Bande der Freundschaft.

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Bild: http://www.pixabay.com

Wir gehen auf eine Expedition“, sagte Christopher Robin, als er aufstand und sich abbürstete. „Danke, Pu.“

„Auf eine Expotition?, sagte Pu eifrig. „Ich glaube, auf so was war ich noch nie. Wohin müssen wir um auf diese Expotition zu kommen?“

„Expedition, dummer alter Bär. Da ist ein x drin.“

„Ach!“, sagte Pu. „Ich weiß.“ Aber das stimmte eigentlich gar nicht.

„Wir werden den Nordpohl entdecken.“

„Ach!“, sagte Pu wieder. „Was ist der Nordpohl?“, fragte er.

„Das ist eben etwas, was man entdeckt“, sagte Christopher Robin leichthin, denn genau wusste er es auch nicht.

„Pu der Bär“, Alan Alexander Milne, 1926

Die größten Abenteuer finden im Kopf statt. Dann ist es auch möglich, jeden Tag auf eine „Expotition“ zu gehen, selbst an so trist-grauen Februartagen wie diesen. Dann lässt sich immer „irgendwas“, wie Pu schließlich meint, entdecken. Und wenn man dann noch gute Freunde hat wie Ferkel, Känga mit Ruh, Eule und I-Ah, dann macht es auch nichts aus, wenn die Expotition etwas wild wird und nebenbei das Essen ausgeht: Hauptsache, man ist zusammen.

Es ist vor allem die Freundschaft, die in dieser kleinen, skurrilen Clique herrscht, die Alan Alexander Milne in seinem Buch feiert. Milne (1882-1956) studierte Mathematik, arbeitete dann aber als Journalist und wurde Mitherausgeber der Satirezeitschrift „Punch“.

„Pu der Bär“ schrieb er 1926 für seinen Sohn Christopher Robin, der durch das Buch ebenfalls weltberühmt wurde. Harry Rowohlt, der geniale Übersetzer und Verfasser von „Pooh`s Corner“, meinte dazu in der ihm eigenen Art:

„Und Christopher Robin findet heute natürlich nichts alberner, als wenn man zu ihm sagt: Ach, Sie sind Christopher Robin? Wie nett. Dann erzählen Sie mal.“ Fehlte nur noch: „Ich habe Sie mir viel jünger vorgestellt.“

Die Kolumne „Pooh`s Corner“, in der die Meinungen eines Bären von sehr geringem Verstand zu lesen waren, erschien in der Zeit. Dass der bärige Rowohlt Verstand hatte: Keine Frage. Manchmal ist es aber auch klüger, sich erst einmal dumm zu stellen. Und im Übrigen: Was nützt einem der Verstand, wenn man kein Herz hat? Pu, das ist klar, hat eines.

„Pu der Bär“ sollte man übrigens in zwei Sprachen lesen, so Deutsch die Mutter(Vater)sprache ist: Das englische Original ist bezaubernd, nicht weniger rühmenswert jedoch die Übersetzungsleistung von Rauschebart Harry Rowohlt. Trotzdem hinterlässt dieser Klassiker unter Kinderbüchern bei mir immer wieder den Eindruck, es sei letztendlich doch ein Buch für Erwachsene: Die können herzlich und laut lachen über die Exzentriker, die Christopher Robins Welt bevölkern. Kinder sitzen staunend daneben und wundern sich, warum die Alten plötzlich so losgackern.

Vielleicht ist beim Lachen auch etwas Schadenfreude dabei – meint man doch, in I-AH seinen sturen, stets miesepetrigen Nachbarn zu erkennen, und Ferkel ist die aufgeschreckte Kollegin im Büro hinten rechts. Übrigens blieb natürlich auch dieses Kinderbuch von Analysen nicht verschont. Gunter Müller hat in seinem Buch „Fette Vögel gehen öfter fremd“ (2012) skurrile Studien zusammengefasst. Und da ist über „Pu der Bär“ zu lesen:

„Der stets unglückliche Pu hat gleich mehrere Störungsbilder. Am auffälligsten ist seine Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung. Außerdem leidet er an einer obsessiven Fixierung auf Honig, was auch seine Fettleibigkeit erklärt. Das kleine Ferkel, das so süß ist, wenn es ängstlich, errötet und nervös umherirrt, leidet an einer Angststörung. Auch die Eule hat mit erheblichen Entwicklungsstörungen zu kämpfen. Es handelt sich wohl um eine Legasthenikerin, die durch altkluges Verhalten versucht, ihre phonologischen Defizite zu überspielen.“

Was soll`s. Wenn wir alle perfekt wären, wäre die Welt stinklangweilig. Und es gäbe keinen „Pu der Bär“.

13 comments on “Alan Alexander Milne: Pu der Bär (1926).”

  1. Pu und Crew habe ich erst als Erwachsene kennengelernt, wie so viele andere Kinderbücher auch und das war gut so. Ich glaube tatsächlich auch, dass man als Kind den Humor vielleicht noch nicht ganz versteht. Wenn ich einen Klassiker wählen dürfte, dann wäre es Milnes „Puh der Bär“.

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  2. Ein schöner Beitrag! Ich habe als Kind „Pu der Bär“ gelesen, später als Erwachsene im Original, noch später in der Übersetzung des von mir sehr verehrten Harry Rowohlt. Es ist ein Buch, das man tatsächlich als Erwachsene/r noch mehr genießt als als Kind, und zwar im Original wie in der genialen Übersetzung von H.R. Es ist und bleibt das schönste (Kinder)Buch auf diesem Planeten…

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  3. Es gibt sicher auch Gegenbeispiele, aber bei all meinen drei Kindern funktionierte Pu nicht als Vorlesebuch, selbst mir hat es da nicht so viel Spaß gemacht. Aber lieben tun wir die Figuren trotzdem alle. Da sind tatsächlich die geschaffenen Figuren sogar noch größer als das sie hervorgebrachte Werk (das ohne Zweifel auch großartiger ist, aber eben nicht immer funktioniert). Wahre Klassiker!

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  4. Ein schönes Buch, gerade auch weil nicht alle perfekt sind. Das ist ja auch eine wichtige Lektion für Kinder. Mein erster Vorleseversuch vor einem Jahr ist allerdings auch gescheitert. Kam noch nicht so an. Aber der Entdecker ist ja auch noch klein. 😀

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