LESARTEN: Monotonie in der Südsee.

Die Szene der Buchblogger hat sich in den vergangenen Jahren rasant verändert. Ein paar Gedanken zu Engagement, Kommerzialisierung und so weiter…

47 Kommentare

po_leseUrsprüngliche zweite Titelvariante: „Wovon wir reden, wenn wir vom Buchbloggen reden.“ Aber die Überschrift wäre schon mal grundfalsch. ICH müsste ich schreiben, denn hier äußere schreibend ICH mich. Für andere kann ICH nicht sprechen. Dieses angeblich in der Literaturkritik verpönte ICH, das immer dann herhalten muss, wenn im Feuilleton mal „was über Blogger“ veröffentlicht wird.
Angeprangert wird dann meist die naive Subjektivität und die mangelnde Kritikfähigkeit „der Blogs“. Dem Ich-Vorwurf folgt in der Regel eine Wir-Solidaritäts-Kampagne der Buchbloggerwelt. Wir gegen „das Feuilleton“. Aber ebenso wie das Ich eine umstrittene Größe ist, genauso gut kann man über das verallgemeinernde „Wir“ (=Buchblogger) streiten. Aber dazu später mehr.

Die Debatte über den Stellenwert der Blogs – sie ploppt vor und rund um die Buchmesse so sicher auf wie das Amen in der Kirche. Sogar im Moment, in dem ich an diesem Beitrag schreibe, landet wieder ein aktuelles Elaborat dieser Sorte in meiner Timeline: „Am Katzentisch der Literaturkritik“.

Die zum Teil redundant geführte Debatte kommt nicht wirklich weiter. In einer idealen Welt könnten beide Seiten von einander lernen, sich beleben, in der Kontroverse weiterentwickeln.
Zum Beispiel in einem Diskurs über Subjektivität bei Buchrezensionen. Dass Feuilletonisten mit ihrem ganzen Handwerkszeug erlernter literaturwissenschaftlicher Kriterien und ihrer langjährigen Leseerfahrung häufig vermitteln, sie hätten einen objektiven Blick auf literarische Werke, ist in gewisser Weise Selbsttäuschung: Denn vor dem PC, Laptop oder meinethalben auch Schreibpult sitzt immer ein Mensch. Erfrischend fand ich dazu die aktuelle Debatte bei tell über die Grenzen des 99 Page-Tests: Am Ende steht doch immer die Geschmacksfrage im Raum. In der Berichterstattung über Bücher den Anteil des „Ichs“, die eigene Welterfahrung als Leser durchklingen zu lassen, dies würde ich mir von manchem Feuilletonisten wünschen – in einer Weise, die den Einfluss des ICHS transparent macht, ohne die Kritik zu verflachen.

Zugleich aber kann der eigene Geschmack beim Reden über Literatur nicht das alleinig ausschlaggebende Kriterium sein – ein Ansatz, der aber in vielen Buchblogbesprechungen das dominierende Element ist. Das kann man machen, wenn man sich tatsächlich als Teil einer „kuscheligen Community“ verstehen will – die Buchblogszene als Kränzchen mit Kaffeetassen und nettem Zubehör. Mir genügt das als Blogleserin nicht.

Im Grunde wäre das auch vollkommen egal – das Internet ist ein weites Feld, Spielwiese für alle, jeder kann schreiben was er will, gelesen werden muss es nicht. In der immer größer werdenden Szene von Buchblogs pickt man sich eben jene heraus, die einem das bieten, was man sucht: Die einen sind über ihre jeweiligen Genres vernetzt, andere spezialisieren sich auf Klassiker, pflegen skandinavische oder lateinamerikanische Literatur, die einen bedienen den Mainstream, arbeiten sich an jeder Neuerscheinung ab, an anderen zieht das ganze aktuelle Portfolio der Verlage dagegen locker vorbei, weil sie sich einer bestimmten vergangenen Literaturepoche verschrieben haben. Insofern ist die Bandbreite und Vielfalt riesig (und dennoch, aber dazu später ein Einschub, empfinde ich mittlerweile eine gewisse Monotonie). Die Buchblogszene ist mittlerweile so heterogen, dass sie kaum auf einen Nenner gebracht werden kann – und jeder kann was für sich finden, wenn er denn mag.

Meine Kriterien beim Lesen anderer Blogs sind für mich: Gute Schreibe, Ahnung von Sprache und Stil, Kritikfähigkeit, Authentizität und Vielfalt auch bei der Buchauswahl. Um nur über die allerneuesten Neuerscheinungen, über die jeder berichtet, zu lesen, muss ich mich nicht durchs Internet wühlen.

Katharina von Kulturgeschwätz hat heute einen vehement-beredten Beitrag, beinahe atemlos und ohne Punkt und Komma (sprich Absätze) ins Netz gestellt. Wir hatten dazu gestern schon einmal getwittert – und ich meine Skepsis geäußert. Klar, eine Community, in der es um Vernetzung, Interaktion, um das Treffen von Gleichgesinnten und – vor allem – um „das Buch“, die Literatur, die Leidenschaft zum Lesen geht, das ist ein hehrer Wunsch, schön und ideal.

Doch bezweifle ich, dass eine Grundannahme, die Katharina in ihrem Beitrag äußert, so noch haltbar ist: „Der Antrieb für die Mehrheit der Betreiber blieb aber identisch: Es geht immer noch um die Community, es geht darum, Gleichgesinnte zu finden und sich mit ihnen auszutauschen. Nach wie vor sagen die meisten Blogger: Ich schreibe für Blogger. Nach wie vor fangen die meisten mit dem Bloggen an, weil sie einen anderen Blog gesehen haben und sich dachten: Das sind aber sympathische, interessante Leute hier, mit denen möchte ich in Austausch treten.“

Mein ursprünglicher Titel zu diesem Beitrag lautete: „Die Buchblogs haben längst schon ihre Jungfräulichkeit verloren.“ Seit die Buchblogger als Multiplikatoren für das Produkt Buch von den Verlagen entdeckt wurden, seit die Blogger mit Events eingebunden werden, seit zudem die Zahl der entsprechenden Blogs enorm gewachsen ist, meine ich, findet  auch – zumindest bei einigen – ein gewisser Wettbewerb statt: Um Aufmerksamkeit, um das Gehört- und Gelesen-Werden, um Wahrnehmung. Auch das ist alles legitim – wie gesagt, weites Feld, Laissez-faire, die unbegrenzte Freiheit der Publikationsmöglichkeiten im Internet. Plötzlich gibt es Literatur-Ranking-Listen, über deren Aussagewert man sich trefflich streiten könnte, es gibt die feine Unterscheidung zwischen „Literaturblogs“ und „Buchblogs“, es gibt die Tendenz zur Distinktion. Führt „Distinktion“ jedoch zu mehr Vielfalt? Nein.

Im oben genannten Katzentisch-Artikel wird Stefan Mensch mit einer Aussage zitiert, die er ganz anders gebraucht, im Kern aber das trifft, was ich sagen will: „“Die Blogger sind im Mainstream angekommen.“ Soll zwar im Katzentisch-Artikel meinen, die Blogger werden wahrgenommen und dürfen immer näher ran an den Tisch der „Großen“. Ein Preis dafür jedoch ist: Auch in den Buchblogs herrscht bezüglich der besprochenen Titel zunehmend mehr „Mainstream“.

Beispiel Buchpreis – seit die Liste raus ist, herrscht in meinem Reader Monotonie in der Südsee. Longlistbuchbesprechungen dominieren, allenfalls unterbrochen durch #ferrantefieber, Kracht-Krach oder ähnlich Gehyptes. Den Buchpreisalptraum von Herrn Hund kann ich, obwohl im vergangenen Jahr selbst Buchpreisbloggerin, inzwischen nachvollziehen: Mir wird zuviel desselben besprochen. Die Freiheit, die die Buchblogger hätten – sich abseits des Feuilletons (oder begleitend dazu), das sich gezwungenermaßen um die großen Namen und Neuerscheinungen kümmern muss – um die ganze wilde Vielfalt der Literatur zu kümmern: Sie wird zunehmend mehr aufgegeben, desto interessanter „die Blogger“ für den Buchmarkt werden.

Diese Entwicklung, dass Buchblogs, die vielleicht einstmals überwiegend aus Idealismus entstanden, irgendwann in den Markt einverleibt würden – es wäre naiv zu meinen, das wäre zurückzunehmen oder vermeidbar gewesen. Aber dennoch hoffe ich, dass diese Annäherung nicht zu einer Verödung und Verflachung führt – auf beiden Seiten.

So wie das Feuilleton an den Blogs lernen könnte, wie man tatsächlich in intensivere Kommunikation mit seinen Lesern tritt, so gäbe es für einige Blogger, die sich vom Katzentisch wegbewegen wollen, durchaus auch manches, was vom Feuilleton zu lernen wäre – wenn es denn das gemeinsame Ziel gäbe, Literatur als kulturelles Angebot und nicht als reines Verkaufsprodukt an die lesende Frau, an den lesenden Mann zu bringen.

Denn:

Warum sollte ich das Geschmacksdiktat einer Elke Heidenreich hinterfragen, mich aber den „Das-musst-Du-aber-Lesen!“-Befehlen einer immer unübersichtlicheren Buchblogszene ausetzen?
Zur Erinnerung: Über die Autorin Michelle Steinbeck mutmaßte Heidenreich, diese müsse an einer „ernsthaften Störung“ leiden. Die Empörung über diese Äußerungen war groß. Kurz darauf las ich in einer Rezension zu Steinbecks Buch „Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch“ auf einem Blog die Vermutung, die Schriftstellerin habe wohl beim Schreiben die Drogen genossen, die im Buch vorkämen. Beides ist nicht die Art „Literaturkritik“, die ich mir wünsche.

47 comments on “LESARTEN: Monotonie in der Südsee.”

  1. Ja, du hast mit allem Recht: Das ist auch nicht meine Art der Literaturkritik. Und es gibt sicherlich Blogger, die daraus einen Wettbewerb machen. Und ich würde mir insgesamt mehr Metadebatten wie diese wünschen. Weil ich glaube, dass genau das, dass wir sowas offen mit allen diskutieren können, das ist, was den Spaß ausmacht. Danke fürs Schreiben!

    Gefällt 1 Person

    1. Ums Recht haben und behalten geht es mir eigentlich nicht. Ich hab jetzt einige Gedanken und Eindrücke, die ich in letzter Zeit hatte, formuliert – aber ich wünschte mir gerne auch Widerspruch, Ergänzung, Ideen, die sich aus den Debatten entwickeln. Eine davon wäre es, tatsächlich einmal Feuilletonisten und Blogger zusammenzubringen, zur Diskussion, zum Austausch.

      Gefällt mir

  2. Liebe Birgit, kaum zurück aus dem Urlaub, sollte ich mich um meinen eigenen Blog kümmern (oder eventuell um noch Wichtigeres?), aber als ich gerade bei Twitter den Hinweis auf diesen Beitrag las, konnte ich dann doch nicht widerstehen und möchte dir nun: 1. einen sehr herzlichen Gruß senden, 2. in sehr vielem zustimmen (ich kann unmöglich detaillierter werden), 3. meinen Standard-Wunsch an Buch/Literatur-BloggerInnen äussern: NOCH subjektiver werden oder jedenfalls unterscheidbarer (durch andere Lektüren, wie du es wunderbarerweise ja praktizierst oder andere Schreibweisen. Fragender, offener, transparenter, was alles in den Leseeindruck eingeflossen sein mag usw …) Jetzt muss ich aber wirklich (s. o.) …

    Gefällt 3 Personen

    1. Liebe Jutta, schön dass Du wieder da bist und Dich gleich prioritär hier meldest … was meine Idee, die ich oben bei Katharina geäußert habe, noch um einen Aspekt erweitert: Blogger, Feuilletonisten und Autoren in einem Austausch – sei es bei einer Livediskussion, sei es bei einer digitalen Plattform. Was erwarten die jeweiligen Gruppen von den anderen? Wo gibt es Missverständnisse, wo Vorurteile? Wie kann man auch voneinander lernen? Jetzt muss ich aber … LG Birgit

      Gefällt 1 Person

      1. Ich habe das jetzt ein bisschen im Kopf bewegt und werde deinen Beitrag zum Anlass nehmen, einen kleinen eigenen Beitrag zu schreiben, weil ich überzeugt bin, dass es einen folgenschweren Irrtum in der Vorstellung von „begründeter Kritik“ gibt … Aber heute gehts erstmal in eine Schule, um mit den SchülerInnen nach Orten zu suchen, an denen es „heiß hergehen“ könnte und morgen ist die Lesung, die ich moderiere und die TeilnehmerInnen der Sommerakademie warten auf den „Sammelband“ ihrer kollaborativen Geschichten, die Studierenden des Palliative Care Studiengangs auf ihre Credit Points usw. – könnte also bis zur nächsten Woche dauern ;))) Sehr herzliche Grüße!

        Gefällt mir

      2. Liebe Jutta,
        da lese ich ja von spannenden Projekten – klasse. Allerdings machst Du mich jetzt auch sehr neugierig auf den folgenschweren Irrtum – nun, ich muss mich gedulden, hoffe aber sehr, dann nächste Woche dazu bei Dir etwas zu lesen. Aus Sicht einer Autorin hat das ja noch einen anderen Stellenwert resp. Hintergrund …Herzliche Grüße Birgit

        Gefällt mir

  3. Welcher Depp hat das ICH aus dem journalistischen Kontext entfernt? Es klingt manchmal so gedrechselt, wenn ein ich versucht, sich beim Schreiben zu vermeiden. Manchmal blitzt es durch, aber so gestelzt. Mit dem Pluralis Majestätis WIR. So: Uns ist die Gastfreundlichkeit von Amalfis Küstenbewohnern gut bekommen.

    Hat der Egon Erwin Kisch nicht noch fett das erste Personalpronomen verwendet? Also geschwurbelte Sprache finde ICH ist ein größeres No-Go. Oder Anglizismen, ähem, Lateinismen, die so redundant sind oder so elaboriert, dass ich, ob mit oder ohne Menstruationshintergrund, sie nicht rezipieren kann und nach einer Seite Feuiilleton sagen muss: HÄH? Watt is?

    Gefällt 2 Personen

    1. Das fehlende ICH hat im Journalismus schon auch seine Berechtigung und seinen Wert – dort wo es um die Vermittlung von Nachrichten und Fakten geht, möchte ich bestimmt nicht mit den subjektiven Ansichten eines Redakteurs konfrontiert werden.
      Aber Du meintest ja eher die Reportage und auch das Feuilleton. Nur eines vorweg: Mir ging es jetzt im Beitrag nicht darum, einseitig das Feuilleton anzuprangern – ich lese manche der Autoren sehr gern, finde dort auch sehr gut geschriebene, verständliche Artikel. Allerdings, das fiel mir jetzt am Beispiel Christian Kracht auf – je prominenter ein Buch/ein Autor gehandelt wird, desto mehr merkt man dann an den Besprechungen das Bemühen vieler Journalisten, sprachlich und stilistisch mitzuhalten -und da wird es dann schon des Öfteren ulkig bis unverständlich.
      Allerdings: Es braucht auch – bei 100.000 Neuerscheinungen jährlich – Menschen mit Fachkenntnissen, denen man als Leserin ein gutes Urteilsvermögen zutraut, die die Spreu vom Weizen trennen, die auf Romane aufmerksam machen, die es sich zu lesen lohnt. Und da fehlt meines Erachtens vielen Bloggern das Handwerkszeug oder auch das Interesse.
      Insofern wollte ich mit meinem Beitrag auch sagen: Die anhaltende Diskussion „Feuilleton vs. Blogger“ ist sinnlos und führt nicht weiter – weil beide Arten der Literaturvermittlung ihren Wert und Stellenwert haben. Anstelle von Konfrontation wäre ein gegenseitiges Lernen fruchtbarer.

      Gefällt 3 Personen

      1. Mir ist es heute Nacht auch durch den Kopf gegangen, dass eine gewisse Sachlichkleit und das Vermitteln von Fakten ohne Gefühl unabdingbar sind für den Journalismus. Insofern sehe ich nicht, dass wir in eine postfaktische Gesellschaft treten oder treten sollten. Viele Diskurse heutzutage lassen diese „Neutralität“ und Sachlichkeit ja schmerzlich vermissen. Aber ich habe was gegen Wortdrescherei um des Ansehens willen und zwar nicht nur bei Medienmenschen, sondern auch bei Wissenschaftler*innen oder in der Medizin. Und sorry, aber davon kann ich manche Feuilletonschreiber nicht freisprechen. Wenn es heißt, Blogger*innen schreiben für Bloger*innen. Für wen schreiben die dann? Bei zuvielen Ismen steige ich nämlich meistens aus. Und übrigens, ich habe mir angewöhnt, in Buchblogs über Bücher zu lesen. Weil ich diesen Funken Begeisterung dort spüre.

        Gefällt 1 Person

  4. Also, ich sag jetzt mal schamlos die Wahrheit: ich finde die allermeisten Literaturkritiken ziemlich verzichtbar und lese lieber die Texte selbst. „Literaturkritik verhält sich zur Literatur wie Gynäkologie zur Liebe“.

    Hin und wieder lese ich schon eine Kritik und denke mir dabei immer, wie unglücklich dieser Begriff gewählt wurde. Man könnte ja zB von „Literaturkommentar“ sprechen, aber nein „Kritik“ und nicht nur Kritik „vernichtende und absolut subjektive Verurteilung“ trifft die Sache noch besser. Und sobald das Geschwurbel überhand nimmt, höre ich auf zu lesen. Ich wollte ja nur wissen, worum es in diesem Buch geht und ob es mich wohl interessieren würde es zu lesen nicht ob der Autor/die Autorin in der Lage ist mit möglichst vielen Bildungszitaten um sich zu werfen.

    Gefällt 2 Personen

    1. Nun ja, nicht jede Kritik endet in einer Vernichtung – es wird der Literaturkritik derzeit ja eher vorgehalten, dass sie zu vorschnell lobt, zu wenig differenziert die Werke bespricht. Elke Heidenreich in meinem Beitrag ist natürlich auch nicht das geeignete Beispiel – Literaturvermittlung im Fernsehen hat, bedingt durch das Medium, sowieso wenig mit „Literaturkritik“ zu tun. Da geht es eher darum, wer das marktschreierische Element am besten beherrscht und sich durchsetzt.
      Ist aber deswegen Literaturkritik an sich verzichtbar? Da bin ich anderer Meinung als Du. Sie kann, wenn ich dem Kritiker vertraue, eine Orientierungshilfe für die Leser sein, aber auch dabei helfen, das Buch in die jeweiligen Kontexte zu setzen – die Spreu vom Weizen zu trennen, bei 100.000 Neuerscheinungen jährlich und bei der Dominanz mancher Bücher/Autoren/Verlag umso wichtiger.
      Ansonsten – wenn die Mehrheit der Leser sagen würde, sie bräuchte nur die Inhaltsangaben – wären sowohl das Feuilleton als auch Literaturblogs eigentlich überflüssig.

      Gefällt 3 Personen

      1. Es ist schon wahr, dass meine Meinung zur Literaturkritik, sei es im Feuilleton, sei es in blogs ziemlich undifferenziert ist, weil ich eben kaum Literaturkritik lese. Der Aspekt, dass Bücher/Autoren besprochen werden, die sonst im Mainstream ertrinken oder an den dominanten Verlagen zerschellen ist tatsächlich ein wichtiger.

        Gefällt mir

      2. Danke für Deine Rückantwort – klar, jeder geht anders auf Bücher zu, und manche Bücher finden ihre richtigen Leser auch instinktiv. Und dass nicht jeder die Zeit und auch das Interesse hat, neben dem eigentlichen Lesen sich noch durch Kritiken, Sekundärliteratur etc. zu wühlen, ist ja eher auch das Normale – man hat ja auch noch ein Leben außerhalb der Literatur :-).

        Gefällt 1 Person

  5. Liebe Birgit,

    Ich finde diese Ansage arrogant von Frau Heidenreich, geschmacklos obendrein. Arm, wer sich solche Aussagen über andere auf die kommunikative Flagge schreibt…sie hängt auf Halbmast und trägt traurigschwarz ohne rotgold…
    Mitunter verstört mich der rüde Ton selbst erklärter Meister des Schrifttums und der Sprache. Gut, war schon immer schlimm, auch zu früheren Zeiten strafte der Ton den Schöngeist ordentlich Lügen und die Schreiber stritten mit den Worten am schärfsten von allen…
    Panem et circenses? Liebt des deutschen Volkes Lesermaul es immer nur deftig-derb wie Schweinshaxe mit Knödeln, Sauerkraut und fetter Soße? Da muss eine Autorin gleich mal pathologisiert und unter Drogen gesetzt werden, weil sie aus der Reihe grätscht… dabei kenne ich das Buch von Frau Steinbeck noch nicht einmal. Ich werde es nun aus reinstem Trotz und nur wegen Elke Heidenreich und ihren komischen Kritiker-Kollegen extra gerne beäugen und beschnuppern, sogar wenn es mir nicht gefallen sollte.
    Ist schon notiert!
    Was so heftig kritisiert wird, das muss einfach interessant sein!
    Auch eine Philosophie…

    Insgesamt wieder ein sehr lesenswerter und informativer Beitrag von Dir , danke…und auch, wenn ich mich im virtuellen und sonstigen Literaturbetrieb generell gar nicht gut auskenne und alles, auch die Buchpreisblogger nur am Rande streifen kann… weswegen ich zu diesen Ausführungen lieber schweige…
    Ich lese einfach viel zu langsam Bücher, versuche jedoch einen groben Überblick über die neuen zeitgenössischen Autoren zu behalten.

    Liebe Grüße,

    von Stefanie

    Gefällt 1 Person

    1. Das mit dem Halbmast verstehe ich in dem Zusammenhang nicht? Ansonsten aber: Kritik muss und darf auch scharf sein und ich lese es durchaus gerne, wenn einer gut und mit Leidenschaft streitet. Was aber in den von mir zitierten Beispielen geschieht: Da wird nicht das Werk an sich „kritisiert“, sondern unfachlich abgewertet, aber zugleich eben auch die Autorin auf einer sehr persönlichen Ebene angegangen – und das geht gar nicht. LG Birgit

      Gefällt 2 Personen

  6. Guten Morgen Birgit,

    Die Metapher der auf Halbmast hängenden Fahne wählte ich, weil Frau Heidenreich dem „Land der Dichter und Denker“ ein gänzlich dicht- und denkbefreites Beispiel boshafter Plapperei zugemutet hat. Michelle Steinbeck ist eine junge Schweizer Autorin, erst 25 Jahre alt, las ich. Sie hat mit ihrem Buch ihren Debütroman vorgestellt. Wünschen würde ich mir für eine so junge Autorin hilfreiche Kritik anhand dessen sie sich gut weiterentwickeln könnte, wenn es etwas zu verbessern gäbe an ihrem Stil. Wie ich mittlerweile in unterschiedlichen Kritiken las, soll sie dieses (zugegeben ziemlich schön verrückt klingende) Buch eher in einer kindlich unberechenbar springenden, den Leser sehr fordernden Weise geschrieben haben. Den Titel verstehe ich schon einmal prima, auch ohne pathologisch oder auf Droge zu sein. Mal sehen, ob ich den Rest nüchtern auch so gut genießen kann.
    Ich brauche niemanden, der andere Autoren für sein Amüsement und seine Selbstverliebtheit vor meinen Augen zerfleischt. Eine Kritik darf mich vorbereiten auf etwas. Ich lese dann allerdings kritikgefärbt und das ist etwas, was ich an sich nicht so gern mache.

    Ich schaute früher gern das literarische Quartett, da ging es mitunter sehr hoch her und oft fand ich diese Stand-Up-Comedy recht erheiternd, weil ich mir noch nicht so viele Gedanken darüber machte, dass da zum Amuse-Gueule der Zuschauer Bücher umgebracht, Autoren mundtot gemacht und anschließend obduziert werden von den Pathologen der Literatur, die so stolz auf ihr „Handwerk“ sind.
    Ich stehe jeder Art einer solchen bissigen und geschmacklosen Selbstdarstellung auf Kosten anderer grundsätzlich ablehnend gegenüber.

    Einen schönen Morgen Dir,

    Stefanie

    Gefällt mir

    1. Amüsement, Selbstverliebtheit, fernsehtaugliche Krawallkultur – nein, das ist auch nicht meins. Sibylle Berg sprach neulich auf Spiegel Online an, ob es denn die Literaturfernsehshows tatsächlich brauche – das hat mit Kritik oft nichts mehr zu tun, sind oft auch reine Verkaufshows oder dienen den Experten zur Selbstprofilierung. Und da war auch Literaturpapst MRR durchaus kritikwürdig – ich erinnere mich an den Veriss von Jörg Fauser, der den Schriftsteller nachgerade bis ins Mark erschüttert, ja eigentlich krank gemacht hat. Wenn ich meine, dass ich es manchmal geniesse, wenn aus Leidenschaft um Literatur gestritten wird, dann geht es mir – wie Dir auch nicht – um das Abwerten von Personen, sondern um fachliche Argumente, die das Buch, Sprache, Stil, Duktus betreffen. Natürlich trifft man damit auch immer den Menschen, der hinter dem Buch steht – aber das muss jemand, der veröffentlicht, auch aushalten.

      Gefällt 3 Personen

  7. Liebe Birgit – Chapeau! – danke für die Legitimation meiner häufig sehr ICH-bezogenen Vorstellungen, in denen ich mich trotzdem bemühe, weitest möglich objektiv zu bleiben. Ein weites Feld – das ist es. Und eigentlich sollte das Vielfalt bedeuten, richtig. Dazu muss man sich als Blogger aber wahrscheinlich von ein paar Dingen verabschieden, die man meint, tun zu müssen. Immer gleich das, was man gelesen hat, sofort, zeitnah rezensieren – vor allem wenn man ein Leseexemplar bekommen hat. Immer etwas neu erschienenes … Das ist schade, denn sieht man sich die Backlist der Verlage an, dann sieht man auch, dass ein Titel heute zutage
    Manchmal bin ich aber so sehr von einem Buch überzeugt, dass ich ihm und dem Autor / der Autorin möglichst viele Leser wünsche, dann ziehe auch ich den Imperativ und sage: das MÜSST ihr lesen. Doch auch solche Empfehlungen sind schwierig. Die Gemeinschaft der Blogger gibt es für mich zum Teil – eben dort, wo ich das finde, was Du auch suchst: Fundierte, sprachlich ausgereifte Texte, die mich selbst auf die Reise gehen lassen, um etwas zu entdecken, was mir sonst entgangen wäre. Ob es eine Neuerscheinung ist, eine Wiederentdeckung, eine Fundstück als erste deutsche Veröffentlichung – ist mir alles schnurz. Inhalt, Struktur, Konzept müssen stimmen. Mainstream ist schwierig zu vermeiden – sind doch die Verlage selbst es, die ihre Profile immer mehr aneinander angleichen – um auch von diesem oder jenem Kuchen-Genre ein Stückchen abzubekommen.
    Was die „ernsthafte“ Literaturkritik des Feuilletons angeht: Damit will ich mich gar nicht vergleichen. Ich habe mir zwar im Studium einiges an Handwerkszeug aneignen können – und denke, ich gebrauche es auch – aber wahre Objektivität gibt es beim Lesen denke ich, tatsächlich nicht. Kann es auch nicht. Denn in allem was wir tun – auch in der Lektüre – werden wir geleitet von dem, was wir bereits erlebt haben, was wir kennen, was wir in andere Zusammenhänge bringen wollen / können. Und genau diese Zusammenhänge, das miteinander über Literatur sprechen, wie gerade jetzt zum Beispiel, das ist meine Triebfeder, meine persönliche für die Bloggerei. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Und das fehlt mir. Denn ganz so ist es eben nicht mit der Community – zumindest im Großen und Ganzen. Da wird sich schon teilweise abgegrenzt … aber auch das ist ein weites Feld – Birgit 😉
    LG, Bri

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Bri, deswegen haben wir uns zwei ja wohl auch hier gefunden – weil Dein Kommentar im Grunde alles, was mir dazu durch den Kopf geht, bis zum letzten Satz genau widerspiegelt. Nur noch eine kurze Ergänzung zum Thema Vielfalt ein interessanter Artikel, der heute durchs Netz ging: https://www.buchreport.de/2016/09/20/usa-grosse-verlage-schaffen-oft-nur-noch-miniauflagen/
      Da geht es auch um das neulich diskutierte Spitzentitel-Marketing (Hype-Bücher): gerade weil die Konzentration der Verlage auf einigen Spitzentiteln liegt, würde ich mir einfach von den Bloggern wünschen, dass sie mehr Vielfalt bieten, der Einengung auf wenige Titel entgegentreten statt sich immer mehr am Mainstream zu orientieren…

      Gefällt 2 Personen

      1. Jetzt ging mir das alles zu schnell mit dem Absenden – ich wollte doch noch zu den Miniauflagen etwas sagen.Was eine Miniauflage ist, muss man definieren. Meist ist es schwierig, für ein „normales“ Buch, mehr als 2000 Bücher abzusetzen. Das liegt aber natürlich auch daran, dass 1.) die meisten Verlage die klassische Erscheinungszeit von zweimal im Jahr (Frühjahr = Leipzig und Herbst = Frankfurt) auf mehrmals im Jahr bis monatlich verlegt haben; 2.) dadurch viel mehr verschiedene Bücher auf den Markt kommen; 3.) die Absätze sich logischerweise mehr auf die unterschiedlichen Werke verteilen … Auflagen im höheren 4- bis 5- stelligen Bereich waren auch früher nicht unbedingt an der Tagesordnung. Was auffällt ist: wenn ein Thema beim Leser gut angekommen ist, springen plötzlich ganz viele andere Verlage auf den Zug auf und versuchen von dem Kuchen etwas abzubekommen (das zielt jetzt mehr auf den „Unterhaltungsbereich“). Legitim, denn Geld verdienen muss (bis jetzt) jeder irgendwie 😉 aber nicht wirklich Vielfalt fördernd … nach wie vor ein weites Feld 😉

        Gefällt mir

      2. Dass das Rad der „Neuerscheinungen“ sich immer schneller dreht, wird mir jedesmal bewußt, wenn ich die Wühlkisten in den Buchhandlungen durchkrame – ich finde es schon sehr auffallend, dass da seit einigen Jahren mehr und mehr Titel schon reduziert zu finden sind, die oft nur wenige Monate vorher herauskramen. Und eben nicht wie vor ca. zehn Jahren noch so Regalhüter, sondern oft auch Bücher, die gut besprochen wurden, viel Aufmerksamkeit bekamen, etc.

        Gefällt 1 Person

  8. Liebe Birgit, höchst bedauerlich, das ich mich mit meinem Steinbeck-Artikel nun bei Dir disqualifiziert habe, wobei ich das mit den Drogen etwas anders formuliert habe. Aber egal, eigentlich hätte ich ja noch dazuschreiben müssen, unter welchen Drogen ICH beim Schreiben meiner Besprechung stand (unter keinen). Denn häufig erfährt man ja bei Reviews von Buch/Literaturbloggern mehr über die Befindlichkeiten der Texter, als über das zu rezensierende Buch und dann wird mir die subjektive Sichtweise ab und zu mal etwas zu persönlich. Denn ob ich schlecht geschlafen habe, mit dem falschen Fuß aufgestanden bin, die Socken vertauscht habe, mein Hund kotzt, oder die Katze Dünpfiff hat (okay, ich übertreibe jetzt, gewiss), muss man niemanden innerhalb einer Buch- oder Plattenkritik mitteilen. Ich möchte mich gar nicht in die Gefahr begeben, zu viel von meinem Privatgedöns auszuplaudern (und dem Leser auch nicht zumuten), und vermeide deshalb zumeist die Ich-Form bei Rezensionen. Und um mal den großen Dude zu zitieren:“Wir? Ich! Das königliche Wir, Sie wissen schon, wie in den Leitartikeln.“ Schöne Grüße aus Hamburg, Gérard

    PS: Ansonsten stimme ich Deinen Ausführungen durchaus zu.

    Gefällt mir

    1. Lieber Gérard,
      zunächst: Mir ging es nicht darum, jemand persönlich zu disqualifizieren – ich wollte an einem Beispiel festmachen, was ich mit Buchkritik meine, die auch Aussagen beinhaltet, die mit der Kritik am Buch nichts zu tun haben bzw. m. M. nach nicht in eine Kritik gehören. Das Heidenreich-Beispiel diente dazu, zu zeigen, dass das sowohl bei professionellen „Kritikerinnen“ als auch im Blogbereich geschieht – und da lag dieses Beispiel, das sehr aktuell ist, auf der Hand. Es hätte auch ein anderes sein und damit einen anderen Buchblogger treffen können – mir geht es darum: Die Mutmaßung, die Autorin habe beim Schreiben die falschen Drogen genommen (sorry, wenn ich aus dem Gedächtnis nicht buchstabengetreu zitiert habe – aber der Sinn der Aussage ging in die Richtung) klingt vielleicht flapsig und amüsiert den einen oder anderen, hat aber mit „Kritik“ des Werkes nichts zu tun. Muss ich jetzt jeden Hemingway dahingehend lesen, ob er das nüchtern oder volltrunken geschrieben hat. Und was ist das für ein Urteil, wenn ich schreibe: „Als der das oder das gemacht hat, war er wohl besoffen?“ Oder hatte das falsche Wasser? Ich wäre da nicht so pingelig, wenn es mir um die Blogs ginge, die so locker über ihre Privatleben schreiben und dazwischen berichten, „huch, da habe ich ein tolles Buch gelesen, das mich richtig gut in Laune gebracht hat, als ich wegen meinem falschen Nagellack so down war“ (das ist jetzt von mir überspitzt). Sondern mir geht es um die Blogs, die für sich schon in Anspruch nehmen, anders, ernsthafter, objektiver usw., also mit einem gewissen Handwerkszeug und durchaus auch als Alternative zum Feuilleton aufzutreten, also das, was im Kulturgeschwätz-Artikel als „Distinktion“ bezeichnet wurde – und da finde ich solche Wertungen über die Person einer Autorin eben nicht angebracht. Viele Grüße aus dem Süden, Birgit

      Gefällt 2 Personen

  9. Ich bin irgendwie müde, diese Diskussion zu verfolgen oder mich in die Liste der Schreiber einzureihen. Deinen Beitrag habe ich allerdings mit Interesse und mit mehrmaligem Kopfnicken gelesen. Ich verstehe es nicht, wie nach einem kritischen Beitrag in den Medien ein Aufschrei durch die Bloggerwelt gehen muss, wenn die meisten Blogger doch sonst sehr viel Selbstbewusstsein zeigen. Anstatt die Bloggerwürde immer zu verteidigen, sollten wir vielmehr über gewisse Ansprüche nachdenken. Ich denke da als Negativbeispiel unter anderem an respektlose Verrisse, ohne mit Argumenten die Kritik zu untermauern nd nur der Klickzahlen willen. Viele Grüße

    Gefällt mir

    1. Die Diskussion kann ermüdend sein, solange sie auf der Stelle tritt. Aber der Anlass meines Schreibens war es eben auch, diese Diskussion zu nutzen, um ein Gespräch über Ansprüche und Entwicklungen, insbesondere was uns Blogger selbst betrifft, in Gang zu bringen. Du nennst eine Tendenz, die ich auch sehe: Verrisse, die nicht argumentativ belegt sind – nach dem Motto: Wer laut und polternd auftritt, gewinnt Aufmerksamkeit. Eine andere Tendenz ist der Hang zu glatter Gefälligkeit – ohne Ecken und Kanten oder eigenes Profil, jedes Buch wird positiv besprochen, eine kritische Auseinandersetzung findet auch da nicht statt. Dennoch erfreuen sich die beiden Pole – Poltern hier, Gefälligkeit dort – eben hoher Beliebtheit. Wenn das so gewollt wird – in Ordnung. So ist das Leben. Ich weiß, dass ein Beitrag wie meiner nicht viel bewirken, anstoßen oder gar ändern wird – ab und an aber juckt es mich einfach, auch dazu Position zu beziehen. Es wird also wohl nicht mein letztes Lesezeichen in dieser Diskussion gewesen sein.

      Gefällt 4 Personen

      1. Ich glaube ja nicht, dass Dein Beitrag wenig bewirken kann – das Gegenteil sieht man ja schon an den vielen Kommentaren. Du erwähnst in Deiner Antwort einen Punkt, der mir – und ich denke auch vielen anderen, die ich verfolge – immens wichtig ist: die argumentative Darstellung der eigenen Einschätzung. Verriße können und müssen sein, da sind wir uns sicher einig, aber wie so häufig im Leben, macht auch hier der Ton die Musik. Ich bin auf Deine weiteren Lesezeichen zum Thema gespannt 😉

        Gefällt 1 Person

  10. Deiner guten und differenzierten Analyse der „Blogzustände“, der Feuilleton-Überheblichkeit und Deiner Kritik an der unkritischen oder zu gefälligen Buchkritik kann ich nur zustimmen.

    Als Buchhändlerin bin ich in Bezug auf Buchbewertungen keineswegs Laienspielerin, auch wenn ich nicht Germanistik oder Literaturwissenschaften studiert habe. Als Buchhändlerin habe ich im Vergleich zu akademischen Rezensenten auch viel mehr ALLTÄGLICHE Erfahrung darin, wie man Lesern eine Lektüre schmackhaft machen kann, und ich kann mich – im GESPRÄCH mit Kunden – durchaus auf ganz unterschiedlichen Sprachniveaus bewegen und ausdrücken sowie auch assoziativ die Kundenerwartung ablesen und erfüllen.

    Auf meinem Blog bleibe ich sprachlich meinen persönlichen Stil und Niveau treu und bin mit meinen sekundärliterarischen Tugenden sehr zufrieden. Und die Verlage sind offenbar auch zufrieden mit meiner Schreibleistung und der ausgeprägt-substanziellen und charmanten Kommentarkultur meiner Webseite, denn ich bekomme mehr Rezensionsexemplarangebote als ich bewältigen kann.

    Meine Buchauswahl und meine große Genrevielfalt sind eigenwillig und völlig unabhängig von den üblichen Ranglisten, Moden und Hypes. Ich habe sogar einmal ein vergriffenes Buch rezensiert, einfach weil ich dieses Buch LIEBE und mir sehnlich eine Neuauflage wünsche.

    Der erste Verriß, den ich geschrieben habe, betraf die „Feuchtgebiete“.
    Gerne würde ich wissen, ob Du meinen böse-witzigen Verriß angemessen oder vielleicht zu polemisch empfindest.
    Hier ist der Link: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2012/12/30/feuchtgebiete/

    Nachtaktive Grüße
    Ulrike von Leselebenszeichen

    Gefällt 1 Person

  11. Sehr schön, liebe Birgit. Zwischendurch war’s mir mal insgesamt ein bisschen zu viel der Meta-Metas, aber nach etwas Abstand nun dein Beitrag dazu hat mir sehr gefallen. Insbesondere der Hinweis auf die Berechtigung des ICHs, das sich bei aller literaturwissenschaftlicher Kenntnis, Erfahrung etc. nun mal leider nicht verleugnen lässt. Sonst müssten ja automatisch alle Kritiker einer Meinung sein bzw. auch alle Kritiker und Lektoren, sodass man eigentlich gar keine Kritik benötigen würde, sofern ein Buch es schafft, veröffentlicht zu werden, das müsste dann ja Qualitätsbeweis genug sein. Aber es setzt nun mal jede(r) andere Prios, eine erfreut sich vielleicht an der Sprache, einer an der spannenden Unterhaltung, eine findet den Plot doof, einer das Ende, obwohl der Roman in Teilen doch was für sich hatte etc.
    Jedenfalls: Danke & herzlichste Grüße von meinem ICH zu deinem
    Petra

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Petra, stimmt – ohne Ichs wäre es monoton. Bzw. Objektivität in der Literaturkritik gibt es einfach nicht. Andererseits gibt es auch das eine oder andere Ich – ich denke an MRR, aber auch bei Bloggern soll es das geben – das schon sehr dominant ansagt, wo es lang geht. Also, zu übersteigerte Ichs sind auch nicht so das Ding 🙂 Herzliche Grüße zurück von MIR, Birgit 🙂

      Gefällt mir

  12. Liebe Birgit, in der Mittagspause saß ich mit meinem Mann, der heute auch im Home Office arbeitet an der Themse und wir kamen auf das Thema Reiseblogs. Mein eigener Blog fällt ja am ehesten unter diese Kategorie (auch wenn ich versuche, mich jeglicher Kategorisierung zu entziehen). Entsprechend verfolge ich auch, was in dieser „Branche“ läuft, und dort ist es nicht viel anders: Reiseblogger machen, je nachdem, wer argumentiert, den Reisejournalismus kaputt (was sicherlich zum Teil stimmt). Andererseits, wer als Reiseblogger Geld verdienen will, muss sich in der Regel als PR-Instrument der Tourismusbranche prostituieren.
    Letztlich gilt für jeden Blog, egal ob Literaturblog, Reiseblog oder andere Themenblogs, wer glaubwürdig sein will, muss immer wieder für sich austarieren, wie viel Mainstream er oder sie bedienen will. Keiner von uns will überall das Gleiche lesen. Das genau ist doch, zumindest für mich, ein wesentlicher Grund, Blogs zu lesen. Sonnige Grüße aus Greenwich, Peggy

    Gefällt mir

    1. Home Office an der Themse – so habe ich mir das Dasein echter Reiseblogger immer vorgestellt 🙂 Du bringst es auf den Punkt – zur Glaubwürdigkeit gehört auch die Vielfalt, die Bereitschaft, mal etwas vorzustellen, was nicht so ins Raster passt oder was einfach nur der eigenen Leidenschaft entspringt, ohne Rücksicht resp. Blinzeln auf das Leserinteresse … Bei professionellen Reiseblogs ist das sicher noch mehr ein Thema, da eine Reise halt ein Stück teurer ist als das nächste Buch … Ich kann mich erinnern, wie bei „meiner“ Tageszeitung, bei der ich mal kurz angestellt war, irgendwann die Entscheidung fiel, dass man auf den Reiseseiten keine Berichte von Journalistenreisen mehr bringt – also von den für Journalisten durch die Reiseveranstalter organisierten Trips. Ich weiß nicht, ob das dort immer noch so ist. Das war damals ein Versuch, jedem Ruch von korrumpierbaren Journalismus aus den Weg zu gehen. Wobei ich mir da schon dachte: Es hängt immer auch davon ab, wie der jeweilige Reporter dann berichterstattet – wenn „gesponserte“ Reiseziele empfohlen werden, die dann nicht annähernd das halten, was der Zeitungsbericht verspricht, leidet in erster Linie die Glaubwürdigkeit der Zeitung. Herzliche Grüße an die Themse, Birgit

      Gefällt mir

      1. So romantisch ist die Mittagspause, die ich mir einmal pro Woche gönne 🙂 Reiseblogging als Beruf wäre mir viel zu anstrengend. Ständig auf Sendung, da hat man ja kaum noch Zeit wahrzunehmen. Da bleibe ich lieber bei meinen langweiligen Themen (wie es eine meiner Agenturkolleginnen ausdrückte) 😀

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s