Sag mal an: Cindy, wohin nimmst Du uns mit beim Fernlesen?

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cindyCindy Ruch ist freiberufliche Reisejournalistin, Fotografin und Übersetzerin. Sie ist ehemalige Mit-Herausgeberin des Literaturmagazins [Lautschrift], bloggt auf cake+camera, ist vor allem aber: Leserin und Reisende. Mit Fernlese, einer Onlinebuchhandlung für Reiselektüre, erfüllte sie sich nun den Traum von einem Raum, in dem Fernweh und Literatur zusammentreffen: http://fernlese.de/. Mehr über sie und ihre Arbeit erfährt man auch unter www.cindyruch.de.

Wir führten zu ihren literarischen Reisen ein Gespräch.

Liebe Cindy, erzähl einfach mal kurz – wie entstand Deine Idee zu „Fernlese“?

Ich reise und lese sehr viel – und am allerliebsten in dieser Kombination. So hat mich Bruce Chatwins „Traumpfade“ auf meine erste Reise nach Australien begleitet und in Indien habe ich dank „Das Gleichgewicht der Welt“ von Rohinton Mistry dieses wunderbar verwirrende Land ein bisschen besser verstanden. Schon immer bin ich mit Büchern weiter und näher gereist, und das möchte ich nun mit anderen teilen – und die Reisen anderer Menschen mit der richtigen Lektüre bereichern! 

Dabei greife ich auf mein Studium der Internationalen Literaturen an der Universität Tübingen zurück, auf unzählige Reisekilometer in Länder wie Australien, Argentinien, Spanien, kurz gesagt: auf meine ständige Lese- und Reiselust. Mit Fernlese habe ich mir meinen Traum von einem Raum erfüllt, wo Literatur und Fernweh zusammentreffen. 

fernlese_weglesenDurch Literatur sich die Welt erreisen – das ist ein wunderbares Rezept! Hast Du alle Orte, zu denen Du bislang Bücherbündel geschnürt hast, auch selbst mit diesen Romanen bereist und erfahren? 

Erst vor einem Monat bin ich aus Kanada zurückgekommen, und habe vor, während und nach der Reise viele kanadische Bücher gelesen. Meine Lieblingsbücher habe ich nun in zwei Bücherbündel (http://fernlese.de/produkt-kategorie/kanada/) gepackt. „Die Insel“ von Alistair MacLeod haben wir beispielsweise auf unserem Roadtrip auf Nova Scotia gelesen, das hat richtig gut gepasst, wir haben etliche Ortsnamen wiedererkannt. Auch in den anderen Ländern und Städten war ich schon –  vor allem in Australien habe ich viel Zeit vor Ort und in Büchern verbracht. Beim Zusammenstellen erinnere ich mich gerade gerne an meine Reisen und lese mich zurück in das Land. Oder vor zu neuen Reisezielen…

Eröffnet das Er-Lesen von Reisezielen auch einen anderen Blick auf die Welt, auf die bereisten Orte? 

Auf jeden Fall. Wenn man reist und ein anderes Land verstehen möchte, vermischen sich so viele neue Elemente: man schmeckt das neue Essen, man riecht die fremde Umgebung, man hört die unverständliche Sprache. Manchmal ist da so viel neues, dass man gar nicht alles erfassen kann. Die Literatur hilft, die Augen weiter zu öffnen und zu verstehen, da bestimmte Situationen und Eigenarten in den Geschichten beschrieben werden. Sei es das neue Essen, das man plötzlich auch auf der Speisekarte wiederfindet, der Blick hinter die Fenster der kanadischen Fischerhütten, oder dieses grenzenlose Gefühl von Freiheit und Angst, das einem im australischen Outback widerfährt und so wunderbar von Robyn Davidson in „Spuren“ beschrieben wird.  

Hast Du einige der Autorinnen und Autoren auch selbst schon an ihren Heimatorten getroffen? 

Leider nein, aber Spuren von ihnen. In Barcelona wohnte ich nur eine Ecke entfernt von der Plaça del Diamant – dem Schauplatz meines Lieblingsbuches aus Barcelona von Mercè Rodoreda.   

fernlese_buecherbuendelWelche Reiseziele und Bücherbündel stehen denn als nächstes an?

Als nächstes wird es ein Berlin-Bücherbündel geben – Berlin ist seit anderthalb Jahren meine Heimatstadt, für mich ist es also ein „Nahlesen“. Während es in Deutschland kälter wird, geht es bei Fernlese dann in wärmere Länder gen Osten: nach Indien, Sri Lanka, und über Australien nach Neuseeland. Ein bisschen Winterflucht. 

Hast Du neben fiktionalen Werken auch ganz klassische Reisebuch-Tipps? Auf welche Reiseführer, wenn überhaupt, greifst Du zurück? 

Auf meine erste lange Reise nahm ich den Australien-Lonely-Planet mit, las kurz darauf die spannende Entstehungsgeschichte von Tony und Maureen Wheeler – und bin so bei diesem Reiseführer hängengeblieben. Aber momentan arbeite ich an einer neuen Idee für Fernlese und halte die Augen nach alternativen Reiseführern offen… 

Wenn Du Dir das raussuchen könntest: Mit welcher Autorin, welchem Schriftsteller würdest Du gerne mal auf Reisen gehen? Und warum diese Person und wohin? 

Oh, da gibt es allerhand: mit Patti Smith würde ich gerne in einem ihrer Stammcafés in New York treffen und über M Train sprechen, mit Valeria Luiselli würde ich gerne auf Joseph Brodskys Spuren durch Venedig wandeln, und Cees Nooteboom beim Notizenschreiben auf einer seiner Reisen über die Schulter spicken und mir von ihm Tipps zur Reiseschriftstellerei holen. Oder mit Anaïs Nin in Mexiko tanzen gehen und so reden, wie sie Tagebuch schrieb.  

Weihnachten steht vor der Tür: Hast Du ein paar literarische Geschenk-Tipps für meine Leser? 

Ich habe Bücherbündel für Spanien, Italien, Australien, New York und Kanada im Angebot – und falls eure Freunde und Familie woanders hinreisen, was es bei Fernlese noch nicht gibt, wählt einfach „anderer Ort“ aus oder schreibt mir direkt über post@fernlese.de. Ich stelle euch liebend gerne ein individuelles Bücherbündel für ein bestimmtes Reiseziel zusammen. Denn es gibt für jeden Ort die richtigen Bücher.

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