I am Germany

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Was bedeutet es, „deutsch“ zu sein?
Was bedeuten mir die Begriffe „Vaterland“ und „Muttersprache“?
Geburtsort, Heimatland, Nationalität?
Ich möchte diese Begriffe nicht jenen überlassen, die andere ausgrenzen.
Die Menschen aufgrund ihrer Abstammung, Religion, Hautfarbe, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Neigungen oder anderen Eigenschaften als nicht zugehörig bezeichnen. Die Alte, Arme, Behinderte und Kranke ins Abseits stellen.
Ich möchte nicht in einem Land leben, wie es diese Herrschaften beschwören: Grau, kalt, kleingeistig, abwertend, diskriminierend.
Ich mag mein Heimatland, das erlebe ich derzeit bei meinen Bummeleien – es ist schön hier. Und ich will es: Bunt, offen, vielfältig.

Über Andrea von DANARES.MAG bin ich auf die Twitter-Aktion „IamGermany“ gestoßen. Ein schöner Weg zu zeigen: Deutschland ist weltoffen, freundlich und bunt. Schaut mal vorbei. Oder besser noch: Macht mit.

Veröffentlicht von

Das Literaturblog Sätze&Schätze gibt es seit 2013. Gegründet aus dem Impuls heraus, über Literatur und Bücher zu schreiben und mit anderen zu diskutieren.

7 thoughts on “I am Germany

  1. Manchmal denke ich, dass allein schon dieses ewige Gedenke was denn nun deutsch sei oder englisch oder was weiss ich, uns in unseren zu engen Grenzen festhält- ich definiere mich eigentlich nicht als Deutsche, ich bin eine Frau, die in Deutschland geboren wurde, einem Land, das schön ist, ja. Einem Land, das wie viele andere auch eine Geschichte hat, die Auswirkungen auf mich und mein Denken hatte. Ein Land in dem viele Kleingeister neben vielen weltoffenen Menschen leben, wie wohl auch in vielen anderen Ländern. Ich möchte mich nicht mehr an den Abgrenzungen orientieren, sondern an dem, was uns Menschen verbindet, egal wo wir geboren wurden …

    liebe Grüsse
    Ulli

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    1. Die Welt wäre freilich ein friedlicherer Ort, wenn alles so selbstverständlich wäre, dass man nicht mehr darüber nachdenken oder gar darüber diskutieren müsste.
      Aber – und das wollte ich mit diesem Beitrag ausdrücken – mir gibt es derzeit viel zu viele Menschen, die für sich und andere beanspruchen, „Deutschsein“ zu definieren, die mir beispielsweise vorschreiben wollen, wen ich als Nachbarn haben darf und wen nicht, Menschen, die „Deutschsein“ sagen und „Ausgrenzen/Abgrenzen/Grenzen schließen“ meinen. Pegida, AfD, usw.: Da reicht es in meinen Augen nicht, zu sagen, „aber ich bin nicht so, ich definiere mich anders“. Ich möchte mir von denen nicht ein Gefühl für mein Heimatland nehmen lassen. Das habe ich schon hier auszudrücken versucht: https://saetzeundschaetze.com/2016/03/01/blogparade-schreiben-gegen-rechts/
      In meiner Auffassung ist es da auch ein Bestandteil „wehrhafter Demokratie“, sich nicht die Werte nehmen zu lassen, sich nicht deren Begrifflichkeiten zu beugen, sondern ein positives Bild entgegenzusetzen – und das auch zu formulieren. Das scheint mir momentan wieder wichtiger denn seit langer Zeit.
      Und daher unterstütze ich die Aktion, auf die Andrea aufmerksam gemacht hat, gerne.

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      1. Liebe Bigit, da kann ich nicht widersprechen und will es auch nicht. Ich schrieb ja auch, dass ich „manchmal“ diese Gedanken hege, weil ich mir natürlich auch ein Fortkommen der Menschheit wünsche. Dass wir dort noch lange nicht sind und in der Zwischenzeit uns positionieren müssen, Stellung nehmen und uns dafür einsetzen, dass „unser“ Land nicht in die Hände der Ewiggestrigen fällt, ist dabei für mich keine Frage.
        So, nun schaue ich mir aber mal das Projekt an …
        ich grüsse dich herzlich
        Ulli

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  2. Aus der Nachlass-Bibliothek unseres Vaters habe ich eines seiner von ihm wiederholt gelesenen und empfohlenen Bücher geerbt:

    „Vaterland, Muttersprache. Deutsche Schriftsteller und ihr Staat von 1945 bis heute. Ein Nachlesebuch: Offene Briefe, Reden, Aufsätze, Gedichte, Manifeste, Polemiken. Zusammengestellt von Klaus Wagenbach, Winfried Stephan und Michael Krüger. – Mit Randbemerkungen und einer Zeittafel. Vorwort von Peter Rühmkorf, Quartheft 100, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1979

    Daraus als Assoziation zu den gestellten Fragen aus Max Frischs Rede vor dem SPD-Parteitag am 17. November 1977:

    „… Ich rede nicht von der Bundesrepublik im besonderen. Demokratie (gesetzt den Fall, man wolle sie nicht nur retten, sondern man wolle sie herstellen, das aber bedeutet: mehr Demokratie) wäre ein Ziel über die eigene Konsumperson hinaus. Wiederherstellung der Politik: Daß Politik mehr sei als die Fortsetzung des Geschäfts mit anderen Mitteln, Politik als Entwurf (sagen wir schlicht:) eines Zusammenlebens der Menschen, das Menschwerdung fördert und, im Gegensatz zur Profitschlacht aller gegen alle, Lebenswerte stiftet.“ (S. 313)

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    1. Lieber Arnold,
      einmal mehr vielen Dank für einen Buchhinweis und einen klugen Kommentar.
      Max Frisch spricht etwas an, was ich oben mit meinen Fragen umkreist habe: Was sind unsere Lebenswerte, was sind die positiven Werte?
      Wenn hierzulande bei einigen massive Ängste aufbrechen angesichts der Flüchtlinge, Ängste, die oft wirtschaftlich begründet werden – dann sprechen daraus auch die vereinzelten Konsumpersonen, die sich um ihr Auto, ihren Urlaub, ihren Wohlstand sorgen. Natürlich lauern hinter diesen Ängsten noch weitere, weniger fassbare – eine tiefverwurzelte Angst vor allem Fremden beispielsweise.
      Aber offenbar gibt es da auch Leerstellen, die nicht mit Werten gefüllt sind – Leerstellen, die rechte Populisten nun für sich nutzen.
      Auf der anderen Seite macht die „Willkommenskultur“ Hoffnung. Das zeigte: Ein Großteil der Bürger war „Mensch“. Nun kommen kaum mehr Flüchtlinge an, aber es ertrinken massenhaft Menschen in den Meeren – und den Medien und der Politik sind dies kaum mehr Randnotizen wert.
      Etwas verkürzt: Man hat aus fehlgeleitetem politischen Kalkül versäumt, auf diesen Wert der Hilfsbereitschaft zu bauen. Man hat sich den Ängstlichen gebeugt.

      Gefällt 2 Personen

    2. Ja, guter Band, das. Es war noch ein völlig anderer Zeitgeist als heute (nicht immer ein besserer, allerdings, wenn ich an das Bleierne denke). Aus Frischs Zitat höre ich Brandts Aufmunterung: Mehr Demokratie wagen! Es war eben als dieses Modell menschlichen Zusammenlebens gedacht, nicht als Funktionärs-Konstruktion.

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  3. Ich freue mich , dass du auf deiner Seite eine politische Diskussion anstösst. Ich gebe dir Recht, wenn du forderst, die Definition so wichtiger Begriffe nicht den Hassenden und Kleingeistern zu überlassen.Und es reicht nicht, von sich selber zu sagen, dass man ja weltbürgerlich offen mit Nationalität umgeht. Im Gegenteil: Wichtig wäre zu entdecken, wie viel Heimatliebe trotz aller geistigen Weite in einem steckt. Wie wärs denn, wenn du in deinen verschämten Lektüren eine neue Seite aufschlägst: Bücher, in denen es um Heimat geht, oder die Bücher, in denen man sich gefreut hat, dass die Deutschen darin gut wegkamen. ;-9

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