Lily Brett: The Auschwitz Poems (1986)

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(c) C.Puisney, Auschwitz-hope after terror, CC BY-SA 3.0

„Darf man nach Auschwitz noch Gedichte schreiben? Oder vielmehr, darf man über Auschwitz Gedichte schreiben? Die Antwort ist verdächtig (und wahrscheinlich unvermeidlich:) dialektisch. Nein, über Auschwitz kann nichts geschrieben werden. Doch, ja, man kann über die verschiedenen Formen des Schweigens schreiben, die Auschwitz umgeben: das Schweigen der Schuld, der Scham, des Schreckens und der Sinnlosigkeit. Man kann dieses Schweigen aufschließen. Man kann nicht nur, man sollte über Auschwitz, über den Holocaust, schreiben.“

So äußerte sich die ungarische Philosophin Agnes Heller 1993 in einem bemerkenswerten Aufsatz in der „Zeit“. Sie griff damit Adornos Diktum auf, der geäußert hatte, nach Auschwitz könne man keine Gedichte mehr schreiben – ein Satz, den er später selbst revidierte, der aber doch über jeder Lektüre von Lyrik zur Shoah unausgesprochen hängt.

Der Artikel in voller Länge: „Die Weltzeituhr stand still“.

Welche Art von Gedichten kann man über Auschwitz schreiben? Eine Frage, die mich beim Lesen von Lily Bretts „Auschwitz Poems“ unablässig begleitet hat. Deren Gedichte sind von der sprachlichen Eindringlichkeit, von der traurigen Schönheit einer „Todesfuge“ des Paul Celan weit entfernt. Die Schriftstellerin zeichnet Bilder, die in ihrer nackten Grausamkeit an das Filmmaterial erinnern, das wir aus den Konzentrationslagern kennen:

Ihre Körper (Auszug)

Die
Körper
zehrten

von
sich selbst

erst
vom
Fett

dann
vom
Fleisch

Lily Brett hat den Holocaust nicht selbst erlebt – aber sinnbildlich mit der Muttermilch aufgesogen. Sie wurde 1946 in Deutschland geboren, ist eines der ersten Kinder, die in einem Auffanglager für die Überlebenden geboren wurden. Ihre Eltern heirateten im Ghetto von Lodz, wurden im KZ Auschwitz getrennt und fanden einander erst nach zwölf Monaten wieder. 1948 wanderte die Familie nach Australien aus. Mit neunzehn Jahren begann Lily Brett für eine australische Rockmusik-Zeitschrift zu schreiben. Sie interviewte und porträtierte zahlreiche Stars wie Jimi Hendrix oder Mick Jagger. Heute lebt die Autorin in New York.

„The single most defining aspect of my life, and I have always known this, is the fact that I was born to two people who had each survived years of imprisonment in Nazi ghettos, labor camps and death camps. My parents were a rare statistic. Two Jewish people who were married to each other and who each survived death camps“,
sagt die Schriftstellerin beim Holocaust Commemoration Talk 2016 in Sydney (in voller Länge hier nachzulesen: Commemoration Talk)

Trotz der beruflichen Karriere, trotz ihres Eintauchens in eine neue Welt: Lily Brett bleibt ein Kind des Lagers. Die Erlebnisse nehmen ihre Eltern, insbesondere die Mutter, mit, sogar bis an das andere Ende der Welt: Selbst in Australien, so macht es der zweite Teil des Gedichtbandes deutlich, ist Auschwitz immer spürbar. Und auch der nachfolgenden Generation wird diese Erfahrung eingebrannt in die Gene, auch die Nachkommen sind Gezeichnete, mit einer unsichtbaren Nummer auf dem Handgelenk.

Karg sind die „Auschwitz Poems“, meist nur ein Wort pro Zeile, als sei jedes Wort zu viel, als ringe die Autorin damit, die maschinelle Nüchternheit, die bei der Menschenvernichtung in Auschwitz herrschte, in wenige Worte zu fassen. In Worte, die auf den Kern zielen: Ihre lebenslange Erschütterung über dies Geschehen, das sie von ihren Eltern erfuhr, weiterzugeben. Und so sind die Zeilen tatsächlich streckenweise kaum ertragbar, entkleidet jeder sprachlichen Metapher, grausam in ihrer Direktheit.

 Renjas Baby (Auszug)

Spaltete
man
ihm
den Schädel

warf
es

auf
eine

andere
Mutter.

Die „Auschwitz Poems“ einer Nachfahrin zweier KZ-Überlebenden machen die Frage nach dem „Schreiben dürfen“ solcher Gedichte obsolet. Der schmale Band macht deutlich: Lily Brett hat diese Gedichte schreiben MÜSSEN. Die 1986 entstandenen „Auschwitz Poems“ sind der Ausdruck eines lebenslangen Traumas, das auch die Kinder der Danach-Generation in seinem eisernen Griff hält. Noch lange wird dieser Einschnitt des Bösen nachwirken – jedoch bei den Opfern, nicht bei den Tätern, denen Verdrängung weitaus besser zu gelingen scheint. Und auch deswegen MÜSSEN Gedichte wie diese, die in ihrer bewusst gewählten Kunstlosigkeit vom Unfassbaren erzählen, geschrieben werden – weil sie das Verdrängen im Augenblick ihrer Lektüre unmöglich werden lassen.

Wer weiß jedoch, wenn ich nicht zuerst die Auschwitz Poems in der Hand gehabt hätte, sondern einer ihrer Romane, ob ich dann mich weiter mit Lily Brett beschäftigt hätte. So wortkarg die Poems, so umfangreich (und leider streckenweise auch ein wenig geschwätzig) die Romane.

Ich gestehe es ein, die Annäherung an Lilly Brett beziehungsweise die wohl stark autobiographisch gezeichnete Figur Ruth Rowax in „Zu viele Männer“ und „Chupze“ fiel mir nicht leicht. Die Frau in diesen beiden Büchern – trotz (oder eben gerade wegen) ihres Lebenswegs, trotz der Hypothek der „Nachgeborenen“ – sie ist anstrengend, sie nervt streckenweise. Auch trotz des unwiderstehlichen Humors.

Lily Brett – sie verkörpert in gewisser Weise die hyperaktive, hypernervöse, mondäne New Yorkerin, immer auf der Sinnsuche, immer leicht neurotisch. Das Kalorienzählen. Das ständige gedankliche Kreisen um Nahrungsaufnahme, das Knabbern an Gemüsestangen, das Lutschen an Verdauungstabletten. Das detaillierte Beschreiben von Äußerlichkeiten, vom Schnitt und Qualität der Kleidung, der Frage, wie die Haare sitzen. Das Überbemuttern des eigenen Vaters, der mit seinem Schicksal weitaus souveräner umzugehen weiß als seine Nachfahrin. Nein, eine Sympathieträgerin ist sie für mich auf den ersten Blick in ihren Romanen nicht. Andererseits ist da dieser unschlagbare Humor selbst in den kritischsten Lebenslagen: Lily Brett die geistige Schwester von Woody Allen – in allen Aspekten, dem Kreisen um das eigene Judentum, den Ausbruchsversuchen aus den selbstgeschaffenen engen Kollektiven im Exil, dem Eintauchen in die Boheme in N.Y. bis hin zur klassischen engen Verbindung zum eigenen Analytiker.

Doch hinter der Fassade lauert das kleine Kind, das offensichtlich nur eines versucht: Es der verstorbenen Mutter recht zu machen. Das vier Jahrzehnte, wie es in einem Gedicht heißt, braucht, um festzustellen, dass sie durchaus von der Mutter geliebt wurde. Das ein Leben lang an mit den traumatischen Ereignissen ringt, die von Generation zu Generation weitergegeben und nur mit der Zeit gemildert werden.

2012 sagt Lily Brett in einem Interview mit der „Zeit“:

„Meine Eltern haben das Ghetto von Łódź und Auschwitz überlebt. Füllig sein bedeutete damals, auf Kosten anderer zu leben. Und nach dem Krieg war meine Mutter sehr darauf bedacht, nicht dem Vorurteil zu entsprechen, Juden seien klein und fett. Meine Mutter verlor in der Schoah alle, die sie liebte. Sie verlor auch ihre Jugend, ihre Sprache, ihre Ausbildung, ihre Kultur. Es gab nichts mehr, was sie noch hätte verlieren können – außer ihrer Schönheit. Sie war tatsächlich außergewöhnlich schön, und so war ihr dies dann auch besonders wichtig.“

Dieses Wissen und zudem der Humor und die Fähigkeit zur Selbstironie versöhnen auch mit den Längen ihrer Bücher. Und letztlich sind auch diese Romane ein Versuch, mit den Themen der Schuld, der Scham fertigzuwerden, gegen die Opferrolle, das Schicksal, „Massel“ anzuschreiben, mit dem „Schlamassel“ der Überlebenden zu ringen.

In „Zu viele Männer“ beschreibt Lily Brett eine Reise ihrer Kunstfigur Ruth Rowax mit deren Vater nach Polen – um die Wurzeln ihrer Herkunft zu finden, aber auch um die Nachfahren der Täter zu sehen und vor allem getrieben davon, Erklärungen zu finden, Schuld und Scham abzustreifen.

„Was Ruth an ihrer Mutter und ihrem Vater sah, waren Schmerz und Schock. Sie standen noch immer unter Schock, so als könne keiner von beiden wirklich glauben, was sie durchlebt hatten. Ruth sah auch die Schuldgefühle ihrer Eltern. Schuldgefühle ob des eigenen Überlebens.“

Der über 90jährige Vater verarbeitet die Reise nach Polen jedoch weitaus besser als Ruth alias Lily selbst. Sogar für das amouröse Anbändeln mit einer drallen, blonden 60jährigen findet Edek Zeit. Die Geschichte wird in „Chupze“ fortgesetzt – gegen den Widerstand der Tochter, die allmählich angesichts der Lebenslust und Tatfreude der älteren Generation jedoch auf den Boden kommt, eröffnet Edek mit seiner neuen Liebe ein Klops-Restaurant.

„Anderer Leute Väter sind immer in Ordnung“, sagte Ruth. „Außerdem kann ich kein rohes Fleisch essen. Es erinnert mich an brennendes Fleisch.“
„Werd endlich erwachsen!“ Sonja wurde beinahe laut. „Deine Eltern waren in Auschwitz, na und? Meine Mutter war in Theresienstadt, und ich kann gebackenes Hirn essen, geschmorte Nieren, gehackte Leber und alle möglichen Beine, Köpfe, Hälse und Füße. Du kannst nicht so auf den Holocaust fixiert bleiben.“

Nicht alles jedoch lässt sich von jedem gleichermaßen abschütteln, verarbeiten. Wie Interviews mit Lily Brett zeigen – die mittlerweile 71jährige Autorin, sie schreibt und schreibt erneut um dieses Thema herum, umkreist es, will es vielleicht von sich wegschreiben. Doch nirgends mehr so klar und karg wie in den „Auschwitz Poems“.

Die Bücher von Lily Brett erscheinen in deutscher Übersetzung beim Suhrkamp Verlag:
http://www.suhrkamp.de/autoren/lily_brett_580.html

18 comments on “Lily Brett: The Auschwitz Poems (1986)”

  1. Guten Morgen, Birgit,
    ich habe Chuzpe gelesen bzw. gehört und es hat mir sehr gut gefallen. Ich fand die Mischung aus Humor, Literatur und Dokumentation sehr gelungen.
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag von Susanne
    Wir essen jetzt erstmal unser Sonntagsei!

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  2. Ich kenne einige Bücher von Lily Brett, aber dass sie diese erschütternden Gedichte schrieb, wusste ich nicht. Gerade ihre Wortkargheit geht ans Eingemachte. Danke dir sehr für’s Vorstellen. Lily Bretts unbestreitbarer Humor – eine Überlebensstrategie. Und sie ist wieder ein Beispiel dafür, wie Traumata nachfolgenden Generationen weiter vererbt werden.

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  3. Zu meiner großen Freude durfte ich Lily Brett 1999 persönlich kennenlernen. Anlass war ein kleines Porträt für das damalige SFB-Kulturmagazin. Wenig später schickte sie mir ein Exemplar der »Auschwitz Poems« mit Widmung.
    Eine Abbildung findet sich in einem Beitrag von mir zu einer Gedichtsammlung von Lily Brett, die der Insel-Verlag vor einigen Jahren publiziert hat. Als möglichen Mehrwert für Deine Leser*innen, liebe Birgit, erlaube ich mir, hier den Link einzufügen.
    Lily Brett: Wenn wir bleiben könnten
    lg_jochen

    Gefällt 3 Personen

    1. Danke fürs Teilen deines Beitrags – obwohl ich Lily Brett nicht persönlich erlebt habe, vermute ich auch, dass es so ist, wie Du schreibst – dass man sie über ihre Gedichte besser kennenlernt denn über ihre Romane. Bei Suhrkamp gibt es inzwischen ja auch nach den Auschwitz Poems weitere Gedichtbände von ihr, die ebenfalls empfehlenswert sind. LG Birgit

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  4. Ich danke dir für die Vorstellung von Lily Brett, die Gedichte gehen tief unter die Haut.
    Als ich vor ein paar Jahren an dem Großmutterprojekt gearbeitet habe, las ich die Bücher von Sabine Bode, ja, das Trauma setzt sich fort, du hast es vortrefflich gesagt:“Die 1986 entstandenen „Auschwitz Poems“ sind der Ausdruck eines lebenslangen Traumas, das auch die Kinder der Danach-Generation in seinem eisernen Griff hält. Noch lange wird dieser Einschnitt des Bösen nachwirken – jedoch bei den Opfern, nicht bei den Tätern, denen Verdrängung weitaus besser zu gelingen scheint.“
    Danke Birgit
    ich wünsche dir einen schönen Sonntag und sende dir schöne Grüsse
    Ulli

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    1. Liebe Ulli, ja, ich hoffe natürlich dass meine Aussage nicht ganz ungerecht ist – es gibt natürlich auch eine Kinder- und Enkelgeneration, die sich mit der Nazivergangenheit der Eltern/Großeltern kritisch auseinandergesetzt hat. Wenn man aber heute an Höcke & Co denkt, wenn man liest, dass die Zahl der Holocaustleugner und Antisemiten wieder zunimmt, dann stellt sich schon die Frage, ob diese Menschen überhaupt lernfähig sind bzw. wie zynisch und böse manche Menschen sein können.

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      1. Auch diese Fragen teile ich mit dir- es ist eine so schwierige Zeit, manchmal mag ich gar keine Nachrichten mehr hören, aber ignorieren gilt eben auch nicht! Ich danke dir, liebe Birgit!

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  5. danke sehr für diese buchvorstellung, liebe birgit!

    im vergangenen september (das trifft nun nicht das unmittelbare thema, ich schreibe es dennoch hin) war ich zu einer von sufis organisierten gedenkfeier im KZ dachau eingeladen. es gab einen gang durchs lager, teils schweigend, teils chantend; es gab vor den öfen im krematorium dann kurze lesungen in deutsch, englisch, französisch, holländisch – danach musik: eine weibliche solostimme, ein grandioser, teils wilder, teils zarter, sehr schmerzvoller, ganz aus dem herzen kommender gesang (die sängerin war die nachfahrin einer in dachau ermordeten inderin); die meisten anwesenden waren weiß gekleidet; eine frau trug leuchtende blumen, gelb, orange auf dem arm, ging nach dem gesang schritt für schritt beim leuchten der abendsonnenstrahlen und legte in großer stille und mit achtsamen bewegungen die blumen in die öfen. eine solche schmerzend starke herzensenergie wie in diesen momenten habe ich selten erlebt. — ich denke, wer irgend kann, muss wieder und wieder von dem, was in diesen lagern, bei solchen öfen geschah, berichten, darüber sprechen, schreiben, dichten, damit all jene menschen (darin liegt die hoffnung!), die irgendwo noch einen offenen flecken herz haben, das aufnehmen und mitgefühl entwickeln, das zum widerspruch, widerstand führen kann. — liebe grüße! pega

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    1. Liebe Pega, ich bin dankbar, dass Du das erzählst – und das passt gut zu dem Thema. Lily Brett schreibt in einem der beiden genannten Romane ganz entsetzt darüber, wie sie bei der Polenreise erlebt, wie die Orte des Grauens zu begehbaren Museen gemacht werden mit dem ganzen Kitsch und Kommerz, der dazu gehört. Das ist eine schwierige Gratwanderung – auch beim Berliner Mahnmal stößt einem das vielleicht auf, wie manche Besucher hier durchschlendern, Selfies machen etc – das wird ja derzeit anhand des Projekts „Yolocaust“ diskutiert. Was du dagegen erlebt hast, ist eine würdige, angemessene Feier. Aber wie kann man das z.B. Jugendlichen vermitteln, die eigentlich keine Lust haben, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen? ich hatte das Glück, Max Mannheimer in Dachau kennenzulernen – der allein schon von seiner Persönlichkeit und seiner Ausstrahlung junge Leute in seinen Bann zog, durch seine Erzählungen und durch seine versöhnliche Art Nachdenken auslöste …ja, und darin liegt die Hoffnung: dass Erzählen davon hilft, gerade jetzt hilft, Empathie und Bewußtsein zu wecken und Widerstand gegen die Rechtspopulisten, die immer dreister werden. Liebe Grüße Birgit

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  6. Liebe Birgit, ich kann nachvollziehen, dass es in den ersten Jahren nach dem Ende dieses Grauens unvorstellbar war, darüber zu schreiben. Aber neben dem heilenden Effekt, den das Schreiben für manche hat, finde ich es aus heutiger Sicht sogar wichtig. Wie sonst sollen sich nachfolgende Generationen mit dem Thema auseinandersetzen? Ich finde, die Gedichte zielen tief ins Herz. Durch sie spürt der Leser den Schmerz. Ein Besuch in einer KZ-Gedenkstätte, der eigentlich in jedem Lehrplan stehen sollte, ist ein sehr aufwühlendes Erlebnis (zumindest habe ich es so empfunden), aber es ist auch überwältigend für die Sinne. Deshalb fände ich es gerade wichtig, sich dem Thema auch über die Literatur zu nähern. Herzliche Grüße, Peggy

    Gefällt 3 Personen

  7. Ich glaube, Adorno ging es darum zu zeigen, dass den Gedichten nach Auschwitz zukommt, die geschichtsphilosophische Wahrheit ’nach Auschwitz‘ festzuhalten. Und das ist eben nunmal ein Standpunkt nach dem Rückfall in die Barbarei.

    Danke für den Hinweis auf Agnes Heller. Ein wichtiger Debattenbeitrag, den man leicht übersieht!

    Gefällt 2 Personen

  8. Liebe Birgit, danke für diese fundierte und berührende Vorstellung der Autorin und ihrer Werke. Adornos Satz zu den Gedichten nach Auschwitz empfinde weniger als Gebot oder Verbot, sondern als Ausdruck eigener Erschütterung und Verletzung, und so sind die Gedichte von Lilly Brett und anderen auch Ausdruck der Verwundung der Überlebenden, ihrer Nachfahren oder derjenigen, die sich das Geschehen zu Herzen nehmen.
    Auch Nachfahren der Täter, Söhne, Töchter, Enkel haben Bücher geschrieben und sich mit der Verfolgung und Ermordung der Juden im Nationalsozialismus auseinandergesetzt. Spannend und manchmal lösend sind Begegnungen beider Seiten. Nach dem – späten – Erkunden der einschlägigen Geschichte des Großvaters väterlicherseits fand ich dazu dankenswerterweise einen interessierten jüdischen Gesprächspartner.
    Dass das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg so viele Besucher verzeichnen kann, drückt aus, dass auf Seiten der Nachfahren der Täter viele Fragen bestehen, Informationsbedarf und Orientierungssuche, und dies scheint mir, auch angesichts der in den Kommentaren diskutierten Entwicklungen, ein hoffnungsvolles Zeichen. Beste Grüße, Bernd

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  9. Liebe Birgit! Das war eine etwas schwere literarische Kost zum Frühstück, aber dennoch: Danke für diesen literarischen Hinweis. Und dann war da noch Gerdas Beitrag zum „Gewissen“ und der Artikel in der Tageszeitung über das Treffen der rechten Populisten in Koblenz: damit ist das Gedankenpäckchen für die Woche geschnürrt.
    Alles Liebe, Gruß Juergen

    Gefällt 1 Person

  10. Liebe Birgit, ich bin ganz deiner Meinung. Die Gedichte sind wunderschön und aufwühlend in ihrer Skeletthaftigkeit, die Romane empfinde ich – na ja – ein wenig nervig. Danke für deine Rezension! Liebe Grüße, Andrea

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    1. Liebe Andrea,
      an den Romanen störte mich die Überspitzung und die Redundanz bestimmter Themen – beispielsweise das ständige Denken über Nahrung, Diäten etc., das natürlich eine Metapher sein soll für die Traumata der KZ-Überlebenden. Aber es wurde mir an manchen Stellen einfach Zuviel. Daher war ich umso erstaunter über diese sehr reduzierten (aber nicht minder ergreifenden) Gedichte. Liebe Grüße Birgit

      Gefällt 1 Person

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