Das Literaturhaus Augsburg – virtuell und real.

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Beinahe jede größere Stadt hat mittlerweile ein Literaturhaus – in der Geburtsstadt von Bertolt Brecht suchte man danach bislang vergebens, das Brecht-Haus ist mehr Museum denn Veranstaltungsort, zudem konzentriert sich das öffentliche Literaturleben meist auf das Bekannte, auf die etablierten Namen und Autoren. Eine Gruppe kreativer Leser resp. lesender Kreativer will das ändern – seit September 2014 gibt es das Literaturhaus Augsburg, derzeit jedoch vorwiegend virtuell.

Mithilfe engagierter und kulturbegeisterter Bürger, mit Unterstützung durch Stadtpolitik und der Privatwirtschaft will die Initiative Literaturhaus Augsburg der Literatur möglichst einen festen Raum eröffnen, ein festes Haus einrichten. Bislang muss das Virtuelle – www.literaturhaus-augsburg.de – noch mit dem Realen verbunden werden: Bis ein „echtes“  Haus realisiert ist, gibt es Literatur an wechselnden Orten und im virtuellen Bereich.

Dr. Stefan Bronner stellt das Projekt so vor:
„Uns ist die Verbindung von Literatur und Geheimnis wichtig. Literatur soll zudem von ihrem verstaubten Image befreit werden. Aus diesem Grund haben wir einen anderen Kanon. Wir kennen aus erkenntnistheoretischen Gründen keinen Unterschied zwischen U und E Literatur, zwischen „natürlich/echt“ und „artifiziell/unecht“ und zwischen „Oberfläche“ und „Tiefe“. Wir betrachten Literatur als spirituelles Zaubermittel, als Gottesersatz. Wir sehen in Literatur das Potential, den spirituellen Trieb des Menschen zu befriedigen.“

„Wir haben uns über den Präsentationsmodus von Literatur Gedanken gemacht. Grundlegende Änderungen in diesem Bereich sind uns ein zentrales Anliegen. Geringe Publikumszahlen liegen nicht unbedingt im Gegenstand begründet, sondern auch in der Art und Weise der Vermittlung von Literatur. Auf eine kurzweilige und etwas andere Präsentation legen wir – wie bereits aus unserem von Nietzsche entlehnten Motto ersichtlich wird – deswegen besonderen Wert.

Man träumt gar nicht, oder interessant – Man muss lernen, ebenso zu wachen: – gar nicht, oder interessant. Friedrich Nietzsche

Wir planen zum Beispiel Lesungen an ungewöhnlichen Orten. Dabei soll sich der Autor auch nicht nur vor sein Publikum setzen, aus seinem Buch vorlesen und später Autogramme geben. Wir wollen auch Seminare zu kreativem Schreiben anbieten, wofür – wie man bei anderen Häusern wie dem Literaturhaus in München sehen kann – eine große Nachfrage existiert. Literatur ist im Idealfall eine Mischung aus guter Unterhaltung und Denkanstößen. Dies sind hohe Ziele, die wir uns bei der Konzeption unseres Angebots setzen. Im Moment reifen viele Dinge, wir sind in einer Umbruchsphase und müssen die derzeitigen Entwicklungen als Chance für die Etablierung unseres Hauses und damit einhergehende neue kulturelle Formate begreifen.“

Vorerst steht ein realer, nicht-virtueller Literaturabend am 11. April in Augsburg an. Und dann finden sich hoffentlich noch viele weitere Unterstützer für ein Literaturhaus in Augsburg. Doch das Team um Stefan Bronner ist zuversichtlich: „Das hat in kleineren Städten auch funktioniert, warum sollte sich das nicht in Augsburg realisieren lassen?“ Erste Zeichen (siehe Bilder) haben die Literaturaffinen bereits bei einer kurzfristigen literarischen (und natürlich legalen) „Hausbesetzung“ gesetzt.

Wir wünschen viel Erfolg. Und wer sich direkt informieren oder auch unterstützen will, hier geht es zum Kontakt: http://www.literaturhaus-augsburg.de/

11 comments on “Das Literaturhaus Augsburg – virtuell und real.”

  1. Das Konzept spricht mich sehr an – und ich werde es mir auf jeden Fall noch Mal in Ruhe ansehen! Vielen Dank für den erneut tollen Hinweis, liebe Birgit, zumal es erneut einen schönen Bezug zu Bremen gibt: Auch wir haben „nur“ ein virtuelles Literaturhaus, das allerdings mit Aktionen wie http://www.bremenwriteskampala.com gelegentlich (und zu recht) weltweit von sich reden macht 😉 Herzliche Grüße!

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