Essen mit Oskar Maria Graf: Niemand kann allein sein.

9 Kommentare

Wer in München unter dem Stichwort „Oskar Maria Graf-Denkmal“ nach einer Statue sucht, wird vergeblich suchen. Die Münchner haben dem Schriftsteller, der eng mit ihrer Stadt verbunden ist, ein ganz eigenes, ihm angemessenes Andenken gesetzt – sozusagen ein ganzes Kaffeehaus als Kulturort und Denkmal zugleich. Das hätte Graf, bayerisches Urgestein und Weltbürger zugleich, der den leiblichen Genüssen durchaus zugeneigt war, mit Sicherheit gefallen.

Geschaffen wurde es im Auftrag der Stadt und des Kulturbaufonds von der New Yorker Künstlerin Jenny Holzer. Ihr Konzept: Zitate aus Texten des Schriftstellers wurden in den Raum integriert, sind auf dem Mobiliar und den Gebrauchsgegenständen zu finden. Wer beispielsweise einen Kaffee trinkt, wird am Boden der Tasse nicht nur aus dem Kaffeesatz lesen können, sondern auch ein Graf-Zitat. 1997 wurde das Denkmal im Kaffeehaus, das sich im Münchner Literaturhaus am Salvatorplatz befindet, eingeweiht.

Das ist schön anzusehen, echte Fans können via Literaturhaus sogar ein Oskar Maria-Graf Gedeck erstehen und tragen damit zum Erhalt des Denkmals bei.

Was jedoch der gelernte Bäcker, der 1911 jedoch aus dem familiären Betrieb am Starnberger See in die bayerische Landeshauptstadt flüchtete, zum gastronomischen Konzept der Brasserie heute gemeint hätte – man kann nur spekulieren. Vielleicht hätte er – wie mein zehnjähriger Begleiter heute – irritiert auf Pasta- und Risotto-Variationen geguckt und dann resolut nach „Spätzle mit Soße“ verlangt. Eine der Lieblingsspeisen des Bäckersohnes war nach Auskunft seiner Witwe übrigens der Zwetschgendatschi. Und von dem behaupten die Augsburger, seit jeher im Clinch mit der nahegelegenen Landeshauptstadt München, er sei ihre Erfindung – weswegen Augsburg von den Münchner gerne auch etwas herablassend-spöttisch als „Datschiburg“ bezeichnet wird. Aber das ist eine ganz andere Geschichte und hat mit OMG gar nichts zu tun.

Hier geht es zum Lebenslauf von Oskar Maria Graf beim Literaturportal Bayern. Und hier ein Blick auf das OMG-Geschirr.

9 comments on “Essen mit Oskar Maria Graf: Niemand kann allein sein.”

  1. Ich liebe das Münchner Literaturhaus und das Geschirr ist richtig klasse. Bei den Preisen der Edel-Schickeria Kombüse hab ich mir allerdings schon das eine oder andere Mal überlegt, ob da nicht ein Tellerchen oder so im Preis mit inbegriffen ist 😉

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    1. Ja, es schmeckt fein – aber die Portionen sind recht überschaubar für den Preis…und leider habe ich auch keinen Teller mitnehmen dürfen, in der Annahme, er sei inklusive. Ich glaube, OMG würde das Essen, das es in seinem ehemaligen Geburtshaus gibt, mehr zusagen.

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  2. Wenn du mich fragst, der Oskar hätte darauf geschissen. Er liebte das Epatez le Bourgeois, vor dem Lenin-Mausoleum in Moskau fragte er, wo denn das Schneewittchen liegt und zum offiziellen Empfang des dortigen Schriftstellerkongresses kam er in Krachledernen. Und er blieb lieber in der Hillside Avenue im Norden Manhattans anstatt sich in München mit Federn schmücken zu lassen.
    Herzliche Grüße
    Gerd

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    1. Shit…:-) Ich hab gar nicht nachgeschaut, ob es auch Zitate in den Toiletten gibt 🙂

      Mit „ihm gefallen“ meine ich, die Idee ihm ein Wirtshaus als Denkmal zu setzen – das hätte ihm evt. zugesagt. Wirtshausgänger war er ja und einige seiner Romane – siehe den Sittinger – spielen zu einem Gutteil dort. (https://saetzeundschaetze.com/2015/01/25/oskar-maria-graf-anton-sittinger-ein-satirischer-roman-1937/)

      Aber eben in dem echten bayerischen Wirtshaus mit Stammtisch, kartenspielenden Grantlern, Politisieren, Weißbier. Das als „Denkmal“ – das wäre eine Idee gewesen. Die Brasserie heute passt freilich zu Denken und Schreiben von Graf so wenig wie – mir fällt jetzt kein gescheiter Vergleich ein.

      Liebe Grüße, Birgit

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  3. Schöner Beitrag, Birgit. Da bist Du mir thematisch glatt zuvorgekommen, genau die Nummer steht auch schon länger auf meiner Themenliste. Wahrscheinlich schieb ich es schon ewig vor mir her, weil ich mit der in meinen Augen doch etwas spinnerten Art der Ehrung des großen OMG irgendwie nix anfangen kann, und ich vermute, der hemdsärmlige und bodenständige Graf hätte das auch nicht, aber vielleicht lieg ich auch total daneben. Egal, meld Dich doch mal vorab, wennst wieder nach Minga kommst, vielleicht können wir uns auf einen Kaffee treffen, oder einen Zwetschgendatschi, im Literaturhaus…;-)))
    Viele Grüße + frohe Ostern,
    Gerhard

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    1. Hallo Gerhard,
      sorry, dass ich da im oberbayerischen Kulturrevier gewildert habe – mach Du halt trotzdem noch mal was, das ist sicher ganz anders. Wir haben uns heute dort die Zweigausstellung angesehen, gefiel mir gut. Wenn ich mal wieder nach Minga rübermache, melde ich mich – aber Zwetschgendatschi esse ich nur in Datschiburg, versteht sich 😃

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