#MEINEBÜCHEREI (1): Die Neue Stadtbücherei Augsburg.

Sie entstand auf Drängen der Bürger: Die moderne Stadtbücherei in Augsburg, die endlich genug Platz für ihre Besucher und die vielen Medien hat.

46 comments

London, Paris, New York: Das Haar sitzt und das Buch glänzt. Wer im Internet oder sogar im echten Leben unterwegs ist, dem begegnen immer wieder architektonisch herausragende Bibliotheken (neuerdings gehört sogar Stuttgart in die Liste). Aber jetzt mal Tacheles: Man bestaunt die Pracht, aber traut sich kaum, ein Buch aus dem Regal zu nehmen.

Die Bücherei, mit der man lebt, die ist eben vor Ort und meist weitaus bescheidener. Aber – sie hat den Vorteil: Sie ist da.

Ich habe Lust auf eine neue Serie: Rücken wir doch mal unsere Stadtbüchereien dahin, wohin sie gehören – in den Mittelpunkt. Und ich würde mich freuen, wenn sich viele daran unter dem Hashtag #meinebücherei beteiligen. Gerne könnt ihr mir Texte, Bilder und auch Links an b.boellinger@gmx.de senden – oder ihr stellt Eure Bücherei gar auf dem eigenen Blog vor?

Die neue Stadtbücherei Augsburg

Ich gehe mal mit gutem Beispiel voran und stelle hier die „Neue Stadtbücherei“ im Herzen von Augsburg vor. In der Stadt der Fugger und Welser, in der einst die Buchdruckkunst ganz groß geschrieben wurde, hat man inzwischen nach jahrzehntelangem Darben auch allen Grund zum Stolz. An ihrem alten Standort war die Stadtbücherei kein Ort, an dem man gern und ausgiebig verweilte und schmökerte: Eng, klein, dunkel, muffig. Regelmäßig landete Augsburg (immerhin die drittgrößte bayerische Stadt) im bundesweiten Ranking mit ihrer Bücherei auf einem der hintersten Plätze.

2004 gingen die Bürger für die Bildung auf die Barrikaden: Die Bürgerinitiative „Offensive Neue Stadtbücherei“ zwang die Politik zum Handeln. Gerhard Polt und die Biermösl Blosn unterstützen den Start einer Unterschriftenaktion für ein Bürgerbegehren – die Stadtregierung ließ es dazu nicht kommen, sondern verabschiedete endlich einen Beschluss zum Neubau und einer inhaltlichen Neukonzeption.

Buchhändler Kurt Idrizovic, einer der treibenden Kräfte für eine neue Bibliothek, schreibt dazu: „Die Neue Stadtbücherei am Ernst-Reuter-Platz ist nicht nur das Ergebnis eines jahrzehntelangen Ringens, sondern auch Symbol für nachhaltiges bürgerschaftliches Engagement.“

2007 wurde der Grundstein gelegt, 2009 eröffnet. Seither haben die Augsburger eine Bücherei, in der Bildung und soziales Engagement ihren Platz haben, die mit neuesten Medien und aktueller Bibliothekstechnik ausgestattet ist, die ein offenes Haus mit zahlreichen Veranstaltungen für Klein und Groß ist. Ein Haus zum „Lesen, Lernen, Leben“, wie der Slogan lautet. Einziger Wermutstropfen aus meiner Sicht: Das räumlich integrierte Café wechselt leider häufiger seine Pächter oder steht zuweilen ganz leer.

Natürlich gab es nach der Eröffnung auch Gemecker. Aber gemeckert wird schließlich immer. Manchem Alteingesessenen war die neue Bücherei zu hell, zu bunt, zu orange. Zu wenig Büchereimuff. Wenn, wie an vielen Vormittagen, im Erdgeschoss Kindergelächter zu hören ist, weil wieder eine Aktion läuft oder Jugendliche in der großzügigen Sitzecke zusammenhocken, dann zeigt sich in meinen Augen jedoch: So bunt kann Lesen sein.

Mehr Informationen gibt es unter www.stadtbuecherei.augsburg.de

Und ich würde mich nun auf eure Vorstellungen eurer Büchereien vor Ort unter #meinebücherei freuen! Haut in die Tasten!

46 comments on “#MEINEBÜCHEREI (1): Die Neue Stadtbücherei Augsburg.”

  1. Klasse Idee, diese neue Reihe – und genau diese Rückgabe-Automaten haben wir seit kurzem auch in Bremen (Zufälle gibts ;-)! Freue mich sehr, weitere Bibliotheken auf diese Weise kennenzulernen. Und wenn es ein bisschen Zeit hat, könnte ich vielleicht auch mal etwas über die Bremer Stadtbibliothek schreiben … Mal schauen … Beste Grüße auf jeden Fall!

    1. Liebe Jutta,
      das fände ich ganz hervorragend und löblich, wenn wir so die Bremer Stadtmusik…Äh Stadtbücherei kennenlernen würden 🙂 Ich hoffe, Du findest Zeit! Sonst müssen Maren und ich in Deine nächste Lesung kommen und ernste Worte sprechen. Ganz ernste.

      1. Du glaubst doch angesichts dieser Drohung nicht im Ernst, dass du auch nur einen Buchstaben von mir zur Bremer oder auch zu irgendeiner anderen Bibliothek lesen wirst 😉

      2. Hast du ihren letzten Blog-Eintrag schon gelesen? Kommt mir jetzt alles doppelt rätselhaft vor! Aber sieht schon so aus, als wenn sie festen Boden unter den Füßen hätte …

      3. Darf ich mal kurz zusammenfassen, die Damen: Birgit nimmt alle Drohungen zurück, Jutta schreibt über die Bremer Stadtbibilothek, wenn sie Zeit hat, und wenn sie noch mehr Zeit hat, vielleicht auch über die Bremer Stadtmusikanten, Birgit und ich schwimmen die Weser rauf, wenn wir Zeit haben und wenn Juttas Lesung nicht gerade im Winter ist, und ich habe zwar keinen festen Boden unter den Füßen, aber immerhin auch keine nassen Extremitäten. Ach ja: Und herzliche Grüße!

      1. Erwischt. Wir fernsehen lieber…. ;-)))
        Nö, im Ernst, wahrscheinlich mach ich mit. Ist schon notiert. Die Aktion ist jedenfalls recht witzig !! ;-))

    1. Ooch, das Äußere ist ja nicht allein entscheidend, wichtiger ist doch, was drin ist 🙂 Und, zum Trost: bevor es diese Stadtbücherei gab, war es wirklich in A. ein Jammertal, dahingehend.

      1. Wenn unsere Bibliothek so aussehen würde wie diese hätte ich vermutlich sehr viel Mühe zur Arbeit zu gehen oder irgendetwas anderes zu tun:) Mit dem was drin ist bin ich durchaus zufrieden, wobei ich auch nichts gegen chillige Leseliegen einzuwenden hätte.

  2. Liebe Birgit,
    da ich viel Zeit in Büchereien verbringe habe ich 2012 von der Humboldtbücherei in Berlin Reinickendorf berichtet. Zu dieser Zeit wohnte ich in der Nähe dieser Bücherei und lieh meine Bücher dort aus.
    http://susannehaun.com/2012/12/05/die-humboldt-bibliothek-und-titelrahmen-bericht-fotos-zeichnungen-von-susanne-haun/
    Nach meinem Umzug nach Berlin Wedding suchte ich mir die Bücherei am Luisenbad aus. Sie ist kleine als die in Reinickendorf und mir entspricht das Angebot in Reinickendorf mehr. Aber ich mag sie trotzdem und ich lasse mir viele Bücher über das Online – Bibliotheken Portal dort hinsenden. Ich kann sie dann unkompliziert abholen. Ich berichtete hier:
    http://susannehaun.com/2014/03/31/weinranken-im-wedding-die-luisenbibliothek-zeichnungen-von-susanne-haun/
    In der Humboldbücherei habe ich auch schon meine Zeichnungen ausgestellt. Die Bücherei ist ein entscheidender Ausstellungsstandort für das Kunstamt Reinickendorf.
    Wie meinst du das mit #meinebücherei, sollen wir diesen Hashtag in Twitter und Facebook benutzen?
    Grüße aus dem sonnigen Berlin von Susanne

    1. Liebe Susanne,
      tja Berlin – da gibt es natürlich noch ganz andere Büchereien – danke für die tollen Links! Mit dem Hashtag meinte ich, dass dieser von jedem, der Lust hat, sich in irgendeiner Form an der Aktion zu beteiligen, aufgegriffen wird – z.b. unter Twitter und FB – so können Interessierte da mal die Büchereien anschauen und kennenlernen. LG Birgit

  3. Na, das wäre doch eine gute Gelegenheit, auch einmal unsere kleine Gemeindebücherei Marienheide in den Blickpunkt zu rücken. Sie wird ausschließlich von Ehrenamtlern geführt, und ich habe die Ehre, dem 3köpfigen Leitungsteam anzugehören. Ich schreibe übrigens für die Bücherei auch einen Blog (buechereimarienheide.wordpress.com). Grüße, Ingrid

    1. Liebe Ingrid, das wär doch klasse…zumal ich auch schon Post von einer bayerischen Gemeindebücherei, die ebenfalls rein ehrenamtlich läuft. Dieses Engagement sollte man doch ein wenig herausheben!

  4. Eine sehr schöne Vorstellung unseres Mutterschiffs, der großen Zentrale. Unsere kleinere Filiale in Göggingen kann da noch nicht mithalten, aber wir arbeiten dran dass hier auch alles moderner, heller und schöner wird!
    Grüße aus der Stadtteilbücherei Göggingen!

  5. habe ich das richtig gesehen: es gibt liegen in der bibliothek?!!!! fetter vorteil für augsburg, dafür hat die berliner agb eine terrasse. und neuerdings frisch gebrühten kaffee im lesesaal und nicht bloß draußen. ja, die agb, die berliner staatsbibliothek am potsdamer platz und die göteborger stadtbibliothek habe ich schon geklunkert. absolute lieblingsbibliotheken von mir, alle drei. tolle anregung, solche orte noch mal mehr in den fokus zu nehmen. sie sind wahrhafte schatzhäuser in unseren städten, und, selten genug, allen zugänglich.

    1. Zur Beruhigung: Die Liegen sehen bequemer aus als sie sind 🙂 Und Kaffee ist auch kein schlechter Magnet…da käme ich ja gar nicht mehr nach draußen!
      Zur Zugänglichkeit: Es war begeisternd zu sehen, wie die Augsburger sich für „ihre“ Bücherei eingesetzt haben, die ist ein echtes Bürgerprojekt.

  6. Liebe Birgit, eine Nachfrage von Marlis zu meinem heutigen Vorschlag, bei Geldknappheit in der lokalen Bibliothek einen „Beschaffungsantrag“ für die „Wiederholten Verdächtigungen“ zu stellen, ließ mich sofort an dich und deine neue Bibliotheks-Reihe denken. Meine eigenen Erfahrungen mit solchen sind Anträgen in der hiesigen Universitätsbibliothek sind derart positiv, dass ich für möglich halte, dass viel zu wenige Menschen davon wissen (dass das geht, bzw. dass es gute Chancen hat). Könntest du diese Informationen vielleicht noch bei deiner schönen Bibliotheks-Reihe berücksichtigen: Was muss man tun, wenn man einen Buchkauf (nur so ganz zufällig vielleicht die „Wiederholten Verdächtigungen“;-) vorschlagen möchte? Wie lange dauert es? Wie sind die Chancen? Herzliche Grüße!

  7. Pingback: Familienbande
  8. Da muss ich in meinem Urlaub auf jeden Fall auch mal wieder vorbeischauen! Und gucken, ob sie endlich mal besser sortiert sind … Die Auswahl an aktueller bzw. Gegenwartsliteratur war mir bislang zu mickrig 🙁 Da bringt die tolle Architektur dann leider auch nichts.

  9. Deine Augsburg – Posts stimmen mich immer nostalgisch, bin doch dort geboren… In der neuen Bücherei war ich nur einmal kurz zum Angucken. Die alte kenne ich noch sehr, sehr gut, erinnere mich sogar, wie es da gerochen hat. Und die schöne Jugendstilvilla gegenüber, wenn man rausgegangen ist!
    Aber so gern ich dort war und so sehr ich damals auf die ordentlich, wenn auch veraltet ausgestattete Musikbibliothek angewiesen war: es war eine der ödesten und langweiligsten und zweckmässigsten Büchereien Deutschlands. Animiert sicher niemand zum Besuchen oder Lesen… Von da ist es sehr gut, dass es eine neue gibt, die auch mehr ins Zentrum gerückt wurde.
    Oh, erinnerst Du Dich vielleicht noch an das absolut grottige Fremdsprachenkabuff, da unten rechts?! Dass einem da trotz allem nicht die Lust vergangen ist, ist ein Wunder.
    Geniess Euren neuen Tempel!

    1. Liebe Martina, das ist ja nett – so trifft man die Augsburger aus aller Welt 🙂 Ich bin eine Zugezogene und war seinerzeit, als ich nach Augsburg kam, ziemlich schockiert – obwohl aus einer Kleinstadt stammend, hatte ich dort eine sehr schöne, moderne Bücherei vor Ort, die so groß war wie die alte Augsburger. Das war und ist bis heute ein Schandfleck – das hässliche Gebäude steht leer, erst neulich kam ich vorbei und wollte eigentlich sofort mal nachrecherchieren, was mit dem Zweckbau geschehen soll. Mal gucken, ob ich was rausfinde. Von daher geniesse ich – und viele andere – schon das Ambiente und die Auswahl unserer neuen Stadtbibliothek. Liebe Grüße Birgit

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.