Lesezeichen von: Bertolt Brecht. Was das Leben gut macht.

Bertolt Brecht schrieb die „Vergnügungen“ 1954 für seine letzte Geliebte, die Schauspielerin Käthe Reichel. Eine Kalligraphie von Petra Schneider-Lammer.

28 Kommentare
brecht
Bild: Birgit Böllinger

Seit einiger Zeit stehen die Brechtschen Vergnügungen (hier ein Link mit zahlreichen weiteren Links zu Text und Interpretationen) auf meinem Schreibtisch. Eines der schönsten, tollsten, besten und hilfreichsten Geschenke der vergangenen Jahre, wunderbar umgesetzt von einer begabten Freundin. Morgens, wenn ich die Arbeit beginne, fällt mein Blick auf diese Kalligraphie. Und erinnert mich jeden Morgen daran, dass es wenig mehr braucht außer wacher Sinne (was morgens für mich noch schwer ist), um Vergnügungen zu empfinden. Dass die einfachen Vergnügungen die besten sind. Brecht war etwa 56 Jahre alt, als er dieses Gedicht schrieb, fast schon am Ende seines Lebens. Ein wenig jünger bin ich noch, nicht viel. Und trotzdem treibt mich immer wieder eine klammheimliche Vergnügungssucht um. Das sind die Tage, an denen ich die Dinge übersehe, die gut sind. Mäkelig bin. Wenn ich meine, es fehle etwas in meinem Leben. Dann tut es gut, dieses Bild morgens und abends zu lesen.
Würde ich meine Vergnügungsliste aufstellen, sie wäre der Brechtschen nicht so unähnlich. Die Zeitung bräuchte ich nicht, diese Kalligraphie aber schon. Sie bereitet mir jeden Tag eine große Vergnügung.
Und welches Dichter-Zitat begleitet Euch am Schreibtisch, am Arbeitsplatz, in der Wohnung, durch die Tage?

 

28 comments on “Lesezeichen von: Bertolt Brecht. Was das Leben gut macht.”

  1. Wunderschöne Worte! Dieses Mäklige kenne ich auch. Da ist ist gur, wenn man wieder „zurechtgerückt“ wird. Vieles von der Liste kann ich unterschreiben. Besonders die bequemen Schuhe gehören unbedingt dazu.Wo ich doch so empfindliche Füße habe. Und die wiedergefundenen alten Bücher.
    An meiner Pinwand hängt der Spruch von Thomas von Kempen: „Nirgendwo habe ich mehr Ruhe gefunden als in Wäldern und in Büchern.“ Wenn man also mal das arme Tier kriegt: ab in die Bibliothek oder in den Wald. Hilft ungemein.

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  2. Ich mag diese Worte von Brecht.
    Schön, von guten Gedanken umgeben zu sein.
    Hier lese ich morgens im Badezimmer die Worte von Peter T. Schulz:
    „Jeden Morgen ist Welturaufführung“.

    Und an der Kühlschranktür kommen mir Ringelnatz Worte entgegen:
    “ Ich bin so knallvergnügt erwacht.
    Ich klatsche meine Hüften.
    Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
    Es dürstet mich nach Lüften

    Aus meiner tiefsten Seele zieht
    mit Nasenflügelbeben
    ein ungeheurer Appetit
    nach Frühstück und nach Leben.“

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  3. Ich sammle mehr oder weniger konsequent Aphorismen. Damit meine ich, dass ich diejenigen, die mich direkt ansprechen, notiere und für später aufhebe. Allerdings suche ich sie nicht systematisch, sondern sie begegnen mir einfach mehr oder weniger zufällig. Allerdings habe ich noch nichts davon eingerahmt. Das ist eine gute Idee!

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  4. Mein Blogmotto begleitet mich durch den Tag. „We are such stuff as dreams are made on, and our little life is rounded with a sleep.“ (Shakespeare: The Tempest; gesprochen von Prospero). Hängt über meinem Schreibtisch und bewirkt, dass ich hinter jeder Migräneattacke das glockenhelle Zirpen provencalischer Zikaden wahrnehme.

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  5. Sehr schön, ich liebe Kalligraphie! Seit längerem schon hege ich den Wunsch, eigene Gedichte in Schönschrift aufzuschreiben. Deshalb habe ich mir zu Weihnachten ein Buch zum Thema gewünscht und dieses auch geschenkt bekommen. Bin gerade eifrig am Studieren…
    Übrigens, auf meinem eigenen Schreibtisch lächelt mir jeden Morgen folgender Spruch vom guten alten Goethe entgegen: „Ein heiterer Tag ist wie ein grauer, wenn wir ihn ungerührt betrachten.“

    Herzliche Wochenendgrüße

    von Constanze

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  6. Das Zitat, das mich immer wieder vergnügt macht, auch wenn es etwas schulmeisterlich daher kommt stammt von Leonard da Vinci (und fliegt als rausgerissene Heftseite durch meine Wohnung): „Es gibt immer eine andere Möglichkeit“, zu betonen je nach Laune auf „immer“, „andere“, „Möglichkeit“. Danke für das Brechtsche Schriftbild!

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  7. danke auch für die links hier 😉 –

    (und ich hab so halbversteckt einen zerknautschten zettel mit goethezitat immer um mich rum liegen: „Auch das ist Kunst, ist Gottes Gabe, aus ein paar sonnenhellen Tagen sich so viel Licht ins Herz zu tragen, dass, wenn der Sommer längst verweht, das Leuchten immer noch besteht.“)

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    1. Ach…das ist auch ein Lieblingszitat meiner besten Freundin, Seelenverwandten. Und ich ertappe mich dabei, wie es mir auch immer öfter über die Lippen kommt: Zuversicht. Man muss alt und weise werden, um dieselbe zu lernen.

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    2. Ups. Beim Wiederlesen dachte ich mir, dass meine Antwort – man muss alt und weise werden, um Zuversicht zu lernen – ziemlich uncharmant klingt. Ich meinte natürlich: ICH musste alt resp. älter (und ein bisschen weise) werden, um das Wilde-Zitat annehmen zu können. FRÜHER – vor zwei Jahrzehnten – hätte ich das eher ironisch abgetan.

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  8. Brecht ist immer gut. Irgendwo habe ich mal einen Satz gelesen, der auch dem Autor zugeschieben wird: „Liebe ist die Kunst, etwas zu produzieren mit den Fähigkeiten des anderen. Dazu braucht man von dem anderen Achtung und Zuneigung.“
    Mein Favorit ist allerding das Haiku von Issa: „Ja, Schnecke, besteig den Fuji, aber langsam, langsam!“ Das hat mir meine Tocher geschenkt, was mich froh macht. Es freut mich jedes Mal, wenn ich es sehe. (Sie weiß es.)

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