Joachim Ringelnatz – Ostern

DSC01561

Wenn die Schokolade keimt,
Wenn nach langem Druck bei Dichterlingen
„Glockenklingen“ sich auf „Lenzesschwingen“
Endlich reimt,
Und der Osterhase hinten auch schon preßt,
Dann kommt bald das Osterfest.

Und wenn wirklich dann mit Glockenklingen
Ostern naht auf Lenzesschwingen, – – –
Dann mit jenen Dichterlingen
Und mit deren jugendlichen Bräuten
Draußen schwelgen mit berauschten Händen – – –
Ach, das denk ich mir entsetzlich,
Außerdem – unter Umständen –
Ungesetzlich.

Aber morgens auf dem Frühstückstische
Fünf, sechs, sieben flaumweich gelbe, frische
Eier. Und dann ganz hineingekniet!
Ha! Da spürt man, wie die Frühlingswärme
Durch geheime Gänge und Gedärme
In die Zukunft zieht,
Und wie dankbar wir für solchen Segen
Sein müssen.

Ach, ich könnte alle Hennen küssen,
Die so langgezogene Kugeln legen.

Joachim Ringelnatz

Ich hatte leider weder ein Foto von Hennen noch von langgezogenen Kugeln. Aber zum Ei gehört irgendwie ja auch der Hahn und auch mein geliebter Ringelnatz war letzten Endes so ein kleiner Gockel.
Frohe Ostertage wünsche ich Euch allen!

Veröffentlicht von

Das Literaturblog Sätze&Schätze gibt es seit 2013. Gegründet aus dem Impuls heraus, über Literatur und Bücher zu schreiben und mit anderen zu diskutieren.

23 thoughts on “Joachim Ringelnatz – Ostern

  1. Also, das Gedicht ist herrlich und deine Einschätzung zu Ringelnatz sicher auch nicht von der Hand zu weisen, liebe Birgit. Dennoch bitte ich künftig um ein bisschen mehr Rücksichtnahme auf die vegetarischen LeserInnen. Bei dem Foto bleibt einem doch glatt die langgezogene Kugel im Halse stecken. 😉

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    1. Liebe Maren, das tut mir aufrichtig leid! Zugegebenermaßen habe ich es gerade mit dem tierischen Ringelnatz – Nashörner zuerst und jetzt diese Geflügelsache.
      Aber zum Trost für Dich eine vegetarische Ringelnatzerei. Das mit der Leberwurst überliest Du bitte.

      Abschiedsworte an Pellka

      Jetzt schlägt deine schlimmste Stunde,
      Du Ungleichrunde,
      Du Ausgekochte, du Zeitgeschälte,
      Du Vielgequälte,
      Du Gipfel meines Entzückens.
      Jetzt kommt der Moment des Zerdrückens
      Mit der Gabel! – Sei stark!
      Ich will auch Butter und Salz und Quark
      Oder Kümmel, auch Leberwurst in dich stampfen.
      Mußt nicht so ängstlich dampfen.
      Ich möchte dich doch noch einmal erfreu’n.
      Soll ich Schnittlauch über dich streun?
      Oder ist dir nach Hering zumut?
      Du bist so ein rührend junges Blut. –
      Deshalb schmeckst du besonders gut.
      Wenn das auch egoistisch klingt,
      So tröste dich damit, du wundervolle
      Pellka, daß du eine Edelknolle
      Warst, und daß dich ein Kenner verschlingt.

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  2. Herrlich, diese tanzenden Hähne, so konzentriert in ihrer Synchronität. Allerdings dachte ich immer, der Osterhase bringt die Eier nur und legt sie nicht selbst – aber jetzt lese ich, dass er „hinten auch schon preßt…“ und das hat sich Ringelnatz ja mit Sicherheit nicht ausgedacht. Wie dem auch immer sei, Ostern naht – und ich freu mich drauf! Danke für den schönen Beitrag und liebe Abendgrüße an dich von
    Birgit

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  3. Liebe Birgit,
    tanzende Hähne, pressende Hasen, flutschende Eier, gefärbt oder nicht, Schokolade, Osternester, was auch immer Du Dir zu Ostern wünscht – möge es in Erfüllung gehen.
    Buenos Aires, wie der spanischsprachige Mensch an Ostern sagt, wünscht Birgit

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  4. Liebe Birgit, ich bin vermutlich zu katholisch sozialisiert, um während der Karwoche schon „Frohe Ostern!“ tippen zu können, dafür schreibe ich es jetzt umso lieber und mit großer Freude an Text und Foto! Beste Grüße!

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    1. Liebe Jutta, da sieht man, wie entsozialisiertentkatholisiert ich bin… ich habe mir nichts bei den voreiligen Grüßen gedacht, außer, dass ich vorsorglich frohe Ostern wünsche, da ich wenig Zeit für die Blog die letzten Tage hatte… nun also die Ostergrüße an dich zurück, ordentlich katholisch hoffentlich noch am Ostermontag 🙂

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