Von Halbwertszeiten oder: Wie kommt ein Buch in meinen Kanon?

53 Kommentare

BotanischerGarten (14)„Ein Kanon ist nicht etwa ein Gesetzbuch, sondern eine Liste empfehlenswerter, wichtiger, exemplarischer und, wenn es um die Schule geht, für den Unterricht besonders geeigneter Werke. Ohne Kanon gibt es nur Willkür, Beliebigkeit und Chaos und, natürlich, Ratlosigkeit.“

So äußerte sich Marcel Reich-Ranicki 2001 im Spiegel-Gespräch mit Volker Hage (vollständig nachzulesen hier). Die Frage „Was man lesen muss“ ist ein Dauerbrenner – nicht erst seit MRR`s Kanon („der Verzicht auf einen Kanon wäre ein Rückfall in die Barbarei“). Sie bewegt, seit es das gedruckte Wort gibt. Dazu nochmals das amüsante Zitat von Arno Schmidt:

“Setzen wir, daß man vom 5000. Tage an leidlich mit Verstand zu lesen fähig sei; dann hätte man, bei einem green old age von 20000, demnach rund 15000 Lesetage zur Verfügung. Nun kommt es natürlich ebenso auf das betreffende Buch, wie auch auf die literarische Aufnahmefähigkeit an. Das Kind schlingt seinen dicklichen MAY=Band in 2 Tagen hinunter (und die schönsten Stellen werden sogar mehrmals genossen); der Mann, tagsüber im Büro, oder hinter Pflug&Schraubstock, druckst, selbst bei bestem Willen, 3 Wochen lang über`m WITTIKO, den ihm ein sinnlicher Kollege empfahl. Sagen wir, durchschnittlich alle 5 Tage 1 neues Buch – dann ergibt sich der erschreckende Umstand, daß man im Laufe des Lebens nur 3000 Bücher zu lesen vermag! Und selbst, wenn man nur 3 Tage für eines benötigte, wären`s immer erst arme 5000. Da sollte es doch wahrlich, bei Erwägung der Tatsache, daß es bereits zwischen 10 und 20 Millionen verschiedener Bücher auf unserem Erdrund gibt, sorgfältig auswählen heißen. Ich möchte es noch heilsam=schroffer formulieren: Sie haben einfach keine Zeit, Kitsch oder auch nur Durchschnittliches zu lesen; Sie schaffen in Ihrem Leben nicht einmal sämtliche Bände der Hochliteratur!

Was lesen? Die Frage scheint derzeit bei einigen Bloggern auch virulent – man stöhnt ein wenig unter der Flut der Neuerscheinungen. Mara macht sich auf ihrem Blog Gedanken über das „literarische Haltbarkeitsdatum“, Ludger vom Krimiblog hat sich vorgenommen, 2015 keine neuen Bücher mehr zu lesen, sondern in die Tiefen seines Regals abzutauchen und vor allem Klassiker abzustauben und auch auf Aign an taigh wird ein „Jahr mit Nicht-Neuerscheinungen“ ausgerufen. Und auch ich will mich mehr auf meine Leseschwerpunkte – derzeit „Weimarer Republik“ – konzentrieren und der Bücherflut widerstehen. Mal sehen, wie lange der Vorsatz hält. Denn einfach wird einem die Abstinenz nicht gemacht: Regelmäßig wird „die literarische Entdeckung“ gefeiert, da gibt es wieder ein „Fräuleinwunder“ der neueren deutschen Literatur, dort schreibt eine amerikanische Tageszeitung „DEN Roman des Jahres“ in regelmäßigen Abständen aus – oftmals jedoch hinterlässt bei mir die Lektüre Zweifel, zweifle ich manches Mal auch an meiner eigenen Einschätzung, wenn sie der medialen Bejubelung entgegensteht.

Schon 2002 schrieb Ulrich Greiner zur „Bücherflut“ in der Zeit:
„Noch nie hat es so viele Bücher gegeben. Aber dem Wachstum der Titel entspricht kein Wachstum der Leser. Die durchschnittliche Auflage sinkt. Den Verlagen macht das sehr zu schaffen, denn nur mit erfolgreichen Titeln können sie die weniger erfolgreichen finanzieren. Weil es kein Rezept für den Erfolg eines Buches gibt, hat die Verlegerei Ähnlichkeit mit einem Glücksspiel.“

Wie also lesen?
Was lesen?
Nach welchen Kriterien auswählen?
Und vor allem auch: Nach welchen Kriterien bewerten und besprechen?

Klar ist: Letztendlich ist der Kauf und Genuß eines jeden Buches doch eine Entscheidung, die sich am persönlichen Geschmack orientiert. Aber kann man auch übergeordnete Maßstäbe anlegen, um die Klasse von der Masse zu unterscheiden? Oder ist auch das letzten Endes eine rein akademische Diskussion?

Mich würde einfach interessieren:
Wie treffen andere Bloggerinnen und Blogger ihre Auswahl?
Und nach welchen Kriterien besprecht ihr?
Und was muss ein Buch erfüllen, um in euren persönlichen Kanon zu kommen?

So sei die Diskussionsrunde eröffnet!

53 comments on “Von Halbwertszeiten oder: Wie kommt ein Buch in meinen Kanon?”

  1. Wenn ich im Buchladen stehe spricht mich oft einfach ein Cover an, wenn die Beschreibung des Inhalts dann noch Positives verspricht, schlage ich schon mal zu.
    Ich kaufe oft im Internet, meist gebraucht, wenn ich eine positive Kritik auf einem Blog gelesen habe und ich weiß, dass der Blogger einen ähnlichen Geschmack wie ich hat, dann bestelle ich gezielt.
    Um einen Post darüber zu schreiben muss es mich aber wirklich fasziniert haben, auf welche Art auch immer – entweder sehr spannend nach dem Motto „die Nacht durchgelesen“, oder „hat mich berührt“, oder ich fand die Charaktere super ❤
    Schlechte Bücher will ich nicht vorstellen….

    Gefällt 1 Person

    1. Blogger, die meinen Geschmack teilen + Feuilleton oder auch mal eine Literaturempfehlung in machen TV-Sendungen (Kulturzeit) – das sind auch für mich die Anstöße. Mich macht jetzt nur neugierig, wieso Du keine Bücher vorstellen willst, die Du schlecht findest?

      Gefällt mir

      1. Das Schreiben kostet mich ziemlich viel Zeit, v.a. da ich oft auch noch versuche meine „Kritik“ ins englische zu übersetzen. Ich lese ziemlich viel, manchmal ein Buch pro Tag und da kann und will ich nicht jedes Buch vorstellen. Es gibt einfach so viele Bücher die man einfachso durchliest und die nicht wirklich in Erinnerung bleiben. Mir geht es bei Filmen übrigens genauso.
        Und für mich der wichtigste Aspekt, die Geschmäcker sind sehr verschieden. Ein Buch das mich persönlich nicht angesprochen hat, kann ja ein anderer Leser toll finden. Ich möchte dann nicht jemanden abhalten ein Buch zu lesen das ihm vielleicht gefallen könnte… 😉

        Gefällt mir

  2. Meist erwarte ich von einem Buch, das ich etwas daraus lernen kann.
    Dadurch ist mein Interesse an Romanen gesunken.
    Biografien zählen bei mir zu den begehrtesten Büchern. Gern über Frauen, gern aus ganz anderen Zeiten.
    Zum Ruhe finden verliere ich mich immer wieder in die Romane über Sherlock Homes. Für mich sind sie Weltliteratur.
    Liebe Grüße

    Gefällt mir

    1. Liebe Arabella,
      das Lernen-wollen ist auch bei mir so ein Motiv, dass ich lese. Allerdings finde ich das eher in der Belletristik – wenn ein Autor, ein Buch eine bestimmte Haltung einnimmt, wenn es eine Metapher für etwas ist – dann, denke ich, kann Literatur Dir ja viel Lebensweisheit vermitteln. Daher lese ich persönlich eher Romane, Biografien dann eher zur Ergänzung, wenn ich mehr über den Autor/Autorin, die Zeit etc. erfahren will. Krimis – Holmes oder Highsmith und ähnliche – zählen auch für mich zu Klassikern, die Unterscheidung zwischen „ernster“ und Kriminalliteratur halte ich für überholt. Aber ich stimme mit Dir überein: Diese lese ich eher zur Entspannung…

      Gefällt 1 Person

  3. Es stimmt, die Konzentration auf Neuerscheinungen nervt manchmal. Die neuesten Bücher müssen nicht die besten sein. Gleichzeitig interessieren mich Romane zu aktuellen Zeitthemen. Beim Rückblick auf mein Lesejahr war dann aber ganz schön viel „alter Kram“ dabei. Aber auch manches Buch aus dem selben Jahr sieht am Jahresende schon sehr alt aus…

    Gefällt 1 Person

    1. Marcel Reich-Ranicki sagte mal sinngemäß, Literatur sei dazu da, die Leiden der Menschen zu zeigen (aber eben auch, sie solle Spaß machen). Das ist es, was mich an Büchern – Klassikern oder Neuerscheinungen – interessiert: Welche menschlichen Themen greifen sie auf, wie gehen die Protagonisten durch eine Krise, welche Erfahrungen werden vermittelt? Oftmals zeigt sich dann halt, dass bei den „großen Fragen“ der „alte Kram“ zeitlos ist – und deshalb auch zu den Klassikern oder modernen Klassikern zählt. Etliche der Neuerscheinungen, die ich letztes Jahr gelesen habe – so „Die Interessanten“ von Meg Wollitzer – blieb mir da zu platt.

      Gefällt mir

      1. Ich gebe Dir soweit recht. Dennoch gibt es Dimensionen des Zeitgeschehens, die in älteren Romanen nicht verhandelt werden. Ich denke da an Migration, weltweite Flucht, Digitalisierung oder die neoliberale Wirtschaftspolitik. Die Welt ist heute komplexer. Wie Du sagst, scheitern viele Gegenwartsromane daran, das spannend abzubilden oder bieten wenig Erkenntnisgewinn. Aber ich werde nicht aufhören, die Ausnahmen zu suchen…

        Gefällt 2 Personen

      2. Das ist richtig – die Lektüre mancher Klassiker rüstet vielleicht für bestimmte grundsätzliche Menschheitsfragen bzw. kann in der Herausbildung eigener ethischer Grundhaltungen hilfreich sein, aber beantwortet natürlich nicht unbedingt aktuelle Problematiken – wie die von Dir angesprochenen Themen. Das Rad der Menschheit dreht sich eben weiter und wir haben heute eine Welt, die sich Goethe & Co. nicht vorstellen konnten. Leider – wir haben ja in letzter Zeit öfter Romane vorgestellt bekommen, auch bei Dir, die sich z.B. um die Digitalisierung drehen, muss man halt suchen, bis man zu diesen Fragen richtig „gute“ Literatur in die Finger bekommt. Ich vertraue drauf, dass Du dran bleibst!

        Gefällt mir

  4. Ich muss gestehen, dass ich mich lange vom Reiz der Neuerscheinungen habe verleiten lassen und vieles gelesen habe, das gerade neu erschienen ist. Seit einiger Zeit versuche ich das etwas umzustellen – die eine oder andere Neuerscheinung reizt mich selbstverständlich immer noch, aber ich versuche auch stärker nach aktuellen Interessen zu gehen. Dabei denke ich zum Beispiel an Susan Sontag, von der ich mir zuletzt einiges erlesen habe. Auf diesem Wege ist auch die Biographie über Marie Curie hier eingezogen. Irgendwie hat die Befreiung von den Neuerscheinungen noch einmal ganz neue Leselust bei mir freigesetzt – ich greife jetzt einfach das aus dem Regal, auf das ich Lust habe, zuletzt übrigens Tobias Wolff.
    Besprochen wird übrigens alles, was auch gelesen wurde – da mache ich keine Ausnahmen. 🙂

    Gefällt 4 Personen

    1. Liebe Mara,
      so Leseschwerpunkte habe ich ebenfalls immer wieder – weil ein Buch oft zum nächsten führt, man mehr über eine Autorin, Autoren erfahren und mehr von ihm lesen will, über die Zeitumstände etc. Also interessenorientiertes Lesen.
      Was mir Dien Blogbeitrag noch in Erinnerung gerufen hat: Ich habe in letzter Zeit einige Bücher ein zweites Mal zur Hand genommen, die ich vor Jahren begeistert bis relativ begeistert gelesen habe. Aber nicht jedes Buch hielt dieser Zweitlektüre Stand – so beispielsweise „Der Mond und das Mädchen“ von Martin Mosebach. Beim Erstlesen begeisterte mich der sprachliche Stil, jetzt, bei der neuerlichen Lektüre, habe ich inhaltlich einiges als kritisch empfunden. Was ich damit sagen will: Kann man Neuerscheinungen tatsächlich sofort bewerten und einordnen? Viele Bücher werden ja zunächst sehr positiv besprochen – und sind dann irgendwann aus dem Bewußtsein verschwunden.
      Zu Marie Curie übrigens ein Tip, der bei mir zumindest auch nach der Zweitlesung noch „Gnade“ fand, auch wenn seinen Stil manche als behäbig bezeichnen: Per Olov Enquist, Das Buch von Blanche und Marie, 2007, Hanser Verlag.

      Gefällt 2 Personen

  5. Ich glaube, das gehört zum Komplexesten was ich seit Jahren leiste. Welches Buch lese ich, welches nicht. Und ich bin Schmidtianer und nehme das von dir als „amüsant“ bezeichnete Zitat sehr ernst. Ich hab gerde die 1.800 erreicht und nach den Berechnungen muss ich 76 werden um die restlichen 1.200 zu lesen bei gleicher Leseleistung der letzten Jahre, d.h. jeden Tag ca. 40 Seiten.
    OK, die Kriterien
    – ich lese vorwiegend deutschsprachige Literatur, um wenigstens auf einem Gebiet einen fundierten Überblick zu haben (daher habe ich wohl noch was vom afrikanischen und asiatischen Kontinent gelesen)
    – ich versuche alle ‚Klassiker‘ der europäischen Literatur zu lesen. Was ein Klassiker ist … nun ja, bei manchen ist es klar, andere …
    – ich versuche nur Bücher / Romane zu lesen, die ein gewisses „sprachliches Niveau“ haben … ganz schwer zu definieren, aber eine Rosamunde Pilcher gehört halt nicht dazu.
    – nur Romane, keine Erzählungen, Novellen und sonsitger Kleinkram – ich mag halt die lange Strecke
    – keine reine Liebesgeschichten, keine Bekenntnisliteratur, keine Enthüllungsromane (wenn sie als solches angekündigt sind) – erotische Literatur lese ich, geht aber nicht in die Statistik ein, außer es ist ein Klassiker wie „Gefährliche Liebschaften“ oder „Philosophie im Boudoir“
    – Jugendliteratur ist Literatur und das lese ich hin und wieder auch. Ist „Tschick“ Jugendliteratur oder hohe?
    – Aussehen, Größe, Dicke, Cover, Verlagsname … sind nicht entscheidend – aber ein wirklich schönes Buch in den Händen zu halten, wie bspw. vom Weidle Verlag, das kann ich auch genießen
    – ach ja, keine Phantasie, geht überhaupt nicht, genauso wenig wie Märchen, Since Ficition und was es da noch geben mag (mit zwei Ausnahmen: „Die andere Seite“ von Alfred Kubin und ein Roman der Brüder Strugatzki)
    – ich lese in der Tageszeitung / Internet viele, viele Buchbesprechungen und kaufen sie mir dann im lokalen Buchhandlen. Manchmal stöbere ich auch in großen Buchhandlesketten, kaufe dann aber um die die Ecke
    – und zuletzt gibt es eine dicke Liste von AutorInnen, deren Neuerscheinungen ich grundsätzlich lese
    – und die anderen geschätzten 33 Faktoren gibt es bei der nächsten Nachfrage.

    Gefällt mir

    1. Das ist ja schon mal sehr detailliert:-) Und könnte von den Ausschlußkriterien fast von mir sein – bis auf die Einschränkung bzw. Ausklammerung der asiatischen und afrikanischen Schriftsteller 🙂 Und dass ich nach meinen Berechnungen wahrscheinlich 127 Jahre alt werden müsste, um all das zu lesen, was ich noch gerne oder wieder lesen will (z.B. die ganzen „klassischen“ Russen und die schreiben ja auch immer so furchtbar dicke Schinken). Manchmal finde ich diese Aussicht, dass man nicht mal die Bücher, die man immer schon mal gelesen haben wollte (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit), lesen kann in einer normalen durchschnittlichen Lebenszeit, schon sehr deprimierend – und daher ist vielleicht die Abstinenz von der Flut an Neuerscheinungen auch heilsam.

      Gefällt mir

  6. Meine Buchauswahl:
    Das ist ein Springen, Zufall, eine Kultursendung, ein Feuilleton, Stöbern, von einem Buch auf ein nächstes Kommen, Literatur-Postcast, usw. Ich bekenne mich zum eReader: Für diesen habe ich vor Jahren einmal eine riesige Sammlung deutscher Literatur aus der Digitalen Bibliothek konvertiert. Was entdeckt man nicht alles, wenn man hier einfach per Zufallsprinzip Klassiker aussucht.
    Besprechen:
    Bücher, die mich berührt haben. Da kann ruhig wochenlang nichts kommen, weil ich Lust auf zwei, drei Krimis hatte, die gut waren gut, aber auch nicht mehr. Die bespreche ich dann eben nicht. Ich bin keine Bloggerin in Sachen Literatur, sondern teile mit, wenn ich etwas für mitteilungswürdig halte. Und ab und an ist das ein Buch.
    Kanon:
    Nein, habe ich nicht. Es gibt ein paar Hausheilige, Schmidt, Raabe, T. Mann, aber keinen Kanon.

    Liebe Grüße,
    lena

    Gefällt mir

    1. Du bist also eine richtige Genußleserin – und so soll es ja auch sein. Dennoch bin ich für mich froh, dass ich nicht zum elektronischen Lesen tendiere…da würde ich mir zahllose Klassiker runterladen und mich innerlich unter Stress setzen: Alles will ich gelesen haben.
      Ich mag gerne die haptische Verbindung zum Buch – und ich brauche das, dass die ungelesenen mich mahnend aus dem Regal anschauen 🙂

      Gefällt 1 Person

      1. Schön, vielleicht sollte ich denen öfter mal zuhören, aber als Lehrerin bin ich Nörgeleien gegenüber relativ abgebrüht. Und überhaupt, wer hier rumnörgelt, riskiert seinen warmen Platz im Regal. 🙂

        Gefällt mir

      2. Ja Genußleserin, das bin, war ich aber nicht immer. Die Anschaffung eines eReaders war seinerseits reine Notwehr. Es gibt keinen Fleck in meiner Wohnung an dem kein Stapel in die Höhe wächst. Der Begriff Haptik fällt ja häufig in der eReader-Debatte: Ich mag die Konzentration auf den Text sehr. Alles eine Sache der Gewohnheit. Hauptsache man liest. 😉

        Gefällt 1 Person

  7. Es gibt nicht mehr als 25 literarische Motive. Was also ist das Problem? Wenn Sie Ihren Goethe, Schiller und Shakespeare durchhaben, was brauchen Sie dann noch?

    Im Grunde genommen existieren überhaupt nur exakt zwei Genres:

    1./ religiöses Wissen, einschließlich Mystik und Philosophie;
    2./ wissenschaftliches Wissen.

    Der Rest ist Schmiermittel, um die Grautöne abzudecken. Abgesehen davon, daß man Geld damit verdienen kann, die Menschen zu verblöden und davon abzuhalten, die wirklich wesentlichen Dinge des Lebens zu reflektieren. 🙂

    Insofern investiert meiner einer auch genau dorthin, also in die Mystik, Historie und Nachschlagewerke. Gerade in der Bloggerwelt findet sich dazu dankenswerterweise unzählige Schätze und Denkanstöße. 🙂

    Gefällt 1 Person

  8. Liebe Birgit,
    da machst Du ja ein Fass auf! Und dann noch das super schöne Zitat von Arno Schmidt, das meine Controlling-Herz höher schlagen lässt – wow, so kann man ein Leseleben auch zählen – und mein Lese-Herz in eine tiefe Krise stürzt – was, nur so wenige Bücher? Da darf ich aber auberhaupt keine Zeit mit igendwelchem Zeug vertun, zumal ich meistens gar icht in fünf Tagen ein Buch ausgelesen habe, der Broterwerb drängelt sich immer wieder zwischen mich und das Buch!
    Wie also auswählen? Themen interessieren mich und so sind vor allem die Bücher interessant, die sich mit der aktuellen gesellschaftlichen Befindlichkeit auseinandersetzen. Damit bin ich dann auch bei den Neuerscheinungen, werde aber in diesem Jahr, deutlich geläutert durch die Aufregungen des letzten, nicht jedem Buch hinterherlaufen, vor allem bei denen ganz vorsichtig sein, die sich doch wieder mit der Historie beschäftigen. Und dann sind ja doch die Verlockungen der Blogs da, auf denen immer mal wieder ein Buch das Lese-Herz hochschlagen lässt, das ich sonst nicht zur Kenntnis genommen habe. Das Feuilleton gibt es auch noch, auch da winkt schon einmal ein guter Tipp. Und gerne schaue ich mir an, was das Deutschlansradio so vorstellt, denn dort gibt es auch mal Titel, die sonst nirgendwo vorkommen. Und dann die Verlockung des Buchladens: ein schönes Cover, ein viel versprechender Titel – schwupps, schon liegt das Buch auf dem grauen Sofa.
    Die Auswahlmöglichkeiten sind soooo groß. Aber ich lebe ja sonst sehr bescheiden :-).
    Viele Lese-Grüße, Claudia

    Gefällt 3 Personen

    1. Liebe Claudia,
      ja Fass losgetreten…ich war heute von der Vielzahl an Kommentaren erstmal überrollt und habe prokrastiniert. Aber wenn man zur Diskussion oder Meinungen aufruft – und so artet jetzt das Antowrten in Arbeit aus 🙂 Was aber auch Spaß macht. Mein Auswahlverfahren sieht ähnlich aus wie Deines (man ersetze Deutschlandradio durch Kulturzeit 3 sat, wenn es um aktuelle Bücher geht). Aber – vor allem nach der Schmidtschen Berechnung – ich werde mich jetzt doch wieder mehr auf gut angejahrte Bücher konzentrieren und mich nicht mehr so sehr von Neuerscheinungen ablenken lassen. Denn es bleibt sonst zu wenig Zeit für die wirklich wirklich dicken alten Schinken.

      Gefällt 1 Person

      1. Naja, wenn einem Neuerscheinungen so pfiffig ans Herz gelegt werden, kann ich ja auch nicht widerstehen 🙂 Außerdem: Es gibt ja einige Bloggerinnen meines Vertrauens, denen folge ich wie ein halbblinder Maulwurf. Die bleichen Füchse liegen hier und kommen dann bald mal dran (wenn ich aus der Weimarer Republik wieder auftauche) als Diskussionsgrundlage!

        Gefällt 2 Personen

  9. Mein Kriterium ist das subjektive Interesse. Bücher, die auf der Höhe eines Hypes stehen, meide ich, es sei denn, sie stammen von einem sehr geschätzten Autor. Lieber warte ich ab, bis der richtige Zeitpunkt für ein Buch gekommen ist, um mir in Ruhe mein eigenes Urteil zu bilden. Schon zu oft wurde ich enttäuscht. Es ist aber verdammt schwer, der Versuchung durch die Neuen zu widerstehen! Ich setze die interessantesten auf meine Wunschliste und warte ab – wenn ich es aushalte.
    Auch für mein Blog versuche ich, mich von meinem persönlichen Interesse leiten zu lassen statt von der Aktualität. Bei Sachbüchern ist der Druck durch andere Rezensionen zum Glück nicht so hoch. Für die Literaturblogger ist es da schon schwieriger. Aber muss denn wirklich jedes Literaturblog den neuen Houellebecq (auf den ich furchtbar neugierig bin) vorstellen, nur weil er in aller Munde ist? Das ist für viele sicher eine echte Zwickmühle. Da hilft nur Schwerpunkte setzen.
    Arno Schmidt hat ja so recht mit seinem Satz, dass wir zu wenig Zeit haben für Kitsch und Durchschnitt. Aber es muss nicht immer Hochliteratur sein. Für meinen persönlichen Kanon müssen sprachliche oder sachliche Qualität und Unterhaltungswert zusammen kommen. Ich bin immer auf der Suche nach den elementaren Büchern. Für mich sind Sachbücher inzwischen ebenso wichtig wie Romane, weil sie meinen Wissensdurst befriedigen. Bloß keine Schnulzen, da habe ich mich einfach überfressen.

    Gefällt 3 Personen

    1. Liebe Petra,
      Du sprichst da ein interessantes Thema an, was die Blogger anbelangt. Mir geht es ja auch so, dass ich, wenn ich sehe, dass ein Buch in allen Feuilletons und in vielen Blogs besprochen wird, eigentlich meine, das muss jetzt bei mir nicht auch noch seinen Platz finden. Vielmehr hätten die Blogs ja die Möglichkeit, da vielleicht auch freier von wirtschaftlichen Zwängen als die Feuilletons der Zeitungen, die ja nun wirklich unter Konkurrenz stehen, Nischen zu besetzen und Vielfalt zu bieten. Also weg von den Neuerscheinungen, sondern eher so wie Du und Ingrid von der Druckschrift es macht, sich tatsächlich auf bestimmte Themenbereiche zu konzentrieren.

      Gefällt 1 Person

      1. „Es ist alles schon einmal gesagt worden, aber nicht von mir!“ … gegen dieses Argument, man müsse nicht die 101. Besprechung eines Buches, das schon 100x vorher vorgestellt worden ist, auch noch bringen, wehre ich mich! Nicht, daß ich behaupten wolle, genau diese Besprechung sei relevant oder wichtig, aber meine Intention, meinen Blog zu führen, ist die Erinnerung, und zwar meine, zu erhalten. In diesem Sinn sind mir die hundert schon erschienen besprechungen völlig egal, mich interessiert das, was ich dazu notiert habe und wahrscheinlich bin ich selbst tatsächlich der eifrigste Nutzer meines Inhaltsverzeichnisses…

        Die aufgeworfene Frage ist also in Wahrheit die nach der Intention, mit dem ein Blog geführt wird: schreibe ich für die Öffentlichkeit (lese ich dann auch für die Öffentlichkeit, damit sie von diesem speziellen Buch, das sonst niemand besprach, erfährt?) oder schreibe ich für mich? Ich bin – auch wenn ich mich natürlich über jeden Besucher freue – eindeutig der Anhänger des zweiten Motivs: ich lese genau das, was ich lesen will und schreibe genau das und in der Art, was und wie ich will.

        Frei nach Reinhard Mey: In den Regalen (und im Blog) muss die Freiheit grenzenlos sein!

        Gefällt 2 Personen

      2. Lieber Gerd,
        klar darf/soll die Freiheit grenzenlos sein 🙂 Ansonsten bräuchte man ja auch keine Klassiker besprechen, weil über die ja noch MEHR geschrieben wurde im Lauf der Zeit als über aktuelle Neuerscheinungen – Du hattest jetzt ja beispielsweise einen schönen Beitrag über die Glasglocke, aber da gibt es natürlich auch schon ganze Interpretationbücher drüber 🙂
        Aufgeworfen wurde würf mich die Frage in Zusammenhang vor allem mit Neuerscheinungen – ist man da wirklich frei von äußeren Einflüssen, wenn man bestimmte Bücher bespricht, die gerade „en vogue“ sind? Um es an Beispielen fest zu machen: Nun Houllebecq. Oder Kruso. Beide Bücher werde ich erst mit einem ziemlichen zeitlichen Abstand lesen. Denn: Selbst wenn man sich vornehmen würde, alles, was über die beiden Bücher von anderen geschrieben wurde, zu ignorieren, um sich eine eigene Meinung zu bilden, man kommt an den vielen Artikeln nicht vorbei. Ich frage mich dann selbst, wie unbeeinflusst und frei ich ein Buch für mich bewerten kann, um das es viel Aufsehen gibt. Und bei manchen Neuerscheinungen ist es doch auch so – großer Wirbel und einige Jahre später kennt keiner den Namen mehr. Einen anderen Aspekt der Bloggerfreiheit hat übrigens Philea`s Blog dieser Tage aufgeworfen. Letztes Endes ist es aber doch eh so: Das sind nur Fragen. Jeder entscheidet nach seiner Facon. Interessant ist die Diskussion, die die unterschiedlichen Herangehensweisen zeigt.

        Gefällt mir

  10. Hach, Kanons und die Barbarei – possierlich, welche Übertreibungen sich da Leute aus gewissen Eigeninteressen einfallen lassen : )

    Ich muss ja gestehen, dass ich es sehr genieße, nicht mehr wie in der Schule oder im Studium aufgrund irgendwelcher Bücherkanons und Leselisten meine Lektüre auswählen zu müssen, sondern ganz für mich entscheiden darf, was ich lesen will. Keine Vorschriften, keine Bevormundung – sehr angenehm.

    Ich wähle ausgehend von meinen Interessen die Bücher aus, dazu kommen Anregungen von Freundinnen und Freunden, immer seltener Rezensionen aus dem Feuilleton, immer öfter Anregungen von Bücherblogs. Da ich auf meinem Blog nur empfehle (nicht gelesen wird ja schon genug), schreibe ich nur über Bücher, die mir besonders gefallen, meinen Horizont erweitert oder mich sonstwie besonders beeindruckt haben (das ist natürlich alles höchst subjektiv, aber so ist ja jede Buchkritik beeinflusst vom persönlichen Geschmack des Kritikers). Und das wären denn auch meine Kriterien: Das Buch muss mich entweder persönlich besonders angesprochen, betroffen oder mitgerissen haben oder meinen Wissensdurst auf besonders interessante Weise gestillt oder mein Auge auf besonders schöne Weise erfreut haben. Bildbände mag ich nämlich auch.

    Gefällt 3 Personen

    1. Stimmt: Das Auge liest mit – und daher gibt es besonders schöne Bücher (nicht nur Bildbände), die einfach auch aufgrund ihrer Verarbeitung anziehend sind. Beispielsweise eben die Bände der Anderen Bibliothek. Allerdings meine ich mit „besonders schön“ damit nicht nur ein auffälliges Cover – von Buchcovern an sich lass ich mich nicht verleiten. Zumal man ja in den Großbuchhandlungen wie Thalia und Hugendubel mittlerweile das Gefühl hat, man wird von schreiend bunten Covern erschlagen…

      Gefällt 1 Person

      1. Das dachte ich mir : ) Ich wollte damit nur sagen, dass mich auch Bücher reizen können, in denen es eher um die Bilder als um die Texte geht. Etwa Bildbände über schöne Bibliotheken oder Dichterhäuser etc.

        Gefällt mir

    1. Schöner Film…und ich hab das Englisch sogar halbwegs gut verstanden, sehr gepflegt…Aber danke für die Warnung. Der Doc hat mir als erste Maßnahme eine Kur auf einer Insel ohne Buchhändel verschrieben, ich hoffe, es klappt bald.

      Gefällt mir

  11. Auswahlkriterien – sehr schwer zu sagen. Kenne ich den Autor und mag ihn, dann muss ich meist zugreifen. Aber da ich ein wirklcih sehr visueller Mensch bin, geht das auch viel über die Buchgestaltung. … und dann gucke ich natürich bei den lieben anderen Bloggern und Bloggerinnen, deren Lesegeschmack meinem ähnelt. Ausserdem habe ich ja noch meine lieben Mitblogger beim Feinen Buchstoff und wenn von einem der üblichen Verdächtigen oort ein Tipp kommt, kann ich gar nicht widerstehen.
    Besprechnungskriterien sind für mich, hat mich das Buch berührt, gefesselt, gut unterhalten. Aber natürlich auch der Schreibstil, die Sprache, die Komposition des Ganzen. Das sind erst mal ganz gut greifbare Eckpfeiler um die herum ich das für mich persönilche in einem Buch einbaue.
    IN meinen persönlcihen Kanon schafft es ein Buch immer, wenn ich mich gut unterhalten fühle – das heißt aber nicht, dass ich es unbedingt lustig brauche. Berühren muss mich der Plot, die Figuren.
    Ja, so ungefähr ist das bei mir 😉
    Und jetzt lese ich mir mal die vielen anderen Kommentare durch. LG Bri

    Gefällt mir

    1. Liebe Bri,
      ich hoffe, die anderen Kommentare waren ebenfalls unterhaltsam 🙂
      Aber damit hast Du auch noch ein bestechendes Argument gebracht – ein Buch sollte immer auch unterhaltend sein (das hat ja nichts mit Seichtigkeit zu tun). Was bringt mir das Lesen, wenn mich dabei Langeweile foltert?
      Was man als unterhaltend oder anregend findet, ist dann eben auch wieder eine Sache des persönlichen Geschmacks.
      Liebe Grüße, Birgit

      Gefällt 1 Person

  12. Ich versuche – auch wenn das nicht immer in dem Maße wie gewünscht gelingen mag – auch Klassiker oder unbekanntere Bücher auf dem Blog auftauchen zu lassen (wie letztes Jahr Melville & Luigi Pirandello). Grundsätzlich entscheide ich mich für das, was mich reizt. Der Houellebecq hat mich gereizt, schon lange vor dem großen Medienecho, schon lange vor diesem Hype. Ich könnte auch keine Grundsatzregeln aufstellen, was ich wann auf keinen Fall lese. Oder dass Hypes mich immer abschrecken. Was mich interessiert, versuche ich zu lesen, ganz unabhängig von Erscheinungsdatum, Hype, Genre oder Autor. Und ich würde mich da auch gar nicht zu sehr durch selbst auferlegte Reglementierungen in meiner Freiheit beschneiden wollen. 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Beim Houellebecq ist „Hype“ sicher auch das falsche Wort – gestern habe ich in „aspekte“ ein sehr interessantes Interview mit ihm gesehen, das Buch reizt mich durchaus auch. Nur – und das ist einfach mein ganz persönliches Ding – ich traue mir derzeit nicht zu, es zu besprechen, weil sich für mich die Ereignisse in Paris dazwischenstellen und für mich einen unbefangenen Blick auf das Buch an sich schwer machen. Ein gemeinsames Lesen, wie Du und einige andere Blogger es derzeit macht, ist ja auch sicher bei diesem Buch – das natürlich ein Sonderfall ist – eine Lösung. Ansonsten, klar: Selbstreglementierung ist „doof“ – ich mach mir ja selbst häufig Vorsätze (jetzt lese ich nur noch das und das), die ich anderntags breche 🙂

      Gefällt mir

  13. Einen persönlichen Kanon? Hm, den habe ich nicht. Ich habe ein paar wenige wirklich zeitlose Bücher gefunden und selbst die würde ich nicht jedem zum Lesen empfehlen. Einen Kanon finde ich vor allem reizvoll als Möglichkeit zur Abgrenzung 😉 Ich habe da vor ein paar Jahren mal ausfühlich drüber nachgedacht.
    (Hier: http://geschichtenzettelkasten.blogspot.de/2012/09/challenge-exkurs-kanon-schweinereien.html)

    Mit folgendem Fazit: „So lange sich niemand durch so etwas die Freude am Lesen verderben lässt, ist mir ein Kanon in letzter Konsequenz herzlich egal.“
    🙂

    Gefällt mir

    1. HERRLICH – der Beitrag und das Fazit. Danke dafür – beim Lesen dachte ich mir: Wie pfiffig, ich glaub mein Schwein pfeift.
      Die Einordnung der bekannteren „Kanons“? Kanonen? sehe ich genau so – MRR, literaturpäbstlich, SZ marketingorientiert etc. Letzten Endes: Es ist der eigene Geschmack, der zählt.

      Gefällt 1 Person

  14. Hm, meine liebe Birgit,
    so viele spannende Fragen. Nun, ich will versuchen, die ein oder andere Antwort zu geben.
    Einen Kanon, den ich versuche abzuarbeiten habe ich nicht. Über einen persönlich zusammengestellten Kanon habe ich noch nicht nachgedacht. Oder doch? Ich habe ja eine Übersicht verfasst, was ich gerne in 2015 aus meinen Regalen lesen würde. Aber das war eine reine Lustlerserinnen-Herzenangelegenheit, diese Auswahl und die darf sich auch verändern. Ich wähle ein Buch aus, weil mir das Cover gefällt, oder weil eine Bloggerin oder ein Blogger darüber spannend berichtet hat. Titel oder der Bekannheitsgrad des Schriftstellers spielen bei mir da weniger eine Rolle. Es gibt zwar Autoren, von denen habe ich fast alle Werke (Ruiz Zafón), aber das ist eher selten der Fall.

    Meine Art Bücher zu sprechen ist wechselhaft und launenabhängig. Mal gebe ich mir da richtig Mühe und schreibe sogar was über den Autor oder den Verlag, dann wieder umreiße ich nur kurz meine Eindrücke. Das hängt ein wenig von der Kraft ab, die übrig bleibt, wenn ich meinen Job und meinen sonstigen Alltag bewerkstelligt habe.

    Grüße aus dem kalten Wald
    Mina

    Gefällt mir

  15. Karen Joy Fowler hat sinngemäß einmal so treffend geschrieben, sie lese, wenn sie Zeit habe. Wenn jedoch ein neues Buch von John Crowley erscheint, nehme sie sich die Zeit.
    Ich persönlich halte es wie die gelassene Petra: Warum sich selbst unter Strom setzen, wenn man doch selbst bestimmen kann, was man lesen will. Daher lese und rezensiere ich nur Bücher, für die ich mir die Zeit nehme. In den meisten Fällen finden diese Bücher wie von selbst zu mir, egal wie jung oder wie alt sie sind.

    Gefällt mir

  16. Ich bin Büchersammler u. Leser seit nahezu 30 Jahren. Ab wann sich das Netz der zu lesenden Bücher verselbständigt, ist schwer zu sagen, allein: dieses Netz gibt es. Ganz am Anfang mag da vielleicht ein Buch sein und man liest hinten drin die weiteren Vorschläge des Verlags. Früher ging es kaum anders. Man nahm auch Verlagsprospekte mit usw. Oder man schaut, was dieser Autor noch so in seinem Werkverzeichnis hat, man liest eventuell die Biographie und entdeckt, was den Autor beeinflusst hat, was er selbst las/liest. Weiter geht’s: man liest Magazine/ Bücher über Literatur. Irgendwann kommt ohnehin der Tag, da weiß man selbst, in welche Richtung man gehen möchte. Die Bücher kommen einfach. was mich interessiert, trage ich in ein Notizbuch ein, denn auch, wenn ich das Buch erst in Jahren lesen würde, besorge ich es mir und sehe es mir oberflächlich an. Zu der Bücherflut sei zu sagen: völlig unerheblich. Das tangiert mich überhaupt nicht, denn es gibt deshalb nicht mehr neue Bücher, die für mich lesenswert sind – und wenn jeden Tag eine Million erscheinen würden, ich habe mein Netz, und das ist lebendig.
    Und die mit Abstand besten Bücher sind meist die vergessenen.

    Gefällt 1 Person

  17. Durchleser und seine ganz persönliche Antworten auf interessante Fragen:

    Wie also lesen?
    Anlesen und Abrechen für langweilige Literatur in jeglicher Hinsicht vor allem besonders auf die Sprache gerichtet.
    Querlesen falls sich das Werk nur mittelmässig sprachlich als auch inhaltlich anfühlt und aus professionellen Gründen.
    Durchlesen bei grosser Anziehungskraft und daraus entstehender Neugierde.
    Durchblättern bei Bildbänden, Story-Sammlungen, Poesie etc.

    Was lesen?
    Nach dem ganz persönlichen Geschmack: viel Französische Literatur, aber auch deutsche, italienische und hin und wieder englisch sprachige Literatur, Gedichte, Erzählungen, Kunstbücher, Biographien, ausgewählte Kriminalliteratur und viele Klassiker. Und unabhängig von Büchern eine Menge von Tageszeitungen und Zeitschriften!

    Nach welchen Kriterien auswählen?
    Lieblingsautoren, ausgewählter Sprachstil, ganz wichtig Bücher höchstens bis zu 300 Seiten (es gibt hin und wieder Ausnahmen), Themen wie Lesen, Kunst, Musik, Philosophie, Frankreich, Paris, raffinierte und schwierige Beziehungen, Gesellschaftskritik, etc. …

    Und vor allem auch: Nach welchen Kriterien bewerten und besprechen?
    Weder bewerten, noch besprechen – höchstens empfehlen und nur dann, wenn der echte literarische Begeisterungsfunke übergesprungen ist und ein Gefühl aufkommt, dieses Buch könnte vielleicht auch bzw. sollte unbedingt noch andere Menschen begeistern. Man gibt dadurch einen Hinweis für teilweise eher unbekannte Autoren und Werke, die es lohnt entdeckt zu werden. Oder aber auch ein ganz neuer Blickwinkel auf ein Buch, das viele andere bereits kennen und ganz unterschiedlich wahrgenommen haben, kann ein Anlass sein neu und anders zu empfehlen.

    Letztendlich geht es nur um Lese-Genuss und unendlicher Lese- und Empfehlungs-Freiheit!

    Und wer bei Durchleser im Kanon sitzt ist ganz einfach: Marcel Proust!
    Ja und wer dazu noch Platz finden möchte, tut sich schwer. Somit sind die anderen Plätze im Kanon nie immer gleich besetzt, sondern sie wechseln, je nach Stimmung, Interesse und natürlich im Hinblick darauf, was Marcel Proust darüber denkt…!

    In diesem Sinne literarische Grüsse, Durchleserin

    Gefällt mir

  18. Stilistische Brillanz schadet auf keinen Fall – falls das Thema auch noch lehrreich oder unterhaltsam ist, ist der Fall eigentlich gebongt. Besprechen tue ich aber auch die weniger genehmen Sachen, gibt ja auch genügend davon. viele Grüße, Gerhard

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s