James McClure: The Steam Pig (1971). The Song Dog (1991).

James McClure schrieb seine Krimis über Südafrika im britischen Exil – düstere Abbilder einer Gesellschaft, geprägt von Apartheid und Gewalt.

13 Kommentare

2017-03-01-17-19-21

„Einer sagte, Captain Bronkhorst fürchte wohl, schlecht dazustehen, falls er die Person nicht dingfest machen konnte, die für die Explosion verantwortlich war. Aber später sagte Mtetwa, der Bantu-Sergeant, nein, das sei es nicht. Er hätte mit einem früheren CID-Kollegen in Trekkersburg gesprochen und gehört, Captain Bronkhorst sei mit einer sehr wichtigen Ermittlung betraut und müsse der Sicherheitspolizei helfen, einen gewissen Bantu namens Nelson Mandela zu finden.

„Wen?“, fragte Kramer.

„Ach, irgend so ein Xhosa“, sagte Zondie mit einer abfälligen Geste, die besagen sollte, dass der Betreffende einem niederigen Stand angehörte.“

James McClure, „Song Dog“, OA 1991, in deutscher Übersetzung 2016 beim Unionsverlag erschienen.

Man muss nur wenige Kapitel dieses Thrillers lesen, um zu verstehen, warum der Journalist James McClure (1939 – 2006) sein Heimatland Südafrika 1965 verlassen musste: Frech, rotzig, düster und direkt sind diese Kriminalromane um den weißen Ermittler Kramer und seinen afrikanischen Kollegen Zondie, die McClure ab den 1970er-Jahren im britischen Exil schrieb.

Acht Thriller entstanden in dieser Reihe, die nun beim Züricher Unionsverlag peu à peu wieder veröffentlicht werden: Als Taschenbücher liegen inzwischen das erst 1991 verfasste Prequel zur Serie, „Song Dog“ und der erste, bereits 1971 erschienene Thriller „The Steam Pig“ vor. Beide Krimis sind äußerst temporeich, spannend konzipiert und mit nicht wenig Ironie ausgestattet – vor allem aber sind sie nicht offensichtlich politisch, aber enthüllen den Irrsinn und die Abartigkeit des Apartheidsystems jedoch umso mehr. Selten, dass wie im obigen Zitat, direkte Anspielungen auf das Zeitgeschehen und den ANC-Widerstand zu lesen sind – und dennoch wird verständlich, warum einer wie McClure dem Regime ein Dorn im Auge war.

Der Schriftsteller selbst äußerte sich in einem Interview dazu einmal so:

„Alle meine Bücher sind spezifisch südafrikanisch. Ich kenne andere ›südafrikanische‹ Krimis, die überall auf der Welt spielen könnten. Ich aber wollte so vielen Menschen wie möglich vermitteln, wie hier die Zustände sind – in Südafrika. Eines Abends sah ich im Fernsehen, wie die Kriminalliteratur als das konservativste, aber auch das meistgelesene Genre beschrieben wurde. Da kam mir die Idee, selbst Krimis zu schreiben. Ich wollte ein wirklich weitreichendes Medium nutzen. Hinzu kam, dass die Polizei sich in allen Ebenen der Gesellschaft bewegt. Der Krimi kann zwischen allen gesellschaftlichen Schichten und Gruppen wechseln – in einem Roman geht das nicht so einfach. Ich habe mich also sehr bewusst für die Form des Kriminalromans entschieden.“

Quelle: http://www.unionsverlag.com/info/link.asp?link_id=18975&pers_id=5125

In „Song Dog“ trifft der Ermittler Tromp Kramer, ein lakonischer Einzelgänger mit unkonventionellen Ansichten und Vorgehen, erstmals auf Zondi, seinen späteren Compagnon. Auch Kramer ist ein Kind seiner Gesellschaft: Zunächst erscheint ihm der Afrikaner, der im Frank Sinatra-Outfit umherspaziert, schon aufgrund seiner Hautfarbe und seines Auftretens verdächtig. Der Fall – eine Ermittlung über einen Polizistenmord – schweißt die beiden zusammen, gegenseitiger Respekt entsteht.

Wie sehr das System die Menschen korrumpierte und erniedrigte wird in „Steam Pig“ noch weitaus deutlicher: Eine junge Frau, die aufgrund ihrer weißen Hautfarbe inmitten der Gesellschaft leben konnte, ist nicht das, was sie erschien – und bezahlt dafür mit ihrem Leben.

Korrupte Polizisten, unfähige Ermittler, erpressbare Stadträte, scheinheilige Moralapostel: James McClure zeichnet in seinen Thrillern das Portrait einer kranken Gesellschaft, eines Landes, das kurz vor der Explosion steht – weil die Gier der Machthabenden alles Ertragbare übersteigt.

Thomas Wörtche stellte die beiden Bücher bei Deutschlandradio Kultur vor:

„Auch die Fälle der beiden kommentieren die südafrikanischen Verhältnisse mit bitterer Präzision: In „Song Dog“ geht es um zweckrationale Morde von Weißen an Weißen, wobei man an höherer Stelle lieber die moralische Verworfenheit der Beteiligten als Motiv gesehen hätte; in „Steam Pig“ ist der Auslöser einer menschlichen Tragödie die „Zurückstufung“ des Opfers, einer jungen, begabten Frau, die nach langen Jahren des Lebens als Weiße zur „Schwarzen“ erklärt wird. Der anti-moderne Puritanismus des Landes, die grotesken und bizarren Situationen, die entstehen, weil man Schwarze und „Farbige“ als unsichtbar, bzw. fast nicht existent betrachtet, spielen eine ebenso entscheidende Rolle wie die Brutalität, mit der solche Verhältnisse durchgesetzt werden. Kramer und Zondi kommentieren all das nicht, nur ihre Handlungen sind entsprechend subversiv.“

Quelle: http://www.deutschlandradiokultur.de/james-mcclure-steam-pig-und-song-dog-kein-naiver.950.de.html?dram:article_id=369452

Beim Unionsverlag sollen nun die weiteren sechs Fälle folgen – ich bin schon erfreut gespannt. Weitere Informationen hier:
http://www.unionsverlag.com/info/person.asp?pers_id=5125

13 comments on “James McClure: The Steam Pig (1971). The Song Dog (1991).”

  1. Sehr gelungene Vorstellung, vor allem die Zitate fand ich sehr interessant. Ich habe gerade „Steam Pig“ in Kombination mit Malla Nunns „Ein schöner Tag zu sterben“ gelesen. Beides Apartheid-Krimis, die aber ganz unterschiedlich sind (liegt auch daran, dass Nunn mit zeitlichem Abstand quasi einen historischen Krimi geschrieben hat), trotzdem beide lesenswert.

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    1. Danke Dir – auch für den zusätzlichen Tipp! Bin gleich in die Buchhandlung gesaust und habe dort zumindest „Zeit der Finsternis“ von Malla Dunn erwischt – fängt gut an 🙂 Wie Du in Deinem Beitrag schreibst (Achtung, Spoiler für morgen 🙂 ): Krimis gehen dorthin, wo es weh tut – und sind als Literatur immer auch ein Indiz für die Verfasstheit einer Gesellschaft.

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  2. Liebe Birgit, klingt leider sehr interessant und Südafrika ist sowieso noch ein ziemlich weißer Fleck auf meiner literarischen Landkarte. Hätte aber noch eine Frage: Sind die Krimis extrem brutal? Werden seitenlang Gemetzel beschrieben? Dann wäre ich raus. LG, Anna

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    1. Liebe Anna, da ist das Empfinden ja oft recht unterschiedlich – ich finde diese Krimis nicht sonderlich blutrünstig, kein Vergleich zu manchen amerikanischen oder skandinavischen Serienkillerbüchern. Seitenlange Gemetzel gibt es nicht, die Gewalt wird eingesetzt, um die Doppelmoral des Systems zu zeigen. Ein wenig schablonenhaft machomäßig ist der weiße Ermittler, aber das ist ja ein beliebtes Klischee in Krimis…

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    1. Das finde ich toll – und bin gespannt, was die passenden Leser dazu meinen. Ich hab jetzt nach Gunnars Tipp mir noch von Malla Nunn einen weiteren südafrikanischen Krimi geholt, den fand ich nicht ganz so gut wie McClure – kann aber auch an meiner Schniefnase liegen, die für mangelnde Leselust sorgt. 🙂

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  3. Liebe Birgit,
    aus irgendwelchen Gründe erhalte ich keine Mail mehr, wenn du einen Beitrag veröffentlichst? Ich weiss nicht warum *schulterzuck*!
    Grüße aus dem heute trüben Berlin von Susanne

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    1. Liebe Susanne,
      wen es um diesen Beitrag hier ging – da kam kein Mail. Er ist älter, aber ich habe ihn oben angeheftet, damit die wirklich guten Bücher noch ein wenig Aufmerksamkeit bekommen.

      Das Wochenende habe ich mir jetzt freigeschaufelt, damit ich mal intensiv in unser Thema des Literarischen Salons einsteigen kann – momentan ist hier viel Arbeit, ich bin die letzten zwei Wochen zu wenig gekommen. Jetzt geht`s aber los, gedanklich in Richtung Berlin, ich melde mich dann bei Dir.
      LG Birgit

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      1. Guten Morgen, Birgit! Deshalb! Ich habe mich schon gewundert. Ich bin schon fleissig am Zeichnen von expressiven Bildern zum Thema von Dates göttlicher Komödie und stöber neben meinen Hausarbeiten über Menzel und Stundenbücher auch ein wenig durch die Bücher der Expressionisten.
        Ich freue mich sehr …. liebe Grüße Susanne

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