#VerschämteLektüren (1): Von Petra von Philea`s Blog

26 Kommentare

Petra von Philea`s Blog hat nicht nur „Leselust & Reisefieber“, sondern auch einen Hang zu Schmonzetten. Was ich gut verstehen kann – denn solche Tränendrüsendrücker sind manchmal einfach nicht nur schön, sondern auch schön notwendig. Und mindestens zwei meiner schlechtesten Lieblingsbücher finden sich auch auf Petras Liste. Also, Taschentücher gezückt und ihren Beitrag genießen:

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Mit dieser literarischen Jugendsünde sind Petra und ich übrigens nicht allein: Über 150 Millionen Angélique-Bücher wurden weltweit verkauft, sagt der deutsche Verlag, der sogar eine Seite für die Fans eingerichtet hat: http://www.randomhouse.de/SPECIAL_zu_Anne_Golon_Angelique/aid13899.rhd

Mit meinem schlechtesten Lieblingsbuch soll ich mich hier outen – das ist gar nicht so einfach. Zum einen weil es mit den Lieblingsbüchern bei mir so eine Sache ist, die sehr stark von meinen aktuellen Interessen abhängt. Was ich einst grandios fand, muss heute nicht mehr zu meinen Lieblingen gehören. Zum anderen ist’s auch schwierig mit dem Begriff schlecht. War das Buch denn wirklich sooo schlecht, wenn ich es mal irgendwann begeistert las? Selbst wenn der Stil unterirdisch war, immerhin war es wohl spannend, unterhaltsam, rührend, was auch immer – das ist ja auch was. Und dann nur ein schlechtestes Lieblingsbuch! Aus der Fülle der Schmonzetten, Vampirserien et al. sehe ich mich außer Stande, mein allerliebstes allerschlechtestes Lieblingsbuch zu wählen. Darum geht es hier gleich um mehrere. Viele davon habe ich als junges Mädchen gelesen, manche erst vor einigen Jahren.

Da wäre zunächst bei den Schmonzetten Angélique von Anne Golon zu nennen. Drei Bände dieser Reihe las ich ab etwa 11 Jahren und war schwer begeistert von der (natürlich) umwerfend schönen Hauptfigur aus verarmtem Adel, die sich zur Zeit König Ludwigs XIV. quer durch die Schichten – äh – amüsierte und allerlei Abenteuer (amouröse und andere) erlebte. Ich las schon damals alles Mögliche und lieh mir oft Bücher von Bekannten meiner Eltern. Die heimischen Regale hatte ich schon – bis auf die Fachliteratur zur Ornithologie – durch. Diese drei Bände fand ich bei unserer Schneiderin, die überhaupt ein Faible fürs Schmonzettige hatte. Übrigens war ich ganz enttäuscht, als ich in Geschichtsbüchern so gar nichts über diese Angélique finden konnte. Ich glaubte, da historische Ereignisse und Personen in den Bänden vorkamen, müsse es auch die Hauptfigur in Wirklichkeit gegeben haben. Gleiches ist mir bei anderen Romanen (Familiensagas, Krimis, Abenteuer- oder Liebesgeschichten) übrigens nie in den Sinn gekommen. Hier war mir vollkommen klar, dass die Figuren erfunden sind. Aber die Vermischung historischer Fakten mit fiktiver Handlung – das Konzept „historischer Roman“ – war mir bis dato unbekannt.

Zu ihrem Foto rät Petra:
Zu ihrem Foto rät Petra: „Wenn du zur Schmonzette greifst, vergiss das Taschentuch nicht!“
Zu sehen ist übrigens Verzaubert von Elisabeth Barbier.

Eine weitere Schmonzette ähnlichen Kalibers, wenn es auch deutlich weniger Liebeleien darin gab, war Verzaubert von Elisabeth Barbier. Das Buch war Teil einer mehrbändigen Familiensaga diverser Frauen, die auf Mogador, dem Familiensitz, lebten, liebten und litten. Die Hauptfigur dieses Bandes hieß Ludivine und war eigentlich ganz flott. Leider war ihr Gatte noch flotter, weswegen sie trotz großer Liebe etc. doch allerlei Herzeleid zu ertragen hatte. Hach.

Mit den Jahren gab es nicht mehr gar so viele Schmonzetten in meinem Leseleben, aber ein paar eben doch. So war ich hingerissen von Love Story, dazu muss man eigentlich nicht mehr viel sagen, nur dass der zweite Teil, er hieß (glaube ich) Olivers Story und handelt von seinem Leben nach dem tragischen Tod seiner Gattin, ziemlich dröge war. In meinen Dreißigern las ich ein Buch von Nicholas Sparks, Wie ein einziger Tag, und war in Tränen aufgelöst. Ich habe es sogar noch, aber es seither nicht mehr gelesen.

Immer mal wieder las (und lese) ich auch gern Vampirromane, von denen es ganz hervorragende gibt. Aber eben auch solche, die sich runterlesen, wie man eine Serie „wegguckt“. Die Romanserie um Sookie Stackhouse von Charlaine Harris wurde denn auch sehr erfolgreich als Fernsehserie namens „True Blood“ verfilmt. Ich las mit großem Vergnügen sieben Bände der Serie, ansehen werde ich mir sicher alle Staffeln.

Apropos ansehen: Auch wenn ich kaum noch Schmonzettiges lese, so bin ich doch immer wieder entzückt von Filmen wie „Notting Hill“ oder „Love Actually“ … Vielleicht bittet Birgit ja noch um ein Film- und Serien-Outing 🙂

Hier geht es zum Blog der Autorin: http://phileablog.wordpress.com/

PS: Wie Petra ganz zurecht anmerkt, ist der Begriff „schlecht“ ein schwieriger. Deshalb habe ich – auch angeregt durch einen Twitterbeitrag – die Serie kurzerhand umbenannt: In #VerschämteLektüren. Trifft es doch besser, oder? So, ich werde jetzt eine Runde Rosamunde Pilcher lesen. Jetzt ist es raus. Und die Zeit der Scham hat ein Ende 🙂

26 comments on “#VerschämteLektüren (1): Von Petra von Philea`s Blog”

  1. Liebe Petra,
    hab Dank für den tollen Beitrag…Angélique ist derzeit, glaube ich, sogar wieder im Fernsehen zu sehen (Tele 5). Dennoch: Mit Film-Schmonzetten fangen wir hier besser nicht an…das nähme ja kein Ende :-).
    Dass Du die Ornithologie ignoriert hast, wird übrigens Jonathan Franzen nicht gefallen. Aber er liest hier leider auch nicht regelmäßig mit 🙂

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  2. Liebe Petra,
    ja, auch ich habe Angélique als junges Mädchen gelesen und konnte gar nicht mehr aufhören. Ich hatte es vergessen und du hast mir eine schöne Erinnerung wieder geschenkt, danke!
    Filme, die so richtig an die Tränendrüse drücken, mag ich auch sehr! Dazu sitze ich im halbdunkeln alleine mit einer Packung Taschentücher im Bett und geniese das Heulen in vollen Zügen. Leider habe ich dazu immer weniger Gelegenheit. Bei Blue Jasmine habe ich zuletzt so richtig geheult aber ich glaube, der Film ist eigentlich schon kein richtiges Rührstück mehr.
    Liebe Grüße an dich und an Birgit (eine tolle Idee) sendet
    Susanne

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    1. Liebe Susanne,
      mit der Angélique werden bei einigen Mädchen-Erinnerungen wach. Meine Eltern hatten die komplette Sammlung, die war mir aber „verboten“. Das erhöhte natürlich den Anreiz, sie dennoch zu lesen.
      Blue Jasemine habe ich leider noch nicht gesehen. Der letzte Heulfilm bei mir ist allerdings gar nicht lange her – das war so ein Zufall, verregneter Sonntagnachmittag, keine Leselust, Glotze an: Richard Gere und ein Hund. Herrchen stirbt, Hund wartet jahrelang bis zu seinem eigenen Ton am Bahnhof auf sein Herrchen. Oh mann, ich hab geflennt wie ein Schloßhund 🙂

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  3. ich habe Angelique auch unter der Bettdecke gelesen, wie übrigens auch die 3 Bände Trotzkopf, sie waren von Mutter verboten, aber für mich 10/11jährige sooo spannend! und manchmal muss ich sogar noch an das eine und andere denken, so viel zu Schmonzetten ;), aktuell habe ich nichts hinzuzufügen- danke dir und herzliche Grüsse
    Ulli

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    1. Liebe Ulli,
      ja, die Angélique…die hatte schon was 🙂
      Ich musste so schmunzeln, als ich vor zwei, drei Jahren meine pubertierende Nichte mit den alten Büchern meiner Eltern sah – offensichtlich werden diese Schmöker immer noch von heranwachsenden Mädchen gelesen 🙂

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  4. Gwen Bristows „Kaifornische Symphonie“, hach. Phyllis Gordon Demarests „Das Herenhaus am Yadkin“ und Ähnliches. Meine Eltern waren Mitglieder des Bertelsmann Buchclubs. Ihre Bücherschränkchen habe ich geplündert. Weg von den Schmonzetten führten mich drei Bücher: Harper Lee „Wer die Nachtigall stört“; Mary McCarthy „Die Clique“; John Cleland „Fanny Hill“. Wobei letzteres großen Eindruck auf mich machte und mich auf die Suche nach weiteren erotischen Schmankerln gehen ließ. Erst die Lektüre von „Anna Karenina“ hat mich wieder auf den Pfad der Tugend geführt 🙂 Oh Leseblume Jugend …….

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    1. Bertelsmann Buchclub – die Wurzel der literarischen Sünden 🙂 Hatten meine Eltern auch (nebst Büchergilde, und daher meine ich denn doch die Angélique-Gesamtausgabe eher zu Bertelsmann verorten zu müssen). Fanny Hill hatte ich neulich mal wieder in der Hand, aber zur Seite gelegt: Was vorbei ist, ist vorbei. Soviel zur Leserjugend 🙂

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  5. Hat dies auf Philea's Blog rebloggt und kommentierte:
    Kommen wir nun mal zu etwas völlig anderem: Birgit von Sätze & Schätze rief dazu auf, dass wir uns mit unseren schlechtesten Lieblingsbüchern outen sollten. Da konnte ich nicht widerstehen und durfte sogar den Reigen von #verschämteLektüren eröffnen. Ich hoffe, ich bleibe nicht die Einzige, die sich outet …

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  6. Angélique gehört anscheinend zur Allgemeinbildung für Teenies (ja, ich auch!). Frank Yerby (den muss man nicht kennen, glaube ich) hat zwei Schmonzetten geschrieben, deren Titel mir nicht mehr einfallen. Gwen Bristow sagt mir auch noch etwas, außerdem liebten meine Freundinnen und ich in der 8. Klasse die „Claudine“-Bände von Colette. Aus letzteren kann ich heute noch zitieren, der restliche Schund hat mich, wenn ich ehrlich bin, eher gelangweilt.

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      1. Ups, so war das auch nicht gemeint…NIEMALS NICHT würde ich Bram Stoker und Anne Rice unter Schund&Schande einordnen. War nur meine Assoziation beim Stichwort „Vampirroman“ – da kenne ich außer den beiden Romanen nichts, völlig unbeleckt…äh…ungebissen 🙂 Oh, die Sonne kommt – muss in meinen Sarg !

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