Sollte es einen Codex für Literaturblogs geben?

2015-08-09 09.30.50

Meine schärfere Überschriftsvariante für diesen Beitrag war zunächst jene gewesen: „Lesen schützt vor Dummheit nicht“.
Das hätte sicher mehr Aufmerksamkeit auf den ersten Blick erregt. Und darum scheint es neuerdings ganz stark bei einigen im Literaturblogkosmos zu gehen. Einige Blogs sind, so kommt es mir vor, derzeit auf Krawall gebürstet. Wer lautstark poltert, der fällt auf – ganz nach diesem Motto. Nur: Nicht jeder verfügt über den feinen Ironie-Degen eines MRR oder auch eines Raddatz. Wo gesäbelt wird, da kommt nicht unbedingt die hohe Kunst der Rezension bei raus.
Einiges hat mich in letzter Zeit ins Grübeln gebracht – mein eigenes Blogverhalten betrachtend, aber auch das, was sich so in den letzten Wochen entwickelt zu haben scheint. Und es gefällt mir nicht, was sich da tut.
Wenn ein Blogger, den ich ansonsten sehr schätze, plötzlich in einem Kommentar die Buchillustrationen eines Verlages pauschal mit dem Wort „Geschmiere“ bedenkt, dann bekomme ich Bauchgrimmen. Auch angesichts der speziellen Geschichte im Umgang mit Kunst in diesem unseren Lande. Ich erwarte mir da in der Wortwahl mehr Feingefühl.
Man mag auch darüber diskutieren, ob es Männer- oder Frauenliteratur gibt, männliche und weibliche Archetypen, inwieweit Marketing (von der Buchgestaltung bis hin zur Buchbewerbung) Kaufentscheidungen beeinflussen. Wie ein Autor, eine Autorin aussieht, mag für manchen ausschlaggebend sein. Für mich nicht. Absurd wird es für mich jedoch, wenn die Entscheidung für das Buch aus diesen Gründen fällt: „Man mag es vielleicht oberflächlich finden, aber wenn ich den Roman einer Frau in den Händen halte, ist das Autorenfoto im Klapper für mich von kaufentscheidender Bedeutung. Finde ich das Foto nicht ansprechend oder sympathisch, dann kaufe ich das Buch in der Regel nicht.“

Ich schreibe hier von Leseerfahrungen mit Blogs, die sich gerne auch dadurch von der Masse der mittlerweile bestehenden Blogs abheben wollen, indem sie sich der anspruchsvolleren Literatur zu widmen scheinen. Die sich zudem gerne auch an der ebenso häufig wie sinnlos geführten Diskussion beteiligen, dass man(n) doch bitte auch gerne neben den Feuilletonisten als Blogger ernstgenommen werden möchte. Sinnlos in meinen Augen deshalb: Weil Literaturblogs eben aus einer Vielfalt bestehen – da schreiben Profis (und damit meine ich Germanisten, Literaturwissenschaftler, Journalisten), aber auch Leser aus Leidenschaft. Und das ist auch okay so – jeder findet seinen Blog, den er liest, jeder trennt für sich die Spreu vom Weizen.

Wer aber nach Höherem strebt, nach Anerkennung der Literaturblogs als Literaturvermittler, der bedenke bitte auch, dass Blogs öffentlich sind. Wir schreiben nicht in unser privates Tagebüchlein. Was wir schreiben, wird gelesen – und damit übernimmt man auch ein Stück Verantwortung und Vorbildfunktion, in der Sprache, für den Inhalt.

Gedankensprung: Eine Buchvorstellung bei der von mir sehr geschätzten Bloggerkollegin von „Elementares Lesen“ sprach Punkte an, die mir schon des längeren durch den Kopf spucken. Wie sehr verändert die digitale Welt unser Leben? Zitat: „Was verlieren wir, wenn wir so viel Zeit in der digitalen Welt verbringen? Verstehen wir noch die Realität? Haben wir noch eine echte Identität oder wird sie durch eine virtuelle Identität abgelöst?“

Im Virtuellen werden schnell auch die Grenzen eingespielter zwischenmenschlicher Umgangsformen überschritten. Ein Verriss ist schnell geschrieben. Ein Shitstorm tut scheinbar niemand weh. Man kann auch gerne und lang gedankenlos vor sich hinblubbern.

Ja, auch ich und meine wechselnden Kompagnons hier sind nicht frei vom Schielen auf Likes, Zahlen, Statistiken. Die ganzen Social Media-Spielzeuge wurden genutzt, um Aufmerksamkeit auf die Beiträge hier zu lenken. Aber warum und wieso? Was bringt es? Und warum sollte man sich mit all dem Drumherum und streckenweise auch „Gedankenmüll“ belasten, der dabei über einen hereinbricht?

Was länger gärte, ist jetzt entscheidungsreif. Der ganze sonstige Social media-Firlefanz wird in den nächsten Tagen gekappt. Wir – Claudio und ich – wollen uns hier auf dem Blog auf das konzentrieren, worum es uns geht: Auf das Buch. Und sonst nichts.

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Das Literaturblog Sätze&Schätze gibt es seit 2013. Gegründet aus dem Impuls heraus, über Literatur und Bücher zu schreiben und mit anderen zu diskutieren.

68 thoughts on “Sollte es einen Codex für Literaturblogs geben?

  1. Das ist ein schöner Beitrag und trifft eines der Probleme, die ich so habe: Ich schreibe ja relativ viele „Verrisse“, vielleicht bin ich ja einfach mäkelig, manchmal macht das auch Spaß, oft ist es aber doof. Ich würde ja gerne nur tolle Bücher lesen, aber irgendwie klappt das nicht – also Versuch ich halt, ehrlich zu sein. Aber ich hab halt schon wieder zwei Bücher gelesen, die ich in unterschiedlichem Ausmaß nicht so toll fand und hab keine Lust, was dazu zu schreiben. Ich überleg mir dann auch oft, wie ich mit sowas umgehen soll. Also, „sowas“ bin wohl ich selbst. Keine Ahnung. Ist es schlimm, Bücher zu verreißen? Einerseits ist es nur mein Blog, da kräht ja kein Hahn danach, andererseits ist es eben öffentlich und hinter jedem Buch stehen irgendwelche Leute, die daran gearbeitet haben… Ich weiß auch nicht recht.

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    1. Oh, damit ich nicht missverstanden werde: Ich will ja auch keine rosarote heile Bloggerwelt, in der alle sofort einhellig die nächste Neuerscheinung „genial“ und „super“ finden. Im Gegenteil: Eine kritische Auseinandersetzung tut not, für meinen Geschmack werden etliche Bücher von bekannteren Autoren oft zu schnell, zu unreflektiert und zu unkritisch kurz nach Erscheinen besprochen und gefeiert. Da tut eine Stimme wie die Deine auch mal ganz gut, die aus dem Kanon ausbricht und eine andere Meinung vertritt. Also: Es geht nicht darum, nicht zu kritisieren – aber um das wie.
      Was mir an deinem Blog gefällt:
      1. Du setzt Dich jeweils mit einem Buch und Deinem Missfallen daran auseinander
      2. Du bringst Argumente, du erläuterst, was Deine Kritik erregt
      3. Und Du unterscheidest auch zwischen „sachlichen“ Argumenten, legst aber ebenso offen, wo es um persönlichere, emotional geprägte Eindrücke geht.

      Wer Bücher schreibt und veröffentlicht, muss damit rechnen, dass Kritik kommt. Dass seine Arbeit, in die er unter Umständen Jahre investiert hat, zerlegt und für schlecht befunden wird. Dem setzt der Autor sich mit einer Veröffentlichung eben aus.
      Aber man sollte doch zumindest soviel Respekt vor der Leistung (die es bedeutet, ein Buch zu schreiben) haben, dass man sich mit der Kritik selbst ebenfalls Mühe gibt. Das ist meine persönliche Einstellung dazu.

      Ja, freilich, in einem Verriss steckt oftmals sehr viel mehr an Esprit, Geist, Witz als in einer positiven Besprechung. Geht mir auch so – da fällt mir das Schreiben leichter, da schreibt man sich „warm“ in der Auseinandersetzung.

      Aber was mir in letzter Zeit auf- und missfiel, ist:
      1. Der Verriss um des Verrisses willen – wenn ich den Eindruck gewinne, jemand schreibt negative Besprechungen, um sich von der Masse abzuheben, um elitär zu wirken etc. – dann folge ich diesen Kritiker nicht mehr.
      2. Der Kurzverriss in ein, zwei Sätzen – da geht es nicht um das Buch, um Argumente, es geht um die schöne bissige knackige Formulierung. Das finde ich nun gegenüber der Arbeit, die in einem Buch steckt, nicht angemessen.
      3. Der Verriss, der allein aus eigenen schrägen kruden Weltanschauungen gespeist ist – über den braucht man sich allerdings ja auch nicht weiter auslassen.

      Viele Grüße, Birgit

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      1. Liebe Birgit, Dankeschön! Ich denke, du hast schon recht mit allem – und es bringt ja auch keinem etwas, immer alles gut zu finden. Ich habe einfach nur mein Problem in deinen Beitrag hineinprojiziert, nämlich dass ich eben gar nicht so gerne Verrisse schreibe, grundsätzlich…
        Was ich aber ganz toll an der Bloggerei finde, ist das, was hier gerade passiert: Dass sich jemand zu etwas Gedanken macht, man selber dadurch ins Grübeln kommt und noch ganz viele andere sich ebenfalls dazu austauschen. Das ist schön!
        LG

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      2. Das freut mich sehr!!! Genau das habe ich mir erhofft – und freue mich, dass soviele Reaktionen, die sachlich und nachdenklich und überlegenswert sind, zurückkommen – dafür mein Dank zurück an alle Mitdiskutanten !

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  2. Das Unbehagen kann ich nachvollziehen, den akuten Auslöser dafür (Buchrevier) betrachte ich aber einfach als einen Schuss in den Ofen. Solche manchen befremdende Behandlung von Literaturthemen finde ich auch immer mal wieder im Feuilleton. Erinnere mich z. B. an den verletzenden Totalverriss von Judith Herrmann oder aktuell die Einschätzung von Weidermann bezüglich Milan Kundera. Dennoch werde ich jetzt mal in mich gehen und mir meine selbst gegebene Mission noch mal hinterfragen. Sie ist auf jeden Fall nie konkurrierend zum Feuilleton gedacht gewesen, sondern erweiternd im Sinne von gedanklicher Vielfalt zum Thema Literatur und was sie bewegt.

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    1. Ja, die Judith Herrmann-Geschichte ging mir gestern auch wieder durch den Kopf, den Weidermann-Beitrag zu Kundera habe ich noch nicht gelesen. Und man weiß ebenso, dass vor allem die „Literaturpäpste“ MRR und Raddatz nicht frei waren von persönlichen Eitelkeiten, dass ergo auch ihre Behandlung mancher Literaten und derer Werke nicht nur sachlich, sondern vor allem auch emotional geprägt war. Ich denke schon, dass die Mär von einer wissenschaftlichen, „überparteilichen“ Kunst der Rezension eben dieses ist – eine Mär. Schon die Auswahl dessen, was einer liest, ist mehr oder weniger bewußt von seiner inneren Haltung, seinen Werten und Anschauungen geprägt. Und natürlich sind wir als Menschen in einer Massenkommunikationsgesellschaft alle manipulierbar und verführbar. Auch das prägt Auswahl und Rezeption.

      Und da sind Blogs sicher auch zum überwiegenden Anteil auch viel ehrlicher – sie gaukeln in der Regel nicht vor, frei zu sein von persönlichen Vorlieben, Haltungen etc und Literatur aus einer anderen, „abgehobenen“ Spähre zu besprechen, wie es mancher Feuilletonist gern suggeriert.

      Ja, und auch das finde ich immer noch spannend und faszinierend an der Bloggerei – die andere, freiere Herangehensweise, die frechen Stimmen, die Chance, Literatur auch aus anderen Blickwinkeln zu betrachten und mit anderen Themen zu belegen.

      Nur – und das fände ich wirklich schön, wenn auch der Beitrag dazu anregt, immer wieder das eigene Tun zu hinterfragen.

      Was bedeutet Literatur für mich? Sie eröffnet ein Fenster zur Welt. Sie gibt Vorbilder. Sie prägt mein Denken und mein Menschsein. Sie trägt auch zu dem leicht verkitschten Begriff der „Herzensbildung“ ein. Literatur ist nicht nur Kunst für mich, sie ist für mich eine Form des notwendigen Humanismus. Sie zeigt mir Werte – im Umgang mit anderen, aber auch mit mir selbst – die ich leben möchte. Und das ist es, was ich mir als freiwilligen Codex selbst auferlegt habe – diese Ebene nicht zu verlassen resp. zu verlieren in dem, was ich als Selbstläufermechanismus in der Bloggerei empfinde. Man ist zu schnell, zu schnellschüssig, zu unüberlegt oft in dieser digitalen Welt.

      Herzliche Grüße, Birgit

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  3. Dass jedes noch so kleine Blog eine Erweiterung der Öffentlichkeit bedeutet und somit in die Gemengelage von „öffentlicher Meinung“ oder „öffentlichem Diskurs“ hineinspielt, muss man sich als Blogger, denke ich, schon vor Augen führen. Gleichzeitig muss man sich aber auch des Unterschieds zum Journalismus bewusst sein. Die Besonderheit des Blogs ist doch die, dass der Autor allein für seine Texte verantwortlich ist und nur sich und seine Ansichten repräsentiert, während Feuilletonisten als Vertreter eines bestimmtes Formates verantwortlich zeichnen, sich ihre Themenbereichen nicht unendlich frei wählen können und das Private (soweit nicht themenrelevant) ausschließen. Ein Blog bietet dadurch die Freiheit seine Beiträge in selbstgewählter Herangehensweise, in selbstgewähltem Ton zu verfassen – und bietet Lesern die Möglichkeit, Themen aus verschiedensten individuellen Perspektiven, die aus journalistischer Sicht manchmal auch kritisierungswürdig sein mögen, zu betrachten. Wer unabhängig schreibt, muss aber auch einstecken können – die Diskussionsbereitschaft finde ich da entscheidend. Wenn mal etwas inhaltlich daneben geht, findet das ja durchaus sein Echo, und als Blogger sollte man sich verpflichtet fühlen, diesem Echo auch zu begegnen. Auf meiner Seite habe ich das etwas unbeholfen mit dem Hinweis gelöst, man möge sich bitte bei mir melden, wenn da etwas Inhaltliches stört. Gerade weil ich so frei heraus schreibe, macht mir das Bloggen besonderen Spaß, aber ich übertrete vielleicht auch ebenso besonders unbedacht hier und da Grenzen. Ob aber ein Codex da überhaupt anwendbar ist – ob man sich erstens auf einen solchen einigen kann und ob er dann zweitens seinen Zweck erfüllen kann -, das kann ich mir aus praktischer Sicht nur schwer vorstellen. Die Frage ist für mich eher die, inwiefern sich der Markt da nicht doch selbst reguliert, wenn man ihm nur ein Weilchen Zeit lässt? …Und ganz kurz noch zu Social Media: Ganz abgekappt davon bin ich zwar noch nicht, ich lese zum Beispiel Facebook quasi als Newsfeed. Aber selbst beteilige ich mich eigentlich nirgendwo mehr, der Austausch verflacht und verquarkt zunehmend und in nervtötender Weise. Liebe Grüße, Sonja

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    1. Liebe Sonja,

      die Frage nach einem Codex war schon eher rhetorischer Natur – mir ist klar, dass sich das mit der Freiheit in der digitalen Welt nicht vereinbaren lässt. Und ich selbst würde mich ja in meinem Wunsch nach Entfaltungsfreiheit auch nicht unbedingt einem solchen Regelwerk unterwerfen wollen.

      Dennoch bin ich der Meinung, dass es nicht schadet, ab und an das eigene Tun zu hinterfragen – auch hinsichtlich dessen, was man veröffentlicht und was man damit unter Umständen auslöst.

      Mir ging es ja bei diesem Beitrag insbesondere um jene Literaturblogs, die sich schon aufgrund ihrer Follower-Zahlen und ihres Zugriffs auf ihre Seiten sowie bei den anderen „SM“-Geschichten (doofes Wortspiel, passt aber irgendwie) eben nicht mehr in dem halbprivaten, kleinen Bereich bewegen. Sondern um die, die von Hunderten gelesen werden und für jene z.T. auch zu „Leitmedien“ oder zur Orientierung werden. Könnte man ja auch sagen, das ist das Problem der Nutzer. Dennoch: Für mich selbst nehme ich in Anspruch, mein Tun und Schreiben immer wieder auch zu hinterfragen vor dem Hintergrund: das hier ist öffentlich und mittlerweile sehr öffentlich, was die täglichen Zugriffe anbelangt. Und das generiert eine Art „Selbstverantwortung“.

      Mir geht es auch nicht so sehr darum, dass man mal mit einer Bucheinschätzung daneben liegt oder ein flapsiger Spruch daneben geht. Passiert jedem. Aber mir geht es um grundsätzliche Wertehaltungen: Und da ist schnell mal im Digitalen die Grenze überschritten, leider. Wenn ich mit solchen -ismen konfrontiert werde, wage ich mal auch ein Wörtchen. Und hoffe, dass Nachdenken einsetzt.

      Liebe Grüße Birgit

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      1. Ja, diejenigen, die mit den höchsten Anzahlen an Followern und Aufrufen das meiste Gewicht ausmachen, geben mit ihren Arbeitsmethoden natürlich die Trends vor, die sich aber nur dann durchsetzen, wenn die Leser mitziehen. Der leserschaftliche Zulauf, den solche oder solche Blogs erhalten, besteht auch aus Klein- oder Nichtbloggern, die jene Trends wiederum auf eigene Beiträge oder Kommentare übertragen. Die allgemeine Atmosphäre, die das Blogwesen bestimmt, wird von allen geschaffen, die sich auf welche Art auch immer daran beteiligen. Ich finde sehr gut, dass du hier Aufmerksamkeit auf diesen Mechanismus lenkst und anregst, einfach mal bewusster hinzuschauen, äh, -lesen. 🙂

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  4. Ganz abkappen würde ich mich (und meinen Blog) von Social Media nicht, allerdings habe ich Twitter und Facebook niemals nur zum Marketing meiner Beiträge genutzt, sondern für mich sind es in erster Linie Plattformen zum Austausch und zur Information. Und da man sich dort seine Welt so machen kann, wie sie einem gefällt, möchte ich sie nicht missen.
    Aber ich habe gemerkt, wie sehr ich mich auf Twitter und Facebook verlassen habe. Als ich kürzlich ein Interview bei einem anderen Auftraggeber (ich bin Journalistin und Bloggerin) veröffentlicht habe, habe ich darüber bei Twitter und FB herumgetönt und es erst später ausnahmsweise auch im Blog verlinkt. Dadurch kamen noch einmal sehr viele Reaktionen von Menschen, die dort gar nicht und nicht so aktiv sind, so dass bei mir noch einmal das Bewusstsein dafür geschärft wurde, dass ich mich dort in einer Blase bewege, die nicht ausschließlich entscheidend ist – denn letztlich bin ich dort mit viel mehr Kolleg_innen und Blogger_innen verbunden als mit denjenigen, für die ich meinen Blog eigentlich schreibe: den Leser_innen.

    Und das gehört für mich mit zu den Entwicklungen, von denen Du oben sprichst: Ich habe den Eindruck, oftmals geht es gar nicht mehr um Leser_innen, sondern um Aufmerksamkeit von Verlagen, Journalist_innen und „Influencern“. Deshalb geht es bei Verrissen – von denen ich mehr lesen möchte, denn in vielen Blogs fehlen gut begründete Verrisse nahezu gänzlich – eher um pointierte Formulierungen als Argumente, werden möglichst provokante Meinungen formuliert, bei denen der Shitstorm vorprogrammiert ist (aber auch erst, wenn diese Meinung von gut vernetzten Leuten bekannter gemacht wird). Und ich will nicht unterstellen, dass es dabei um bewusste Entscheidungen geht, sondern vielleicht wird das Verhalten einfach von dem Wunsch nach Aufmerksamkeit befeuert.

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    1. Ja, dieses ganze Engagegement zusätzlich zum Blog in den diversen Kanälen hat auch seine Eigendynamik. Sowohl beim Wunsch nach Aufmerksamkeit, Abgrenzung, Besonderheit – und man verliert dabei unter Umständen den Leser und das Buch aus dem Blick. Als auch bei der Verführbarkeit zur schnellen Meinung, schnellen Reaktion
      Letztendlich ist es ja immer eine persönliche Entscheidung, wie weit man da mitgehen will. Wir haben da jetzt eben mal für den Blog hier einen Abschlusspunkt gesetzt, was die Social Media Geschichten angeht.

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      1. „Ich habe den Eindruck, oftmals geht es gar nicht mehr um Leser_innen, sondern um Aufmerksamkeit von Verlagen, Journalist_innen und “Influencern”“:

        Diesen Eindruck teile ich voll und ganz.

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      2. Das ist sowieso eine spannende Frage: Wer ist er eigentlich, dieser Leser? Die Leserin? Gibt es sie? Ich vermute schon – aber sie melden sich mit ein, zwei Ausnahmen leider auch selten zu Wort, hier auf dem Blog. Außer jene, mit denen ich im „echten“ Leben tatsächlich über die gesprochenen Bücher rede. Ich würde mir tatsächlich auch manches Mal mehr Reaktionen von Nicht-Bloggern auf einzelne Beiträge wünschen…
        Und das buhlen um Aufmerksamkeit bei Leuten aus der Branche, ja, das ist schon festzustellen. Wenn es in eine Art Wettbewerb mündet (irgendwann beteiligte ich mich an einer Diskussion zur „Professionalisierung“ von Literaturblogs – ich mag den Gedanken nicht), geht vieles von der ursprünglichen Leidenschaft und Intention verloren. Und der „normale“ Leser eh auf der Strecke – weil ich dann Bücher bespreche, die Publikum bringen (möglichst von ganz präsentablen Debütanten, läster).

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      3. Der Grund, warum sich hier wenige Leser zu Wort melden, wird die Tatsache sein, dass man sich auf Blogs immer irgendwie kurz anmelden muss. Ich sehe das ja bei mir: Ich habe kein Blog mehr, aber noch den Wp-Account, nutze ihn aber so gut wie nie zum Kommentieren. Auf FB kann ich sofort loslegen. Dort ist mein Dreh- und Angelpunkt für alles.

        Es gibt gewiss echte, nichtbloggende Leser. Oder: Zumindest mich 😉 Ich muss allerdings gestehen, dass ich die Blogs meist nur nutze, um nach neuem Lesestoff für mich Ausschau zu halten. Mein Kommunikationsbedürfnis ist dabei eher gering.

        Die Idee mit der “Professionalisierung” behagt mir auch nicht und ich bin mir auch gar nicht so sicher, ob die Diskussion darüber auf einen Literaturblog gehört. Mir ist in der letzten Zeit sehr aufgefallen, dass einige Blogger ruhig ihre Interessen verfolgen, andere hingegen immer lauter werden und über alles mögliche diskutieren, aber kaum über Bücher und deren Inhalte. Solche Gespräche führe ich eher mit Freunden, die nicht bloggen. Die dabei natürlich verdammt gut aussehen 😉

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  5. Liebe Birgit,
    Vielleicht ist gerade ein Zeitpunkt oder ein Stand der Dinge im Netz erreicht, sich Gedanken zu machen. Mir geht es auch so. Ich habe eine kleine Liste in mein nicht digitales Notizbuch begonnen mit deren Hilfe ich mir klar werden möchte, was ich will. Mein Blog ist ein Teil von mir und ich benötige ihn für meine Arbeit als Künstlerin. Ich frage mich, ob alles andere drumherum herum Eitelkeit ist. Ich weiß es noch nicht. Liebe Grüße und einen schönen Tag von Susanne

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    1. Liebe Susanne,
      für Dich sind diese ganzen Kanäle ja eine Plattform, um für Deine künstlerische Arbeit zu werben. Aber auch da kann ich mir vorstellen, dass man doch immer wieder hinschauen muss: Wieviel Zeit kostet es mich (z.B. Kontaktpflege via Facebook/Twitter) und was bringt es mir tatsächlich? An Kontakten, Ausstelllungsmöglichkeiten, Kunden, Verkäufen?
      Bei mir ist der Blog ja reines Hobby – und dafür habe ich eindeutig viel zu viel Zeit in dem ganzen Drumherum verplempert. Viele Grüße aus dem nassen Augsburg, Birgit

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      1. Liebe Birgit,
        es ist immer schwer zu sagen, von woher meine Kunden etc. kommen. Wenn ich sie persönlich kennenlerne, frage ich sie immer. Der Blog, die Bücher und auch Ausstellungen sind die häufigst genannten Quellen, woher mich die Kunden kennen. Es ist ein Mix aus allem. Aber auch Facebook wird häufig genannt.
        Ich sende dir sonnige Grüße aus Rom,
        Susanne

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  6. Mir stockte förmlich der Atem bei dieser leider – wie z. B. bei diesem besagten blog – immer noch oft erlebten Attitüde gegenüber weiblichen Was-auch-immer-innen. Die Schriftstellerinnen sind ja leider nicht die Ausnahme.

    Die Frage, was wir in der digitalen Welt verlieren, beschäftigt mich auch. Es treibt sich eine Menge Müll herum im weltweiten Netz – die Hemmschwelle ist anonym wesentlich geringer. Es ekelt mich an, anders kann man es nicht sagen. Komplette www-Abstinenz ist eine manchmal vorstellbare Alternative. Würde mir etwas fehlen? Könnte ich nicht mehr mitreden?

    Wer ein blog führt, tut dies aus aus eigenem Antrieb. Niemand wird dazu gezwungen und niemand sollte sich beschweren, dass er nicht gelesen wird oder dass er nicht ernst genommen wird. Mag sein, dass ich das bei einem Buchblogger, der sich auch professionell mit dem Schreiben beschäftigt, nicht so gut nachvollziehen kann, weil ich nicht aus dem Literaturbereich komme. Ich fühle mich nicht in meiner Berufsehre gekränkt, wenn mein Buchbeitrag keine Resonanz findet. Andrerseits stelle ich als Bauingenieurin auch keine statischen Berechnungen ins Netz und erwarte Schulterklopfen dafür.

    Ein blog, der heute einen hype auslöst, ist morgen eine lahme Ente. Wer nur glücklich ist, wenn er viele „likes“ bekommt, ist ein armer Hund. Wer ein virtuelles Sendungsbewusstsein hat, sollte vielleicht zum Arzt gehen. 😉 Und wer nicht mehr bloggt, kann darüber staunen, wie schnell er vergessen wird. Auch wenn das Heulen und Zähneklappern der Leser (follower) erst groß ist. Die Welt dreht sich tatsächlich weiter.

    Ein bisschen Trallafitti (über der Gürtellinie) in einem ansonsten seriösen Buchblog finde ich allerdings nicht so schlimm. Niemand kann ständig nur ernst und gewichtig sein. Das eine eine schließt das andere nicht aus. Und auch ein Gehirnchirurg kann nach der Op Witzchen machen. Deshalb ist er kein schlechterer Mensch. Oder unprofessionell.

    Vielleicht schreckt eine zu professionell „abgehobene“ Rezension auch den einen oder anderen potentiellen Leser ab. Wenn ich die Besprechung nicht verstehe, wie soll ich dann Lust verspüren, den Roman zu lesen? Ist es dann nur ein Beitrag für einen sehr überschaubaren Kreis an Gleichgesinnten, quasi in einem Elfenbeinturm? Kann man Lust aufs Lesen machen, ohne im Feuilletonjargon zu schreiben? Will man das überhaupt? Kann man intelligent und klar und einfach und ohne Klamauk über Literatur schreiben?

    Das frage ich mich als Laie.

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    1. Trallafitti – oh ja, auch das soll/muss sein und soll her! Es soll ja auch die Freude, den Spaß am Lesen weitergeben – und deshalb auch unsere verschämten Lektüren. Die Unterscheidung zwischen E und U, ich schrieb es schon mehrfach, finde ich eh trallalla. Also, das ist ja auch die Freiheit der Blogger: Genres sprengen, Ungewohntes lesen, Spaß am Tun vermitteln, nicht nur in seriösester Ernsthaftigkeit erstarren und von der Kanzel predigen.
      Und ja: Man kann. Intelligent und klar und witzig über Literatur schreiben.
      Aber Plattitüden und Attitüden wie die von Dir eingangs angesprochene: Bitte nicht.

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  7. Ich denke, man kommt nicht umhin, bei seinen Lesegewohnheiten im Internet wählerisch zu sein. Würde man sich über jeden Kommentar aufregen, der sich auf Kosten anderer profilieren möchte – man hätte ein kümmerliches und trauriges Leben. An dieser Diskussionkultur zeigen sich leider viel zu oft die Grenzen der Humanität. Damit kann man hadern und sich fragen, was das wohl zu bedeuten hat. Aber, genau, ignorieren kann man es ebenso wenig wie durch Verhaltensregeln oder ähnlichem gleichfalls von oben herab verordnen.

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    1. Meistens leider mehr Diskussion ohne Kultur – ob das nun die digitalen Shows oder die vielen Polit-Talks im TV anbelangt. Da habe ich mir schon ein dickeres Fell angelegt. Aber gänzlich ignorieren will ich auch nicht alle Tendenzen. Ich weiß, Regeln kann man nicht von oben verordnen – aber man kann und darf daran erinnern, dass es Regeln in der menschlichen Auseinandersetzung und dem Miteinander gibt…

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  8. Hallo miteinander, einige Gedanken von mir in Kurzform.
    A.) Manchmal fühlen sich kleine Gorillamännchen bemüßigt, Krawall zu machen, auf den Tisch zu trommeln und laut zu brüllen. Das geht vorbei, einfach aussitzen. Oder einen kräftigen Knuff in die Seite geben, dann sind sie wieder ruhig. (Ich sage das, weil ich die beiden angesprochenen Herren kenne; die vertragen das.)
    B.) Meinung und Haltung sind per se nichts Negatives. Auch einen Kurzveriss in klaren, harten Worten akzeptiere ich als Leser, wenn er sich aus einer schlüssigen Gesamthaltung des Verfassers ergibt. Heute Hüh, morgen Hott dagegen geht gar nicht. Genauso erlaube ich mir als Verfasser meiner Artikel klare Kante, wenn nötig. Das Gesamtpaket muss stimmen. Ein Blog baut nur Vertrauen auf, wenn er einen steten Kurs hält und nicht in Schlangenlinien herumkurvt. Gleiches gilt für „Groß-Kritiker“ im klassichen Feuilleton.
    C.) Glaubwürdigkeit, eindeutige Haltung, ein klarer Kurs in Stil und Argumentation, eine persönliche Linie (inhaltlich und stilistisch); wenn mir ein Blog dies bietet, folge ich ihm, verzeih‘ ihm dann auch die ein oder andere Entgleisung (vor denen niemand gefeit ist) und trete gern ins (auch kontroverse) Gespräch ein. (Das gilt, noch einmal, explizit auch für die beiden oben geschilderten „Fälle“.)
    D.) Ich vermisse eine echte Gesprächs- und Kommentarkultur in vielen Blogs und Foren. Zwischen den Extremen „knuddelige Sympathiebekundung mit Herzchen und Smiley“ und dem „Shit Storm resp. wüste, argeumentationsarme Beschimpfung“ ist noch sehr viel freier Raum, der leider selten ausgefüllt wird. Es gibt Ausnahmen, doch die sind selten. Vielleicht wird die alte Regel, erst denken, dann posten/reden/kommentieren, zu selten angewendet.
    E.) Die Social Media Arbeit und Abhängikeit ist ein zweischneidiges Schwert. Sie hilft und nervt. Das eigene Maß des Engagements zu finden ist harte Arbeit. Dass Birgit nun die Leitungen kappt, finde ich persönlich bedauerlich, aber akzeptiere ihre Haltung.
    Entschuldigt, wenn ich wieder zu viel geschrieben haben sollte, ohne wirklich viel zu sagen. lg_jochen

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    1. Lieber Jochen, nö, hast Du nicht. Und von Punkt A bis D kann ich Dir da eine knuddelige Sympathiebekundung zurückgeben, soll heißen: ja, ja, fast ja, ja, ja, ja. Das mit den Gorillamännchen finde ich toll, weil das von einem Mann kommt (ich hätte es nicht gewagt zu schreiben, habe es aber auch so empfunden und mich bemüßigt gefühlt, mal ein bißchen Dian Fossey zu markieren). Zu D: das wäre mein großer Wunsch. Mehr Diskussion statt entweder Daumen hoch oder Shitstorm. Ein bißchen was dazu entsteht ja heute und hier zu diesem Beitrag – wäre aber auch schön, wenn das stattfände im Bereich der Buchbesprechungen oder über Autoren (so hat das doch auch was von Nabelschau). Kurzverrisse: Nun ja und eben nur dann, Zitat Jochen: „wenn er sich aus einer schlüssigen Gesamthaltung des Verfassers ergibt. “

      Und zu E: Es nimmt einfach zuviel Zeit ein, die mit Lebens- und Lesensqualität gefüllt sein möchte. Aber ich lese von und mit euch ja hoffentlich weiter auf dem Blog. Und wenn nicht, dann fange ich jetzt an mit Krawall-Beiträgen 🙂
      LG Birgit

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  9. Liebe Birgit, da hast du eine große Diskussion angestoßen. Ich gebe zu, dass ich mich zur Zeit noch um solche schweren Brocken drücke. Was mir an Blogs gefällt, dass es eben Verrisse, auch launische gibt. Die gehen für mein Gefühl oft auch, will sagen, wer im Feuilleton einer „wichtigen“ Zeitung Negatives von sich gibt, macht das meist gleich im Ton des obersten Richters. Vielleicht aus Rechtfertigungsdruck, weil ja eigentlich eher Positives gewünscht ist. Ein Verriss ist ungleich schwieriger zu schreiben, weil man alle Kriterien fairerweise aufzeigen sollte. Fehlende Kriterien können bei Blogs durchgehen, wenn es eine „leichte“ Kritik ist in dem Sinn, dass sie nicht als Kriegserklärung geschrieben ist oder zum Recht haben. Pauschale Urteile gehen hier wie da nicht. – Themenwechsel: Komischerweise trifft diese Sympathie, die ich Autor/innen-Fotos bezeuge, auch mein Kaufverhalten. Ich denke nicht, dass es dabei um Erotik oder Schönheit an sich geht, aber ich habe mich schon oft dabei ertappt, ein Buch von jemandem, den ich auf dem Foto unsympathisch finde, nicht gekauft oder ausgeliehen habe – !? Das werde ich verfolgen.

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    1. Liebe Stephanie,

      Du schreibst, ein Verriss ist ungleich schwerer zu schreiben.
      Ich schrieb: Ein Verriss schreibt sich schnell.
      Stimmt beides – denn Verriss ist eben nicht Verriss.

      Einer, der mit Argumenten unterfüttert ist, der stilistische oder inhaltliche Mängel aufführt, kurzum, der auch von Sachkenntnis geprägt ist, der schreibt sich tatsächlicher schwerer als eine „Belobigung“, insbesondere, wenn man mit seiner Meinung dann evt. gegen den Mainstream anschreibt.

      Ganz leicht dagegen kann man mal so einen „launischen“ Verriss raushauen, bei dem man sich dann vielleicht am eigenen Sprachvermögen ergötzt und ereifert, rein geschmäcklerisch argumentiert oder in seiner Kritik sogar vor allem durch nicht-literarische Motive angetrieben wird.
      Das schreibt sich ja wunderbar schnell, launisches Lästern befreit die Seele.

      Nur: Die Zeit sollte ich mir nehmen, das vor Veröffentlichung vielleicht noch einmal zu prüfen.
      Den die Grenze zwischen „launiger“ Kritik und unqualifizierter Polemik kann halt mal schnell überschritten sein.

      Zu den Autorenportraits: Sicher ist keiner ganz frei von solchen Einflüssen. Natürlich denke ich mir auch, wenn ich z.B. Jonathan Franzen sehe: „Oh, ein schöner Mann (für einen Schriftsteller)“. Bei Houellebecq denke ich das freilich nicht 🙂 Und klar ist auch, dass die Verlage den optischen „Sympathiewert“ einer Autorin, eines Autoren nutzen („Frau Mantel, bitte nicht lächeln, ist besser für das Klappenbild“). Das Buchgeschäft ist letztendlich eines: Ein Geschäft. Und da wird der Inhalt via gut gemachte Verpackung verkauft.

      Da erwarte/erhoffe ich mir von den Bloggern – die ja letzten Endes auch selbstbestimmte „Konsumenten“/Verbraucher sind – ein wenig kritische Distanz. Insbesondere, wenn offensichtlich wird, dass die Verpackung weit mehr zu zählen beginnt als der Inhalt. Dass eben eher Bücher verlegt werden von „präsentablen Debütantinnen“ denn von – ja was? unpräsentablen?

      Mein Beitrag und etliche der Kommentare beziehen sich auf einen Blogbeitrag eines männlichen Bloggers, der sich über „schreibende Schönheiten“ äußert. Verlinken oder ausführlicher darauf eingehen will ich hier nicht – er war nur ein Anlass, um die Diskussion anzustoßen. Und im Sinne einer launischen Kritik: Der genannte Beitrag nur einer Form dieser Kommunikationsmethode: https://www.youtube.com/watch?v=pnv5W3terHk

      Viele Grüße, Birgit

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  10. Hallo Zusammen!
    Zu Jochen: Wieso ist denn Meinung und Haltung per se nichts Negatives? Das sehe ich nicht so ,denn eine menschenverachtende oder, wie hier im betreffenden Blogbeitrag, eine etwaige frauenfeindliche Position, ist eine Haltung und Lebensphilosophie,die nicht mit meinem Menschenbild konform geht. (Auslöser war in diesem Fall ja auch keine Rezension,sondern eine Darstellung der eigenen Werte und Haltung des betreffenden Bloggers).Dazu darf ich dann aber auch Stellung nehmen.
    Generell herrscht in verschiedenen Blogs ein Schnodder – Ton vor,der irgendwie zum guten Ton zu gehören scheint.Und damit meine ich nicht Humor oder Ironie,die durchaus angebracht sein kann,und vielleicht auch Diskussionen anstößt.Ich meine den Schnodder – Ton ,der unter die Gürtellinie geht,der verletzt oder einfach unsensibel und unangebracht ist. „Die ein oder andere Entgleisung“ das kann passieren ja,oder auch Mißverständnisse können entstehen,und vielleicht muss man Geschriebenes gar revidieren.Uns allen passiert das. Aber die Verantwortung von der Birgit spricht ,die gibt es tatsächlich. Es scheint aber irgendwie verpönt zu sein,als Blogger über solche Begriffe zu sprechen,es kommt so gewaltig daher… – das Wort Verantwortung.Aber( hier noch ein gewaltiges Wort),ich finde Verantwortung ist eine NOTWENDIGKEIT. (Bitte steinigt mich jetzt nicht.) Mensch Päddra

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    1. Liebe Päddra, beleidigende, menschenverachtende oder herabsetzende Äußerungen sind für mich nicht Meinung oder Haltung. Das ist Schnodder, wie dur richtig sagst.
      Was ich zu Meinung und Haltung bemerkt habe, bezog sich hier gar nicht so sehr auf die konkreten Fälle, die Birgit angesprochen hat, sondern allgemein auf Urteile, die in Blogs über Bücher und Themen fallen können und dürfen. Wenn die aus einer festen, geradlinigen Position heraus erfolgen und begründet werden, dann akzeptiere ich das. Ich lese gerne auch einen Veriss, selbst einen kurzen, wenn er aus einer über einen längeren Zeitraum gefestigten Haltung erfolgt. Ich muss nicht derselben Meinung sein, aber ich weiß, der andere schreibt das jetzt nicht aus Daffke, sondern eben aus seiner Haltung und Position heraus, die sich entwickelt und gefestigt hat. Selbst vereinzelte Entgleisungen nehme ich dann gelassen hin, nicht jeder ist an jedem Tag gleich aufmerksam und sorgfältig. Sobald aber aus welchen Gründen auch immer indoktriniert, aufgezwungen und gepöbelt wird, hört der Spaß sehr schnell auf. Denn eine gewisse Verantwortung ist nötig; da bin ich mit Dir ganz auf einer Linie.
      Zu den beiden konkreten Fällen möchte ich gar nichts mehr hinzufügen, da ich beide Autoren persönlich kenne und ihnen über verschieden Kanäle schon alles nötige gesagt habe. (Andere übrigens auch).
      Hoffe sehr, mich halbwegs verständlich ausgedrückt zu haben. Wenn nicht, einfach nochmal nachfragen, bitte. lg_jochen

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    2. Liebe Petra, lieber Jochen, ich glaube, Ihr habt das jetzt untereinander gelöst? Und vielleicht festgestellt, dass ihr nicht so weit auseinander seid – ich wollte mich jetzt nicht voreilig ein mischen.

      Und, liebe Petra, Du weißt: gesteinigt wird hier (bei mir) niemand. Dass Du als Leserin schreibst, was dich stört, finde ich sehr gut und legitim – das sollte und könnte ja auch für manchen Blogger mit ein Denkanstoß sein.

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      1. Liebe Birgit,lieber Jochen!
        Ich finde es gut ,sachlich und freundlich(oder auch hitzig) über eineSachlage zu diskutieren und empfinde das als sehr fruchtbar.Auch ein Perspektivenwechsel der sich aus solchen „Gesprächen“ ergibt,ist ja hilfreich.Und natürlich muss man nicht immer einer Meinug sein.Es geht in dieser Diskussion um unterschiedliche Themen. Deshalb hier nur noch eben angemerkt: Ich mag sehr viele ,sehr unterschiedliche (Literatur)blogs,und lache gerne über auch mal über rüde Witze,aber bestimmte Themen sind (mir persönlich ) zu sensibel um über sie derart „vom Leder zu ziehen“.Es grüßt euch Petra

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      2. Liebe Petra,
        ja, das Aufeinanderprallen verschiedener Meinungen kann befruchtend sein – für beide Seiten. Wenn man sich denn entsprechend offen auch und aufnahmebereit begegnet. Da kann auch mal ein Satz, ein Wort daneben treffen oder was übers Ziel hinausschießen – das ist kein Drama, wenn man sich erneut verständigen kann bzw. wenn man sich auf eine gewisse Grundhaltung verlassen kann.
        Aber es geht eben auch, wie Du bereits im vorherigen Kommentar auch angemerkt hast, manchmal um grundsätzliche Haltungen. Ich wollte nicht zu sehr auf diesen bereits mehrfach angesprochenen Blogbeitrag eingehen, um hier keinen Pranger zu eröffnen, sondern eine Diskussion – aber mir geht das Thema schon noch im Kopf rum. Es ist dieses Zitat aus dem Blogbeitrag, das ich hier bringe, an dem ich mich am meisten stoße. Das Foto – nicht der Inhalt, nicht das Thema, nicht die Sprache – ist von kaufentscheidender Bedeutung. Gedankenspiel: Man tausche hier einige Wörter aus.
        Z. B. Ich als Europäerin habe heuer zum ersten Mal in meinem Leben mehr Bücher aus Afrika gelesen denn aus Europa. Man mag das vielleicht oberflächlich finden, aber wenn ich einen afrikanischen Roman in den Händen halte, dann ist das Autorenfoto für mich von kaufentscheidender Bedeutung. …
        Könnte man beliebig durchvariieren und was dabei rauskommt, ist: Ausgrenzung.
        Und hat nichts mit literarischen Kriterien zu tun. Letzten Endes denke ich mir aber: Wer so an Literatur herangeht, der nimmt sich selber viel weg – an Erfahrungsmöglichkeiten und an Vielfalt, an Horizonterweiterung etc.
        Zumal, wenn man den Maßstab „Schönheit“ anlegt: Einige der schönsten Texte schrieben Männer (!) und Frauen, die mit dem Schreiben ihr Leiden an körperlichen „Benachteiligungen“ verarbeiteten und kompensierten, ich meine sogar: die meisten der klassisch guten und berühmten Texte entstanden aus einem Gefühl des Defizits, das der/die Autorin empfand und aus großem persönlichen Leid. Und das hat doch mehr mit innerer denn äußerer Schönheit zu tun. Liebe Grüße Birgit

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  11. Das ist ein aktuelles wie brisantes Thema, eine interessante Fragestellung. Ich stimme dir zu, dass auch eine Kritik gut formuliert, aber auch mit Argumenten unterlegt werden sollte. Nur laut aufzuschreien, bringt nichts. Obwohl ich allerdings manchmal das Gefühl habe, wer am lautesten schreit, wird eher und von mehr Menschen gehört. Vielleicht kommt ja dies aus früheren Jahren der menschlichen Existenz. Aber ich finde, Respekt vor dem Autor und dem Verlag ist wichtig. Wir wollen ja auch respektiert werden.
    Zum zweiten Thema: Social Media sind noch immer wichtige Werkzeuge, um den Blog in die Öffentlichkeit zu bringen und auch Diskussionen zu führen. Ich habe leider noch keine Plattform gefunden, die interessante und gute Buchblogs per Link zusammenführt, obwohl in der Vergangenheit die Vernetzung stärker geworden ist und die Blogger auf die Kollegen aufmerksam macht. Vielleicht gibt es ja mal die Möglichkeit, aus den Beiträgen auf Blogs eine Literatur-Zeitschrift zu machen.

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  12. Liebe Constanze,
    ja, gegenseitiger Respekt wäre wünschenswert – auch in der Kritik. Wie es so schön heißt: Hart, aber fair. Wobei ich dem Autor noch mehr einräume als dem Verlag. Und da auch bei mir Ungleichgewichte feststelle: Ich bin zögerlicher beim Verriss eines Buches aus einem Independent-Verlag, der ja noch viel mehr krebsen und schuften muss, um seine Bücher bekannt zu machen als bei einem Buch aus einem der bekannten, großen Häuser…Die Vernetzung finde ich durchaus wichtig und gut – aber ich wünschte mir eben auch weniger schnelllebige und oberflächliche Medien als die bekannten FB und Twitter – da rauscht alles durch, da musst du wohl schreien, um aufzufallen. Eine gemeinsame Literatur-Zeitschrift fände ich eine tolle Sache – beispielsweise mit Pro- und Contra-Rezensionen etc. Aber: Die liebe Zeit….

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  13. Liebe Birgit, schöne Fragen hast du da aufgeworfen und aufgegriffen, und die rege Diskussion, die sich daraus ergeben hat, ist wirklich klasse. Manches scheint mir gar nicht Literaturblog-spezifisch zu sein. Dass Leser und Leserin nicht umhin kommen, jede(r) für sich die Spreu vom Weizen zu trennen z.B. – inhaltlich ebenso wie mit Blick auf die Umgangsformen auf dem jeweiligen Blog. Auch die Frage, was wir u.U. verlieren, wenn wir viel Zeit in der digitalen Welt verbringen, kann am Ende wohl nur jede(r) für sich beurteilen. Zivilisierte und respektvolle Umgangsformen sollten es jedenfalls zuletzt sein. Ich selbst stelle mir bei eigenen Posts wie auch bei Kommentaren gern die (Kontroll-)Frage, ob ich dasselbe Betroffenen oder dem Gegenüber auch bei einem Bier in der Kneipe, auf der Straße oder sonstwo sagen würde.

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    1. Liebe Maren,
      ja, auch ich freue mich an dieser regen Diskussion, die doch auch Stoff zum Weiterdenken bietet. Vieles ist sicher nicht literaturspezifisch, aber ich in meinem grenzenlosen naiven Glauben an die bildende Kraft der Literatur bin halt manchmal doch noch erschütterbar, wenn ausgerechnet hier so ganz profane „Menschlichkeiten“ offenbar werden…Und meist geht es ja wohl im Netz in anderen Bereichen, z.B. wenn es um Politik geht, noch viel derber zu. Deine Kontrollfrage stelle ich mir häufig auch selbst und bremse meinen Hang zu Bissigkeiten aus. Ich frage mich aber auch bei anderen: Würden die ohne die relative Anonymität des Netzes oder bei einer persönlichen Begegnung auch so daherreden? Liebe Grüße, Birgit

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  14. Liebe Birgit,
    zu Deinem Text möchte auch ich ein paar Anmerkungen machen:
    Erstens finde ich es sehr gut, dass Du nun in einem eigenen Beitrag und anhand zweier Beispiele Dein Unbehagen zu Entwicklungen in der Bloggerwelt zum Ausdruck bringst. Das führt zum einen zu einer Diskussion und zu einer Auseinandersetzung um einen „Codex“ oder um „Grenzen“, wie es jetzt auf Deinem Blog nachzulesen ist. Zum anderen aber, und das finde ich fast noch viel wichtiger, hast Du mit Deinem Beitrag der Kritik, dass es eben Grenzen „des guten Geschmackes“ gibt, eine Stimme gegeben. Ich habe beide Texte gelesen, mich kurz gewundert, meine Verwunderung aber nicht weiter verfolgt, handelt es sich doch um angesehene und üblicherweise auch seriöse Blogs, die bestens vernetzt sind. Indem Du hier nun noch einmal die Finger in die Wunde legst, kommt es ja vielleicht zu einem Veränderungsprozess, zu einem bewussteren Umgang mit Verantwortung, wie hier auch schon zu lesen war. Das wäre doch ein gutes Ergebnis Deines Beitrages.
    Zweitens lese ich gerade Beiträge, bei denen ich mich „wundere“, auch sehr deutlich mit dem „Selbstoffenbarungsauge“ (in Anlehnung an das entsprechende Ohr aus der Schulz von Thun´schen Kommunikationstheorie). Das heißt: Es bleibt zumindest ein Missklang bei mir hängen, weitere Beiträge lese ich vielleicht gar nicht mehr (so ist es mir mit dem Klappenbilder-Blog gegangen und ich wusste bis heute Morgen auch nicht mehr, warum ich mich einmal so entschieden habe) oder nur noch sehr kritisch, immer auf der Suche nach weiteren allzu meinungsfreundlichen Formulierungen. Mit anderen Worten: Die Autoren sind vielleicht einmal laut und bekommen Aufmerksamkeit. Ein gutes Image verschaffen sie sich damit nicht unbedingt. „Nachhaltigkeit“ kann ja auch ein Ziel des Bloggens sein.
    Drittens ist eine komplexe Auseinandersetzung mit der Literatur, und damit meine ich auch eine, die auch auf weniger Gelungenes verweist, ganz wichtig, damit wir hier eben gerade nicht zu Werbekampagnen der Verlage verkommen (auch dahin scheint es mir durchaus Entwicklungen zu geben, das ist aber ein ganz anderes Thema). Dazu bedarf es Kriterien und Begründungen – und auch einer Wertschätzung den Autorinnen und Autoren gegenüber, aber auch gegenüber einem Verlag (der ja meistens auch eine „strategische Ausrichtung“ hat, die man ihm dann eben gerade nicht zum Vorwurf machen kann). Das Aussehen wiederum gehört ja auch im Zusammenhang mit dem geschriebenen Wort nicht wirklich zu einer sachlichen Auseinandersetzung – wir sind ja gerade nicht bei Germany´s next Topmodel. Obwohl mir wahrscheinlich, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, genau dieser Beurteilungsansatz schon durch den Kopf gegangen ist, als ich mich gegen Fotos auf meinem Blog entschieden habe… Wer hätte mir dann schon eine Chance gegeben?
    Für Deinen wichtigen Beitrag also vielen Dank. Und bleib uns bloß wenigstens als Bloggerin erhalten!
    Viele Grüße und erholsame Osterfeiertage – mit vielen guten Büchern wünscht Claudia

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    1. Liebe Claudia,

      danke – ich bin tatsächlich sehr erleichtert auch, dass ich mit meinem Unbehagen an manchen Ausformungen nicht alleine da stehe, also besonders überkorrekt und schulmeisterlich bin, sondern dass das offenbar auch doch von nicht wenig anderen ebenso empfunden wird. In der Regel halte ich es auch so: ich lese was, schüttle den Kopf, überlege, ob es ein „einmaliger“ Ausrutscher des Bloggers/der Bloggerin ist, und entscheide dann, ob ich dem Blog weiterfolge oder nicht (wenn sich so was als Grundhaltung rauskristallisiert). Meist kommentiere ich auch nicht – aber das Thema war bei mir nun einfach virulent.

      Es gibt einen guten Grund, warum der Presserat einen Pressekodex geschaffen hat. Zwar schützt auch dieser nicht vor einer Verflachung der Berichterstattung oder vor bestimmten Auswüchsen (wahrscheinlich gehört es bei einem Bild-Reporter zur Berufsehre, einmal vom Presserat gerügt worden zu sein). Aber er ist ein Orientierungsinstrument, der für die meisten Medien eine hohe Verbindlichkeit hat.

      Gut, Literaturblogs werden zum überwiegenden Teil als Hobby betrieben, da wäre so etwas nicht durchzusetzen und vielleicht auch übertrieben. Letztendlich liegt die Entscheidung bei jedem einzelnen, wie er hier agiert, auftritt und wem er folgt. Aber es ist eben ein Hobby mit Außenwirkung – und dessen sollte man sich einfach bewußt sein. Und vielleicht ab und an im Rahmen einer „freiwilligen Selbstverpflichtung“ sein eigenes Tun hinterfragen. Einen bestimmter Umgang mit Menschen, im Umgang mit Literatur – das finde ich für mich persönlich wichtig und ist auch ein Kriterium, nach dem ich anderen Blogs folge.

      Zu dem zweiten von Dir angesprochenen Punkt, das Verhältnis von Literaturblogs und Verlagen. Einerseits ist es ja erfreulich, dass die Literaturblogs inzwischen ja durchaus mehr Wahrnehmung in der Branche allgemein erfahren. Ich denke jedoch, das Verhältnis ist gerade auch an einem sensiblen Punkt: Blogs werden durchaus als Marketinginstrument entdeckt. Auch hier wird es sicher die Zeit erweisen: Wer bleibt als Literaturblogger meinungsunabhängig, wer nicht?

      Und liebe Claudia, natürlich blogge ich weiter über Bücher – hier. Und wie die Diskussion zu diesem Beitrag zeigt: Auf dem Blog macht das auch Sinn. Da kann es mal zu solchen ernsthaften Austauschen und Auseinandersetzungen kommen. Die weiteren Social Media Kanäle sind dafür nicht geschaffen – und tatsächlich nichts anderes als Zeitfresser.

      So, nachdem wir hier Minustemperaturen und Dauerregen hatten, ich Halsweh und Erkältung, glänzt der Karfreitag mit Sonne – soll aber nicht anhalten. Das heißt: Bücher lesen und Ostereier im Keller verstecken. Ich wünsch Dir auch schöne Feiertage und erholsame Osterferien!

      Liebe Grüße, Birgit

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  15. Danke, Birgit, kann Deine Gedanken sehr gut nachvollziehen.
    Ich fand den polternden Blogbeitrag zur Büchergilde und deren Gestaltung auch daneben. Buchgestaltung ist Geschmacksache – anders als Literatur, für deren Beurteilung gewisse feststehende Faktoren herangezogen werden können. Ich fand es auch ziemlich humorlos geschrieben (bzw. ist das nicht mein Humor, habe auch schon etwas über Buchgestaltung geschrieben, aber versucht, eine feine Ironie zu pflegen).
    Zum Verhältnis zwischen männlichen Lesern und ihrer Bewunderung für gutaussehende weibliche Autorinnen sind mir schon mehrere Blogs negativ aufgefallen. Das ist eine unkritische Fanhaltung, die sich an Äußerlichkeiten orientiert und etwas Sexistisches hat. Ich habe dafür eigentlich nur Mitleid übrig. Ich finde, Buchrezensionen (auch in Blogs) sollten eine Trennung zwischen Werk und AutorIn hinbekommen. Die Buchindustrie arbeitet aber genau am Gegenteil und neben den Schubladen „Genie“ oder „Literaturnobelpreisträger“ ist die „junge charmante Newcomerautorin“ eine Kategorie, mit der versucht wird, Kasse zu machen. Natürlich interessieren mich auch die Personen, die da schreiben, und ihre Geschichte. Es gibt aber genügend Beispiele, dass gerade die langweiligsten Menschen die beste Literatur geschrieben haben: Kafka, Pessoa, Marlen Haushofer… Literatur bringt das Innere eines Menschen zum Vorschein, wen interessiert denn, ob er äußerlich gängigen Schönheitsidealen entspricht?
    Für Deine Entscheidung, soziale Medien nicht mehr zu nutzen, zolle ich Dir großen Respekt. Ich selbst hatte nie einen Facebook-Account und trotzdem finden Leute ihren Weg zu meinen Blog, Twitter sehe ich eher als Spielerei an (nutze es auch selten). Daher kann ich Dich ermutigen: es geht auch ohne!
    Herzliche Grüße
    Tobias

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    1. Lieber Tobias,

      die Trennung zwischen Werk und Autor…das wäre sowieso mal ein ganz eigener Beitrag, eine ganz eigene Beitragsreihe. Aber das eben nicht auf oberflächliche Äußerlichkeiten bezogen.

      Mir gelingt es beispielsweise nicht mehr, Walser und Handke unvoreingenommen zu lesen.Da schaffe ich die Trennung zwischen Werk und politischem Auftreten nur schwer. Wenn ich Walser lese, schwingt seine Frankfurt-Rede mit.

      Bei anderen Autoren/innen habe ich mir zuerst Rüstzeug in Form von Biographien angeeignet, bevor ich etwas von ihnen las. Aber eben: Da geht es um das „Innere“, die psychische und geistige Welt des Schriftstellers, die sein Werk natürlich immer beeinflusst (auch wenn man deswegen nicht alles Geschriebene aus der BIographie heraus erklären darf und kann). Da kann ich manchmal schon sehr schwer Werk und Autor getrennt sehen, da bringe ich natürlich meine eigenen Wertvorstellungen, Haltungen und Voreingenommenheiten mit – Beispiel: Ernst Jünger.

      Zu dem angesprochenen Beitrag – das ist die eine Seite eines Sexismus, der als „Bewunderung“ daherkommt (präsentable Debütantinnen). Die andere war in der Causa Lewitscharoff festzustellen: Auch wenn ich alles ablehne, was die Schriftstellerin seinerzeit zur künstlichen Befruchtung etc geäußert hat, hat es mich dennoch entsetzt und abgestoßen, was dann in der Folge über sie zu lesen war – in seriösen Medien ebenso wie in Social Media Kanälen. Das ging natürlich in die Richtung: Wenn eine aussieht, wie die…

      Nun ja.

      Es grüßt Dich herzlich Birgit

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  16. Liebe Birgit,
    ich vergleiche das immer mit den Prä-Internet-Zeiten, zu denen ich auch schon Rezensionen etc. geschrieben habe. Es gab damals, ähnlich den heutigen die Blogs, sogenannte „Fanzines“, selbst hergestellte Literaturmagazine unterschiedlichsten Niveaus. Auch da gab es immer mal wieder Aufreger, Entgleisungen u.ä. Der Unterschied zu den heutigen Blogs ist aber, dass diese Fanzines in der Regel Auflagen von 50 bis ca. 200 Stück hatten und spätestens bei Erscheinen der Folge-Nr. wieder vergessen waren. Haut man heute in einem Blog etwas raus, das allgemeinen Zündstoff liefert, lesen das ungleich mehr Leserinnen und Leser. Hinzu kommt, dass über die Google-Suchen auch Nicht-Blogger bei den Blogs landen. Im Gegensatz dazu handelte es sich in den gedruckten Zeiten nur um eine stark begrenzte Gruppe von Interessenten, zu denen sich nie jemand von „außerhalb“ verirrt hat. Was ich damit sagen will: Alles, was man in einem Blog schreibt, potenziert sich über Blogrolls, Google, Facebook etc. um ein Vielfaches. Daher gebe ich dir, Birgit, absolut Recht, wenn du sagst, dass man als Blogger Verantwortung trägt und eine gewisse Vorbildfunktion hat.
    Was diese Sache mit den Autorinnenfotos anbelangt, stellt sich für mich da eine ganz andere Frage. Schon allein, dass Verlage das Foto-Thema zur Lesermanipulation nutzen, zeigt ja, dass man darauf spekuliert, dass es ansatzweise in jedem Menschen steckt, sich von so etwas beeinflussen zu lassen. Was kann man tun? Sich dafür schämen, dass man diese und jene Autorin besonders attraktiv findet? Besser finde ich, es zu erkennen und bewusst nicht mitzumachen und so zu verhindern, das es zu Ausgrenzungen kommt. Das kann aber nur jeder für sich entscheiden. Genauso steckt es ja in den meisten Menschen drin, bei einem Autounfall angsterfüllt mit schauerlichen Gefühlen trotzdem hinzuschauen. Der Unterschied ist eben, dass man sich bewusst entscheiden kann weiterzufahren. Andere, die sich das nicht bewusst machen, halten an, drehen ein Video und posten es auf Facebook. Als Blogger, der ein gewisses Qualitätsniveau halten will, muss man sich halt entscheiden, was einem wichtiger ist. Als Leser steht es mir im Gegensatz dazu auch frei zu entscheiden, welchen Blog ich abonniere und welchen nicht.
    Was mich persönlich richtig anödet, sind die schon erwähnten Blogger, die ihren Blog hauptsächlich als Medium dafür nutzen, den Großverlagen möglichst nahe zu kommen und dies den Leserinnen und Lesern auch permanent inklusive harmonischem Fotomaterial unter die Nase zu reiben. Ich finde es durchaus legitim einen guten Draht zu Verlagen zu haben, aber das sollte meiner Meinung nach im Hintergrund passieren und eigentlich dazu dienen, seine Blogbeiträge zu verbessern. Wer einen Job bei einem Verlag haben will, sollte sich dort bewerben und nicht seinen Literaturblog auf dieses Fundament zu bauen. Einige Beiträge dieser Art erinnern mich an diese „Ich habe einen Freund…“-Kinderbuchreihe – vielleicht gibt es ja bald den Band „Ich habe einen Freund, der ist Lektor“.
    Herzliche Grüße
    Frank

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  17. Lieber Frank,
    danke – diese Fanzines waren mir noch gar kein Begriff. Gibt es davon vielleicht auch inzwischen einige Exemplare, die gescannt und digitalisiert wurden? Ich wäre neugierig zu sehen, wie die waren…
    Das Thema Lesemanipulation, ja, das ist an sich ein interessantes Thema und hat bei mir schon angestoßen, mich auch dahingehend zu prüfen, was mich zu bestimmten Büchern etc. greifen lässt, inwieweit man da selber auch manchmal unkritisch zugreift, weil es eben eine Publikation eines bestimmten Verlages, eines bestimmten Autoren, Autorin ist. Das zu diskutieren, finde ich gut – der angesprochene Beitrag hat jedoch einen anderen Unterton, auf den ich jetzt nicht mehr eingehen will.
    Und zum Verhältnis Blogger/Verlage: Transparenz fände ich da sehr schön (wenn sie sich nicht schon aufgrund der Blogbeiträge von selbst offenbart). Ich kann nur für meinen Blog sprechen: In der Regel bespreche ich Bücher, die ich mir selbst gekauft habe. In den letzten Monaten habe ich allerdings auch nach Rezensionsexemplaren gefragt, ohne jedoch dabei ein besonderes Verhältnis zu einem bestimmten Verlag aufzubauen. Ich denke schon, dass ich unabhängig davon, ob nun selbstgekauft oder Rezensionsexemplar, das jeweilige Buch besprochen habe. Aber ich hab mich nun entschieden, das künftig auch nochmals deutlich und transparent zu machen und jeweils an die Besprechung anzufügen, wenn es sich um ein Rezi-Ex. handelt.
    Dass Blogger ihren Blog als „Visitenkarte“ nutzen, um evt. einen Job in der Buchbranche zu finden, finde ich nun nicht illegitim – das kann ja eine Art Bewerbungsmappe sein, mit der man verdeutlicht, dass man sich ernsthaft mit Literatur beschäftigt und viel Wissen mitbringt.

    Herzliche Grüße, Birgit

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  18. Liebe Birgit, da ignoriere ich mal einen Tag lang meinen „Reader“, kümmere mich um die vorösterlichen Besorgungen ganz unterschiedlicher Art, komme wieder und stelle fest, dass du in der kurzen Zeit meiner „Abwesenheit“ mit einem klugen Beitrag eine veritable Diskussion ausgelöst hast (die ihrerseits ein schönes Beispiel dafür ist, was einer (mir) am Bloggen gefallen kann)! Dafür erstmal ein herzliches: Bravo!

    Auch für deine Entscheidung der Konzentration auf „das Eigentliche“! Ich habe sehr lange immer wieder neu über Facebook nachgedacht – und dieses Nachdenken mittlerweile eingestellt.

    Das ist einer von mehreren Punkten, an denen dein Beitrag und die sich daraus ergebende Diskussion Aspekte berührt, über die ich schon länger einmal meinerseits schreiben möchte und die hier zu weit führen würden.

    Hier möchte ich kurz (na ja;-) zwei Beobachtungen notieren, über die ich (an ganz unterschiedlichen Orten) schon öfter gestolpert bin: Es gibt Menschen, die zehn Jahre zaudern und zagen, ob sie nicht vielleicht schreiben könnten oder sollten oder wie die Texte, die sie schreiben könnten oder sollten vielleicht aussehen könnten oder sollten. (Ich mache mich nicht darüber lustig – ich bin selbst ein bisschen so jemand gewesen). Und die dann aber, kaum sind die ersten Zeilen zu Papier oder in die Datei gebracht in einem Ausmaß von der Qualität des Geschriebenen überzeugt sind, dass ich manchmal denke: vor dem Schreiben weniger kritische Gesinnung (und es einfach mal ausprobieren) und nachher vielleicht etwas mehr.

    Das andere betrifft das Reden über Texte. Als Autorin habe ich da vielleicht eine spezielle Sicht. Mich verdriesst es nicht, wenn jemand schreibt: Mir hat dieser Text nicht gefallen, weil mir bei der Lektüre der große Zeh meines linken Fußes eingeschlafen ist. Oder: Ich finde Texte im Präsens blöd. Oder … Mich verdriesst es hingegen sehr, wenn jemand scheinbar objektive Kriterien heranzieht, obwohl er oder sie nur mit dem Text „nichts anfangen“ konnte, weil für eine gelungene Lektüre Text und Kopf immer miteinander „kommunizieren“ müssen. Mich ärgert Ressentiment, wie es (das wurde ja schon mehrfach erwähnt) nicht nur im Fall von Judith Hermann der Fall war. Mich ärgert, wenn (professionelle) Leser:innen ignorieren, wie extrem unterschiedliche Lesarten manche Texte ermöglichen (ich wundere mich gerade wieder einmal sehr, wie unterschiedlich Männer und Frauen zu großen Teilen meine WV lesen).

    Ich grüße herzlich und trotz der kleinen „Ärgerliste“ fröhlich!

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    1. Liebe Jutta,
      schön, das auch aus Sicht einer Autorin zu lesen – als „Produzierende“ braucht ihr ja das dicke Fell beim Umgang mit Kritik. Nur kurz, weil ich dann an meinem Osterhasen weitermodulieren muss, eine Anmerkung – wie schon bei meiner Replik auf den Kommentar von „Kulturgeschwätz“ erläutert: Ich denke auch, dass auch (Buch-)Kritik sich nie nur aus objektiven Kriterien speist, sondern immer auch vom eigenen Geschmack geprägt ist. Und ja, dann finde ich es ärgerlich, wenn Feuilletonisten professionneller Medien dies als Argument gegen eine Vielzahl von Blogs anführen: Dass da eben nur im Sinne des eigenen Geschmacks kritisiert werde, so nach dem Motto welchen Tee man denn am besten zum Buch trinkt. Weil eben auch die „großen“ Feuilletonisten nicht ganz frei und wertneutral außerhalb ihrer Zeit schweben. Andererseits: ein eingeschlafener Zeh als launige Anmerkung bei einem Buchverriss – ok, das kann mal witzig sein als Nebenbemerkung. Allerdings möchte ich als Leserin eben auch gerne Rezensionen lesen, die noch etwas über die Fußreflexzonenmassage oder Stammtischniveau hinausgehen…:-)
      herzlichste Ostergrüße von Birgit!

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  19. Liebe Birgit,

    ich habe mit großem Interesse deinen Beitrag, aber auch die sich anschließenden Kommentare gelesen. Auch ich hatte zuletzt Schwierigkeiten mit einigen Blogbeiträgen, den Beitrag über die Covergestaltung der Büchergilde habe ich mit Verwunderung gelesen, nicht, weil ich glaube, dass man etwas nicht kritisieren darf und sollte, sondern vor allen Dingen wegen des Tons und der Art und Weise. Das ist nicht so ganz meine Welt.

    An einer Stelle schreibst du in einem Kommentar:

    „Zu dem zweiten von Dir angesprochenen Punkt, das Verhältnis von Literaturblogs und Verlagen. Einerseits ist es ja erfreulich, dass die Literaturblogs inzwischen ja durchaus mehr Wahrnehmung in der Branche allgemein erfahren. Ich denke jedoch, das Verhältnis ist gerade auch an einem sensiblen Punkt: Blogs werden durchaus als Marketinginstrument entdeckt. Auch hier wird es sicher die Zeit erweisen: Wer bleibt als Literaturblogger meinungsunabhängig, wer nicht?“

    Diesen sensiblen Punkt nehme ich auch zuletzt verstärkt wahr und habe dies während der Buchmesse immer wieder angesprochen: die erhöhte Aufmerksamkeit ist sicherlich ein schöner Nebeneffekt, ich glaube aber auch, dass wir Literaturblogger aufpassen müssen, uns nicht instrumentalisieren zu lassen. Wir müssen aufpassen, frei zu sein und frei zu bleiben in der Entscheidung, welche Bücher wir lesen und wie wir sie besprechen. Ich möchte nicht, dass mein Blog irgendwann der verlängerte (Marketing-)Arm eines Verlages wird. Ich erhalte mir meine Meinungsfreiheit unter anderem dadurch, dass ich nur wenige, sehr ausgewählte, Rezensionsexemplare annehme. Ich glaube, dass die Gefahr besteht, dass man aufgrund einer zunehmenden Professionalisierung irgendwann den Kontakt zu seinen eigentlichen Lesern verliert. Leser, die sich eben nicht jedes neue Buch leisten können.

    Dass die Betreuung der Social-Media-Kanäle Zeit kostet, weiß ich natürlich selbst nur zu gut. Deine Entscheidung kann ich also in gewisser Hinsicht nachvollziehen, wobei ich auch glaube, dass es nicht immer ein „ganz oder gar nicht“ sein muss. Ich habe eine Facebookseite, aber wenn ich mal drei Tage nichts dafür mache, empfinde ich das nicht als Beinbruch. Dafür hatte ich dann vielleicht eine wunderbare Zeit mit meinem Hund. Aus den ganzen Diskussionen, die es immer wieder gibt, versuche ich mich sowieso weitestgehend herauszuhalten, denn dafür fehlt mir dann tatsächlich wirklich die Zeit und die Lust. Als ich letztes Jahr auf einer Blogkonferenz gewesen bin, war das Fazit, das dort gezogen wurde, dass das wichtigste der eigene Blog ist. Ich versuche, soweit es mir meine Zeit erlaubt, meinen Blog zu pflegen und einen schönen Austausch mit meinen Lesern zu haben.

    Soweit erst einmal von mir, dir ganz liebe Grüße
    Mara

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    1. Liebe Mara,

      ich freue mich sehr, dass Du Dich auch zu Wort meldest – weil Du ja einer der Bloggerinnen bist, die – z.B. durch die Buchpatenschaft bei der LBM und andere Aktivitäten – ja sozusagen auch eine Bloggerin bist, die die vielfältige Landschaft der Literaturblogs auch in der nichtvirtuellen Welt repräsentierst. Und ich finde es sehr gut und respektabel, dass Du dieses Thema – die zu befürchtende Instrumentalisierung der Blogs als Marketingplattformen – auch bei der LBM angesprochen hast.
      Denn da tut sich ja tatsächlich einiges in letzter Zeit…

      Ich möchte das aus zwei Perspektiven ansprechen – aus der der Leserin und der der Bloggerin.

      Als Leserin erwarte ich von den Blogs, denen ich folge, Unabhängigkeit in der Beurteilung von Büchern, Glaubwürdigkeit und Authenzität (und da musst Du Dir überhaupt keine Sorgen machen, sage ich als Fan Deiner Seite). Es stört mich dann auch nicht, wenn einer hauptsächlich Bücher aus einem bestimmten Genre, von einem bestimmten Autor oder einem Verlag bespricht – der Blogger ist dann halt Fan. Aber man spürt es als Leser mit der Zeit, was eigen- und was fremdmotiviert ist. Es stört mich auch nicht, wenn Blogger zum Beispiel mal einen Verlag vorstellen oder an solchen Aktivitäten wie einem Bloggertag bei einem Verlag teilnehmen. Aber dann wird das Eis schon dünner – wenn ich im Anschluss bei einigen der Blogs dann nur noch Besprechungen zu Büchern aus diesem Hause und diese durchweg in positiver Manier lese, das empfinde ich als Leserin kritisch. Zudem nimmt es auch die Vielfalt weg – tagelang das gelbe Buch mit dem Flußpferd zu sehen, ist für mich als Leserin öde, es macht die Blogs dann so einheitlich wie die Verlagsbeilagen mancher Zeitungen vor den Buchmessen oder an Weihnachten.

      Als Bloggerin: Ich fordere ab und an Rezensionsexemplare von Büchern an, die ich unbedingt lesen will – wenn man sich selbst treu bleibt und deswegen zu nichts verpflichtet fühlt, ist das kein Thema. Ich habe auch nichts dagegen, wenn ein Verlag anfrägt, ob einer einen Link zu einer meiner Rezensionen setzen darf. In diesen Fällen geht es ja um „Buchkritik“.

      Grenzwertig wird es wirklich dann, wenn Anfragen kommen, ob der Blog für eine reine Marketingaktion zur Verfügung steht – da kommt von mir ein klares Nein. Irgendwelche Geschenkkampagnen oder ähnliches – und solche Anfragen kommen neuerdings – kommen für mich nicht in Frage.

      Ach ja und das mit den Social Media Kanälen – schön wäre es, ich könnte das so handhaben wie Du. Aber das ist einfach eine Sache meines Temperamentes – da geht manchmal nur „ganz oder gar nicht“. Ich neige, wenn ich etwas gerne mache, zur Maßlosigkeit. Da hilft dann nur ein klarer Cut 🙂 Und ich fand es gut, von der Blogkonferenz in Deinem Kommentar zu lesen – eben, der Blog an sich ist für mich auch das Wichtigste, darauf will ich mich konzentrieren.

      Herzliche Ostergrüße von Birgit

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    2. Dein Unverständnis und Deine Verwunderung hättest Du auch gerne bei der Primärquelle zum Ausdruck bringen dürfen, Blog und Autor sind Dir doch gut bekommen.

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      1. Lieber Tilmann,

        das habe ich ja inzwischen – als meine Emotionen wieder etwas „gedämpfter“ waren. Zudem ging es mir im meinen Beitrag um eine weitere Ebene – um Beobachtungen in der Bloggerszene, die mich umtreiben. Auch wenn es kein ganz feiner Stil ist (von mir in diesem Fall), dafür „Beispiele“ hinter dem virtuellen „Rücken“ der Angesprochenen zu bringen – (im anderen Fall tat ich meine Meinung auf FB kund sowie kommentierte C. direkt) – es brach eruptiv (so in Richtung Büchergilde-enttäuschungsmäßig) bei mir durch.

        Zudem betreffen meine Bedenken ja nicht einen einzelnen Artikel, also nicht Deinen allein, sondern liegen auf einer allgemeineren, übergeordneten ebene. Mein Anliegen war und ist es nicht, Einzelne abzukanzeln – steht mir nicht zu, ich bin ja nicht die Bloggeroberlehrerin der Nation. Aber so ein wenig moralisierend in Richtung Umgang mit Sprache und Haltung, ja das wollte ich schon sein – und einfach ein paar Denkanstöße geben.

        Herzliche Grüße, Birgit

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      2. Lieber Tilman,

        natürlich hätte ich das tun können, dafür fehlte mir aus gesundheitlichen Gründen leider in den vergangenen Tagen die Zeit. In meinem Kommentar hier wollte ich auch lediglich zum Ausdruck bringen, dass ich Kritik wichtig und erfrischend finde (gerade in unser manchmal etwas kuscheligen Bloggerwelt), aber etwas verwundert über den Ton gewesen bin, in dem du deine Kritik formuliert hast.

        Liebe Grüße
        Mara

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  20. Hmmm … ehrlich gesagt mag ich die „großen“ Blogs gar nicht gerne lesen, da sie mir manchmal etwas abgehoben vorkommen. Als „Neuling“ komme ich mir dann immer so klein und nichtssagend vor.

    Ich blogge, weil ich Menschen Bücher nahe bringen möchte, die nicht unbedingt dem Mainstream angehören. Und ja, es kommt auch manchmal vor, dass ich ein Buch nicht so toll finde. Das schreibe ich dann auch so, allerdings mit dem Hinweis versehen, dass sich bitte jeder einen eigenen Eindruck davon machen soll. Da ich jedoch meine Bücher sorgfältig aussuche, kommt es selten vor, dass mir ein Buch so gar nicht gefällt.

    Liebe Grüße
    Angelika

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  21. Liebe Angelika,
    wie meinst Du das mit dem abgehoben? Das würde mich interessieren (und trifft das für Dich auch auf Sätze und Schätze zu?).

    Jedenfalls sollte Dich das ja nicht in Deinem eigenen Blogger-Tun abschrecken oder abhalten, das zu besprechen, was Dir liegt. Das ist ja das Schöne an den Literaturblogs – eine große Vielfalt und viele Möglichkeiten, Bücher zu entdecken, von denen man sonst vielleicht nicht erfahren hätte.

    Ich wünsche Dir jedenfalls weiter viel Freude mit Deinem Blog,
    herzliche Grüße Birgit

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    1. Guten Morgen liebe Birgit,

      mit „abgehoben“ meine ich jene Blogger/ innen, die meinen sie wären für diese Welt unverzichtbar. Ihre Blogs spiegeln eher ihr Ego wieder, als das sie sich auf das wesentliche, nämlich Bücher, zu konzentrieren. Sie „prahlen“ in einer Art und Weise über ihr „Wissen in/ über der Literatur“ oder mit ihren Kontakten zu Autoren oder Verlagen. Es ist schön, wenn man gewisse Kontakte hat, Autoren kennt oder wie auch immer.

      Sätze & Schätze gehört definitiv nicht zu diesen Blogs. Ihr seid zwar ein anspruchsvoller Blog, aber eben das mag ich. Ihr hebt euch von der Menge ab, seid aber nicht „abgehoben“ 🙂

      Liebe Grüße
      Angelika

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  22. [Dies ist die Antwort auf Birgits Kommentar in meinem Blog]

    Liebe Birgit,
    ich danke für erstmal für den Hinweis und den offenen Umgang.

    Mit Deiner Begründung warum Du Dich über meinen Beitrag aufregst, ist bereits meine Aufregung über die Gilde in gute Worte gefasst: Wäre ich nicht grundsätzlich ein Befürworter dieser Idee und Fan der 90-jährigen Geschichte, hätte ich mich gar nicht darüber aufgeregt. Da ich aber zwei Jahre Mitglied war und mit gutem Willen an dieser Form der Buchkultur teilgenommen habe, aufgrund des Kaufzwangs diverse Bücher gekauft habe, die absolut nicht meinem ästhetischen Empfinden entsprechen und ich ebendiese Idee und Geschichte nicht „so sehr schätzen [würde], wäre vielleicht meine Verwunderung und Ärger über [die Gestaltung] nicht so hoch gestiegen, hätte ich auch nicht [geschrieben]“.

    Das von Dir bemängelte Stammtischniveau, dass Du in Deinem Beitrag nicht als „feinen Ironie-Degen“ anerkennen willst, der es auch nicht ist, ist nur eine deutlich überspitze Form der Kritik. Weil ich eben zwei Jahre mein Unverständnis über die Gestaltung in mich hineingefressen und auf Besserung gehofft habe, ist diese nun derart aus mir herausgebrochen. Diese Freiheit nehme ich mir heraus, weil ein Blog diese eben bietet. Dass die Form eben nicht komplett ernstgemeint ist, wird deutlich, wenn man weiß wie ich schreibe und wie ich sonst kritisiere. Dies tue ich weil ich mich „auch mal was trau[e] und dann deutlich auch Negatives anspr[eche] und den Mumm ha[be], auch ein Buch zu kritisieren gegen die Mainstream-Meinung“. – Hier muss natürlich der Bezug zu Tucho kommen: „Was darf die Satire? Alles.“

    Wehren muss ich mich natürlich gegen den Vorwurf der Undifferenziertheit. Jeden meiner Vorwürfe habe ich anhand von Links untermauert, ich habe nicht das gesamte Programm über einen Kamm geschoren, sondern auch gelungene Bücher angesprochen. Dass meine Kritik ernstgenommen wurde, zeigt insbesondere die Reaktion der Gilde selbst auf Twitter, aber auch die viele Ablehnung und Zustimmung, die auf diesen Beitrag gefolgt ist.

    Bleibe mir trotzallem gewogen
    Dein Tilman

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  23. Habe „Ökonomie der Aufmerksamkeit“, Georg Franck, 1995 als Literaturhinweis in „A Taste for Crime“ von Nele Hoffmann entdeckt (noch nicht gelesen). Dabei wird über Distinktion vs. Gewinn nachgedacht. Ich finde die Frage kann man nicht nur auf die Primärliteratur anwenden, sondern auch auf Sekundäres. Und Blogs kann man als Sekundärliteratur, die der Zeit und den technischen Möglichkeiten entspricht, verstehen. Welche Qualität der einzelne Blog und darin der einzelne Beitrag hat, hängt natürlich vom Schreiber ab. Insgesamt erlebe ich die Blog-Szene nicht als Konkurrenz zur professionellen Kritik, sondern als Ergänzung. Es ist doch großartig, dass es eine breite Öffentlichkeit gibt, die über Literatur diskutiert. Damit ist das Ziel von Kritik erreicht, nämlich die wechselseitige Wirksamkeit und Beeinflussung. Welchen Platz man sich selbst in der Landschaft der Literaturkritik gibt, muss man für sich bestimmen, denke ich. Und wenn ein Blogger Interesses hat, sich auch außerhalb seines Blogs, in Zeitungen etwa, zu äußern, wird es nötig sein, eine Qualität des Textes abzuliefern, die die Redaktion überzeugt. Unabhängig davon ist es nötig, respektvoll miteinander umzugehen, klar. Aber das hat schon in den Anfängen der Literaturkritik nicht so gut geklappt, weswegen es eine sog. „programmatische Anonymisierung“ gab, heißt, der Zeitungsrezensent blieb (bis ins 19.Jh.) anonym, damit ein Hauen und Stechen vermieden wird, womit man zuvor übele Erfahrungen gemacht hatte. Also Shitstorms sind keine neue Erfindung. 🙂
    Frohe Ostertage Euch!

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    1. Danke für diesen klugen, treffenden Kommentar! „Damit ist das Ziel von Kritik erreicht, nämlich die wechselseitige Wirksamkeit und Beeinflussung.“ – dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen, sehr schön auf den Punkt gebracht!

      Auch Dir noch einen schönen Ostersonntag! Birgit

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  24. Ist ein Blog nicht eine wunderbare Chance, die Idee des Literatursalons lebendig zu erhalten? Diese Diskussion hier ist ein Beweis, wie es klappen könnte. Wie mit den Büchern ist es auch mit den Einzelnen oder ihren Blogs: Gefällt’s mir, befass ich mich damit. Gefällt’s mir nicht, lass ich’s bleiben. Bei Büchern habe ich es früh erlebt, wie ich über eines herzog und jemanden kränkte, der es liebte. Seitdem nehme ich mir dieses Urteiul nicht mehr leicht heraus. Bei Menschen (auch Autoren) habe ich erlebt, dass sie sich ändern, dass sie Irrtümner einsehen oder dass sie mit einem Punkt des Urteils schlicht verrannt sind (wie Knut Hamsun mit seinem Engländer-Hass). Bei Sachen, die mir quer kommen oder mich sogar ärgern fand ich es immer nützlich, herauszufinden, was es ist, das mich ärgert und warum. Gerade die Vielfalt der Meinungen ist eine Bereicherung. Form und Inhalt sollten aber aus gegenseitiger Wertschätzung entspringen oder zumindest mit Anstand gepflegt werden.

    Allerseits einen frohen Ostermontag! Ich lese heute mit Freuden in Nievo weiter. Ein wunderbares Buch!

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  25. Liebe Birgit,

    es kommt selten vor, daß ich einen Kommentarverlauf mit begeisterterAnteilnahme komplett durchlese. Dies hier ist ein gelungenes Beispiel für einen ECHTEN, vielstimmigen,digitalen Dialog (oder vielleicht paßt „Multilog“ besser), und ich finde die Lektüre anregend und bereichernd.

    Daß Du Dich vom kognitiven Geflatter durch facebook und twitter verabschiedest, bestätigt mich in meiner Scheu, mich überhaupt an diesen Plapperzirkus zu beteiligen. Obwohl mir wohlmeinende Freunde immer wieder damit in den Ohren liegen, zur Erweiterung meines Leserradius auf mehreren Känalen zu funken.

    Auf Wiederlesen!
    Ulrike von Leselebenszeichen

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    1. Liebe Ulrike,
      danke für Deine Rückmeldung – ja, dieser Multilog war wirklich was – eine meiner persönlichen Sternstunden, seit ich blogge, da kamen soviel Denkanstöße und Rückmeldungen, das hat mich sehr, sehr gefreut.
      Zu den „social media“-Geschichten: Naja, trotz vollmundiger Ankündigung sind die Stränge noch nicht ganz gekappt – die Verlinkung der Beiträge von WordPress nach da funktioniert noch und ich versuche mal den von Mara vorgeschlagenen Weg. Allerdings lese ich dort nicht mehr – und ich habe nicht den Eindruck, dass ich wesentliches verpasse – bis auf manche Postings der Verlage, vielleicht. Die wichtigsten Buchblogs habe ich eh abonniert. Und es ist eindeutig ein Zeitgewinn, wenn man sich dort vom Lesen und Mitmachen zurückhält, der anderen Dingen (z.B. dem Lesen und dem Blog) zugute kommt.
      Liebe Grüße Birgit

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  26. Wow, was für eine Diskussion. Gute Beiträge, bei denen ich beim Lesen regelmäßig und unwillkürlich mit dem Kopf genickt habe.
    Ganz kurz noch zu meiner Bloggerei: Bücher, die mir nicht gefallen, lese ich nicht (mehr) zu Ende, dafür ist mir die Lebenslesezeit zu schade. Früher habe ich mich oft bis zur letzten Seite durchgequält und mich anschließend darüber geärgert.
    Dann gibt es Bücher, die mir irgendwie schon gefallen, für die aber gerade nicht der richtige Zeitpunkt ist. Die kommen zurück ins Regal und dort warten sie auf diesen Zeitpunkt, was durchaus ein Jahrzehnt dauern kann.
    Da ich mich mit Büchern, die ich schlecht fand, nicht weiter beschäftige, gibt es auf Kaffeehaussitzer.de auch keine Verrisse. In meinem allerersten Blogbeitrag hatte ich geschrieben: „Ich stelle in meinem Blog Kaffeehaussitzer.de Bücher und Texte vor, die ich gerne gelesen habe. Die mich begeistert, inspiriert, bewegt, fasziniert oder nachdenklich gemacht haben. Die mir etwas bedeuten.“ Und so sehe ich mein Selbstverständnis als Literaturblogger: Andere Menschen für Bücher begeistern, die mich begeistert haben. Einfach, weil ich schon immer Spaß daran habe, über Bücher zu reden. Und in der Regel kaufe ich meine Bücher in einer der Buchhandlungen meines Vertrauens; mit Rezensionsexemplaren arbeite ich nur in Ausnahmefällen, da geht es mir wie anderen hier.

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  27. Der Beitrag gefällt mir – aber manche Bücher müssen einfach geschlachtet werden, zum Beispiel „Johann Holtrop“ von Rainald Goetz: Dieser sogenannte Roman ist einerseits hochgelobt worden, anderseits aber ein so unsägliches Gerede jenseits aller Erzählkunst, dass man nur noch das Fallbeil schwingen kann.

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    1. Den Goetz habe ich nicht gelesen. Aber sicher darf man auch das Fallbeil schwingen – wenn man erlesenes Wissen und gelebtes Wissen mitbringt. Und durch ein Leserleben Maßstäbe erworben hat, um Qualitätsurteile der harschen Art aussprechen zu können. Auch Lesen und Kritisieren will gelernt sein.

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  28. Ich möchte Birgit, dieser hochinteressante Beitrag samt den vielen Leserbriefen finde ich absolut interessant und ich werde wiederkommen, denn ich habe noch nicht alles gelesen. Für mich persönlich ist es wichtig, dass man sich der Verantwortung mehr bewusst wird, die man beim Veröffentlichen von allen Beiträgen hat. Das gilt besonders für mich selbst! Vielen Dank.

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    1. Liebe Martina,
      danke für Deinen Kommentar – schön, dass Du das auch so siehst bzgl. Verantwortung. Ich bin erstaunt, welche Reaktionen der Beitrag ausgelöst hat und offensichtlich immer noch auslöst – immer noch kommen Kommentare und Rückmeldungen. Dabei habe ich das eher impulsiv geschrieben und dann vor dem Veröffentlichen gezögert – dachte ich doch, das seien etwas naive Allerweltsweisheiten. Aber offenbar trifft es einen Nerv…

      Gefällt 1 Person

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